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Währenddessen…irgendwo im Universum: ein Mann steht früh auf

Ich bin einem so außergewöhnlichen menschlichen Wesen begegnet, das möchte ich euch nicht vorenthalten. Auf der US-Website Business Insider berichtet Filipe Castro Matos von einem seiner größten life hacks (in etwa: fundamentale Umstellung der Lebensweise). Ist er Veganer geworden? Vater vielleicht? Nein. Der Mann ist 21 Tage lang jeden Morgen 4:30 Uhr aufgestanden. Jeden Morgen! 4:30 Uhr! 21 Tage lang! Ich weiß, ich weiß, ich habe den Mund auch nicht mehr zubekommen.

Ein bahnbrechendes Experiment

Wieso macht man so etwas Wahnsinniges? Wieso besteigt man nicht einfach den Mount Everest wie andere normale Menschen, wenn man seine Grenzen austesten will? Weil es hier um mehr ging als die eigenen Grenzen. Deshalb wird dieses außergewöhnliche Experiment auch in einem Online-Businessportal unter Strategie beschrieben.

In 21 Tagen nämlich kann man eine neue Lebensgewohnheit einüben. Und die neue Lebensgewohnheit ist frühes Aufstehen zur Leistungssteigerung. Auch das deutsche Manager Magazin berichtete schon einmal über Experimente mit der eigenen Weckzeit zwecks Leistungssteigerung (im Manager-Fitness-Special).

Da halten wir mal kurz inne & überlegen. Zunächst ist die Idee natürlich wirklich bahnbrechend. Früh aufstehen. Man möchte dem Autor zurufen: Das macht der Müllmann, der deinen Müll heute Morgen weggebracht hat auch. Dein Busfahrer. Und die Krankenschwester. Und sogar Menschen, die du wahrscheinlich wahrnimmst, wie die freundliche Verkäuferin, die dir den Morgen-Latte reicht (alle Berufe natürlich auch vom jeweils anderen Geschlecht ausführbar).

Es ist eine verrückte Welt. Sogar Menschen ohne Job stehen sehr früh auf. Mütter und Väter, die zu Hause bleiben zum Beispiel. Manchmal gar über Jahre hinweg.

Aber hier geht es ja im Manager, also um erfolgreiche, reflektierte Menschen, die nicht von den schnöden Gegebenheiten ihrer Umwelt gezwungen werden früh aufzustehen, sondern dies aus freien Stücken tun. Zur eigenen Selbstoptimierung.

Ganze 2 Stunden

Was ist nun das Fazit des Frühaufstehers?

  • Hart war es, sehr hart.
  • Aber da muss man durch.
  • Die Gesellschaft ist faul, aber da sollte man nicht mitmachen.
  • Der Körper braucht nicht mehr als 6 Stunden Schlaf die Nacht.
  • „Ja, aber“-Sager (lies: Neider) und andere Hindernisse sind aus dem Weg zu räumen.

Dann winkt am Ende die Belohnung. Und die Frage, was macht er mit der gewonnenen Zeit? Einen Roman schreiben, versonnen der aufgehenden Sonne zuschauen, jeden Morgen die Zeitung lesen? Die Antwort ist: More working hours (also mehr Zeit für Lohnarbeit). Ganze 2 Stunden gewann der Autor so jeden Tag & startete mit einer leeren Inbox seines E-Mailaccounts & einem durchgeplanten Tag in den eigentlichen Arbeitstag. Um das körperlich durchzustehen, muss man übrigens eventuell ein bisschen mehr Sport machen (was demnach auch nicht unter Hobby fällt sondern zweckgebunden ist).

Klar, da kann man eigentlich nur lachen. Mich gruselt es aber auch. Der Artikel ist eine Anekdote. Aber auch Ausdruck einer fehlgeleiteten Wettbewerbs- und Arbeitsideologie, in der sich beruflicher Wert (meistens gleichgesetzt mit Selbstwert) über die Zeit definiert, die man gewillt ist zu investieren. Viel zu oft ist die unterschwellige Annahme, wenn man weniger tut, will man eben nicht so richtig & ist nicht voll engagiert. Das wird zum Nachteil von allen, die nicht 40 Stunden ++ arbeiten wollen oder können. Viel zu häufig sind das allein die Frauen. Und die Höchstgrenze an Stunden ist immer nur eine, so lange jemand anders sie nicht durchbricht.

Ja, aber…

Mich erinnert dieses Experiment an Unternehmensberater, die konkurrieren, wer am wenigsten geschlafen hat, um das große Projekt voranzubringen. Und trotzdem nachts an der Bar und morgens im Hotelfitnessstudio sein müssen. An den Chef, der einer aus der Elternzeit wiedergekehrten Kollegin, die vom nichtschlafenden Kleinkind berichtet, lächelnd erklärt, er habe noch nie im Leben viel geschlafen wegen der Arbeit. An Manager, die als Hobby Marathon, Triathlon oder Radrennen angeben – während die Frau einen beruflichen Umzug nach dem nächsten plant.

Ihr merkt schon, so ganz kann ich Mann-Frau hier nicht rauslassen. Über allem schwebt sowieso das Problem, dass nur Lohnarbeit echte Arbeit ist und alles andere (Kinder versorgen, Pflege, Ehrenamt…) nur Arbeit zweiter Klasse. Dann fällt es umso schwerer, letzteres aufzuwerten.

Und für die Firmen ist es natürlich bequem, wenn Arbeitnehmer sich – am Besten noch so selbstverständlich wie im Artikel – selbst optimieren. Oft genug ist diese Kultur männlich. Nicht, weil Männer sich lieber selbst ausbeuten, sondern weil genau das über Jahrzehnte eingeübt wurde. Der Mann seht voll und ganz zur Verfügung und im besten Fall hält ihm eine Frau den Rücken frei. Das Modell hält nicht mehr, wenn beide im Arbeitsmarkt voll zur Verfügung stehen müssen (und wollen, weil die Arbeitskultur kaum andere Modi zulässt). Das Modell kann auf der Geschlechterebene umgedreht werden (erfolgreiche Frau & Mann, der die Dinge am Laufen hält). Ich kenne auch ein gleichgeschlechtliches Paar wo mit den Kindern die gleiche Diskussion einsetzte. Ändert aber nichts am Problem.

Schade nämlich, dass  Vereinbarkeit oft nur als Herumschrauben am Status Quo diskutiert wird. Hier ein Rädchen mehr Elternzeit, hier eine Umdrehung mehr flexible Arbeitsmodelle. Viel zu selten kommt die Frage auf, ob die eingeübte Arbeitskultur generell vielleicht das Problem ist. Weil sich die Ansprüche dieser Kultur, die wir schon viel zu sehr verinnerlicht haben, eigentlich gar nicht realisieren lassen, wenn man nicht selbst dahinter zurücktreten will. Unvereinbar ist dies oft mit eigenen Interessen außerhalb der Arbeit, mit langen Zeitspannen, die für etwas anderes da sind & nicht nur für „Erholung von…“.  Das gilt für Menschen ohne Kinder oder andere soziale Verpflichtungen genauso (Partner, Kümmern um Angehörige) genauso. Und tut allen nicht gut.

Wir bräuchten wohl ein komplettes Umdenken, einen radikalen Wandel. Ein entspanntes Zurückstellen des Weckers sozusagen.

Der kleine Unterschied…beim Trinken

Seit einiger Zeit erklärt James Franco den Frauen dieser Welt, warum sie sexy sind. Da bin ich ein wenig parteiisch, zum einen wegen James Franco & zum anderen, weil ich gegen Komplimente per se nichts habe. Er macht das natürlich nicht einfach so, sondern als Werbung für Coca-Cola light (Coke light).

Sexy…wer?

Die ist laut Kampagne für alle, die echt sexy sind. Was unterscheidet Cola light von normaler Cola? Na klar, keine Kalorien. Das führt zu Plakatierungen wie dieser, in den sozialen Netzwerken bereits in der vergangenen Woche mehrfach geteilt wurde.

Foto via @FemInsist

Foto via @FemInsist

Da dämmert es einem schon. Unten mag noch für alle stehen, aber oben steht girls. Sind also irgendwie die Frauen gemeint. (Dem Wortsinn nach sogar eigentlich nur Mädchen.)  Für die sind die Getränke ohne Kalorien, oder?

Keine Kalorien vs. Fußball

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn es gibt auch noch Coke zero. Und was ist jetzt der Unterschied zu Coke light, denn beide sind ohne Kalorien? Das scheint auch den Endverbraucher ein wenig zu verwirren, so dass es beim Hersteller selbst dazu eine Frageseite  gibt. Hier kann man den Test machen, welche Cola am besten zu einem passt. Eines muss man ihnen lassen, sie halten nicht hinter dem Berg. Bei Fragen wie diesen, weiß man schnell: light für die Frau & zero für den Mann.

www.coca-cola-deutschland.de

www.coca-cola-deutschland.de

Während James Franco kommentiert, was an der Frau sexy ist, können Männer bei der zero-Variante Videos aus ihrem Leben hochladen, die dann vom Sportkommentator kommentiert werden. Der kommentiert im Spot auch wie Manuel Neuer den Kühlschrank einräumt (Oh – voll am Klischee vorbei).

Denn bei den Männern gibt es – 3x dürft ihr raten – nicht sexyness, nein, Fußball natürlich! Die Dosen sind mit Fußballclubs bedruckt. Auf der Website wird dazu aufgefordert, Schnappschüsse von sich mit der Dose einzureichen.

Bei der Frauenvariante kann ich meinen Namen eingeben & bekomme von James erzählt, wie toll ich in hohen Schuhen aussehe. Mag er recht haben, aber mal ehrlich, ist doch unnötig. Männer brauchen nicht auch noch ein Getränk ohne Kalorien. Und interessieren sich auch nicht nur für Fußball. Von der sexy Frauenmasche ganz zu schweigen.

Im Hinterkopf bei mir immer die Frage: Was ist eigentlich aus der silbrigen Diet Coke Dose (siehe oben)  geworden & für wen ist die? Die Grube hatte man sich nämlich selbst gegraben. Als Coke zero 2005 bzw. 2006 in Deutschland auf den Markt kam, gab es Coke light schon eine Weile. Vermarktet als kalorienarmes Getränk für Frauen only. (Wir erinnern uns an die 90er und den Getränkelieferanten ohne Hemd im Werbespot.) Wäre sicher schwer gewesen mit dieser Markenbotschaft auch noch die Männer einzufangen.

Rosa-Blau für Große

Und natürlich ist Gendermarketing für Erwachsene genauso ein Trend wie bei Kindern. Immer frei nach dem Motto – zwei Geschlechter, doppelter Umsatz. Damit ist nicht nur gemeint, dass Autoreifenwerbung sich an Männer richtet und Anti-Aging Cremes an Frauen. Sondern die Tatsache, dass ein und dasselbe Produkt, in anderer Aufmachung & mit anderer Werbebotschaft an beide Geschlechter verkauft wird. Meistens ist die Frauenversion dann nicht nur irgendwas mit pink oder lila und/oder verspielten Schriften sondern auch noch kleiner in der Packungsgröße. Oder genauso groß, aber teurer.

Da bleibt bei mir dann nur noch diese Frage: Coca-Cola, habt ihr das zu Ende gedacht? Wieso kosten light und zero eigentlich das Gleiche?

PS: Ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass in der Colawelt auch eine Frau Coke zero trinken darf…um dann zum Mann zu werden.

Foto: „Diet-Coke-Can“ von Evan-Amos – Eigenes Werk. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Diet-Coke-Can.jpg#mediaviewer/File:Diet-Coke-Can.jpg

 

Husch, husch ins Körbchen… – BHs und das Ende der Unterschiede

Die Geschichte des BHs ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Zum Beispiel haben Feministinnen nie welche verbrannt.  Und dann natürlich die immanenten Gefahren dieses so unscheinbar wirkenden Kleidungsstücks. Bekommt man davon Brustkrebs? Sind zu enge BHs schuld an meinem Haarausfall? Das Problem der falschen BH-Größe scheint sowieso eines, was ständiger Aufklärung bedarf. Trotz fast monatlich alarmierender Meldungen, kriegen Frauen es einfach nicht auf die Reihe und kaufen ständig zu kleine Größen. Wenn man der Berichterstattung Glauben schenken darf. Nicht zu vergessen, das Frauenzeitschrift-Paradoxon: Kauft man jetzt sexy Unterwäsche für den Partner oder für sich selbst?

Einer für alle?

Ein Missverständnis scheint mir aber persönlich das hartnäckigste. BHs unterstützen nämlich nicht die Brust. Denn weibliche Brüste sind vielfältig und kommen in allen Formen vor, wie das Fotoprojekt Bare Reality gerade zeigt.  Heutige BHs machen aus ihnen aber nur eine einheitliche Variante. Ziemlich ähnliche Größe, rund wie ein Fußball und möglichst weit oben. Das liegt natürlich daran, dass man heute nichtgepolsterte Varianten fast nur noch in Läden findet, die vom Altersdurchschnitt weit über dem eigenen liegen.

Gepolstert sind heute auch Sport-BHs und – wie ich kürzlich bei H&M feststellen musste – Still-BHs. Denn, sind wir mal ehrlich, das ist doch genau die Lebensphase, in der man Wonderbrabrüste haben will, weil man sich so unglaublich sexy fühlt, oder? Zumindest ist es die Phase, wo die Brüse wahrscheinlich am wenigstens Polsterung brauchen, weil sie schon von sich aus gut gefüllt sind. Aber das nur am Rande.

Die allgegenwärtige Polsterung – die sich bereits auf BHs für 10jährige ausweitet – führt zu absurden Forenbeiträgen wie diesem, in dem Mütter diskutieren, wieso BHs für ihre pre-pubertären Töchter gepolstert sein könnten. (Spoiler: Zum Schutz der noch jungen Brust war meine Lieblingsantwort). Die richtige wäre übrigens wegen gefährlicher Übersexualisierung des Kindesalters. Fällt einem aber nur selten ein, weil die Seh- und Tragegewohnheiten kaum noch andere Varianten außer das Schalentier zulassen. Wer sich einmal testen will, kann Fotos aus den 50ern und 60ern anschauen und überlegen, ob er angesichts der spitzen Brüste nicht kurz ins Grübeln kommt.

Wer hat’s erfunden?

Richtig wider der Vernunft wird es, wenn man überlegt, wie der BH überhaupt in die Welt trat. Mary Phelps Jacob erfand ihn 1910. Für die Kämpferin für Frauenrechte folgte hier eines aufs andere. Ihre Geschlechtsgenossinnen waren nämlich zum größten Teil bewegungsunfähig in Korsetts aus so bequemen Materialien wie Fischgebein eingeschnürt. Der BH versprach Befreiung vom genormten Aussehen & ein neues Gefühl für den eigenen Körper.

Wie so oft, machten den Profit dann nach dem ersten Weltkrieg andere, Mary hatte ihr Patent inzwischen verkauft. Die Zeit war in den 20ern mit neuem Kleidungsstil und Garçon-Haarschnitt wahrscheinlich auch reifer für neue Unterwäsche. Es ging also einmal um Freiheit für die Brust, was wegen der Materialien (noch keine Schaumstoffisolierung) auch Freiheit für Formen bedeutete. Seit den 90ern macht der Push-up Effekt das Wonderbra das alles platt, äh, prall. Und natürliche Brustformen sieht man nur noch beim FKK.

Ziemlich schade, schon wieder dieses Genorme auf eine Brustform, ein Aussehen für Frauen, hätte Mary Phelps Jacob sicher gedacht.

Kein Make-Up heute, ich spiele eine Charakterrolle

Jennifer Aniston hat einen neuen Film. Cake war auf dem Toronto Film Festival und erscheint bald in den USA. Die Berichterstattung geht immer ähnlich & zwar ungefähr so: Jennifer Aniston hat einen neuen Film. Hier zeigt sie, dass sie eine vielseitige Schauspielerin ist. Sie beweist Mut zur Hässlichkeit. Die sonst so glamouröse & perfekte Aniston spielt eine Medikamentenabhängige komplett mit aschfahler Haut & fettigen Haaren. Applaus!

Substanz ungleich Schönheit

Everybody’s darling also, um deren Seelenzustand wir uns unlängst nach der erneuten Hochzeit des Ex-Mannes Gedanken machten, wechselt ins Charakterfach. Mal abgesehen davon, dass romantische Komödien vielleicht auch nicht so leicht zu spielen sind, kommt mir das Ganze sehr bekannt vor. Euch auch? Genau, die Liste ist lang: Halle Berry in Monster’s Ball, Charlize Theron in Monster, Cameron Diaz in Being John Malkovitch, Mariah Carey in Precious. Bei einer richtigen Rolle, in einem Film mit Tiefgang, im Charakterfach, sollte eine Schauspielerin den oben beschworenen Mut zur Hässlichkeit beweisen. Dann winkt auch gern ein Oscar.

Hollywood & seine Frauen

Im März diesen Jahres ging eine Studie durch die Medien. Man hatte sich 2300 Hollywoodrollen in den 100 kommerziell erfolgreichsten Filmen von 2013 angeschaut. 30% aller Sprechrollen waren mit Frauen besetzt. Die Hälfte davon waren Hauptfiguren. Die Zahlen haben sich seit 1940 damit kaum verändert.

Das Gleiche gilt auch für Rollen hinter den Kulissen. Frauen machen überproportional häufig Make-Up, Ausstattung & Kostüme. Als Regisseurinnen & Drehbuchautorinnen findet man sie seltener als Männer. Es gibt also per se ein Ungleichgewicht.

Und dann gibt es scheinbar diese Schönheit-Art der Rolle Beziehung.

Mut zur Hässlichkeit

Der klassische Artikelaufbau schöne-Schauspielerin-mal-nicht-nur-schön-in-einem-wichtigen-Film nimmt teilweise groteske Züge an. Salma Hayek als Frida Kahlo und Nicole Kidmans angeklebte Nase in The Hours als Virginia Woolf finden sich ebenfalls in Fotogalerien zu Schauspielerinnen mit Mut zur Hässlichkeit. Frida Kahlo & Virginia Woolf waren keine unattraktiven Frauen – aber nach Meinung der Autoren offensichtlich kein Hollywoodmaterial. Allein die Formulierung verwundert. Was heißt hier Mut? Dass es Mut bedarf sich zu zeigen,wenn man nicht dem gängigen Ideal entspricht? 

Sogar Komödien lässt sich mehr Tiefe verleihen, wenn die Schauspielerin mutig genug ist zuzunehmen (Was dann wenig subtil mit verminderter Attraktivität gleichgesetzt wird. ). Siehe René Zellweger als Bridget Jones, die für alle Filme Gewichtsjojo spielte & immer zur Premiere wieder hollywoodschlank war. „Richtige“ Rollen müssen wohl mindestens ein wenig unglamourös sein.

Wenn es mutig ist, hässlich zu sein, dann heißt das im Umkehrschluss, das Schauspielerinnen normalerweise von ihrem Aussehen leben. Und nicht etwa von ihrer Schauspielkunst, oder? Die Botschaft: Qualifikation ist weniger wert als Attraktivität. Oder eine nach den jeweiligen Normen perfekt aussehende Schauspielerin kann es sich eher leisten, schlecht zu spielen?       

Und schließlich, da Schönheit nicht nur in Hollywood vergänglich ist, wie lange darf man als Frau in Filmen auftreten?

Noch wichtiger aber: Was sagt es eigentlich über Hollywoods Sicht auf Frauenleben & Frauenthemen? Dass Frauen in Ausnahmesituationen unattraktiv sind? Wenn dich eine Lebenskrise ereilt, wirst du zwangsläufig hässlich? Nur wessen Leben wie eine rosarote Plüschkomödie ist, der kann konventionell attraktiv sein?

Raus aus der Schublade – Rein in die Schublade

Schauspielerinnen werden auf ihr Aussehen reduziert und in bestimmte Schubladen gesteckt: das süße Mädchen von nebenan (Sandra Bullock) oder die lustige Sexbombe (Cameron Diaz)… Es bedarf sicher Mut, hieraus auszubrechen. Nicht umsonst werden die hässlichen Charakterrollen oft erst gespielt, wenn man sich schon etabliert hat.

Wie allgegenwärtig das Schönheitsideal ist, zeigt gerade die Tatsache, dass die Chancen auf einen Preis ungleich größer scheinen, wenn man etwas „Tiefgründiges“ versucht, indem die Optik eigentlich zurücktreten sollte. Lächerlich wird es, wenn der Film dann damit promoted wird, dass die Schauspielerin einmal anders aussieht. Die vielgepriesene Wandlungsfähigkeit, die schauspielerische Qualität ausmachen soll, besteht dann für Frauenrollen doch wieder nur aus zwei Typen: Und beide werden nach Optik bewertet.

 

Rosa Kindertrauer

Es ist etwas passiert, was mich nachdenklich macht. Aber bevor ich zu der eigentlichen Geschichte komme, eine kleine Rede vorab.

Nicht schon wieder rosa!

Gendermarketing macht mir schlechte Laune. Wann immer ich etwas „nur für Jungen“ & „nur für Mädchen“ sehe, regt sich meine innere Revoluzzerin. Das war schon so, bevor ich Mutter wurde. In der Gender Studies Einführung habe ich mit der Verblüffung einer 19jährigen festgestellt, dass es naturgegeben nicht gibt (Ihr wisst schon, damals als wir in der Höhle lebten).

Eine Zuordnung von Spielzeug, Esswaren & Kleidung nach Geschlecht hat einfach den wunderbaren Effekt, dass die Leute alles 2x kaufen müssen. Weil das Produkt für Mädchen, so wird suggeriert, für Jungen ungeeignet ist.  Man würde zwangsläufig in die Kategorie schlechte Eltern fallen, wenn man seinem Kind nicht die angemessenere Förderung, das „Passende“ zur Verfügung stellt. Und wenn man es tut, fühlt man sich vielleicht auch noch ein bisschen besser als andere Eltern. Das ist sowieso ein Topos der Elternkonsumindustrie (Chinesischfrüherziehung und so.) Deshalb kommt das Ganze auch auf, als der Konsum geboren wird & den Kinderschuhen entwächst. Ganz ganz frühe Anfänge im viktorianischen England und dann nach den Weltkriegen im Amerika der 50er Jahre (Mad Man). So zumindest meine Erinnerung. Auch die Farben waren interessanterweise vorher komplett umgedreht. Disneys Klassiker Peter Pan ist das beste Beispiel: Wendy trägt hellblau & ihr Bruder rosa. Was nur zeigt, wie willkürlich das Ganze ist.

Wenn man selbst ein Kind hat, trifft einen alles mit noch größerer Härte. Als das Kind noch im Wagen lag, habe ich im Supermarkt gern rosa Überraschungseier zerdrückt. Bis es, inzwischen ein bisschen gewachsen, meine Sünde der Kassiererin beichtete.

Ich versuche, den rosa Anteil im Kleiderschrank klein zu halten. Mich gegen alles Prinzessinen-rosa-süße-Kümmer-& Versorgungsspiel zu wehren. Ich finde Pink Stinks gut & fave bei Let Toys be Toys & SocImages. Aber man kommt nicht darum herum. Man lebt in keiner Blase, schon gar nicht in einer ohne Geschenke von anderen an das Kind.

Eine Geschichte…

Und hier kommt die Geschichte.

Tag I: Morgens beim Anziehen: „Bitte nicht komplett in rosa!“.

Tag I später: Das Kind will ein rosa Überraschungsei. Nun ist man beim Einkaufen mit Kleinkind generell selten tiefen entspannt. Dazu kam meine tief verwurzelte Abneigung. Ich machte sehr deutlich, dass es SOWAS nicht gibt.

Tag I noch etwas später: Im Zeitschriftenladen will das Kind ein Playmobil-Magazin. Ich habe es nicht mehr richtig im Kopf, aber der Titel sagte etwas mit IT-Girls & Hollywood. Die Figur, die es dazu gab (die sowieso neuerdings alle Unterwäsche mit angedeuteten Brüsten tragen) hatte einen Minirock, Handtasche & Perlenkette zum Wechseln dabei. „Nein, leg das weg.“ schnarrte ich. Das Kind starrte mich an. Ich erwartete den üblichen Trotzanfall, aber es blickte stumm zu Boden. Da beschlich es mich bereits, aber es sollte noch bis zum nächsten Morgen dauern.

Tag II: Das Kind hat vor einiger Zeit von lieber Verwandtschaft einen Plüschhund bekommen. Der Plüschhund sieht aus wie der von Paris Hilton. Er steckt in einer rosa Handtasche mit rosa Decke. Er trägt ein pinkes Kleidchen mit weißen Punkten. Das Kleid ist mit schwarzer Spitze abgesetzt, der Hund hat ein Halsband mit Spitze & Nieten. Er sieht aus, als würde er nebenher als Domina arbeiten.

Das Kind liebt den Hund mit der Innigkeit und Unberechenbarkeit mit der nur Kinder Kuscheltiere lieben können. Ich habe es versucht zu unterbinden. Der Hund wanderte in immer neue Spielzeugkisten, er war ziemlich oft nicht auffindbar (Huch). Die emotionalen Bande wurden nur noch stärker. Einige Zeit konnte ich durch Ablenkungsmanöver verhindern, dass er mit uns das Haus verlässt.

Heute sollte der Hund mit in die Kita. Ich habe versucht ihn in der Wohnung zu lassen. Plan B war ihn im Auto zu behalten (Der Hund will mit Mama ins Büro.). Bloß nicht mit in die Kita, bloß nicht!

Als wir die Kita mit Hund betraten, fing ich sofort an zu erklären: „Nur ein Geschenk, finde ich auch ganz schrecklich, blabla…“. Dann schaute ich zu meinem Kind. Es  hatte Tränen in den Augen und blickte auf den Hund.

In diesem Moment brach mein Herz. Der Blick vom Vortag hatte sich intensiviert und ich konnte ihn deuten. Es war Trauer. Rosa Kindertrauer. Das Kind wusste, dass ich etwas zutiefst ablehnte, was es selbst zutiefst liebte. Es war wie mit der Zeitschrift. Das war ihre Zeitschrift, die wollte sie gern haben & Mama mochte sie nicht – in ihrer Kinderlogik mochte Mama sie vielleicht jetzt auch ein kleines bisschen weniger.

Und jetzt?

Das Ganze hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Ich habe hin und her überlegt, ob ich diesen Post schreiben soll. Ich will nicht die sein, die ich sonst kritisiere. Die, die sagen: „Regt euch nicht so auf, habt euch nicht so.“ Die, die „ABER“ sagen, weil es um scheinbare Nebensächlichkeiten geht. Weil die Kinder es doch so wollen.

Aber ich denke über mich nach. Ich versuche in so vielen Dingen, eine entspannte Mutter zu sein. Tue Dinge, die in alten Erziehungsmustern undenkbar gewesen wären. Ich glaube, da bin ich keine Ausnahme. Heute muss kaum einer den Teller aufessen, wenn er nicht mag oder pünktlich um sechs ins Bett. Wieso bin ich gerade in diesem Punkt nicht ruhiger?

Ich weiß es. Ich will alles richtig machen. Ich will, dass mein Kind glücklich wird. Ich will nicht, dass mein Kind, dass einmal eine Frau sein wird, mit Limitierungen aufwächst. Ich möchte, dass sie selbst entscheidet, was sie wird. Dass sie selbstbewusst durchs Leben geht ohne sinnlose Geschlechternormen im Unterbewusstsein. (Interessant wie ich vom „es“ zum „sie wechsle, wenn ich über mein älteres Kind schreibe, oder? Fällt mir gerade beim 2.Lesen auf, lasse ich jetzt bewusst so.)

Wieso denke ich, dass die Playmobilzeitung all diese Pläne zunichte macht? Sollte ich nicht viel mehr darauf vertrauen, dass sie von mir erzogen wird, die sich all dessen bewusst ist? Die Bauarbeiter & Lego so selbstverständlich spielt wie Puppen. Die ihr viel häufiger sagt, dass sie mutig ist statt, dass sie süß aussieht. Sollte ich nicht viel mehr in mir ruhen, weil ihr Vater das Bad putzt, den Abwasch macht & kocht. Weil wir versuchen, gleichberechtigt zu teilen?

Wieso ist die Farbe pink mein Schlachtfeld geworden? Ich weiß, dass es wichtig ist, Kritik zu üben. Weil die Teile ein Ganzes ausmachen. Den Hund, so habe ich mir aber geschworen, den muss ich nicht lieben. Aber mein Kind soll den Hund lieben dürfen, ohne dass sie sich zerissen fühlt. Dieser Hund bekommt übrigens gerade auf der Terasse die Plastezange in die Hand, während ich diesen Post schreibe. Kein Witz. Die beiden bauen nämlich ein Fenster in den Blumenkasten.