Alle Artikel mit dem Schlagwort: Vereinbarkeit

Bad Moms oder Das ist Deutschland

Heute startet der Film Bad Moms in den deutschen Kinos. Ich werde ihn mir nicht ansehen. Als der Trailer vor ein paar Monaten herauskam, hatte ich bereits das Gefühl, dass er nicht ganz mein Humor sein würde. Abgesehen davon handelt es sich um einen Film über Mütter, der bis auf die Hauptdarstellerinnen von einem rein männlichen Team realisiert wurde (Regisseur, Drehbuch….). Letzteres stammt von den Krachertypen, die schon das Hoho-Buddy-Movie Hangover geschrieben haben und sicher die skurrilen und komischen Seiten und Brüche der Mutterschaft super umsetzen konnten. Aber es geht mir nicht darum, den Film zu zerreißen, ohne ihn gesehen zu haben.

Wie spät ist zu spät, um über die biologische Uhr zu reden?

Vor Kurzem führte ich zufällig ein Gespräch über Aufklärungsunterricht in Schulen. Ich hatte auf Pornokonsum und den Einfluss auf die Sexualität der Jugendlichen getippt, als ich fragte, was an dem Thema das Wichtigste sei. Oder die Tatsache, dass es im Sexualkundeunterricht meist nur Mann und Frau gibt und nichts anderes. Und was macht das mit denen, die sowieso schon zerrissen sind, weil sie anders lieben? Die Antwort war aber eine andere: „Wir bringen ihnen alles über Verhütung bei, aber nichts übers Kinder kriegen. Wenn man die Mädchen fragt, was rein biologisch die beste Zeit wäre, um Kinder zu bekommen, sagen die 27 bis 30. Auch in der Abiturstufe.“* Mein Verstand schaltete in diesem Moment zunächst auf Gegenwehr. Kann ja nicht sein, ist ja jeder Frau selbst überlassen, ob sie Kinder kriegt. Ein Unterricht, der indirekt dazu drängt, weil irgendwann der Zug einfach abgefahren ist, der beibringt, wie man fruchtbare Tage erkennt – mit Zervixschleim und LH-Anstieg, damit die Chancen steigen, das schien mir doch ein bisschen Mittelalter.

Spoiler: Babycontent, Vereinbarkeit und Persönliches

Ich hatte Angst vor diesem zweiten Kind. Ich konnte mich zu gut an die ersten 18 Monate mit dem Ersten erinnern. Wie ich morgens im Halbdunkeln erschöpft durch die Wohnung stolperte, im Kopf nur einen Gedanken: „Lass sie nicht fallen.“ Wenn ich Besuch die Tür öffnete, kam es vor, dass mir wie automatisch die Tränen über die Wangen liefen. Ich ging ungern ans Telefon, weil ich nicht erzählen wollte, wie es war. Über gut gemeinte Hilfe wie „Schlaf, wenn das Baby schläft.“ konnte ich nur sehr, sehr müde lächeln. Dieses Baby schlief nie mehr als 15 Minuten am Stück. Das Aufwachen aus der gerade begonnenen komatoösen Ruhe war schlimmer als wach zu bleiben.

Führt den 9 bis 5 Tag wieder ein?

Alle reden von Flexibilität, vom Recht auf Homeoffice, vom Auflösen starrer Strukturen in der Arbeitswelt. Ich auch. Letztes Jahr schrieb ich über das Homeoffice. Auch wenn der Text nicht nur jubelnd ist, zitiere ich mich mal selbst: „So lange wir immer noch so tun, als müssten wir alle von 9 bis 5 an den Maschinen stehen und die Knöpfe drücken, weil sonst nichts läuft obwohl viele Tätigkeiten orts- und maschinenunabhängig ausführbar sind, wird sich wenig ändern.“ Also her mit den neuen Modellen: Vertrauensarbeitszeit, Zeitkonten, Heimarbeitsplätze, die eigentlich Überall-Arbeitsplätze sind. Zeitliche Flexibilität ist das Zauberwort. Ich arbeite dann, wenn es reinpasst – nach meinem eigenen Rhythmus. Das ist nicht nur der globalisierten Wirtschaft & dem selbstbestimmten Individuum würdig, sondern auch besser für die Unternehmen. 

Liebe Mütter, die Erlaubnis, nicht perfekt sein zu müssen, geben euch jetzt Pappteller.

Kennt ihr Dixie? Nein, nicht die Toiletten. Das Pappgeschirr. Ich kannte es auch nicht. Die US-Firma produziert alle Arten von Tellern & Bechern – aber nicht für Kinderparties oder das Sommerpicknick, sondern den täglichen Gebrauch. Mit großem & wachsendem Erfolg. Bereits 2008 erklärte ein Werbespot, worum es geht. Wer Pappgeschirr verwendet, kann sich den Abwasch sparen. Und hat so mehr Zeit für die Kinder. Denn, so eine Mutter im Werbespot: „Meine Kinder kommen immer zuerst.“ Mittlerweile hat Dixie eine Marke aufgebaut, die ohne schlechtes Gewissen & peinliche Blicke fest an den Familientisch gehören darf. Im Sommer startete man die „Be More Here“ – Kampagne mit dem #DarkforDinner – Hashtag. Familien, sagt Dixie, stellt Telefon, Fernseher & iPad beim Essen ab! Erzählt euch wieder Geschichten. Den Spot dazu gibt es hier. Wer wie ich gerade noch vor dem Wochenendwäscheberg saß, kann sich ein interessiertes Nicken vielleicht ebenfalls nicht verkneifen, auch wenn das ökologische Gewissen jegliche Idee des Nachmachens verbietet.