Monate: Juni 2016

Nette Jungs bringen’s nicht

In machen Firmen hat man das zweifelhafte Vergnügen zu ausgesuchten Festivitäten seinen Partner mitbringen zu müssen. Ich mag das nicht, denn es führt zu Kaffeeküchengesprächen wie diesem: „Was glaubst du, wer ist bei X der Mann im Haus?“ „Ich glaube, sie sind beide die Mädchen. Das ist so ein Netter.“ Ich habe auch schon mit dem „Du bist nett.“ – Satz irritiert. Er wird gern als Zurückweisung empfunden, als Verbannung in den Nur-Freunde-Status. Letzter Tropfen auf dem bereits erhitzten Stein meiner Überlegungen war das Durchblättern der InStyle Men, die verkündete, dass Frauen keine netten Männer wollen. Aber man(n) trotzdem ein bisschen zuvorkommend sein sollte am Anfang. Dazu später mehr. Nette Menschen haben wir eigentlich alle gern um uns. Gerade diskutieren wir auch wieder sehr laut über Väter, die ja auch Männer sind (habe ich gehört…) und hoffentlich liebevoll und emotional. In der Anbahnungs- und Beschnupperungsphase aber wird gern der Mythos befeuert, sobald ein romantisch-sexuelles Interesse da sei, müsse es andersherum gehen. 

makellosmag und die Taschenverschwörung

Als im Harry Potter-Theaterstück Hermine mit einer dunkelhäutigen Schauspielerin besetzt wurde, folgte ein kleiner Aufruhr in der Fangemeinde. J.K. Rowling konterte souverän, sie hätte nie Hermines Hautfarbe beschrieben – und sich einfach für die beste Schauspielerin entschieden. Eine Sache allerdings ist klar. Harry Potter hätte nie ein Mädchen sein können.  Bevor ihr anfangt, wütende Kommentare zu schreiben. Ich weiß, wie mutig, intelligent und klug weibliche Charaktere sein können. Hermine ist das beste Beispiel, sie trägt die ganze Serie. Und trotzdem führt kein Weg daran vorbei, dass man Harry nur als Jungen beschreiben konnte. Um das zu verstehen, müssen wir uns gar nicht anschauen, wie sein Charakter beschrieben wird. Auch seine blitzförmige Narbe hätte ein Mädchen tragen können. Nein, wir müssen nur etwas tiefer an ihm herunter blicken.

Sind wir fies und gemein wegen Monopoly?

Fragst du dich manchmal, wieso du dich mies verhälst, obwohl du eigentlich ein netter Mensch sein willst? Es könnte daran liegen, dass du in den 90ern Kind warst. Ich hatte zu dieser Zeit eine Freundin und zu dieser Freundin gehörte eine Familie. Die Familie war eigentlich von der entspannten Sorte. Sie verstanden sich gut und räumten abwechselnd die Spülmaschine ein und aus. Meistens war das Leben dort ruhig und alle ziemlich gelassen. Die scheinbare Idylle konnte aber sofort gebrochen werden, denn die Familie hatte eine gemeinsame Abhängigkeit: stunden – ja – tagelanges Monopoly. In einer, nun sagen wir mal, kämpferisch-angespannten Atmosphäre. Ganz egal, wie liebevoll sie unter der Woche miteinander waren, am Freitagabend mutierten sie zu schonungslosen Konkurrent*innen angesichts der unerschöpflichen Möglichkeiten der Geldvermehrung.

Schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist?

„Tut mir leid, Leute. Ich bin ein bisschen spät. Musste noch meine Mistgabel suchen. Foltern wir noch ein bisschen oder teeren und federn wir gleich?“ – Diesen Kommentar las ich vor einer Weile unter einem Artikel zu Johnny Depp, dem von Amber Heard im Scheidungsverfahren häusliche Gewalt (physisch und psychisch) vorgeworfen wird. Er geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß nicht mehr, ob sich der Kommentar auf Johnny Depp, den vermeintlichen Täter oder Amber Heard, das mutmaßliche Opfer, bezog. Das beschreibt die letzten Tage ganz gut. Inzwischen wurde noch mehr geschrieben – über Johnny Depp, David Garrett und Ashley Youdan, Jacob Applebaum oder Gina-Lisa Lohfink. Bei Opfern scheint es verinnerlichte Ansprüche zu geben, wie ein Opfer auszusehen oder sich zu verhalten hat, um 100% glaubhaft zu sein. Wenn prominente Männer involviert sind, hört man schnell den Verweis auf die Unschuldsvermutung. Das befremdet nicht wenige. Bräuchten heute nicht eher die Opfer eine Unschuldsvermutung?

Vorgefertigte Muster brechen ist klasse. – Miss Booleana ist Softwareentwicklerin

Marissa Mayer, erste weibliche Informatikerin bei Google und heutige Vorstandsvorsitzende von Yahoo, erzählt in einem Interview eine Anekdote. In ihrem Kurs an der Standford University war sie die einzige Frau und las in der Unizeitung über „Campustypen“. Der Artikel sprach von der „blonden Frau im Informatikmaster“ und die blonde Mayer überlegte: „Mhm, die müsste ich doch kennen.“ Sie selbst war gemeint. Mayer erzählt die Geschichte, um zu illustrieren, dass sie ihre Sonderstellung nie groß reflektiert hat. Auch Stefanie, die auch auf Miss Booleana bloggt, war in ihrem Jahrgang die einzige Frau in „Angewandte Informatik“. Im Gegensatz zu Marissa Mayer hat mir die heutige Softwareentwicklerin aber ein tolles und sehr reflektiertes Interview über eine Sonderposition gegeben, die eigentlich keine sein sollte.