Alle Artikel mit dem Schlagwort: meine bescheidene Meinung

Dürfen die das? – Das ZEIT Magazin für den Mann

Ich habe jetzt doch zugegriffen beim neuen ZEIT Magazin Mann. Chefredakteur Christoph Amend hatte mich zu neugierig gemacht, als er im Deutschlandradio verkündete, er hätte den Verdacht, dass sein Magazin nicht nur von Männern gelesen wird. Sondern auch von Frauen, die sich für Männer interessieren. Zeitgleich wurde das Heft in den Feuilletons – nun, sagen wir mal – von spöttisch bis ironisch besprochen. Auf Twitter machte man sich mit #pimmelzeit lustig. Es wabberte eine Aura aus leicht genervtem Augenverdrehen um das Heft. Muss das sein, noch mehr Stereotype auf Hochglanzzeiten? Oder: Brauchen denn Männer jetzt auch noch eine eigene Zeitschrift? Im besten Fall eine Fashionbibel für Hipster und Vollbartträger, im schlimmsten ein trauriger Auswuchs der „Und was ist mit den Männern?“ – Rufer. Ich war vielleicht ein wenig voreingenommen.

LOL – Willst du mein Gesicht lecken?

Wenn ich nachts wach liege, denke ich manchmal daran, was ich am nächsten Tag kochen könnte. Andere lauschen in die Stille, ob der Wasserhahn tropft oder sorgen sich um ihren Kontostand. Hollywoodschauspieler Ryan Reynolds liegt sicher oft wach und überlegt, warum einige seiner Fans nicht lesen können, obwohl sie so viel schreiben. Wann immer er bei Twitter Einblicke in seinen Alltag – wie, sagen wir mal – „Das Wasser unter der Dusche war heute Morgen sehr kalt.“ gibt, erhält er Antworten, die mit seiner Ursprungsaussage nichts zu tun haben. Die Sache mit dem Wasser kann man auf verschiedenste Art kommentieren, von wohlwollend („Check doch mal den Boiler.“) bis aggressiv („Was bist du denn für eine Lusche, ich dusche immer kalt!“)

Warum ich Bibi Blocksberg trotzdem liebe

Vor Kurzem machte eine Untersuchung zu Kinderhörspielen die Runde. Bibi Blocksberg wurde als langweilige Spießerin enttarnt, die nur das stereotype Familienbild der 80er Jahre verbreitet. Eine Welt, in der Frauen für den Haushalt und Männer für die Entscheidungen zuständig sind.  Im Deutschlandradio-Beitrag sagt einer der Wissenschaftler: „Eigentlich könnten die beiden Frauen Bibi und Barbara Blocksberg alles tun, was sie wollen, sie sind unglaublich mächtig. Aber sie tun nicht, was sie wollen. Es geht ständig darum, sie zu normalisieren.“ Ich habe Bibi Blocksberg – Hörspiele als Kind geliebt und ich liebe sie immer noch. Inzwischen hören wir sie zu zweit. Deshalb – da bin ich ganz ehrlich – trifft es mich, wenn meine Bibi in der VICE als „angepasster Feigling“ beschrieben wird, der sich nur ein „beknacktes Zelt und einen fliegenden Besen“ hext, obwohl sie doch so viel coolere Sachen könnte.

Schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist?

„Tut mir leid, Leute. Ich bin ein bisschen spät. Musste noch meine Mistgabel suchen. Foltern wir noch ein bisschen oder teeren und federn wir gleich?“ – Diesen Kommentar las ich vor einer Weile unter einem Artikel zu Johnny Depp, dem von Amber Heard im Scheidungsverfahren häusliche Gewalt (physisch und psychisch) vorgeworfen wird. Er geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß nicht mehr, ob sich der Kommentar auf Johnny Depp, den vermeintlichen Täter oder Amber Heard, das mutmaßliche Opfer, bezog. Das beschreibt die letzten Tage ganz gut. Inzwischen wurde noch mehr geschrieben – über Johnny Depp, David Garrett und Ashley Youdan, Jacob Applebaum oder Gina-Lisa Lohfink. Bei Opfern scheint es verinnerlichte Ansprüche zu geben, wie ein Opfer auszusehen oder sich zu verhalten hat, um 100% glaubhaft zu sein. Wenn prominente Männer involviert sind, hört man schnell den Verweis auf die Unschuldsvermutung. Das befremdet nicht wenige. Bräuchten heute nicht eher die Opfer eine Unschuldsvermutung?

Bessere Kinder, schlechtere Kinder

Jetzt sind wir alle empört. Natürlich zu Recht. Menschen regen sich über Bilder auf der Kinderschockoladeverpackung auf. Bilder von Kindern, die ihrer Meinung nach nicht deutsch genug aussehen. Kurz vor EM-Start kommt die Scho(c)kolade-Edition mit Kinderfotos der deutschen Nationalspieler. Die dürfen sich zwar bald wieder für Tore bejubeln lassen, aber irgendwie gehören Ilkay und Mesut doch nicht so richtig zu Deutschland. Was stimmt nicht mit denen, die sich aufregen, was ist das für eine Logik? Es gibt doch keine guten und schlechten Kinder!, entzürnen wir uns. Unglaublich das Ganze. Ja, unglaublich. Und doch keine Überraschung. Kinder werden allerorten in bessere und schlechtere Versionen eingeteilt. Wer genau hinhört, bekommt von seiner Umwelt eine Menge Bewertungen geliefert.