Alle Artikel mit dem Schlagwort: House of Cards

Im Cocktailkleid zur absoluten Mehrheit – Wie US-Serien Power Dressing neu definieren

Wenn Melanie Griffith im 80er-Jahre-Klassiker Die Waffen der Frauen heraus findet wie man in der Geschäftswelt erfolgreich ist, verändert sich auch ihr Äußeres. Die doppelt-auftoupierten Haare machen Platz für die einfach-auftoupierte Version und ihre Kleidung wandelt sich. Farben werden dezenter, das Sakko größer und die Schulterpolster breit. Businesskleidung der 80er, dem ersten Jahrzehnt, in dem Frauen selbstbewusst und selbstverständlich ihren Platz am Konferenztisch einforderten, versteckte die weibliche Silhouette. (Nun gut, minus lange Beine vielleicht.) Wo beide Geschlechter Gleiches tun wollten, versuchte man Unterschiede auch in der Kleidung zu vermeiden. Und orientierte sich an denen, die zuerst da waren: Männern in Anzügen. In den 90ern folgte auf den Laufstegen die erste Unisex-Kollektion von Jean-Paul Gaultier. Heute sieht der Power Dress erfolgreicher Frauen anders aus.

Hinter dem Bechdel-Test – Noch ein Grund, warum Serien die besseren Filme sind

In Alison Bechdels Comic The Rule von 1985 wollen zwei Frauen ins Kino und überlegen, welchen Film sie schauen wollen. Eine hat eine besondere Regel, wenn es um die Filme geht, die sie sich ansieht: 1.) Sie müssen mindestens zwei weibliche Charaktere enthalten. 2.) Diese müssen miteinander reden. 3.) Und zwar über etwas anderes als Männer. Diese Prinzipien klingen wie das Mindeste, was man erwartet in einer Welt, in der 50% der Konsumentinnen weiblich sind. Die ihre Realität, die nur zu einem erstaunlich geringen Prozentsatz aus ausschließlichen Gesprächen über Männer besteht, vielleicht auch in Filmen wiederfinden wollen. Um den Test zu bestehen, können sich Frauen auf der großen Leinwand schließlich über alles unterhalten. Keine detaillierte Diskussion der Quantenphysik oder philosophische Auseinandersetzung mit Nietzsches Gesamtwerk, fünf Sekunden über Zahnpasta reichen und -zack  – Test bestanden. Im Comic finden die Frauen trotzdem keinen Film und beschließen nach Hause zu gehen, um Popcorn zu essen.

Die Neuvermessung der Zweckehe – Claire Underwood in House of Cards

Über Claire Underwood aus House of Cards wollte ich schon lange schreiben. Der Start der 3. Staffel der Netflix-Serie erinnerte mich wieder daran. Dem ein oder anderen kommt die von Robin Wright gespielte Ehefrau von Francis Underwood vielleicht bekannt vor – als große Liebe von Forrest Gump. Die Rolle in House of Cards könnte kaum unterschiedlicher sein. Claire & Francis Underwood sind tief verstrickt in den amerikanischen Politikbetrieb bis hin zum höchsten Amt. Viel geschrieben wird über Claires eigenen beruflichen Erfolg & ihre Unabhängigkeit. Mit ihrem kühlen, eigentlich wenig emphatischen Charakter, so schreibt man, ist sie bereit, dem eigenen Fortkommen viel zu opfern.  Was hier mitschwingt, ist klar. Die Figur ist anders, neu & unkonventionell – weil sie sich verhält wie ein Mann. Oder wie Macht-Männer im TV dargestellt werden. Auch House of Cards lebt vom grandios-diabolischen Kevin Spacey als Francis, der sich im ureigenen Interesse durchs Leben manövriert.