Alle Artikel mit dem Schlagwort: Glück

Das Versprechen

Wie geht es der Ehe heute? Vieles, was über sie gesagt wird, stellt sie in Frage. Ist ihre Zeit gekommen, ist sie ein Dinosaurier, gescheitert an den Veränderungen, weil sie zu unbeweglich war? Hat Tinder sie auf dem Gewissen? Ihre Prognose scheint negativ, die Lebenserwartung verkürzt. Manche sagen, wir könnten sie zum Sterben zurücklassen, als Zeichen einer überkommenen Zeit, ohne dass uns etwas fehlen würde. Die Menschen mögen heiraten, aber es macht sie nicht zufrieden. Die Bedeutungslosigkeit der Ehe für unser Lebensglück wird schließlich eindrucksvoll durch die Scheidungsraten unterstrichen. Zwar sinken diese in den letzten Jahren wieder, aber noch immer wird jede dritte Ehe geschieden. Die Lebenszeichen des Bündnisses werden schwächer. Gibt es Hoffnung für die Patientin? Hochzeiten waren eine Zeit lang die Souvenirs meiner Sommer (gut, bis auf den letzten). Ich stand vor viel zu großen brandenburgischen Landhäusern und nahm auf gemieteten Klappstühlen Platz, die auf mit Rosenblättern bestreuten Wegen warteten. Ich klatschte in Alltagskleidung an einem Mittwochvormittag vorm Standesamt, um danach schnell eine Pizza essen zu gehen. Ich mag das kollektive Gefühl der …

Valentinstag

Wir haben den Teppich shampooniert. Einen Teppich zu shampoonieren ist nicht so leicht, wie man es sich vielleicht denkt. Man hat bei Shampoo eher Werbung für Haarshampoo im Kopf, in der alles immer sehr schnell geht. So ist es nicht. Menschen, die schon einmal gutbehaarte Hunde nach Waldspaziergängen reinigen mussten, haben eine Ahnung von dem Warten und Tupfen und dem Warten und Schäumen und der ganzen Sauerei, von der man hofft, dass sie am Ende in strahlender Sauberkeit mündet. Wir kamen beide beinahe wie aus dem Nichts auf die Idee, dass man doch einmal den gesamten Teppich shampoonieren könnten. Vielleicht, weil schlechtes Wetter war, dachte ich zunächst und auch, weil er einen Fleck von Tomatensoße hatte. Es war die Tomatensoße, die wir immer kochen, obwohl unsere Kinder sie sowieso nie essen. Sie war stückig. Es ist ein Frevel mit ihnen, denn sie wissen nicht um den Zauber der bloßen Existenz stückiger Tomatensoße. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir sie haben. Noch vor 30 Jahren gab es nur eine einzige Sorte Soße. Man rief Massen von Versuchspersonen zusammen, wenn …

Erwachsen

Als wir uns trafen, sagtest du: „Mann, was sind wir erwachsen geworden.“ Ich war irritiert, weil mir der Gedanke nicht gekommen war, darüber nachzudenken, ob ich das wäre oder wann ich es sein würde. Vielleicht weil ich das Erwachsensein nie herbeigesehnt habe. Keine träumerischen Momente im Jugendzimmer, in denen ich mir ausmalte, wie es sein würde, wenn ich die mystische Schwelle überschreite. Was wäre der Bezugspunkt meiner Sehnsüchte gewesen? Alles zu dürfen, allein zu entscheiden, alle Antworten zu kennen? Das Erwachsensein nicht Kontrolle bedeuten würde, war mir klar. Erwachsensein ist zu verstehen, dass man nicht alle Antworten kennt und trotzdem Pläne zu machen, sich führen zu lassen und selbst zu leiten. Statt Allmacht ist Erwachsensein doch vielmehr zu wissen, dass man vieles nicht beeinflussen kann. Vielleicht ist genau das die Veränderung, die wir „erwachsen werden“ nennen. Die Einsicht, dass man selbst nicht das Wichtigste ist. Die eigenen Wünsche und Entscheidungen nicht das Maß aller Dinge. Dein Satz hat etwas ausgelöst. „Erwachsen“ ist keine meiner Selbstbezeichnungen, aber meine Freunde werden 40. Ich habe nicht den Eindruck, …

Ein guter Tag

Heute war ich im Garten meiner Kindheit. An der Stelle, an der ich immer geschaukelt habe, wurde wieder geschaukelt. Ich war in meinem alten Kinderzimmer. Dort stehen die Erinnerungen der Teenagerzeit. Die Musik, die Bücher. Es gab miserable Episoden in meiner Teenagerzeit. Sie sind mir noch ziemlich präsent. So sehr, dass ich heute manchmal unsicher wirkende Mädchen in der U-Bahn fest in den Arm nehmen möchte. Um ihnen ins Ohr zu flüstern: „Ich weiß, wie sich das anfühlt, es wird besser.“ Einen ganzen Sommer habe ich unter grauen Fruit of the Loom – Kapuzenpullovern verbracht, als meine Brüste anfingen zu wachsen. Heute, vielleicht lag es an der Sonne, dem Summen der Bienen oder dem ersten Spargel, mischten sich Versatzstücke der Erinnerung mit dem Wissen der Gegenwart. Mathe im Abitur, die Angst zu versagen & die Sebstzweifel mit der heutigen Gewissheit, dass jeder Dinge kann. Manche besser, manche schlechter & man einfach nur etwas finden muss, was man richtig gut kann. Um es dann richtig gut zu machen. Und dass das nicht Mathe sein muss. Das Zittern vor …

Was glücklich macht

Es ist heute so ein Tag. Ich wachte auf & die Bettdecke klebte an mir, der Fuß war eingeschlafen. Mein Mund schmeckte, als hätte sich darin ein totes Eichhörnchen versteckt. Irgendjemand schrie schon nach mir. Ich bin mir sicher beim Duschen statt Shampoo & Spülung zwei Mal Spülung verwendet zu haben, denn meine Haare fühlen sich an, als hätten sie einen Ölwechsel nötig. Auf den Straßen sind nur Idioten unterwegs. In dieser Firma tut niemand, was er sagt. Außer mir natürlich. Schon wieder Freitag. Schon wieder eine Woche rum. Wochenende, könnte man sich freuen. Wenn da nicht die Wäscheberge wären. Auf der Suche nach Zerstreuung lande ich bei diesem Bild. Es ist Zeit zu handeln. Ich befülle jetzt meine Glückliste für heute. START 1. Heißgetränk 2. Apfeltasche 3. Durchatmen 4. Frische Luft 5. Musik allein 6. Lachen mit Kind HIER BIN ICH JETZT 7. Anruf bei liebem Erwachsenen 8. Musik mit Kind 9. mit Kind zum Einschlafen hinlegen (im Familienbett, gern auch länger) 10. Wanne 11. Gespräch mit Erwachsenen 12. Wein 13. eventuell noch mehr Wein Sorry, …