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Warum ich Gilmore Girls vermisse…

Nachdem ich mir mal wieder jetzige Fernsehserien angesehen habe und die DVD-Kollektion der Serie wieder fand, fiel mir auf, wir sehr ich Gilmore Girls vermisse. Die Serie lief von 2000 bis 2007. Die ersten Folgen habe ich vor Jahren auf VOX gesehen & dann immer weiter geschaut. Die letzte Staffel dann fast parallel zur US-Ausstrahlung bei youtube. (Wann könnte jemand – Zeitverschiebung mit eingerechnet – die neueste Folge eingestellt haben?)

Die Gilmore Girls sind Mutter Lorelai & Tochter Rory Gilmore, altersmäßig nur 16 Jahre auseinander, die sich gemeinsam durchs Leben schlagen.

Außerdem geht es noch um:

Bücher

Rory, die zu Beginn der Serie 13 oder 14 ist, könnte man als niedliches Mädchen bezeichnen. Sie ist klein & lange, braune Haare umrahmen ihre Rehaugen. Rory ist sehr klug. Ihr größter Wunsch ist es nach Harvard zu kommen. (Schließlich studiert sie in Yale). Rory hat ständig Bücher unter dem Arm, sie ist eine Leseratte. Rory ist nicht die leicht verhuschte, kluge Freundin der Hauptfigur in einer Teenagerserie. Sie ist die Hauptfigur. Ihre beste Freundin Lane ist auch nicht die coolste, bestangezogenste 14jährige der Highschool. Ihre spätere College-Freundin Paris ebenso wenig. Es geht um Bands, in denen man spielt & um den Traum, Journalistin zu werden. An den Orten, an denen sich die drei bewegen, gibt es nicht mal die Coolen. Oder anders. Es wird sie geben. Aber sie spielen bei Gilmore Girls keine Rolle. Weil sie Rory & ihre Freundinnen nicht interessieren.

Und das Beste: Sie sind klug UND witzig, verletzlich & sehr liebenswert.

Kaffee & Essen

Die Leichtigkeit, mit der Lorelai ihre Tochter literweise Kaffee trinken lässt, ist ein Meilenstein der Fernseh- & Erziehungsgeschichte. Und wenn ich genau darüber nachdenke, wahrscheinlich unterbewusster Ursprung meiner eigenen Koffeinabhängigkeit.

Trotz der Tatsache, dass Lorelai Kochverweigerin ist (was die beiden ständig in Lukes Diner führt & ihn zu einer Hauptfigur macht), wird in der Serie viel gegessen. Zumindest fällt mir das jetzt auf. Die beiden scheinen ständig Hunger zu haben. Mag daran liegen, dass heute nicht mehr so richtig gegessen wird bzw. süßes oder ungesundes Essen so zelebriert wird (Schau, wir essen was.), dass es einem bitter aufstößt. Die Gilmore Girls essen einfach so. Mehrmals am Tag. Worauf sie Lust haben. Ohne drüber zu reden. Wie erfrischend.

Telefone & Frauenfreundschaften

Beim erneuten Schauen wurde mir auch bewusst, wie viel man offensichtlich telefoniert haben muss in der Zeit vor What’s App und Mails auf dem Smartphone. Am Festnetz. Außerdem sind die Figuren so gut wie nie im Internet. Das kann nur heißen, dass die Serie sehr alt sein muss.

Was aber nie aus der Mode kommt, sind Frauenfreundschaften. Ohne Klischees & große Männerstreitigkeiten. Natürlich geht es bei Gilmore Girls auch um Männer & Frauen. Schließlich begleiten wir Rory durch die Pubertät. Aber irgendwie mit erstaunlich wenig Drama. Klar, nichts ist schlimmer als gebrochene Herzen, auch hier. Aber gebrochene & geheilte Herzen sind eben auch nicht alles.

Kleinstädte

Die Serie spielt in der Kleinstadt Stars HollowWahrscheinlich kann die Faszination für Stars Hollow nur nachvollziehen, wer selbst in einer Kleinstadt (oder gar in einem Dorf) aufgewachsen ist & weiß, wie wenig Kleinstädte & Dörfer Stars Hollow gleichen. Die Stadt hat so viele liebevoll gezeichnete Charaktere mit wunderbaren Dialogen, dass man sich ein paar Spin-Offs der Serie mit ihnen wünscht. Und für eine Kleinstadt hat sie auch noch eine erstaunliche Diversität.

Ach, liebe Fernsehgötter, mag es die Herbst- & Couchnostalgie sein…aber so etwas hätte ich jetzt gern wieder.

 

Ungefragte Kommentare zum Äußeren – Teil 321: Renée Zellwegers Gesicht

Wenn es nichts über Gewicht, falsche Kleiderwahl oder nichtvorhandene Babybäuche zu berichten gibt, dann widmet sich die einschlägige Presse (BUNTE, Gala &  STERN bis zur Süddeutschen) sowie die TV-Landschaft gern investigativen Vor- & Nachher-Vergleichen von Gesichtern. Auch hier lassen sich tolle Bildstrecken draus machen, die nebenbei noch gut für die Klickraten sind (neben dem hohen Nachrichtenwert).

So geschehen mit Renée Zellweger, die bei den Elle Women in Hollywood Awards erschien. Die BILD nennt den Auftritt „gruselig“, andere begeben sich natürlich nicht auf dieses Niveau und schreiben einfach, sie kam mit neuem Gesicht. Der häufigste gebrachte Vergleich – in Presse, TV & im Netz: Sie sieht nicht mehr aus wie Bridget JonesBridget Jones ist 13 Jahre her. 13 Jahre. Und war eine Rolle.

Schönheitsoperationen kann man kritisieren, sollte man sogar. Wenn der Europachef von Botox sagt, dass man die Frauen noch erziehen müsse. Wenn am Kurfürstendamm Schaufenster von Botox-to-go künden. Natürlich ist das Ausdruck von fehlgeleiteten Schönheitsidealen. Es geht um Frauenkörper, bei denen, in Ermangelung verschwindender Gängeltaktiken (gleiches Gehalt wollen sie & in die Vorstände auch), das Korsett der Optik immer enger wird.

Und wer abwinkt, das sei eine amerikanische Marotte der sogenannten Stars, der sollte kurz darüber nachdenken, dass komplettes Waxen des Intimbereiches in den 80ern und 90ern noch Pornodarstellern vorbehalten war. Heute diskutiert man in der Mädchen (Zielgruppe 11 bis 17 Jahre) darüber.

Die Entscheidung, etwas mit ihrem Gesicht zu machen, ist Renée Zellwegers Entscheidung. Wenn sie es getan hat. Ähnlich wie bei einigen Kommentaren zum Social Freezing,  kann man dies aber nicht nur unter dem Aspekt der Selbstbestimmung abhaken (Frauen wüssten schon, was sie tun & bräuchten keine guten Ratschläge) Das funktioniert nur, wenn Frauen tatsächlich frei von Normierung & Idealen agieren könnten. Können sie aber nicht – weder beim Kinderwunsch noch bei der Optik.

Ähnlich wie beim Social Freezing sind übrigens auch Schönheitsoperationen keine risikolose & ungefährliche Angelegenheit, wie das Beitragsfoto suggeriert. Und einen Gedanken darf man daran verschwenden, dass Frauen in anderen Bereichen vor sich selbst & ihren ureigenen Entscheidungen, die ihren eigenen Körper betreffen, zu schützen sind. (Bei der Pille danach sind wir zum Beispiel nicht in der Lage, einen Beipackzettel zu lesen). Aber hier im Namen der Schönheit, regt sich kein Zeigefinger.

Alles kritikwürdig. Aber wird diese Kritik geäußert? Oder wird beklagt, dass eine Frau nicht mehr aussieht wie vor 13 Jahren? Ist man dann nicht Teil der Industrie, die man kritisiert? Und mal ganz ehrlich. Wieso stellen alle den Bridget Jones – Vergleich an? War das vielleicht einer ihrer letzten erfolgreichen Filme, weil Frauen in Hollywood eine nur sehr kurze Halbwertzeit haben?

Die Veranstaltung, auf der Renée Zellweger auftrat, war übrigens die gleiche, auf der Jennifer Garner über Sexismus in Hollywood sprach. Auch darüber wurde berichtet. Aber in keinem mir bekannten Kommentare über beides zusammen. Keine Pointe.

PS: Renee Zellweger hat heute selbst zu den Berichten Stellung genommen. Übersetzt: Mir geht’s gut, danke der Nachfrage, aber geht euch nichts an.

Foto: shutterstock/Sheftsoff

„Einmal Zeit, bitte.“ – „In normal oder qualitätsoptimiert?“

In der ZEIT gab es vergangene Woche ein Gespräch mit Frauen aus dem Netzwerk Working Moms. Es ging um die nicht wirklich neue Frage: Kann man beruflich sehr erfolgreich & eine gute Mutter sein?

Ich könnte jetzt darüber schreiben, dass der Großteil der Frauen das Ernährermodell einfach umgedreht hat. Sprich, der Vater flexibilisiert seinen Job nach den Bedürfnissen der Kinder. („Wenn Mütter bei mir anrufen, weil es um irgendwelche Verabredungen für Spielnachmittage (…) geht, rufen die genau einmal an…(…) weil ich Ihnen sage, wenden Sie sich bitte an meinen Mann!“). Für die Arbeitswelt ist das natürlich ungemein praktisch, weil sich so richtig nichts ändern muss. Es gibt eine(n) Ernährer(in) & jemanden, der die Familie am Laufen hält. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Jede sollte ihr Leben so gestalten, wie sie mag. Ich erwarte nicht von diesen Frauen, dass sie gesellschaftliche Strukturen im Alleingang „von oben“ aufbrechen. Oder anders formuliert: Ich wünsche mir eigentlich von Karrieremännern wie Karrierefrauen, dass sie sagen: „Telefonkonferenz um 20 Uhr, geht’s noch?“

Aber jetzt bin ich ein wenig abgeschweift & schon wieder beim Thema Kinder. Eigentlich schreibe ich nämlich, weil mir in dem Interview eine Passage begegnet ist, die etwas beschreibt, was häufig meinen Weg kreuzt. Bei Menschen mit Kindern und ohne.

Es geht um Zeit. Von der haben wir sowieso immer alle zu wenig. Aber neuerdings gibt es Zeit auch noch in zwei Qualitätsstufen. In neu & verbessert heißt das quality time. Das Konzept ist immer das Gleiche, ob es nun um Zeit mit Kindern, dem Partner oder Freunden geht. Es geht darum, die wenige Zeit, die man hat, „intensiv zu nutzen“, „ganz beim anderen zu sein“ oder „auch wirklich anwesend zu sein“. Ich habe das Gefühl, diese Sätze höre ich in letzter Zeit ständig. Von Paaren, die Fernbeziehungen führen, von Freundinnen, die sich endlich mal wieder sehen müssen oder eben von Eltern, wenn es um Zeit mit den Kindern geht.

3 Sachen finde ich an diesem Dogma der Selbst- und Fremdoptimierung besonders schlimm:

1. Auf Knopfdruck geht nicht

Ich bin selbst genauso. Wenn man jemanden zu wenig sieht & das schlechte Gewissen sich langsam Bahn bricht, dann steigen die Ansprüche an die Zeit, die man miteinander verbringt. Beispiel Fernbeziehung. Akribisch werden die Wochenenden geplant, ein Highlight jagt das nächste. Damit man sich am Sonntag im Zug ein bisschen weniger schlecht fühlt.

Das Problem dabei. Auf Knopfdruck funktionieren Menschen nicht. Nähe & Intimität lässt sich schwer nach Plan herstellen. Kinder sind da eigentlich ein schönes Beispiel. Die lange geplanten Attraktionen bleiben oft weniger im Kopf als der spontane Herbstspaziergang durch raschelndes Laub.

Menschen brauchen auch einfach Zeit zum Warmlaufen. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen. Selbst wenn man einander vertraut ist. Eine Freundin von mir fährt regelmäßig den verhassten Weg zur Schwiegermutter im Auto mit, weil ihr Freund „dann ins Reden kommt“. Ohne Ablenkung, ohne Smartphone & ohne, dass die große & tiefe Unterhaltung geplant war.

2. Wie Äpfel mit Druckstellen

Zwangsläufig entsteht in dieser Zeitbetrachtung ein Gegensatzpaar. Es gibt die falsch genutzte Zeit, die irgendwie nicht an die eigenen Erwartungen heranreicht – wie Äpfel mit Druckstellen. Am Horizont glänzt das Versprechen der 1A-Ware Zeit, die alles wieder aufwiegt. Die so süß schmeckt, dass ein Biss schon ausreicht, um zufrieden zu sein. So dass man gar nicht den ganzen Apfel essen muss. Aber, wenn ich es nicht schaffe, genau diesen Apfel zu finden, dann mache ICH irgendwas falsch. Das macht Stress. Unzufriedenheit. Und Konkurrenz. Um wieder auf das Interview zurückzukommen. Wenn ich betone, dass ich die wenige Zeit mit meinen Kindern intensiv nutze, impliziere ich auch, dass Eltern, die täglich länger bei ihren Kindern sind, nicht das ganze Potential der gemeinsamen Stunden ausschöpfen.

Und am Wichtigsten: Mit dem Fokus auf mich selbst, sind die eigentlichen Zeiträuber aus der Verantwortung heraus.

3. Zu wenig ist zu wenig ist zu wenig

Denn: Zu wenig Zeit ist eben einfach zu wenig Zeit. Die Idee, dass es gut & schlecht genutzte Zeit gibt, ist manchmal hilfreich, wenn man erinnert wird, sich wirklich auf den anderen zu konzentrieren. Das Handy beiseite zu legen und nicht während der Unterhaltung in die Zeitung zu schielen. Aber auch diese Strategien gründen ja eigentlich in dem Gefühl, nie für alles genug Zeit zu haben. Sicher, eine gewisse Unzufriedenheit wird hier immer bleiben.

Ich finde trotzdem: Gerade im Hinblick auf die Arbeitswelt & die Frage: Wie wollen wir eigentlich leben?, sollten wir uns mehr trauen zu sagen: Ich brauche mehr Zeit. Das, was jetzt noch für mich & die Personen, die mir wichtig sind heraus kommt, reicht nicht aus. Anstatt erstmal mit der eigenen Qualitätsoptimierung zu beginnen. Ein bisschen wie bei Momo & den grauen Herren. Ist die Zeit erst einmal weg, bekommt man sie nur schwer zurück. Sie ist störrisch, man kann sie nicht beliebig konzentrieren oder strecken. Und freiwillig wird einem selten mehr zugestanden.

Die frierenden Eizellen von Facebook & Apple

Gestern erfuhren wir: Im Facebook & Apple Mitarbeiterhimmel gibt es nicht nur einen Süßwarenladen, Fahrräder für alle & den hauseigenen Frisör. Die beiden Firmen bezahlen ihren Mitarbeiterinnen anscheinend auch das Einfrieren ihrer Eizellen. Unter anderem berichtete die Süddeutsche über dieses Social Freezing: Das kostspielige Verfahren zu übernehmen ist in der IT und Tech-Branche, die unter Frauenmangel leidet, keine schlechte Idee, um die hochqualifizierten Mitarbeiterinnen zu binden.

Da liegt bereits das erste Problem. Kinder in die Karriere einzupassen, sie zum „besten“ Zeitpunkt zu bekommen, ist also allein Frauensache. Ganz davon abgesehen, dass es den perfekten Zeitpunkt für Kinder sowieso nicht gibt, heißt das doch: Wer die Möglichkeit hat, genau zu planen, der Biologie sozusagen ein Schnippchen zu schlagen, der hätte auch keine Probleme mehr mit dem Aufstieg. Als würde nicht die gegenwärtige  Quote vs. Wirtschaft-Diskussion in Deutschland zeigen, dass es tiefer sitzt, dieses Problem mit den Frauen im Job. Und es nicht nur der vielbeschworene (und existente) Mutterknick im Lebenslauf, den es zu umschiffen gilt.

Und was ist überhaupt mit den Frauen, die nicht einfrieren & einfach so Kinder kriegen. Womöglich mitten in einem großen Projekt. Haben die dann alles falsch gemacht & sind am Ende selbst schuld? Oder mit denen, die finden, zur Abwechslung könnte sich auch mal das Berufsleben Veränderungen im Privaten anpassen?

Schöne neue Welt

Aber worum geht es eigentlich? Das Verfahren gibt es erst seit einigen Jahren. Ursprünglich wurde es bei Chemotherapie angewendet. Eizellen werden entnommen und schockgefrostet, lagern so lange die Frau mag (und bezahlen kann) & werden dann eingesetzt, wenn man sie braucht. So einfach ist es. (Eben nicht. Die psychischen & körperlichen Belastungen, denen die Frau ausgesetzt ist, machen es gerade nicht zu einem einfachen Zeitgewinn-To-Go-Erlebnis.)

Was ist das nun? Eine große Revolution ähnlich der Antibabypille, wie eine Gesprächsrunde auf SWR2 im August fragte? Ein Schritt Richtung Gleichberechtigung, weil es Frauen den Zeitdruck nimmt? Weil es sie genauso frei macht wie Männer, die mit der Familienplanung dann beginnen können, wenn es ihnen passt & nicht, wenn ihre Biologie es vorschreibt?

Nicht wirklich, wie man bei SWR2 erfährt. Spätestens ab 50 sind die Risiken einer Schwangerschaft so groß, dass die meisten Reproduktionsmediziner nach diesem magischen Datum vom Einsetzen abraten (auch, wenn sie es nicht vorschreiben). Die meisten Männer haben übrigens – ungeachtet nie enden-wollender Fortpflanzungsmöglichkeiten – ihre Kinderplanung in diesem Alter abgeschlossen.

Als Indiz einer verheißungsvollen neuen Welt wird das Ganze trotzdem gefeiert. Gerade in Amerika berichten seit Jahren auch Frauenmagazine wie Cosmopolitan und Vogue darüber. „Ist Eizellen einfrieren das, was jetzt alle tun?“ fragen sie und finden: „Zeit, sich zu entspannen.“ Die New York Times stöbert Eltern auf, die ihren erwachsenen Töchtern – ohne den Segen eines Jobs bei Facebook oder Apple – die Prozedur bezahlen. Damit die Enkelkinder gesichert sind. Having it all – eben alles im Leben haben zu können, es scheint in greifbarer Nähe.   

Vater? Welcher Vater?

Auch in Deutschland wächst das Interesse, erfährt man in oben genannter Gesprächsrunde. Nun sind Frauen wahrscheinlich tatsächlich in einer Sondersituation. Sie sind früher gezwungen, sich damit zu beschäftigen, dass bestimmte Dinge endlich sind. Und die Zeit des Kinderkriegens fällt zunehmend mit den wichtigen Jahren im Job zusammen. Auch über diese Rush Hour des Lebens wurde schon viel geschrieben. Sie betrifft Männer wie Frauen. Und hier kommen wir zum zweiten Problem. Eigentlich sollte es nicht darum gehen, den perfekten Punkt in der Karriere der Frau zu finden. Sondern im Leben von Vater & Mutter. Oder wollen die Väter die Kinder nicht aufwachsen sehen?

An den verfügbaren Vätern hackt es aber meistens. In Deutschland kommen tatsächlich zum größten Teil beruflich erfolgreiche, akademisch-gebildete Frauen einer bestimmten sozialen Schicht in die Beratung zum Schockfrosten. Diese sind vermehrt Mitte 30, was die Erfolgsquoten bereits drückt. Und haben oft keinen Partner. Dann geht es nicht nur um Karriere, sondern auch um die Tatsache, dass man als beruflich erfolgreiche Frau zusätzlich schwer vermittelbar ist. Antiquierte Rollenbilder lassen grüßen.

Eiszeit oder Tauwetter

Und genau diese Rollenbilder & gesellschaftlichen Korsetts sind das grundlegende Problem. Wir machen eben nicht wirklich Platz für Kinder. Wir denken in einem beinahe unauflösbaren Gegensatzpaar. Das heißt Beruf-Kind. Geht irgendwie nicht. Oder nur unter großen Anstrengungen. Oder man muss eben das eine nach dem anderen machen. Oder sich für eines entscheiden.

Social Freezing friert nicht nur Eizellen ein, sondern auch starre Denkweisen. Es legt die Last auf die Frau, die entscheiden soll. Eigentlich bleibt aber nicht viel zu entscheiden, denn die Maxime ist ja unterschwellig: erst der Beruf & dann das Kind. Da schwingt unweigerlich mit, wenn du es schon anders machst, als die Biologie, dann ist das ok. Es gibt auch die Methode dafür. Aber normal ist das nicht.

Deshalb möchte ich keine Eiszeit. Ich hätte lieber Tauwetter. Ein Abschmelzen starrer Vorstellungen. Dass Kinder stören würden & nicht mit beruflicher Erfüllung vereinbar sind. Dafür müssen wir aber die Rahmenbedingungen schaffen. Ja, das ist diese leidige Diskussion um Teilzeitlösungen für beide, passender Fremdbetreuung & Umdenken in Gesellschaft & Unternehmen. Weil selten alte Mauern eingerissen werden, wenn es nicht irgendwie mit den alten Vorstellungen weitergehen könnte, fürchte ich, wir müssen uns entscheiden.

Zwischen Methoden, die das Alte irgendwie passend zu den neuen Gegebenheiten machen wollen oder echtem Wandel. Zwischen Eiszeit und Tauwetter.

Oder wie seht ihr das?

Zu erledigende Aufgaben für die Frau zwischen 14 und 49*

…ermittelt anhand der Werbeeinblendungen bei Shopping Queen 

  • Rette Haare mit Schadenlöscher
  • Entfessle die dunkle Seite deiner Wimpern
  • Helle deine Haare um zwei Nuancen auf
  • Dusche singend & lachend bis bunte Blümchen um dich herum erscheinen
  • Lege 24h Feuchtigkeitsdepot für die Haut an
  • Dusche mit geschlossenen Augen und tiefenentspanntem Gesichtsausdruck
  • Iss saure Würmer
  • Trinke Diätpulver
  • Iss den Kindern ihre Schokolade weg
  • Creme gegen Cellulite
  • Entfessle das besondere Kaffeearoma
  • Mach Kaffee mit perfektem Milchschaum
  • Mach Tee
  • Iss Ofenkäse
  • Tanze in frischen Slipeinlagen (Ganz in weiß. In der Südsee.)
  • Finde das perfekte Olivenöl
  • Stell den Spüler an (nur mit dem richtigen Tab)
  • Erwecke die Göttin in dir

* Zielgruppe der oben genannten Sendung