Hallo zweites Buch! Wie „Freundinnen: Die andere große Liebe – nur besser“ entstand

Es ist Zeit für einen Blogpost, mein neues Buch ist da. Es heißt „Freundinnen“ und es ist anders als das erste Buch. Zumindest hat es in seiner Entstehung ein paar Metamorphosen durchlaufen. Gestern sagte jemand, ich sollte vielleicht nicht so sehr betonen, dass es anders ist als das erste Buch. Man hofft schließlich, die gleichen Leserinnen wieder zu begeistern. Tatsächlich sage ich das wohl, weil ich wirklich glücklich bin, etwas geschrieben zu haben, was mir noch mehr entspricht als die „Problemzonen“. Schon dort hatte ich hier und da persönliche Anekdoten eingeflochten. Nun habe ich mir erlaubt, mich ganz auf meine Geschichten zu konzentrieren und Studien und Wissenswertes in kleine „Wissenskästen“ außerhalb dieser gepackt. Und das war wirklich schön, zum ersten Mal nur Geschichten zu erzählen.

Dieses Buch nahm in einer Zeit Gestalt an, in der in meinem Leben viel passierte. Schicksalsschlag könnte man es nennen, eine Krise. Etwas, das die Dinge in Frage stellt: Prioritäten, eingeschlagene Wege, Zukunftsvorstellungen. Im Buch erzähle ich noch mehr dazu. Parallel zu den Ereignissen las ich viele Memoiren und von persönlichen Geschichten inspirierte Bücher. Vielleicht, weil man unbewusst eben auf andere und in ihre Leben schaut, wenn man eine Richtung sucht. Es gab schon einmal eine Zeit vor einem Jahrzehnt, da habe ich viele Sachbücher und Memoiren gelesen und kaum Belletristik. Jetzt fand ich zu diesem Teil meines Bücherschrankes zurück und machte dort weiter. Ich las Viv Albertine, Padma Lakshmi, Nora Ephron, Matt Haig, Tara Westover oder Dolly Alderton. Die sieht das mit der Liebe und der Freundschaft übrigens genauso wie ich und wer ihr Buch kennt, wird auch die Idee mit den Sätzen, die Lebensabschnitte bezeichnen, wiedererkennen.

Bei dieser Lektüre, während der ich noch gar nicht an ein zweites Buch dachte, überlegte ich immer mehr, dass wir eigentlich nur über Geschichten, über Episoden, über Bruchstücke der Erinnerung etwas voneinander und über uns erfahren. Wenn ich frage: „Wie war deine Kindheit?“, dann bekomme ich eine andere Antwort als wenn ich frage „Wer hat dir die Zähne geputzt, wer hat dir vorgelesen, deine Haare geflochten?“.

Am Anfang dieses Buches stand ein diffuses Gefühl. Weil ich mich selbst oft ärgerte, oft genervt dastand und dachte „Oh Mann, Menschen.“ Das machte mich traurig. Ich fand, dass wir unsere Unterschiede sehr deutlich betonen und unser „Ich“ und seine Bedürfnisse gern nach vorn stellen. Dass wir Menschen schnell aussieben, als „toxisch“ bezeichnen und für Verhaltensweisen anderer fixe Diagnosen haben. Dabei sind es oft nicht die Menschen an sich, die uns verärgern, sondern die Umstände. Unser schnelles, vollgepacktes Leben, welches uns so wenig Zeit bietet, durchzuatmen und uns einzulassen, für andere da zu sein und nicht nur uns selbst schnell wieder zusammenzuflicken, damit es am nächsten Tag weitergehen kann. So scheint es manchmal die einfachere Lösung, uns zu entfernen, Beziehungen zu beenden oder einschlafen zu lassen. Dabei zeigen so viele Studien, dass es nicht nur gesunde Ernährung und Bewegung sind, die uns gesund halten, sondern vor allem Beziehungen. Von Zufriedenheit und dem ominösen Glück ganz zu schweigen.

Ich habe in meiner Krise erlebt, wie schön es ist, wenn Menschen zu einem stehen und ich habe oft gedacht, was für eine wunderbare Erfahrung. Sie hat mir geholfen, mich zu trauen, genau das zu schreiben. Ich wollte ein Buch schreiben, das euch über meine Geschichten an eure eigenen Freundschaften und Beziehungen erinnert. Eines, das Mut macht, ihnen mehr Zeit zu schenken, zu vergeben und neue Chancen für Freundschaften anzunehmen. Nicht, weil sie Konten sind, auf die wir einzahlen und die dann eine bestimmte Rendite bringen. Nicht weil sie Versicherungen gegen die Einsamkeit wären, sondern, weil sie uns in all ihren Phasen zu Menschen machen und unser Leben lebenswert. Weil ich glaube, dass es in uns liegt, über den Blick der anderen erst wirklich zu existieren.

Lohnt es sich überhaupt Freundschaften zu schließen, wenn manche so böse auseinander gehen, habe ich mich manchmal während des Schreibens gefragt. Ja, würde ich immer sagen. Weil nach dem Schmerz oder neben dem Schmerz immer etwas bleibt. Es ist nie alles weg, nie alles zerstört. Man hat immer etwas voneinander und über sich selbst mitgenommen. Das ist wie mit der Liebe. Die meisten entscheiden sich auch nach dem größten Herzschmerz irgendwann weiterzulieben. Und da ist sie schon, die Sache mit der Liebe und mit dem Untertitel des Buches. Denn der Liebe billigen wir mehr Auf und Abs zu, so zumindest mein Eindruck. Sie gehört ja zum Leben irgendwie dazu. Bei Freundschaften sind wir schneller gewillt, sie hinten an zu stellen. Gerade, wenn sie der Liebe im Weg stehen. Dabei sind sie genauso nährend, erfüllend und wertvoll, die andere große Liebe eben. Wenn wir in sie investieren. Darum ging es mir mit diesem Buch. Nicht nur unsere Individualität zu feiern – denn manchmal haben wir vergessen, überhaupt noch jemanden zum Feiern einzuladen – sondern sich wieder darauf zu besinnen, wie wesentlich unsere Freundschaften sind, genauso wesentlich wie unsere Liebesbeziehungen. Sie zu erhalten heißt auch, nett zu sein, da zu sein, auch wenn einem nicht einhundertprozentig danach ist.

Es ist viel Herz in dieses Buch geflossen, viel Zeit sowieso. Ich wünsche ihm, dass es seine Leserinnen findet und dass es Mut und Lust auf andere Menschen macht. Auf die kleinen und großen Glückmomente mit ihnen genauso wie auf die Talfahrten. Ein wenig mehr „wir“ kann uns allen nur gut tun.

Mehr Infos zum Buch gibt es hier.

Foto: The New York Times photo archive, via their online store, here (via Wikicommons)