Monate: Oktober 2015

Kamera läuft! 3…2…1 und keine Action – Was fasziniert an Slow TV?

Als ich heute Morgen noch vor Sonnenaufgang Twitter checkte (Aufmerksame Leserinnen werden nun wissen, dass ich mich in den Internetflitterwochen befinde.), trendete dort Bob Ross, war also eines der meistbenutzten Wörter. Bob Ross, der Kultmaler mit Miniplifrisur. Der Grund? Twitch, eine Platform auf der man sonst anderen beim Computerspielen zuschaut, überträgt alle 403 Folgen des Ross’schen Malkurses The Joy of Painting in endloser Endlosschleife hintereinander. Start war am Freitag, die letzte Folge wird am 6. November laufen. Und Millionen schauen zu, wenn sich pittoreske Schneeszenerien mit erhabenen Bergpanoramen & abgelegenen Bauernhütten paaren …und immer noch irgendwo ein Baum reinpasst. (Bei uns gibt es die Beinahe-Endlosschleife übrigens auf BR alpha, wo zu den verschiedensten Tages- & Nachtzeiten täglich Folgen ausgestrahlt werden.) Was fasziniert so an der Sendung, die nur einen Mann vor Leinwand in dunklem Studio zeigt? Einer Sendung, bei der man als Zuschauerin jeden Pinselstrich begleitet. In Echtzeit.

Mein problematisches Beziehungsmuster mit dem Internet

Ich habe mittlerweile so häufig die Twitter-App gelöscht & wieder drauf gespielt (zur Selbstdisziplinierung, ihr wisst schon), dass sie eine kleine beleidigte Seele entwickelt hat & ganz schön rumzickt. Auf der ZEIT lese ich diese Woche: Warum Eltern den Kampf gegen Smartphone und Internet so schwer gewinnen können. Eltern mit Kindern zwischen 8 und 14 Jahren spüren „Kontrollverlust, Machtlosigkeit und Überforderung“. Meine Eltern wissen, wovon der Text spricht. Auch wenn sie mich nicht mehr 24 Stunden um sich haben, jetzt, wo ich doch schon über 30 bin. „Was macht es mit Familien, wenn Urlaubsorte danach ausgesucht werden, ob sie W-LAN besitzen, weil die Kinder sonst nicht mitfahren?“ fragt der Text weiter. Ja, hier, schuldig. Mittlerweile eines meiner wichtigsten Auswahlkriterien. Da ich aber nun schon erwachsen bin, ist es bei mir natürlich kein Erziehungsproblem mehr. Das Internet und ich haben, wie es sich unter ordentlichen Mittdreißigern gehört, eher ein problematisches Beziehungsmuster.

Das war der #Horrorctober

Nachdem ich Anfang des Monats angekündigt hatte, beim #Horrorctober mitzumachen, bin ich euch natürlich noch das Ende der Geschichte schuldig. Ich versuche es kurz & schmerzlos zu halten, obwohl es ein klein wenig schmerzvoll war. Denn die meisten Filme waren enttäuschend & ich glaube, ich bin sehr kurz davor, von meiner Leidenschaft für Horrorfilme geheilt zu werden. Irgendwann hat man das Gefühl fast alles gesehen zu haben, es überrascht wenig & der Aufwand, sich ein paar gut klingende herauszusuchen, um dann doch nur seine Zeit zu vertun, ist mir zu hoch. Dann lieber Serien gucken.  Scream als Serie zum Beispiel. Oder The Knick mit einem großartigen Clive Owen. Die sollte Fans von blutiger, guter Handlung auch zufrieden stellen. Natürlich minus den Gruselfaktor. Man kann eben nicht alles haben. Meine Bewertung zu den Filmen gibt es natürlich trotzdem. Fast schon symptomatisch, dass mir die Filme am Besten gefielen, die eher Thriller & schwarze Komödie als Horrorfilm waren.

Die Frau, die findet, Radfahren macht dicke Oberschenkel, schreibt jetzt Lena Dunhams Newsletter

Wenn ich etwas gut finde, finde ich es lange gut, manchmal einfach aus Prinzip. So geht es mir mit Lena Dunham. Ich mochte sie & ihre Serie GIRLS, ihr Buch und habe mich auf den von ihr vor einigen Wochen gelaunchten Lenny-Newsletter gefreut. Nicht zuletzt, weil mich die professionelle Art ansprach, mit der sie das Ganze vorantrieb. Bereits vor der ersten Ausgabe ordentlich Aufmerksamkeit auf den dazugehörigen Social Media – Kanälen generiert & zum Auftakt ein Interview mit Hillary Clinton. Nicht schlecht. Dass es auch ein bisschen um Produktempfehlungen gehen sollte, also ums Verkaufen – völlig in Ordnung. Im Gegenteil, gut, muss nicht zwangsläufig die Maxime jedes (weiblichen) Netzangebotes sein, sich erstmal selbst auszubeuten. Anfang der Woche flatterte die 4. Ausgabe in den digitalen Postkorb. Diesmal erklärt Celebrity-Trainerin Tracy Anderson in einem Essay Warum wir in unseren Zwanzigern unbedingt mit dem Workout anfangen müssen (also eigentlich schon viel zu spät dran sind). Das verwundert nicht, da Lena selbst vor zirka einem Jahr zum täglichen Workout fand, was diverse Instagram-Posts beweisen.

Von der Freude, Kinder zu bekochen – Unfinished Business von Ann-Marie Slaughter

Ann-Marie Slaughter hätte auch ein ganz anderes Buch schreiben können. Sie ist ihn gegangen, den Weg der richtig erfolgreichen Frauen. In ihren 20ern & 30ern hat sie ungezählte Stunden gearbeitet, die Karriere vorangetrieben. Zur Feier der Verleihung ihrer ersten Professorenwürde wollten ihre Eltern unbedingt den Lehnsessel im Büro ihres Professors sehen – auf dem sie mehr Nächte verbracht hatte als im eigenen Bett. Es folgten die lebenslange Professur, eine Ehe & zwei Söhne. Dann ereilte sie der Ruf nach Washington, Außenministerin Clinton wollte sie in ihrem Stab. Perfektes Timing, die beiden Söhne (10 & 12 Jahre) waren aus dem Gröbsten raus, sie konnten auf sich selbst aufpassen. Außerdem gab es schon immer auch den Vater, der von jeher flexibler mit seinen Arbeitsstunden war. Angekommen auf dem Gipfel, wieder in einer Position, die vorher noch nie von einer Frau besetzt war…bat Slaughter Hillary Clinton nach 18 Monaten darum, wieder gehen zu können. Sie wollte zurück. Und sie nannte nach einiger Überlegung den Grund: ihre Kinder, insbesondere der älteste Sohn. Sie hatte das Gefühl zu fehlen, dass …