Alle Artikel mit dem Schlagwort: Feminismus

Diäten und Co.

Ich verrate euch etwas. Als ich im letzten Jahr den Grimme Online Award gewann, konnte ich vor Freude nicht schlafen in der Nacht, die folgte. Ich war unglaublich glücklich und stolz. Am nächsten Tag sah ich ein Bild von mir und Caroline Peters, die mir den Preis überreicht hatte, bei Spiegel Online. Ich schaute auf das Bild und dachte kurz: „Mensch, hast du dicke Oberarme. Und was hast du dir bei der weißen Hose gedacht? Die Caroline Peters hat das richtig gemacht mit dem schwarzen, langärmeligen Overall. Die kennt sich aus, die ist vom Fernsehen. Hättest du mal dran denken können, dass man auf Fotos immer dicker aussieht. Da kriegst du diesen Wahnsinnspreis und dann ausgerechnet in diesem Jahr, kurz nach dem zweiten Kind, wo noch alle Kilos drauf sind.“

Halbnackte selbstbestimmte Frauen in Musikvideos gibt’s jetzt auch in der Mutti-Version

Die Bezeichnung MILF ist mir das erste Mal bei American Pie begegnet, als Stiflers Mom Einzug in die Popkultur hielt. Eine Mom I’d like to fuck, also eine Mutter, mit der ich gern mal würde, ist eine Frau, die es geschafft hat, ihrer biologischen Aufgabe nachzukommen und sich trotzdem ihre – tschuldigung – F***barkeit zu erhalten. Wie wichtig die nicht nur für den eigenen Lustgewinn (Heißt, hässliche Menschen haben keinen Sex.), sondern auch für die gesellschaftliche Position und das berufliche Fortkommen ist, hat Amy Schumer bereits in ihrem Sketch Last F***able Day festgestellt. Nun also Fergie. Die Sängerin, ehemals Mitglied der Black Eyed Peas mit anständiger Solokarriere hinten dran, meldet sich nach ein paar Jahren (War da nicht ein Kind?) mit M.I.L.F. $ zurück. Einer feministischen Hymne, wie ich heute las.

Frauen, erhebt eure Stimme – aber bitte richtig.

Es gibt eine Bibi Blocksberg-Folge, in der eine leicht genervte Barbara Blocksberg Bibis Bruder zuraunt: „Boris, quietsch nicht immer so!“ Frau Blocksberg, die Geschlechterklischees sonst super beherrscht, liegt hier ausnahmsweise falsch. (An dieser Stelle sei die Highlightfolge Ohne Mami geht es nicht, in der Bibis Vater versucht eine Dose Nudelsoße mit der Bohrmaschine zu öffnen, nicht empfohlen.) Frau Blocksberg also, hat die Situation diesmal verkannt. Denn Jungs quietschen eher selten. Mädchen und Frauen dafür umso mehr. Ihre Stimme zu hören, stößt manchen nicht nur metaphorisch auf. Sie ist bereits aufgrund der Tonlage eine Belastung für das männliche Ohr. Es sei denn, es geht um Sex. Da ist man(n) geneigter, Defizite zu ertragen. Als Beischlafgenossin bevorzugt man die hohen Tonlagen und Frauenstimmen werden sogar höher, je näher der Eisprung liegt. Hey, du da, nicht mit dem Kopf schütteln! Alles wissenschaftlich bewiesen. (Vorsicht: Link führt zur BILD.) Während bei uns eher gepiepst wird, wird andernorts geknurrt.

Fahrradgesicht oder Seid einfach keine Idioten (m/w)

Heute ist der Tag der großen Essays. Aber es will mir nicht gelingen. Ich überlege, woran es liegen könnte. Wer sind die Frauen und was wollen sie? Eine Frage, die 1999 n.Chr. schon die große Philosophin Christina Aguilera nur vage stellte: What a girl wants, what a girl needs nanana, lalala, something, hm…Was „was“  ist, bleibt im Dunkeln. Auch wenn wir uns inzwischen vom Sony Discman zum iPhone vorgearbeitet haben, klingt die Frage auch im neuen Jahrtausend noch in den Ohren. Aber das ist es nicht. Frauen mögen keine homogene Masse mit gemeinsamen Wunschzettel sein. Aber es fällt genug ein, was man auf den Forderungskatalog setzen könnte: Sexualstrafrecht, Equal Pay, Care Arbeit, humane Arbeitskultur, steuerliche Förderung von Kindern und nicht der Ehe. Was ich eigentlich schreiben will, hat wahrscheinlich einfach wenig mit Feminismus zu tun. Oder ganz viel.

Ein beinahe Text über den deutschen Mann

Dies könnte ein Text über den deutschen Mann werden. Der deutsche Mann ist mir diese Woche bereits mehrmals begegnet. Er scheint unter immensem Druck zu stehen. Man kann einwenden, dass ich nicht wissen kann, ob es sich bei den Begegnungen tatsächlich um den deutschen Mann handelte. Unter Umständen hat eine heißblütige kasachische Großmutter vor Jahren ihre Spuren in den Genen hinterlassen, die sich nun im Temperament niederschlagen. Aber ich schweife ab. Am Montagmorgen diskutierte der deutsche Mann mit Plänen und Smartphone in der Hand  im Mob in einer Gruppe von Dreien den baulichen Fortschritt des Mietshauses in seinem Rücken. Er versperrte dabei den Bürgersteig, den ich mit Doppelkinderwagen zu nutzen gedachte. Der deutsche Mann sah mich kommen und fixierte mich eine Weile. Als ich vor ihm zum Stehen kam, blickte ich ihn vermutlich genervt an.