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Erste Hilfe für Reality-TV Süchtige – Meine 5 liebsten Shows

Der Bachelor hat mich leider ziemlich enttäuscht am Mittwoch. Dem Trash-TV gebe ich aber, wie gefühlt jeder 2. in der Bundesrepublik, heute Abend noch eine Chance. Wenn wieder die Prominenten, deren Namen man schnell noch in die Suchmaschine eintippen muss, in den Dschungel ziehen. Falls das auch langweilig werden sollte, gibt es hier erste Hilfe. Denn ich habe ein wenig nachgedacht. Wie lange ich eigentlich schon Realityfernsehen schaue & was meine liebsten Sendungen waren. Die erste Überraschung: Ich schaue es wirklich schon sehr lange. Real World Paris ist 2003 gedreht wurden, das ist 12 Jahre her. Trotzdem kann ich mich noch wie heute daran erinnern, wie ich auf MTV von Woche zu Woche mitgefiebert habe.  Überraschung Nr. 2: Erstaunlich viele der Sendungen gibt es heute noch im Netz. (Alles in English. Ich hoffe, die Links bleiben aktuell. Da es sich um relativ alte Sendungen handelt, stehen die Chancen aber gut.)

Hier sind sie: Meine 5 liebsten Reality-TV Shows. Der Winter dauert sicher noch eine Weile.

1. Real World Paris (2003)

Das waren noch Zeiten, als MTV der Inbegriff von cool war. Und man warten musste, bis die nächste Folge der Lieblingsserie kam. The Real World ist quasi die Mutter aller Reality & Big Brother Formate. Lauter junge Menschen werden zusammen in ein Haus gesteckt & beim Leben gefilmt. Von den 27 Staffeln kann ich mit 2/3 etwas anfangen. Mein Favorit ist Paris (kurz hinter der 1. Staffel in Las Vegas). 2003 wollte ich ein bisschen so sein wie Mallory & wer will nicht in Paris leben? Ansonsten hat diese Staffel rational betrachtet alles, was Realityformate & Real World – Staffeln sonst auch haben, unerfüllte Liebe (armer Adam), zarte Bande zwischen den Protagonisten, Parties & Alkohol. Bei dailymotion gibt’s 16 Folgen. Das ist nicht die komplette Staffel, reicht aber locker für ein Wochenende.

2. Pregnant in Heels (2011)

Heute, wo Menschen als Beruf Youtuber angeben, wundert einen ja nichts mehr. Rosie Pope hatte bereits vor 4 Jahren einen interessanten Job. Die gute Frau ist nämlich maternity concierge (mit obligatorischem schwulen Sidekick). Das heißt, wann immer die reichen Frauen von New York schwanger werden, ist sie zur Stelle. Rosie ist streng von der ersten Minute an, bestimmt den Mami IQ (Wie wischt man den Babypo – von hinten nach vorn oder andersrum?) & kümmert sich um alles von der Nannysuche bis zum Geist im Kinderzimmer, der noch schnell ausgetrieben werden muss. In dieser Folge muss der Vater in spe schnell fit gemacht werden, denn Mama muss nach der Geburt zurück an die Schreibtisch in die Großkanzlei. Eine andere Mutter braucht dringend eine Kinderfrau. Aber bitte nicht heißer als Mami! Klassisches Kopfschüttel-Realityfernsehen, wo man sich entspannt zurück lehnt & denkt „Die haben sie doch nicht alle.“

3. Kell on Earth (2010)

Eine Zeit lang habe ich The Hills geliebt (eine weitere MTV-Serie). Heute halte ich keine Folge mehr durch, in der 20jährige Frauen aus LA sich Sorgen um Modeschule & boyfriends machen. Dann doch lieber etwas Realistischeres :-) wie Kell on Earth. Übrigens ein sogenannter Spinoff (ein Charakter aus The Hills fing an hier zu arbeiten & schwupps machte man eine eigene Serie draus). Worum geht es? Kelly ist Besitzerin einer PR-Agentur & kümmert sich mit ihrem Team um Modenschauen & Produkteinführungen. Vom Typ her ist sie eher rau, ein bisschen Chefin aus Der Teufel trägt Prada. Was jetzt so glamourös klingt, ist es überhaupt nicht. Ich glaube hier wurde ich von meinen spät-universitären Träumen von einem glitzernden PR-Leben geheilt. Die Angestellten schlafen so gut wie nie & sitzen wie Legehennen in einem Minibüro. Dafür gibt es Karriereratschläge wie Kellys Leitsatz „Wenn du heulen willst, geh vor die Tür.“ umsonst.

4. Life is Toff (2014)

Dass ich Jane Austen liebe, wisst ihr wohl mittlerweile alle. In Life is Toff kann man besichtigen, was aus dem britischen Landadel rund um Mr.Darcy geworden ist. Bereits 2004 begleitete die BBC die Familie rund um den 24. Earl von soundso (UKIP Mitglied mit Armeeausbildung) mit der Kamera. 10 Jahre später geht es um die Erben. Was soll man sagen? Nicht nur wir haben ein schweres Leben. Der Besitz & das Herrenhaus (800 Jahre, 3.000 Hektar) fällt in sich zusammen, ständig friert man & das Personal ist längst weg. Nur mit großem Namen und dem Sitz im House of Lords gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr. Das Problem: Leider ist man nicht so richtig zu Bescheidenheit & Arbeit erzogen wurden.

5. Kid Nation (2007)

Kid Nation hat den Titel Sozialexperiment verdient. 40 Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren werden auf eine Farm nach New Mexico verfrachtet. Ohne Erwachsene aber mit vielen Kameras schaut man dann mal, was sie so für ein Zusammenleben aufbauen. Diese Idee mit lauter Minderjährigen (!)  konnte man wohl nur in den Anfangstagen des Reality TV verwirklichen. Sagen wir mal so, Herbert Grönemeyer hat das definitiv nicht gesehen. Denn der schrieb Kinder an die Macht.

Was glücklich macht

Es ist heute so ein Tag. Ich wachte auf & die Bettdecke klebte an mir, der Fuß war eingeschlafen. Mein Mund schmeckte, als hätte sich darin ein totes Eichhörnchen versteckt. Irgendjemand schrie schon nach mir. Ich bin mir sicher beim Duschen statt Shampoo & Spülung zwei Mal Spülung verwendet zu haben, denn meine Haare fühlen sich an, als hätten sie einen Ölwechsel nötig. Auf den Straßen sind nur Idioten unterwegs. In dieser Firma tut niemand, was er sagt. Außer mir natürlich. Schon wieder Freitag. Schon wieder eine Woche rum. Wochenende, könnte man sich freuen. Wenn da nicht die Wäscheberge wären. Auf der Suche nach Zerstreuung lande ich bei diesem Bild. Es ist Zeit zu handeln.

001

Ich befülle jetzt meine Glückliste für heute.

START
1. Heißgetränk
2. Apfeltasche
3. Durchatmen
4. Frische Luft
5. Musik allein
6. Lachen mit Kind
HIER BIN ICH JETZT
7. Anruf bei liebem Erwachsenen
8. Musik mit Kind
9. mit Kind zum Einschlafen hinlegen (im Familienbett, gern auch länger)
10. Wanne
11. Gespräch mit Erwachsenen
12. Wein
13. eventuell noch mehr Wein

Sorry, Internet, diesmal bist du nicht dabei. Logging off for the weekend, now.

Liebes Mädchen in der Pubertät: Sei wer du bist, aber sei rasiert.

Es ist zwei Jahre her, dass die irische Journalistin Emer O’Toole in Großbritannien für Diskussionen sorgte. Sie hatte sich, zunächst als Experiment angelegt, 18 Monate lang nicht rasiert. Über diese Zeit & die Folgen berichtete sie mehrmals im Guardian, der Huffington Post & war Gast in vielen Talkshows. Ihre, sie selbst überraschende, Erkenntnis: die Reaktionen der Männer- & Umwelt waren weniger negativ als gedacht. Vor fast genau einem Jahr rief O’Toole 2014 als „year of the bush“  aus. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass im vergangenen Jahr viel über sichtbare Körperhaare gesprochen wurde. In der BRIGITTE berichtete man kurz vor Jahresende von gefärbten Achselhaaren als neuem Trend. Ein Veet-Werbespot erntete viel Kritik.
In ihm entschuldigt sich die Freundin, dass es ein bisschen stoppelt, sie hätte gestern die Beine rasiert. Am Ende erfährt man „Don’t risk dudeness.“, also „Pass auf, dass du nicht zum Typ wirst.“ Ein Slogan verrät, mit Veet ist man frau „womanly around the clock“, nämlich rund um die Uhr Frau.

Mittlerweile, so war mein Eindruck, muss auch die Schönheitsindustrie sensibler sein.

Wahre Schönheit Kampagnen versprechen Umsatz.

Wahre Schönheit-Kampagnen, die oft auch reißenden Umsatz versprechen, künden davon, dass man nicht mehr ganz so platt die Stereotype rein hämmern kann. Warum ich trotzdem nicht vor Freude aufspringe, hatte ich hier geschrieben. (Auf einen weiteren schönen Artikel hierzu hatte mich @mamanotes auf Twitter hingewiesen.)

Wie gesagt, das dachte ich. Und war schockiert, als ich heute auf die Gillette Venus Website stieß. (Gillette hat gerade selbst einen dieser „Lass dich nicht in Schubladen stecken, sei wer du bist.“-Spot  zusammen mit dem Hashtag #SagUndDazu herausgebracht.) Unter der Rubrik „So wird rasiert“ findet sich auf der Website eine Anleitung zu einem Mutter-Tochter-Gespräch. Da steht: Plötzlich verwandelt sich Ihr kleines Mädchen in einen Teenager, ihr Körper verändert sich, sie interessiert sich mehr und mehr für das andere Geschlecht und ist dem Gruppendruck Gleichaltriger ausgesetzt. Auch wenn Sie zunehmend unabhängiger wird, braucht Sie dennoch Ihre Hilfe, um die Göttin in sich zu erwecken, da Sie wissen, wie Sie ihr Selbstbewusstsein stärken. Nach einigen Rasiertipps kommt die Frage „Wie erkläre ich meiner Tochter, dass sie noch zu jung für das Rasieren ist?“. Antwort: „Wenn sie versucht, sich ihren Freundinnen anzupassen, erinnern Sie sie daran, dass jeder seine eigene Persönlichkeit hat. Schämt sie sich wegen der Haare an den Beinen?

Helfen Sie ihr dabei, Kleidung auszuwählen, in der sie sich sicher fühlt.“ Finde ich nicht den besten Tipp, der Tochter zu erklären, sie solle lange Hosen tragen, bis ich es ihr erlaube. Dass man dem Gruppendruck nicht nachgeben muss, ist prinzipiell ein guter Hinweis. Leider nimmt Gillette sich selbst in seinen Alibiantworten nicht ernst & empfiehlt der Tochter einen Artikel später, eine tolle Pyjama-Party mit ihren Freundinnen zu veranstalten. Die Einleitung hierzu liest sich erstaunlich ähnlich zum Mutterartikel mit einer Ausnahme: „Seien wir mal ehrlich: Du wirst erwachsen. Genauso wie deine Freundinnen und daher habt ihr Fragen zu allem. Angefangen bei Jungs bis hin zu Schönheit. Genieße also einen Abend mit deinen engsten Freundinnen, indem ihr euch gegenseitig Geschichten erzählt, Geheimnisse austauscht und über Sachen redet, die euch ein tolles Gefühl verleihen.“ Der Ablauf für den Abend wird ebenfalls mitgeliefert: „Sei die Wissensgöttin für schöne Beine.“ verspricht man. Nach der Rasur heißt es: Ab auf den Laufsteg! „Es ist Zeit, diese schönen Beine zu zeigen.“ Dann wird das beste Outfit für die „besten Beine“ gesucht. Schöne, beste… – was suggeriert werden soll, ist klar.


Das Ganze ist nicht neu. Bereits 2007 gab es von der amerikanischen Marke Nair eine Produktlinie für “first-time hair removers”. Die Zielgruppe lag laut Firmenaussage bei 10 bis 15 Jahren. Im gleichen Atemzug nahm man die Männer bezüglich Körperhaarentfernung in Angriff. Der Grund ist einfach. Größere Konsumentengruppe verspricht höheren Umsatz. Die Strategie war erschreckend ähnlich.

Die Zielgruppe waren 10 bis 15jährige Mädchen.

Auch hier gab es Pyjama-Parties & Erklärhilfen für Mütter. Wahrscheinlich würden mir die Presseleute von Gillette ähnlich wie die von Nair mit Marktbeobachtungen kommen. Der Bedarf bei dieser Zielgruppe ist eben da. Ist das das Huhn oder das Ei? Eine kurze Internetrecherche zeigt, von der Mädchen (Intimrasur wichtig oder Quatsch?) bis zur BRAVO (Das Thema Haarentfernung ist super aktuell. Trendy sind glattrasierte, beinahe haarlose Körper.) findet sich das Thema. Bei den mir bekannten Youtuberinnen werden Produkte für die Rasur vorgestellt. Auch zunehmend sexualisierte Kleidung für Mädchen (immer tiefer sitzende Hosen, sehr kurze Shorts, knappe Bikinis & Unterwäsche) mag ihren Teil dazu beitragen.

Natürlich ist es die persönliche & individuelle Entscheidung jeder Frau, ob sie sich rasieren will. Ich gebe auch gern zu, dass ich persönlich mich mit nichtrasierten Achseln schwer tun würde. Jede Frau soll selbst entscheiden. Das kann man nur, wenn Haarlosigkeit nicht die von allen Seiten propagierte Norm ist. Und ich spreche von jeder Frau. Das ist der Knackpunkt. Ich erinnere mich noch gut an meine Pubertät. An die Unsicherheiten. Werden die nicht hier zu Geld gemacht? Ist es nicht ein Problem, wenn man die ersten Anzeichen des Frauwerdens, des Erwachsenseins bereits ausradiert, bevor sie überhaupt richtig da sind? Wird nicht den Müttern eine äußerst komische Verantwortung zugeschoben mit diesen Erklärhilfen? Ich muss mit meinem Kind sicher über Sex sprechen, aber doch nicht zwingend übers Rasieren. Hier wird versucht zu normalisieren, Zweifel auszuräumen. Im Unterbewusstsein denke ich als googelnde Mutter doch, vielleicht machen es ja alle…Vielleicht muss das so.

Am Ende des neuen „Lass dich nicht verbiegen.“ – Gillette-Spots steht auf dem Bildschirm: „Take a stand against labels.“.

Klar Stellung beziehen.

Im deutschen Untertitel übersetzt man der Intention der Werbung entsprechend „…wehr dich gegen Schubladendenken.“ Es könnte aber auch heißen: „Bezieh klar Stellung gegenüber Marken.“ Lasst uns das doch machen. Ich mache es. Gillette, ich finde das mehr als gruselig. Als Mutter einer Tochter graut mir vor der Zeit, wenn sie eure Botschaften entdeckt.

Triff die FABDFL – die feministisch-angehauchte Bloggerin, die Frauenzeitschriften liest

Am vergangenen Sonntag entspann sich unter dem Posts eine Diskussion über Frauenzeitschriften. Ich schrieb, dass ich diese nicht wirklich lese. Vielleicht mal im Netz klicke. Zwei Tage später habe ich einen Zeitungsstapel in der Wohnung in Angriff genommen. Wer aufmerksam mit liest weiß, ich räume ungern auf. Er war also bereits etwas älter & höher. Nun, den dort aufgefundenen Exemplaren von Instyle, BUNTE, Gala, ELLE, Vogue, Maxi, GRAZIA, BRIGITTE, Joy & Madame (exakte Aufzählung) nach zu urteilen, kaufe ich doch erstaunlich viele Frauenzeitschriften. Oder lasse sie mir von Vielfliegern mitbringen. Mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich sie auch gelesen. Ihr könnt euch meine Verwunderung vorstellen. Hätte man mich nachts geweckt & nach meinem Blog gefragt, ich hätte so etwas gesagt wie: „Mein Blog ist der natürliche Fressfeind der Frauenzeitschriften.“ Kritisiert man nicht Dinge, die einem nicht gleichgültig sind? Jetzt lag ich wach & überlegte. Dann stand ich auf. Mir kam eine Idee, wieso ich den Papierstapel im Wohnzimmer habe. Wieso mir Frauenzeitschriften nicht egal sind.

Ich weiß um den ganzen Schwachsinn, der sich zwischen den Hochglanzseiten befindet. Aber Frauenzeitschriften sind auch fast die einzigen Medien, in denen Mode, Schönheit, aber auch Freundschaft, Familie, Liebe & Sex als Themen behandelt werden, für die sich eine normal-intelligente Person interessieren könnte (und dürfte).

Ich weiß um den ganzen Schwachsinn, der sich zwischen den Hochglanzseiten befindet.

Für sie schreiben zum Großteil Frauen. Ich kenne die genauen Quoten bei den anderen Zeitungen & Zeitschriften nicht. Aber mein subjektiver Leseeindruck sagt, dass Trägerinnen von Brüsten hier meist in Lifestyle-Segmenten ihren Platz finden. Wenn überhaupt. Nehmen wir mal die ELLE, von der ich die meisten Exemplare (auch britische) in meinem Papierstapel hatte. Gut, man muss sich erstmal durch 30 Seiten Werbung blättern. Aber in jeder Ausgabe hat ELLE Features, teilweise sehr gute. Es gibt einige Artikel, wo ich mich erinnerte, dass der Kaffee kalt geworden war. Weil ich an ihnen hängen blieb. Man kann davon halten, was man will. Natürlich ist Feminismus mittlerweile in Teilen des Mainstream fast ein hippes Verkaufsargument (Erinnert sich noch jemand an die peinliche Chanel-Show des wohl unfeministischsten Mannes der Modebranche, für den Frauen, Puppen & Adele zu fett ist?). Sicher springt ELLE hier auf einen Zug auf. Aber sie springt.

Während ich mich so in Verständnis für diese Gattung hineinschreibe, weiß ich natürlich, die Modestrecken, die transportierten Körperbilder, das ist alles großer Käse. Mir dreht sich der Magen um, wenn Pre-Teenager als Double von erwachsenen Frauen inszeniert werden. Weil ihr BMI passt. Normalgewichtige (also so alles ab Gr. 36, haha), kleine, nicht-weiße Frauen habe ich nicht gefunden. Da hilft nur ein nein. Und Kritik. Denn Bilder sind die Sprache, die Frauen zuerst beigebracht wird (Nicht groß, nicht dünn, nicht lächelnd, nicht – bitte weitere Spezifikation hier einsetzen – genug, ihr kennt das.) Unerreichbare Standards braucht keine. Das Leben ist schon kompliziert genug. Ich bin auch nicht klug genug, um das zu durchschauen. Ich stehe da auch nicht drüber. Weil das Problem strukturell ist & nichts damit zu tun hat, wie ich Umgehungslösungen für mich finde.

Das ist beschissen. Aber…ehrlicher weise ist es in allen Medien gleich beschissen. Frauenzeitschriften sind nicht der einzige Ort, an dem das passiert. Und weil sie es besser könn(t)en. Weil ich glaube, dass auch dort kluge & witzige Frauen arbeiten, sollte ich als kluge & witzige Leserin, die die Themen interessieren, nur eben nicht immer so, wahrscheinlich nur eines tun. Weiter kritisieren, aber AUCH Besseres verlangen. Mehr von dem & weniger von dem anderen. Ja, ja, ich weiß, dann laufen die Anzeigenkunden weg & meine schöne Zeitschrift ist schneller tot, als mir lieb ist. Ich weiß auch, dass die BRIGITTE mit den echten Frauen gescheitert ist (aus vielen Gründen, was ein neuer Post ist).

Die erste Beichte des neuen Jahres. Ich bin eine FABDFL.

Aber das sind meine nächtlichen naiven Gedanken. Vielleicht geht mein Interesse für Frauenzeitschriften doch tiefer, als es mir bewusst war. Vielleicht gibt es mehr als die in ihnen verstecken Bloganlässe, die mich zur Leserin machen. Die erste Beichte des neuen Jahres muss daher wohl lauten: Ich bin anscheinend eine FABDFL – eine feministisch-angehauchte Bloggerin, die Frauenzeitschriften liest.

Postscript: Deshalb freut mich dieser Tweet. Vielleicht geht das ja in meine Richtung. Zielgruppe wird wohl nicht ganz meine Altersgruppe sein, aber man muss ja an die nächste Generation denken. Ninia la Grande hat bald mehr auf ihrem Blog versprochen. Ich freue mich drauf. Wenn ich weniger Frauenzeitschriften kaufe, habe ich Geld für das Crowdfunding frei.

Vielen Dank, liebe Ordnungs- & Putzliteratur – ich brauche es wirklich nicht aufgeräumter

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir Gedanken zur Hausarbeit mache. Wer nicht schonmal gestöhnt hat, werfe den ersten Stein. Wie das so ist mit unliebsamen Dingen, macht man sich tendenziell viel lieber Gedanken darüber, wie man das Ungeliebte schneller & effizienter erledigen kann (wahlweise inklusive Selbstmitleid), als es anzupacken. Ich war also eigentlich ganz interessiert, als mir ein neues Buch in die Hände fiel, was nicht weniger als Magisches Aufräumen verspricht. Nur der Zauberstab wurde nicht mitgeliefert. Vielleicht ist er personalisiert & muss in der Winkelgasse separat erworben werden, dachte ich & machte mich ans Lesen.

Es handelt es sich eigentlich um zwei Bücher, die in Japan die Bestsellerlisten stürmten. Ist es dort nicht sehr beengt? Wahrscheinlich hat die Idee, keinen Platz mehr mit sinnlosem Kram zu verschwenden, deshalb so eingeschlagen. Die Autorin baut gerade ein Imperium darauf auf, Menschen das Aufräumen beizubringen. Es geht nämlich gar nicht so sehr ums Putzen sondern vielmehr ums Ordnung schaffen. Zauberwort: Vereinfachen. Denn, so die unbestechliche Logik, wer weniger Zeug hat, muss auch weniger aufräumen.

Das Ganze funktioniert wie eine BILD DER FRAU-Kolumne. Überforderte Klientin (ja, häufiger Frauen) schildert Problem & Autorin hilft. Man kann sie auch auf youtube bewundern, wie sie von ihrer frühkindlichen Faszination für Haushaltsratgeber schwärmt. Gut, es hilft aber kein Herumgerede. Frauen machen eben den Großteil der Hausarbeit. Sind also die Zielgruppe. Insofern muss man nicht am Symptom herumkritteln sondern vielmehr an der Krankheit. Ich hoffe, dass niemand ernsthaft erwartet, dass er jetzt Tipps für eine lebenslange Ordnung erhält. Trotzdem sei kurz die Idee erklärt.

Alles, was uns nicht glücklich macht, soll raus aus dem Leben. Wegschmeißen. Rigoros.

Alles, was uns nicht glücklich macht, soll raus aus dem Leben. Wegschmeißen. Rigoros. Wie finde ich raus, was mich glücklich macht? Gegenstand ans Herz halten & den eigenen Gefühlen nachspüren. Wenn nichts kommt. Weg damit. Nicht noch liegen lassen & gucken, ob man es noch braucht. Man kann sich auch gern verabschieden & bedanken, dass die Dinge einen gehen lassen. („Hey, keine Ursache“ sagte die Socke.)

Uff. Nun im besten Fall führt der Fokus auf die Reduktion des Besitzes zu einem achtsameren Konsum. Aber mal ehrlich, das geht nicht. Nicht nur, weil meine Dinge nicht mit mir reden. Es gibt soviel, was bei mir keine Gefühle auslöst – Waschmittel, Plätzchenausstechformen, mein Auto. Brauche ich trotzdem. Und dann gibt es Dinge, die bei mir sehr klare Gefühle auslösen…der Papierstapel für die Steuererklärung oder diverses piependes Plastikspielzeug. Und die ich trotzdem nicht wegschmeißen kann. Weil & hier offenbart sich die erste Schwäche der Idee, ich wohne ja nicht allein. Was machen wir da? Halten wir alles einmal Reihe rum an die Brust & addieren & subtrahieren die geflossene Liebe?

Vielleicht habe ich es noch nicht verstanden. Vielleicht bin ich noch nicht soweit. Noch nicht bereit für lustige Rolltechniken, mit denen man das Bügeln vermeiden kann (wenn man die Wäsche nicht routinemäßig aus der Maschine einfach irgendwo hin kippt) & Zaubermethoden zum Stapeln & Schichten für mehr Platz.

Nach der Trennung vom Ballast käme dann laut Ratgeber alles an seinen festen Platz & schon ist man fertig mit dem Aufräumen. Wie in allen guten Selbsthilfebibeln, läuft auch hier nichts ohne Zusatznutzen. Denn es geht nicht nur um Ordnung.

Wie in allen guten Selbsthilfebibeln, läuft auch hier nichts ohne Zusatznutzen.

Zur aufgeräumten Wohnung gibt es nichts Geringeres als ein glücklich-erfülltes Leben dazu. Frei nach dem Motto „Halten Sie nicht nur ihre Wohnung, sondern auch ihre Seele sauber.“ Mit dem Ende des Chaos passieren die guten Dinge im Leben der Klienten. Die Hilfesuchenden bekommen neue Jobs & retten ihre Ehen. Die innere Ordnung überstrahlt endlich das Chaos des Lebens.

Und hier kommt mein zweites Problem. Mir geht langsam diese sakrale Aufladung der neuen Einfachheit auf den Keks. Reduzierter leben, so steht es überall, ist so natürlich wie atmen. Wenn man sich nur einmal darauf einlässt, bricht sich die reinigende Wirkung bahn. Wer dies nicht tut, hat nicht nur nichts kapiert. Irgendwie ist man auch ein schlechterer Mensch, weil man ja nie nur seine Umgebung vermüllen kann. Immer zeigt sich in ihr auch der eigene unaufgeräumte Kopf.

Was ist daran schlecht? Ich habe gern ein volles Leben. Und kein spärliches. Das Buch hat mir eine schöne Erkenntnis gebracht. Ich brauche es nicht aufgeräumter. Mein Problem sind nicht wirklich die vielen Dinge. Wenn überhaupt ist es mein fehlender Fokus. Ich will so vieles machen, dass ich mehrere Leben bräuchte. Dafür könnte ich so vieles dann gut gebrauchen. (Ich weiß, Messies sagen auch, dass sie alles noch brauchen, wenn man die 200 Müllsäcke aus der Wohnung trägt.) Meine Unordnung mag sächlich greifbar sein. (Kurzer Blick in die Wohnung. Ok, sie ist sächlich greifbar.) Aber sie existiert auch mental.

So, & jetzt schlage ich den Bogen zurück zum Buch. Mal angenommen, ich mache das & finde mich in einer zen-artigen Einfachheit wieder. Was würde passieren?

Mein inneres Haus wäre dann auch leer.

Angeblich sortiert sich alles in meinem Kopf. Mein inneres Haus wäre dann auch leer. Das will ich nicht. Ich würde mein Chaos gern behalten. Die meiste Zeit ist es nämlich ganz bereichernd so ohne Fokus, voller Gedanken. Sollte also irgendwann mal jemand bei mir vorwurfsvoll eine Wollmaus vom Parkett lesen oder von herausfallenden Kleidungsstücken begraben werden, werde ich auf meinen Kopf zeigen & stolz sagen: „Wenn du wüsstest, wie es hier drin aussieht.“