Alle Artikel mit dem Schlagwort: Selbstoptimierung

Nicht mal im Schlaf hat man seine Ruhe

Es begab sich aber zu einer Zeit, als ich ziemlich ausgelaugt war, dass ich mich in ein small-talkiges Gespräch mit einem Managementcoach verwickeln ließ. Normalerweise versuche ich diese zu umschiffen, obwohl die meisten sicher nette Menschen sind. Aber Berufsgruppen mit hohen Stundensätzen und dem Zusatz „Coach“ im Namen (Fitness-, Lifestyle-,Karriere-, Glänzendere Haare-,) lösen bei mir leider oft ein kriechendes Unwohlsein aus. Der Auslöser des Gespräches war mein Gähnen in der Kaffeepause. „Guter Schlaf ist ein wichtiger Karrierefaktor.“ kommentierte der Coach, der sich auch gerade neben der Milch aufgebaut hatte.

Warum mich die Fruchtbarkeitsperformance von Beyoncé nervt

Beyoncé hat wieder zugeschlagen. Mit spektakulären Bildern gab sie die zweite Schwangerschaft bekannt. Ihre erste Tochter Blue Ivy ist fast fünf und jetzt kommen die Zwillinge. Die dazugehörigen Fotos, irgendetwas zwischen Kunst und Kitsch, lösten vom Schmunzeln und kleinen Lästereien bis hin zu uneingeschränkten Begeisterungsstürmen so ziemlich alles aus. Inmitten von Blumen findet man den Megastar, mit einem Schleier bedeckt oder im Wasser schwebend. Über allem liegt ein hübscher Filter und selbst das rote Auto, auf dem Beyoncé den Babybauch streichelnd verweilt, wirkt nicht deplatziert inmitten dieser natürlichen Künstlichkeit. Narzisstisch kann man das nennen, aber Bescheidenheit war noch nie eine von Beyoncés Charaktereigenschaften. Und ehrlich: Wieso sollte sie dies auch sein? Angesichts ihrer Erfolge.

Stoppt den Weihnachtsessen-Hass

Es passiert jedes Jahr kurz nach Weihnachten. Es passiert in den sozialen Netzwerken und im realen Leben. Menschen erzählen von ihrem Weihnachtsfest und sie erzählen vom Essen. Sie stöhnen, sie stöhnen sehr laut, sie beschweren sich. Sie sind sich sicher, dass sie bis Silvester eigentlich gar nichts mehr essen müssten. Mindestens. Sie klopfen auf ihre Mini-Bäuchlein und sagen „Heute geht es zum Ultraschall.“ Sie detoxen, sie joggen. Sie sagen: „Jetzt aber wieder auf Linie, jetzt wieder in die Spur.“ Sie meinen, sie haben sich etwas ruiniert: ihre Diät, ihre gesunde Ernährung, ihren sonst von schädlichen Einflüssen freigehaltenen Körper. Ich bin müde, ich kann es nicht mehr hören. Eigentlich wollte ich einen lustigen Post darüber schreiben, wie ich erstmalig nach Weihnachten wieder eine Hose ohne Gummizug anziehe. Aber es hat mir meinen Humor vertrieben. Denn sie ruinieren sich nur eines, ihr vergangenes Weihnachtsfest. Und meines auch.

Sex in Winterwonderland

Die US-Comsopolitan hat eine interessante Geschichte. In den 60er Jahren hatten sich junge Frauen neue Freiräume erkämpft. Sie hatten Jobs, gaben ihr eigenes Geld aus und hatten vorehelichen Sex. Gut, der wurde nicht erst in den 60ern erfunden, aber in Zusammenhang mit wirtschaftlich unabhängigen jungen Frauen war es schon etwas Neues. Immer noch so neu, dass man in der Öffentlichkeit nicht wirklich darüber sprach. 1962 veröffentlichte die Autorin Helen Hurley Brown (Fun Fact: gerade jungverheiratet) das Buch zum Single-Girls-Having-Fun-Phänomen. Es hieß Sex and the Single Girl, wurde ein Bestseller und Helen mit Leserinnenbriefen überschüttet. Zur gleichen Zeit suchte man bei Hearst Verlag eine neue Chefredakteurin für eine Publikation, die man eigentlich schon einstellen wollte.

Seit wann ist Reisen ein Wettbewerb?

Kürzlich führte mich der plötzlich und unerwartet auftretende unbändige Durst des Kindes auf eine der vielen Bierbänke, die im Sommer vor Berliner Hostels stehen. Dort lauschte ich einem Gespräch, welches ungefähr so verlief: „Die Künstlerkolonie in Johannesburg, das war’s. Da wollte ich nie wieder weg.“ – „Südafrika ist mir zu touristisch, usbekisches Hinterland, das war verrückt.“ Dann gesellte sich jemand dazu und fing an, von seinem Backpacking im Jemen zu erzählen (kein Witz). Die Runde verstummte. Er hatte gewonnen.  Es war nicht das erste Mal, dass ich einer solchen Unterhaltung beiwohnte. Es gibt sie auch in der „erwachseneren“ Version mit teureren Destinationen. Wo ich gern angeschaut werde, als würde ich nicht mit Messer und Gabel essen, weil ich noch nie in den USA war. Die Unterhaltung ist immer gleich und sie ist immer ein Wettbewerb. Reisen an sich ist kein Wettbewerb.