Alle Artikel mit dem Schlagwort: Fernsehserien

Michael Knight macht etwas falsch

Michael Knight macht etwas falsch. Und damit meine ich nicht seine Haare oder die weißen Jeans. Michael, wer? Nun, Michael Knight rettete einst als fahrender Ritter mit seinem sprechenden Auto regelmäßig die Welt vor den Bösen. Daran ist selbstverständlich noch nichts falsch, es ist sogar außerordentlich begrüßenswert. Und Michael ist eigentlich ein dufter Typ, für einen 80er-Jahre-Actionserien-Charakter sowieso. „Great guy, great hair, great morals.“ würde Donald Trump vermutlich sagen und ihn sofort in den Kreis seiner imaginären Freunde aufnehmen. Und trotzdem beschlich mich der Gedanke, dass Michael Folge um Folge immer wieder den gleichen blöden Fehler beging. Dazu muss ich kurz ausholen.

Gastbeitrag: Fleabag ist die beste Serie, die 2016 niemand gesehen hat

Serien sind super. Ganz am Anfang liebte ich Clarissa, dann schaute ich selbstverständlich Beverly Hills und Melrose Place, es folgten Sex and the City, Roswell, The O.C. oder Gilmore Girls. Zuletzt habe ich Good Girls Revolt in einem Rutsch durchgeschaut und bin immer noch sauer, dass keine zweite Staffel in Auftrag gegeben wurde. Und jetzt, wie weiter? Meine fabelhafte Gastautorin weiß Rat. Sie hat eine Serie für uns entdeckt, die bisher völlig zu Unrecht unter dem Radar lag. Und das ist ihr Text dazu.  Ich liebe Furzwitze. Fäkalhumor ist etwas, was mich mehr zum Lachen bringt, als es ein „kluger“ Witz jemals könnte. Es passiert durchaus, dass ich bei Filmen, wie etwa Deadpool oder Bridesmaids Tränen lachen muss. Viele Menschen scheinen schockiert, wenn sie meine Begeisterung für „unreifen Humor“ entdecken. Ich dachte, das läge daran, dass ich recht ruhig wirken kann, wenn ich neue Menschen kennenlerne. Oder daran, dass ich generell wohl sehr brav wirke. Das ist sicher mit ein Grund, aber ich glaube, es liegt auch daran, dass ich eine Frau bin.

Warum ich Bibi Blocksberg trotzdem liebe

Vor Kurzem machte eine Untersuchung zu Kinderhörspielen die Runde. Bibi Blocksberg wurde als langweilige Spießerin enttarnt, die nur das stereotype Familienbild der 80er Jahre verbreitet. Eine Welt, in der Frauen für den Haushalt und Männer für die Entscheidungen zuständig sind.  Im Deutschlandradio-Beitrag sagt einer der Wissenschaftler: „Eigentlich könnten die beiden Frauen Bibi und Barbara Blocksberg alles tun, was sie wollen, sie sind unglaublich mächtig. Aber sie tun nicht, was sie wollen. Es geht ständig darum, sie zu normalisieren.“ Ich habe Bibi Blocksberg – Hörspiele als Kind geliebt und ich liebe sie immer noch. Inzwischen hören wir sie zu zweit. Deshalb – da bin ich ganz ehrlich – trifft es mich, wenn meine Bibi in der VICE als „angepasster Feigling“ beschrieben wird, der sich nur ein „beknacktes Zelt und einen fliegenden Besen“ hext, obwohl sie doch so viel coolere Sachen könnte.

Hinter dem Bechdel-Test – Noch ein Grund, warum Serien die besseren Filme sind

In Alison Bechdels Comic The Rule von 1985 wollen zwei Frauen ins Kino und überlegen, welchen Film sie schauen wollen. Eine hat eine besondere Regel, wenn es um die Filme geht, die sie sich ansieht: 1.) Sie müssen mindestens zwei weibliche Charaktere enthalten. 2.) Diese müssen miteinander reden. 3.) Und zwar über etwas anderes als Männer. Diese Prinzipien klingen wie das Mindeste, was man erwartet in einer Welt, in der 50% der Konsumentinnen weiblich sind. Die ihre Realität, die nur zu einem erstaunlich geringen Prozentsatz aus ausschließlichen Gesprächen über Männer besteht, vielleicht auch in Filmen wiederfinden wollen. Um den Test zu bestehen, können sich Frauen auf der großen Leinwand schließlich über alles unterhalten. Keine detaillierte Diskussion der Quantenphysik oder philosophische Auseinandersetzung mit Nietzsches Gesamtwerk, fünf Sekunden über Zahnpasta reichen und -zack  – Test bestanden. Im Comic finden die Frauen trotzdem keinen Film und beschließen nach Hause zu gehen, um Popcorn zu essen.

Kamera läuft! 3…2…1 und keine Action – Was fasziniert an Slow TV?

Als ich heute Morgen noch vor Sonnenaufgang Twitter checkte (Aufmerksame Leserinnen werden nun wissen, dass ich mich in den Internetflitterwochen befinde.), trendete dort Bob Ross, war also eines der meistbenutzten Wörter. Bob Ross, der Kultmaler mit Miniplifrisur. Der Grund? Twitch, eine Platform auf der man sonst anderen beim Computerspielen zuschaut, überträgt alle 403 Folgen des Ross’schen Malkurses The Joy of Painting in endloser Endlosschleife hintereinander. Start war am Freitag, die letzte Folge wird am 6. November laufen. Und Millionen schauen zu, wenn sich pittoreske Schneeszenerien mit erhabenen Bergpanoramen & abgelegenen Bauernhütten paaren …und immer noch irgendwo ein Baum reinpasst. (Bei uns gibt es die Beinahe-Endlosschleife übrigens auf BR alpha, wo zu den verschiedensten Tages- & Nachtzeiten täglich Folgen ausgestrahlt werden.) Was fasziniert so an der Sendung, die nur einen Mann vor Leinwand in dunklem Studio zeigt? Einer Sendung, bei der man als Zuschauerin jeden Pinselstrich begleitet. In Echtzeit.