Monate: September 2016

Was sagt denn eigentlich ihr Mann dazu?

Schon die ersten Frauenzeitschriften Ende des 19. Jahrhunderts erklärten der Mittelklassefrau zuverlässig, wie sie zu leben hat. Und ordentlich in den neu entstehenden Warenhäusern einkaufen sollte sie auch. Trotzdem hatten sie ein Problem. Kaufen sollten die Leserinnen, aber besitzen durften sie nichts. Das Geld gehörte dem Mann. Also musste man ihn irgendwie auch überzeugen.  Diese Zeiten sind natürlich lange vorbei. Schon seit Ewigkeiten (1962) dürfen Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes ein Bankkonto eröffnen. Seit 1969 gelten sie gar als geschäftsfähig. Nur 15 Jahre später freute sich Evelyn Hamann im legendären Loriotsketch über ihr Jodeldiplom auf das Gefühl „auf eigenen Füßen zu stehen“. Während ihr Gatte sich an der „echten Partnerin, die ihre eigenen geistigen Fähigkeiten entwickelt – für die Familie, für die Gesellschaft“ ergötzte. Und heute? Da stehen wir Frauen wirklich nur noch ganz kurz vor der Weltherrschaft, lese ich überall.

Dürfen die das? – Das ZEIT Magazin für den Mann

Ich habe jetzt doch zugegriffen beim neuen ZEIT Magazin Mann. Chefredakteur Christoph Amend hatte mich zu neugierig gemacht, als er im Deutschlandradio verkündete, er hätte den Verdacht, dass sein Magazin nicht nur von Männern gelesen wird. Sondern auch von Frauen, die sich für Männer interessieren. Zeitgleich wurde das Heft in den Feuilletons – nun, sagen wir mal – von spöttisch bis ironisch besprochen. Auf Twitter machte man sich mit #pimmelzeit lustig. Es wabberte eine Aura aus leicht genervtem Augenverdrehen um das Heft. Muss das sein, noch mehr Stereotype auf Hochglanzzeiten? Oder: Brauchen denn Männer jetzt auch noch eine eigene Zeitschrift? Im besten Fall eine Fashionbibel für Hipster und Vollbartträger, im schlimmsten ein trauriger Auswuchs der „Und was ist mit den Männern?“ – Rufer. Ich war vielleicht ein wenig voreingenommen.

Bad Moms oder Das ist Deutschland

Heute startet der Film Bad Moms in den deutschen Kinos. Ich werde ihn mir nicht ansehen. Als der Trailer vor ein paar Monaten herauskam, hatte ich bereits das Gefühl, dass er nicht ganz mein Humor sein würde. Abgesehen davon handelt es sich um einen Film über Mütter, der bis auf die Hauptdarstellerinnen von einem rein männlichen Team realisiert wurde (Regisseur, Drehbuch….). Letzteres stammt von den Krachertypen, die schon das Hoho-Buddy-Movie Hangover geschrieben haben und sicher die skurrilen und komischen Seiten und Brüche der Mutterschaft super umsetzen konnten. Aber es geht mir nicht darum, den Film zu zerreißen, ohne ihn gesehen zu haben.

Kleinkarierte Ingenieure – Von der Agenturwelt in die Baubranche

Was erwartet man von einem Job: Selbstverwirklichung, Coolnessfaktor, ein super Gehalt? Bärbel vom Blog Farbenfreundin schreibt über ihren Jobwechsel von der hippen Agenturwelt in die Baubranche. Und berichtet von Klischees, die vielleicht nur Vorurteile sind. Damit ist sie meine wunderbare Gastautorin im September. Viel Spaß beim Lesen.   Einen ziemlichen Kulturschock erlebte ich, als ich vor Jahren aus der Metropole Berlin in die Landeshauptstadt von Hessen – nein, nicht Frankfurt sondern Wiesbaden – zog. Ähnlich extrem war der folgende Jobwechsel von der frauendominierten Agenturszene zur männerdominierten Baubranche. Agentur ist ja so cool, wenn man sich’s leisten kann!

Seit wann ist Reisen ein Wettbewerb?

Kürzlich führte mich der plötzlich und unerwartet auftretende unbändige Durst des Kindes auf eine der vielen Bierbänke, die im Sommer vor Berliner Hostels stehen. Dort lauschte ich einem Gespräch, welches ungefähr so verlief: „Die Künstlerkolonie in Johannesburg, das war’s. Da wollte ich nie wieder weg.“ – „Südafrika ist mir zu touristisch, usbekisches Hinterland, das war verrückt.“ Dann gesellte sich jemand dazu und fing an, von seinem Backpacking im Jemen zu erzählen (kein Witz). Die Runde verstummte. Er hatte gewonnen.  Es war nicht das erste Mal, dass ich einer solchen Unterhaltung beiwohnte. Es gibt sie auch in der „erwachseneren“ Version mit teureren Destinationen. Wo ich gern angeschaut werde, als würde ich nicht mit Messer und Gabel essen, weil ich noch nie in den USA war. Die Unterhaltung ist immer gleich und sie ist immer ein Wettbewerb. Reisen an sich ist kein Wettbewerb.