Alle Artikel in: Kinder & Küche

Daddy’s Girl

In den letzten Tagen ging es medial viel um Väter. Um Väter von Töchtern. Um Väter, die bessere Menschen durch ihre Töchter werden. Diese Töchter machen Männer zu Feministen und setzten vermeintliche Frauenthemen wie den Gender Pay Gap auf politische Agenden. Sie machen empathischer, verständisvoller, liebender, ausgeglichener und verhelfen zu einem klareren Blick auf das Leben und gesellschaftliche Missstände. Mich irritert das – übrigens auch, wenn die Erzählung nur beinhaltet, dass Kinder im Allgemeinen einen Mann erst zu einem gefühlsbetonten Wesen machen.

Ich mag den Muttertag

Morgen werden mich kleine Arme umarmen und mir dicke, feuchte Küsse aufdrücken. Ich werde ein selbstgemachtes Bild von einem Blumenstrauß bekommen. Ganz kleine zusammengeknüllte Seidenpapierkugeln wurden aufgeklebt und bilden den Blumenstrauß. Es sind sehr viele kleine Kugeln. Ich weiß, wie lange das gedauert haben muss, bis aus den Kugeln der Strauß wurde. Und wie ab und zu die Konzentration meines Kindes verloren gegangen sein wird. Aber ich weiß von der Person, die ihr dabei geholfen hat, dass es sich nicht hat ablenken lassen. Weil sie dieses Geschenk für ihre Mama unbedingt fertig machen wollte. Mein Mann wird mir einen Kuss aufdrücken und „Danke“ sagen. Einen Kuss, der ein wenig länger dauert als sonst, wenn der Alltag oft nur Aneinandervorbeigehusche für uns bereithält.

„Keiner will die Dicke kaufen“

Nachdem die Spielzeugfirma Mattel Mitte April ihre Quartalszahlen bekannt gab, war Katerstimmung bei den Investoren angesagt. Der Umsatz ging im ersten Quartal deutlich zurück. Online beim Stern war dazu vor drei Tagen zu lesen „Keiner will die dicke Barbie kaufen – Umsatzeinbruch bei Mattel“. Denn Barbie gibt es seit 2016 in einer „Fashionista“-Reihe in größerer Vielfalt an Haarstyles, Hautfarben und Körperformen. Also, es gibt jetzt auch eine Barbie, die ungefähr der Konfektionsgröße 38 entspricht. Das ist die Dicke. (Aha, STERN.) Diese Barbie wollten, so steht es allerdings in dem Artikel, die Leute noch weniger kaufen als ihr „traditionelles“ Pendant in blond mit einem Oberkörper, in dem die lebenswichtigen Organe nie Platz hätten. Steht zwar so nicht ganz in den öffentlichen Quartalszahlen, aber fragen wir trotzdem mal: Ist also das Projekt vielfältigere Körper im Kinderzimmer gescheitert? Sollte sich vielleicht mit Feminismus doch nicht jeder Sch*** problemlos verkaufen lassen, wie wir in den letzten Monaten überall zu hören bekamen (Stichwort: 500 Euro Dior Shirt mit „We should all be feminists“ Aufdruck)?

Traumkörper

Morgens – ganz kurz nachdem sie die Augen aufgeschlagen hat – erzählt mir meine Tochter manchmal, was sie geträumt hat. Es passiert nicht jeden Tag. Ich verpasse den Moment oft, weil sie von selbst wach geworden und aufgestanden ist. Aber wenn ich das Kinderzimmer früh genug erreiche, kann ich zusehen, wie sie wach wird. Und dann, halb noch im Schlaf, fängt sie an zu blinzeln und zu lächeln und erzählt, was sie in der Nacht erlebt hat. „Ich habe von meinem Traumkörper geträumt.“ sagte sie heute und vor Verwunderung konnte ich zunächst gar nichts erwidern. „Woher hat sie denn dieses Wort?“ war mein erster Gedanke. Aber da hatte sie schon weitergesprochen: „Mein Traumkörper, Mama, konnte unter Wasser atmen. Ich bin geschwommen und  getaucht und es hat funktioniert.“ *** Die Fitnessinstagramerin präsentiert ihre Bauchmuskeln und schreibt darunter: „Wenn du dich motivieren willst, stell dir einfach deinen Traumkörper vor. #determination“

Feeministinnen und Raubaukinnen – Meine coole Frau im Oktober macht Wände schöner

Ich habe mich zwar gerade (so halb) von Facebook verabschiedet, aber eine gute Sache muss ich Mark Zuckerberg zugestehen. Über ihn habe ich Karin gefunden. Sie ist Illustratorin und will (nicht nur) unsere Kinderzimmerwände ein bisschen schöner zu machen. Ich mochte ihre Ideen sofort, denn sie sind nicht nur einfach schön (für die Kinder), sondern auch ein bisschen hintergründig (für die Eltern). Und seien wir mal ehrlich, wir brauchen keine weitere Elsa an der Wand. Aber vielleicht eine Feeministin. Grund genug, Karin zu meiner coolen Frau im Oktober zu machen und ihr ein paar Fragen zu stellen: