Alle Artikel mit dem Schlagwort: Schönheitsideal

Das war alles leichter mit 23

Vor einiger Zeit las ich einen Text von einer Autorin, die eigentlich nur ein neues Parfum kaufen wollte. Man empfahl ihr im Laden ungefragt auch ein Anti-Aging-Produkt. Die Autorin war 23. Sie fand es völlig zu recht absurd, dass sie – quasi gerade erst der Clearasilwerbung entwachsen – als nächstes geradewegs die Falten-Vermeidungs-Ware kaufen sollte. „So’n Quatsch“, schrieb sie, „braucht kein Mensch“. Älter werden ist schließlich kein Problem, sondern völlig normal. Und aufgeklärte, selbstbewusste Frauen lassen sich schon gar nicht unsicher machen und für dumm verkaufen. Damit war die Sache für die Autorin erledigt. Solche Texte sind gut und richtig und wichtig. Ich habe selbst ein paar davon geschrieben. Aber es war leichter, sie mit 23 zu schreiben. 

„Keiner will die Dicke kaufen“

Nachdem die Spielzeugfirma Mattel Mitte April ihre Quartalszahlen bekannt gab, war Katerstimmung bei den Investoren angesagt. Der Umsatz ging im ersten Quartal deutlich zurück. Online beim Stern war dazu vor drei Tagen zu lesen „Keiner will die dicke Barbie kaufen – Umsatzeinbruch bei Mattel“. Denn Barbie gibt es seit 2016 in einer „Fashionista“-Reihe in größerer Vielfalt an Haarstyles, Hautfarben und Körperformen. Also, es gibt jetzt auch eine Barbie, die ungefähr der Konfektionsgröße 38 entspricht. Das ist die Dicke. (Aha, STERN.) Diese Barbie wollten, so steht es allerdings in dem Artikel, die Leute noch weniger kaufen als ihr „traditionelles“ Pendant in blond mit einem Oberkörper, in dem die lebenswichtigen Organe nie Platz hätten. Steht zwar so nicht ganz in den öffentlichen Quartalszahlen, aber fragen wir trotzdem mal: Ist also das Projekt vielfältigere Körper im Kinderzimmer gescheitert? Sollte sich vielleicht mit Feminismus doch nicht jeder Sch*** problemlos verkaufen lassen, wie wir in den letzten Monaten überall zu hören bekamen (Stichwort: 500 Euro Dior Shirt mit „We should all be feminists“ Aufdruck)?

Gedankenschnipsel zu Schönheit, Männern im Wald und zu vielen Möglichkeiten

Was meistens passiert, wenn ich hier ankündige, dass es wohl in der nächsten Zeit nicht so viel von mir zu lesen geben wird, ist Folgendes: Auf einmal lauern hinter jeder Ecke Gedanken. Ich tippe sie dann zuverlässig in meinen Entwürfeordner und dort bleiben sie meistens auch. Aber, so dachte ich mir dieses Mal, das muss ja nicht immer so sein. Ich kann mir meine Blogwelt schließlich so machen, wie sie mir gefällt. (Und brauche dafür nicht einmal ein Äffchen und ein geschecktes Pferd auf der Veranda. Oder erstmal eine Veranda.) Genau deshalb gibt es jetzt einfach ein paar Gedankenschnipsel von mir. Und ihr könnt mir gern sagen, ob ihr so etwas auch gern lest. (Sind Schnipsel eigentlich das Gleiche wie Schnitze? Meine Apfelschnitze sind nämlich nicht besonders beliebt.)

Kommt, kommt und kauft mehr Farbe

Es ist erst ein paar Dekaden her, da sparte ich sehr lange auf CK One. Weil CK One einfach das Coolste war und ich es natürlich unbedingt haben musste. Dazu trug auch die Ästhetik der Werbung bei – minimalistisch, schwarz-weiß und Kate Moss. Vor CK One hatte ich nur nach Vanilla Kisses gerochen, dem Deo der 90er. Vanilla Kisses kostete damals laut Internet 4 Mark, CK One 40 Mark. Ich trug also irgendwann stolz mein Geld zu Douglas und hielt die ersehnte Flasche in meinen Händen. Zuhause angekommen sprühte ich mich sofort damit ein – und wollte eigentlich wieder zu Vanilla Kisses wechseln. Wenn ich ehrlich zu mir selbst gewesen wäre, hätte ich CK One wohl zurück bringen müssen, denn es gefiel mir nicht. (Heute kann ich das übrigens nur noch durch akute pubertäre Geruchsverwirrung erklären.) Aber ich behielt es, weil es cool und teuer war. Und weil etwas, was so teuer war, ja auch automatisch irgendwie exklusiv und erstrebenswert und selbstverständlich gut sein musste.

Stoppt den Weihnachtsessen-Hass

Es passiert jedes Jahr kurz nach Weihnachten. Es passiert in den sozialen Netzwerken und im realen Leben. Menschen erzählen von ihrem Weihnachtsfest und sie erzählen vom Essen. Sie stöhnen, sie stöhnen sehr laut, sie beschweren sich. Sie sind sich sicher, dass sie bis Silvester eigentlich gar nichts mehr essen müssten. Mindestens. Sie klopfen auf ihre Mini-Bäuchlein und sagen „Heute geht es zum Ultraschall.“ Sie detoxen, sie joggen. Sie sagen: „Jetzt aber wieder auf Linie, jetzt wieder in die Spur.“ Sie meinen, sie haben sich etwas ruiniert: ihre Diät, ihre gesunde Ernährung, ihren sonst von schädlichen Einflüssen freigehaltenen Körper. Ich bin müde, ich kann es nicht mehr hören. Eigentlich wollte ich einen lustigen Post darüber schreiben, wie ich erstmalig nach Weihnachten wieder eine Hose ohne Gummizug anziehe. Aber es hat mir meinen Humor vertrieben. Denn sie ruinieren sich nur eines, ihr vergangenes Weihnachtsfest. Und meines auch.