Kinder & Küche, Leben & Lesen
Kommentare 11

Über Hausarbeit – Wem gehört mein Dreck?

In dieser Woche geisterte die Putzfrauenfrage durch meine Timeline. Zunächst kündigte jemand an, nun endlich auch eine Putzfrau haben zu wollen. Dann wurden Erfahrungen & Tipps getauscht.  Wie sollte so ein Bewerbungsgespräch ablaufen? Darf man die Putzfrau Probe putzen lassen? Wie läuft das mit dem Schlüssel, was sollte man wegräumen? Es wurde kontrovers diskutiert, in einem Punkt aber herrschte Einigkeit. Man beglückwünschte die Twitterin, eine Mutter von 2 Kindern, zu ihrer Entscheidung. Super, dass sie sich dafür entscheidet, das würde das Leben einfacher machen. Leicht  feministische Züge hatte das Ganze. Für die Hausarbeit kann man sich heute durchaus Hilfe holen, das muss man als Frau nicht mehr alles selbst machen.

Diese Untertöne finden sich häufig auch in Berichten über Vereinbarkeit von Familie und Job.  Eine Fernsehdoku diese Woche portraitierte eine „Karrierefrau“ (Konstellation: Mann und Frau arbeiten in erfolgreichen Jobs mit Reisetätigkeit und haben Kinder) ganz ähnlich wie eine 37 Grad-Folge vom Anfang des Jahres. Schaffen kann die Frau dies alles, weil sie gut organisiert. Gut organisiert als Synonym für gut wegorganisiert – mit Kindermädchen und Wäscheservice und natürlich der Putzfrau.

Aus dem bisschen Haushalt wird „Dann hol dir doch Hilfe!“

Eines vorab, auch ich hasse putzen. Aufräumen und sauber machen ist etwas, das mich am meisten nervt. Es fällt mir extrem schwer, wie Christine Karafyllis zu sagen: „Ich putze gern.“, obwohl ich das Buch gern gelesen habe und es einige Denkanstöße bietet. Mit meiner Abneigung bin ich nicht allein.

Warum ist Putzen so nervig? In All Joy And No Fun dröselt Jennifer Senior das Ganze schön auf. Putzen versetzt einen nicht wie andere Tätigkeiten in einen FLOW- Zustand. Das eigentliche Ergebnis währt nur kurz, Anerkennung gibt es kaum. Wer nochmal auf Twitter schaut merkt außerdem schnell: Putzen ist nicht cool. Gerade wer sich als Feministin bezeichnet, hat kein Bügeleisen und schaut prinzipiell nicht unter die Schränke. Kochen lässt sich vielleicht noch in eine schöne Freunde- und Partneraktivität umdeuten (Wenn es nicht das tägliche notwendige Kochen ist.), aber Putzen… Eine ironische Beschäftigung mit angeblichen Standards ist wichtig, um sie zu durchbrechen. Insofern Daumen hoch dafür, dass Frauen sich untereinander bestärken, dass es nicht immer klinisch rein sein muss.

Solche Aussagen untermauern aber auch:  Putzen hat ein ziemliches Imageproblem gerade unter gut ausgebildeten Frauen. Noch verwunderlicher finden die Meisten daher wahrscheinlich den zweiten Satz von Christine Karafyllis: „Ich putze selbst.“ Sobald man sich beruflich und finanziell in bestimmten Bahnen bewegt, gehört die Putzfrau zur Grundausstattung. Wenn ich mich mit Kolleginnen darüber unterhalte, dass gerade alles ein bisschen viel ist, bekomme ich oft zu hören: „Stimmt, du putzt ja auch noch selbst.“ Meine über 70jährige Nachbarin fühlt sich bemüßigt nachzufragen, ob sie ihre Putzfrau mal fragen sollte, nachdem sie den Staubsauger hört.

Wenn Frauen über Überlastung klagen, ist oft der erste Ratschlag, sich Hilfe im Haushalt zu holen. Gesellschaftlich scheint es anerkannt, dass man mit einer bestimmten Art von Job und spätestens mit Kindern nicht mehr selbst putzt.

Aber wer putzt dann? Die anderen Frauen. Nicht zu putzen mag eine befreiende Wirkung auf die Frau haben, die die Putzfrau beschäftigt. Aber was ist mit der, die putzt? Die Grafik verschränkt interessanterweise Hausangestellte und Frauen in Führungspositionen in globaler Perspektive.

Unbenannt

Dass man in Deutschland nicht einfach abwinken kann, wenn es um die Situation von Putz- und Pflegekräften zeigt ein Interview, das vergangene Woche beim Deutschlandfunk zu hören war. Ein Zitat hieraus: „Ich denke, solange das weitgehend in der Privatheit bleibt und auch als Aufgabe den Frauen überwiegend zugewiesen wird – den Arbeitgeberinnen oder auch den Beschäftigten, ist es für die Gesellschaft relativ billig.“

Das ist der erste Aspekt, wieso ich über die Putzfrau 2x nachdenke. Ist es nicht mein Dreck? Geht meine eigene Freiheit vom Rollenbild nicht auf Kosten einer anderen? Hier gibt es sicher noch viele Aspekte zu beachten, ich bin keine Expertin.

Die andere mitschwingende Frage im Deutschlandradiointerview finde ich auch noch viel interessanter. In der Privatheit… als Aufgabe der Frau…

Ohne Zeigefinger – Na ja, vielleicht ein bisschen auf die Männer zeigen

Ich mag es nicht, wenn Frauen einander erzählen, wie man Dinge zu tun hat und sich so noch mehr normieren. Oft redet man dann nämlich darüber, wie man klassische Frauenaufgaben zu tun hat und das ist eine der effektivsten Methoden limitierende Rollenbilder zu verbreiten. Deshalb ganz deutlich: Keine soll ein schlechtes Gewissen haben, weil sie eine Putzfrau hat.

Aber genau darum geht es mir. Im Hinterkopf ist doch immer noch die Vorstellung, dass für Sauberkeit sorgen eine Frauenaufgabe ist. Verantwortlich ist die Frau, ob sie selbst putzt oder sich um jemanden kümmert, der dies erledigt. Schon mal Geschäftsführer gesehen, die Daten von Putzfrauen austauschen? Männer beschäftigen sich mehr mit ihren Kindern oder sehen das Kochen durchaus auch als ihre Aufgabe. Aber die richtigen Banalitäten der Hausarbeit sind weiterhin oft Frauensache. Nicht an den abspülenden Mann denken sondern mal an den Klassiker: Wer putzt das Bad?

Also, wem gehört der Dreck? Denen, die ihn verursacht haben. Wenn man also nicht allein die Wohnung verwüstet, beiden, allen, Mann und Frau. Dann dürfen sich gern auch beide darum kümmern, was mit ihrem Dreck passiert.

Wenn sich also jemand eine Putzfrau leistet und dafür anerkennend gesagt bekommt „Klasse, dass du dich frei machst und dir Hilfe holst.“ habe ich im Hinterkopf: Vom Putzen magst du befreit sein, aber die Aufgabe, dich um den Dreck zu kümmern bist du nicht los.

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on TumblrEmail this to someoneShare on Google+

11 Kommentare

  1. Chapeau! Sie bringen auf den Punkt, was mir zum Thema schon lange durch den Kopf geht. Und am Ende fühlte ich mich doch ertappt, denn während ich heute die Hecke meiner Schwiegereltern schnitt, säuberte mein Mann zuhause das Klo. So weit, so gut – wäre da nicht dieses schlechte Gewissen und das Gefühl, es hätte vielleicht eigentlich umgekehrt sein sollen. Nicht, dass mir das Heckeschneiden keinen Spaß gemacht hätte – ich mag Arbeit, die körperliche Kraft erfordert. Aber ganz tief in meine Geschichte und Erziehung ist eingebrannt, Toilette und Waschbecken zu reinigen sei Frauensache. Ich habe die Hoffnung, dass es mir vielleicht irgendwann auch noch gelingt, diese Vorstellung wirklich im Fühlen zu beseitigen, nicht nur im Denken.

  2. Vielen Dank für den Kommentar! Mir geht es ganz genauso. Aber sich darüber bewusst zu werden, dass es auch anders sein kann & wo die eigenen Ansprüche herkommen, ist schon ein erster Schritt sage ich mir immer.

  3. Pingback: In diesem Post geht es ums Kochen, ich komme auch gleich dazu. | makellosmag

  4. Pingback: Putzen gegen Sex | makellosmag

  5. Pingback: Die Perfidität des (Nicht-)Aufräumens | aufZehenspitzen

  6. dieLulia sagt

    Liebe Corinne,
    in Familien gibt es oft nur zwei Sorten von Dreck, Chaos, oder wie immer man den herumliegenden Trödel nennen mag: Den eigenen und den anderen. Leider definieren die meisten Familienmitglieder beides sehr unterschiedlich. Augeräumt werden die Dinge, die klar jemandem gehören. Alles, was nicht klar zuordenbar ist – und das ist eine Menge!!! – , bleibt liegen. Oder würde liegen bleiben, wenn sich nicht „jemand“ (guess who?!) dafür verantwortlich fühlen würde. Und das ist nicht nur ungerecht, sondern sehr anstrengend. Zumindest für mich. Putzfrau mag zwar eine Hilfe sein, dieses Problem mit der Verantwortung löst sie allerdings nicht.

    • Das kann ich sehr gut nachvollziehen, die Gesamtverantwortung bleibt eben meistens bei der Frau. Merkt man ja auch gern daran, dass Mama immer weiß/ bzw. wissen soll, wo sich dieses & jenes gerade befindet (weil von ihr oft weggeräumt). 🙂

  7. Verena sagt

    Liebe Corinne,

    diese Woche bin auch ich -wieder- mit dem Thema „Dreck“ in Berührung gekommen.

    Ich lebe mit meiner Familie (Mann, zwei kleine Kinder, Katze) seit einigen Jahren wieder in meinem Heimatdorf.

    Vor ein paar Tagen kamen zwei Handwerker zu uns: ein älterer und ein sehr junger (Azubi?), um in verschiedenen Zimmern unserer Wohnung etwas an den Heizkörpern auszutauschen.
    Zwar hatte ich -wie mir von klein auf eingetrichtert worden war: „Was sollen denn die Leute denken?!“- den Besuch ein wenig vorbereitet, also halbwegs aufgeräumt und zumindest den gröbsten Dreck beseitigt, aber als ich die beiden Männer dann herein ließ, wurde mir ganz warm – vor Scham.
    Plötzlich sah ich überall deutlich die Spuren meines Daseins als „faule Schlampe, die den ganzen Tag zu Hause ist“. Ich betrachtete mich mit den Augen des älteren Handwerkers aus der Generation „Frau zu Hause kümmert sich um Haushalt und Kinder“ und mit denen des Azubis „Bah, wie fies, die Alte hat doch den ganzen Tag nichts zu tun, nicht mal putzen kann die!“
    Jedoch: Nicht die beiden Männer haben mir durch Worte oder Verhalten diese Gefühle von Versagen und Scham vermittelt, sondern einzig MEINE EIGENEN GEDANKEN!
    Ich betrachte MICH ALSO SELBST als „faule Schlampe, die nicht mal den Haushalt auf die Reihe bekommt“.

    Warum stört es mich -und auch Mann und Kinder- kaum, nicht unter den besten hygienischen Bedingungen zu leben und Hausarbeit nur dann zu verrichten, wenn sie nötig bzw. unumgänglich ist? Stattdessen mehr Zeit miteinander oder aber auch alleine mit den Dingen zu verbringen, die uns wichtig sind und uns glücklich machen?
    Warum kann ich nicht auch gegenüber fremden Menschen selbstbewusst meine Einstellung vertreten, dass ich am Ende meines Lebens lieber auf die bindungsorientierte Begleitung meiner Kinder und gelebte Kreativität als auf eine stets saubere Wohnung zurückblicken möchte?
    Wieso ist es für mich so schwer, dazu zu stehen, dass weder Zeit noch Energie ausreichen, um beides zu schaffen?
    Warum fühle ich mich -als Frau/Mutter/Nicht-Vollzeit-Erwerbstätige- anderen gegenüber allein dafür verantwortlich, dass es bei uns „so aussieht“, obwohl mein Mann und ich gemeinsam beschlossen haben, dass es OK ist und wir beide dafür verantwortlich sind?
    Warum übernehme ich teilweise seine Aufgaben, nur weil andere mir bei Nicht-Ausführung die Verantwortung dafür zuschreiben?

    Diese Fragen kann wahrscheinlich nur ich selbst mir beantworten, aber vielleicht hast du oder jemand anderes ja schon Antworten auf ähnliche Fragen gefunden, die mir auf meinem Weg weiterhelfen.

    Liebe Grüße,
    Verena

    • Liebe Verena, das kenne ich auch sehr gut, über Handwerker (und das Aufräumen davor) habe ich auch mal geschrieben. Was da wirkt, sind eben Rollenbilder und die sind nicht nur hartnäckig, sondern wir geben sie meist noch selbst weiter, indem wir diese Gedanken haben. Ich denke da kann man nur sich dessen bewusst sein und versuchen, die Gedanken wegzuschieben, wenn sie einem ein schlechtes Gewissen machen. Klappt mal besser und mal schlechter. Ich kenne auch dieses Gefühl gut, dass man ja „nur“ Kinder und Haushalt hat, es gibt eben dafür viel zu wenig gesellschaftliche Anerkennung. Aber spätestens wenn dann mal jemand anders die eigenen Aufgaben übernimmt, merkt man ja immer schnell, dass die eigene Arbeit eine Menge Arbeit ist, wenn derjenige dann abends auch völlig fertig auf der Couch sitzt. 😉 Ich wünsch dir alles Liebe, Corinne

      • Verena sagt

        Liebe Corinne,

        vielen Dank für deine Antwort! 🙂

        Ich habe mich heute länger mit meinem Mann über das Thema unterhalten und bin für mich zu folgender Lösung gekommen (der Praxistest steht allerdings noch aus ;-)):
        In Zukunft werde ich mir in diesen „Handwerker-Momenten“ bewusst machen, dass mein Mann und ich aus guten Gründen (! – fehlende Energie, Zeitmangel, andere Prioritäten) gemeinsam (!) entschieden (!) haben, dass wir beide mit unserer aktuellen Haushaltsführung und ihren Konsequenzen klar kommen. Und es niemand anderen etwas angeht, nach welchen Kriterien wir unser Leben ausrichten.

        Wir haben in unserem Gespräch außerdem festgestellt, dass wir z. B. für unsere Freunde putzen (also keine Ecken, nur die Basics im Bad und mal durchsaugen), weil wir möchten, dass sie sich bei uns wohl fühlen, nicht aus Angst davor, was sie von uns halten könnten.
        Putzen als Liebesdienst sozusagen.

        Es war sehr befreiend, sich das mal so deutlich vor Augen zu führen! 🙂

        Liebe Grüße,
        Verena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.