Monate: Januar 2016

Ein beinahe Text über den deutschen Mann

Dies könnte ein Text über den deutschen Mann werden. Der deutsche Mann ist mir diese Woche bereits mehrmals begegnet. Er scheint unter immensem Druck zu stehen. Man kann einwenden, dass ich nicht wissen kann, ob es sich bei den Begegnungen tatsächlich um den deutschen Mann handelte. Unter Umständen hat eine heißblütige kasachische Großmutter vor Jahren ihre Spuren in den Genen hinterlassen, die sich nun im Temperament niederschlagen. Aber ich schweife ab. Am Montagmorgen diskutierte der deutsche Mann mit Plänen und Smartphone in der Hand  im Mob in einer Gruppe von Dreien den baulichen Fortschritt des Mietshauses in seinem Rücken. Er versperrte dabei den Bürgersteig, den ich mit Doppelkinderwagen zu nutzen gedachte. Der deutsche Mann sah mich kommen und fixierte mich eine Weile. Als ich vor ihm zum Stehen kam, blickte ich ihn vermutlich genervt an.

„Ich hoffe, meine Bücher können mir irgendwann verzeihen.“ – Geständnis einer Lückenleserin

Es gibt diesen Traum, in dem ich nachts am Bücherregal stehe. Im Halbdunkeln. Wie ein Eindringling in meiner eigenen Wohnung habe ich mich heimlich dorthin geschlichen. Dann macht jemand das Licht an & ich stehe ertappt mit schuldbewusstem Blick im hellen Raum. Tinte ist in meinem Gesicht verteilt, die Fingerkuppen dunkel gefärbt – wie wenn man zu viele Kirschen gegessen hat. Eine Lektürevampirin, die alle Bücher auf einmal haben wollte. Lange bevor Netflix binge watching erfunden hat, habe ich es mit Büchern praktiziert. Ich springe von einem zum anderen, ich verschlinge sie…und verpasse dadurch nicht selten das wirklich schmackhafte Innenleben. Meine Vorsätze sind andere, wenn ich mit einem neuen 300-Seiten Wälzer nach Hause zurück kehre. Ich lege ihn ab & nehme mir vor, es dieses Mal zu genießen & nicht alles mit einem Happen zu vertilgen. 

Wintergeburtstag oder Mama hat es schon immer gewusst.

Es wird langsam Zeit, dass ich vorbaue. Beim ersten Kind habe ich die Chance verpasst & hatte auch noch keinen Blog. Nun ist das Baby fast drei Wochen alt & ich sollte loslegen. Ich stelle mir das Ganze so vor: Man will ja immer das Beste für sein Kind. Manchmal macht einem das Leben aber einen Strich durch die Rechnung oder man selbst hatte einfach keine Lust, etwas anders zu machen. So ehrlich muss man sein. Beide Szenarien schützen nicht vor späteren Vorwürfen des Nachwuchses. Merke: Es gibt immer Dinge, die man anders hätte machen können aber nie richtig. Beispielsweise wird meine Tochter ihren Namen irgendwann blöd finden. Die große Schwester tut das jetzt schon & hätte sie gern Schildkröte oder Anna genannt – inklusive eigener Umbenennung in Elsa. Wir hätten dann bis zur vollkommenen Glückseligkeit des Kindes nur noch ein Rentier und einen sprechenden Schneemann gebraucht. Aber ich schweife ab.

Körper, später

Der Moment, als mein Körper vom schwangeren Körper zum nicht mehr schwangeren Körper wurde, war kurz und beinahe flüchtig. Monatelang war er gewachsen, aufgegangen, gequollen. Es fühlte sich für mich nie magisch an, schwanger zu sein. Keine Ahnung einer Urkraft, keine alles überströmende Faszination während meine äußere Hülle sich unaufhaltsam den Bedürfnissen dieses neuen Lebens anpasste. Und trotzdem gab es da diese Seelenverwandtschaft mit meiner Mitte und der Person, die sie beherbergte. Es war ich und doch nicht ich zur selben Zeit und ich liebte das Gefühl, obwohl es kompliziert war.