Monate: Januar 2017

Christine Hohmann-Dennhardt oder das Feigenblatt

Den Karren richtig gegen die Wand zu fahren, um ihn dann nochmal gegen die Wand zu fahren, wer schafft denn sowas? Na, die Vier-Rad-Profis von Volkswagen, Audi und Co. Die schaffen das. Christine Hohmann-Dennhardt ist auf jeden Fall raus. Ob sie aus dem Wagen gestoßen wurde oder selbst ausgestiegen ist, sich vielleicht sogar, umnebelt von rußigem Dieselqualm, mühsam durch die zusammengeschobenen Blechteile des Wolfsburger Autowracks nach draußen kämpfte – man weiß es nicht. Die ehemalige Bundesverfassungsrichterin war schon die erste Frau im Vorstand von Daimler gewesen (und auch hier für das Aufräumen nach der Korruptionsaffäre zuständig). Bei Volkswagen sollte sie nun auch einmal feucht durchwischen. Und stieg im Januar vor einem Jahr ein, wiederum als einzige Frau im Vorstand. In Krisenzeiten nimmt man eben gern Frauen, vor allem für Compliance und Integrität oder auch mal für Personal. Es sind halt moderne Zeiten, in denen wir leben. 

Bekenntnis einer nicht mehr ganz so anonymen Listenschreiberin

Ich komme aus einer Dynastie von Zettelschreibern. Meine Eltern schreiben beide gern Dinge auf, Listen, notwendige Erledigungen, Tagesinformationen. Ihre Listen traf man überall an, auf dem Block neben dem Telefon, auf hastig herausgerissenen Zetteln, in Notizbüchern, auf Druckerpapier. Sie hingen mit Tesa am Kühlschrank. Allerdings war es nie chaotisch. Schließlich handelte es sich um Listen. Sie waren immer schön geschrieben und sogar, wenn meine Mutter etwas durchstrich, sah es elegant aus, eine perfekte, gerade Linie. Das Listenschreiben liegt also vermutlich in meinen Genen. Wenn ich morgens aufstehe, nehme ich mir einen Stift und Papier.

Kommt, kommt und kauft mehr Farbe

Es ist erst ein paar Dekaden her, da sparte ich sehr lange auf CK One. Weil CK One einfach das Coolste war und ich es natürlich unbedingt haben musste. Dazu trug auch die Ästhetik der Werbung bei – minimalistisch, schwarz-weiß und Kate Moss. Vor CK One hatte ich nur nach Vanilla Kisses gerochen, dem Deo der 90er. Vanilla Kisses kostete damals laut Internet 4 Mark, CK One 40 Mark. Ich trug also irgendwann stolz mein Geld zu Douglas und hielt die ersehnte Flasche in meinen Händen. Zuhause angekommen sprühte ich mich sofort damit ein – und wollte eigentlich wieder zu Vanilla Kisses wechseln. Wenn ich ehrlich zu mir selbst gewesen wäre, hätte ich CK One wohl zurück bringen müssen, denn es gefiel mir nicht. (Heute kann ich das übrigens nur noch durch akute pubertäre Geruchsverwirrung erklären.) Aber ich behielt es, weil es cool und teuer war. Und weil etwas, was so teuer war, ja auch automatisch irgendwie exklusiv und erstrebenswert und selbstverständlich gut sein musste.

Gastbeitrag: Meine facebook-Freundin

Viele Artikel wurden zu dieser Studie geschrieben. Der, die herausgefunden haben will, dass uns das Betrachten anderer Leben im Netz unglücklich macht.  Die Argumentationskette scheint logisch. Die Meisten posten eben häufiger Sonnenuntergänge und das eigene lachende Gesicht als Tränen, perfekte Leben also. Und wir fühlen uns klein. Unsere Reaktionen auf Postings scheint aber auch auf anderer Ebene beinahe automatisiert: Wir vergleichen, wir bewerten, wir beneiden, wir verdammen. Umso mehr habe ich mich über diesen Gastbeitrag von Julia gefreut. Weil er ehrlich ist und eine Brücke schlägt, wo wir sonst immer gleich zu wissen glauben, wo der Graben verläuft. Bevor ihr los lest, sei euch noch Julias wunderbarer eigener Blog (ebenso wie ihre anderen Onlineaktivitäten) aufs Wärmste empfohlen. Mit klugen, manchmal fast poetischen Texten – und immer mit einem emphatischen Blick auf die Welt. 

Wir lassen uns das Singen nicht verbieten

Heute war so. Heute war grau. Heute war ein Tag, wie man die Tage nicht gern hätte. Heute war ein Tag, an dessen Ende ich als grundsätzlich positiver Mensch viel lieber an den nächsten Tag denke, als an die vergangenen Stunden. Weil ich es aber doch tue, also noch einmal an den heutigen Tag zu denken, fällt mir etwas auf. Heute war es wieder sehr laut. Aber gut laut. Melodiös laut. Ich habe in den Untiefen meines CD-Regals alte Schätze gehoben. Und während ich durch die Wohnung lief und 90er-Jahre-Klassiker schmettere (darunter die heilige Dreifaltigkeit von Un-Break My Heart/Toni – Vision of Love/Mariah– I Have Nothing/God bless you, Whitney), bemerkte ich, dass ich nicht nur Eins-A textsicher war.