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Über Hausarbeit – Wem gehört mein Dreck?

In dieser Woche geisterte die Putzfrauenfrage durch meine Timeline. Zunächst kündigte jemand an, nun endlich auch eine Putzfrau haben zu wollen. Dann wurden Erfahrungen & Tipps getauscht.  Wie sollte so ein Bewerbungsgespräch ablaufen? Darf man die Putzfrau Probe putzen lassen? Wie läuft das mit dem Schlüssel, was sollte man wegräumen? Es wurde kontrovers diskutiert, in einem Punkt aber herrschte Einigkeit. Man beglückwünschte die Twitterin, eine Mutter von 2 Kindern, zu ihrer Entscheidung. Super, dass sie sich dafür entscheidet, das würde das Leben einfacher machen. Leicht  feministische Züge hatte das Ganze. Für die Hausarbeit kann man sich heute durchaus Hilfe holen, das muss man als Frau nicht mehr alles selbst machen.

Diese Untertöne finden sich häufig auch in Berichten über Vereinbarkeit von Familie und Job.  Eine Fernsehdoku diese Woche portraitierte eine „Karrierefrau“ (Konstellation: Mann und Frau arbeiten in erfolgreichen Jobs mit Reisetätigkeit und haben Kinder) ganz ähnlich wie eine 37 Grad-Folge vom Anfang des Jahres. Schaffen kann die Frau dies alles, weil sie gut organisiert. Gut organisiert als Synonym für gut wegorganisiert – mit Kindermädchen und Wäscheservice und natürlich der Putzfrau.

Aus dem bisschen Haushalt wird „Dann hol dir doch Hilfe!“

Eines vorab, auch ich hasse putzen. Aufräumen und sauber machen ist etwas, das mich am meisten nervt. Es fällt mir extrem schwer, wie Christine Karafyllis zu sagen: „Ich putze gern.“, obwohl ich das Buch gern gelesen habe und es einige Denkanstöße bietet. Mit meiner Abneigung bin ich nicht allein.

Warum ist Putzen so nervig? In All Joy And No Fun dröselt Jennifer Senior das Ganze schön auf. Putzen versetzt einen nicht wie andere Tätigkeiten in einen FLOW- Zustand. Das eigentliche Ergebnis währt nur kurz, Anerkennung gibt es kaum. Wer nochmal auf Twitter schaut merkt außerdem schnell: Putzen ist nicht cool. Gerade wer sich als Feministin bezeichnet, hat kein Bügeleisen und schaut prinzipiell nicht unter die Schränke. Kochen lässt sich vielleicht noch in eine schöne Freunde- und Partneraktivität umdeuten (Wenn es nicht das tägliche notwendige Kochen ist.), aber Putzen… Eine ironische Beschäftigung mit angeblichen Standards ist wichtig, um sie zu durchbrechen. Insofern Daumen hoch dafür, dass Frauen sich untereinander bestärken, dass es nicht immer klinisch rein sein muss.

Solche Aussagen untermauern aber auch:  Putzen hat ein ziemliches Imageproblem gerade unter gut ausgebildeten Frauen. Noch verwunderlicher finden die Meisten daher wahrscheinlich den zweiten Satz von Christine Karafyllis: „Ich putze selbst.“ Sobald man sich beruflich und finanziell in bestimmten Bahnen bewegt, gehört die Putzfrau zur Grundausstattung. Wenn ich mich mit Kolleginnen darüber unterhalte, dass gerade alles ein bisschen viel ist, bekomme ich oft zu hören: „Stimmt, du putzt ja auch noch selbst.“ Meine über 70jährige Nachbarin fühlt sich bemüßigt nachzufragen, ob sie ihre Putzfrau mal fragen sollte, nachdem sie den Staubsauger hört.

Wenn Frauen über Überlastung klagen, ist oft der erste Ratschlag, sich Hilfe im Haushalt zu holen. Gesellschaftlich scheint es anerkannt, dass man mit einer bestimmten Art von Job und spätestens mit Kindern nicht mehr selbst putzt.

Aber wer putzt dann? Die anderen Frauen. Nicht zu putzen mag eine befreiende Wirkung auf die Frau haben, die die Putzfrau beschäftigt. Aber was ist mit der, die putzt? Die Grafik verschränkt interessanterweise Hausangestellte und Frauen in Führungspositionen in globaler Perspektive.

Unbenannt

Dass man in Deutschland nicht einfach abwinken kann, wenn es um die Situation von Putz- und Pflegekräften zeigt ein Interview, das vergangene Woche beim Deutschlandfunk zu hören war. Ein Zitat hieraus: „Ich denke, solange das weitgehend in der Privatheit bleibt und auch als Aufgabe den Frauen überwiegend zugewiesen wird – den Arbeitgeberinnen oder auch den Beschäftigten, ist es für die Gesellschaft relativ billig.“

Das ist der erste Aspekt, wieso ich über die Putzfrau 2x nachdenke. Ist es nicht mein Dreck? Geht meine eigene Freiheit vom Rollenbild nicht auf Kosten einer anderen? Hier gibt es sicher noch viele Aspekte zu beachten, ich bin keine Expertin.

Die andere mitschwingende Frage im Deutschlandradiointerview finde ich auch noch viel interessanter. In der Privatheit… als Aufgabe der Frau…

Ohne Zeigefinger – Na ja, vielleicht ein bisschen auf die Männer zeigen

Ich mag es nicht, wenn Frauen einander erzählen, wie man Dinge zu tun hat und sich so noch mehr normieren. Oft redet man dann nämlich darüber, wie man klassische Frauenaufgaben zu tun hat und das ist eine der effektivsten Methoden limitierende Rollenbilder zu verbreiten. Deshalb ganz deutlich: Keine soll ein schlechtes Gewissen haben, weil sie eine Putzfrau hat.

Aber genau darum geht es mir. Im Hinterkopf ist doch immer noch die Vorstellung, dass für Sauberkeit sorgen eine Frauenaufgabe ist. Verantwortlich ist die Frau, ob sie selbst putzt oder sich um jemanden kümmert, der dies erledigt. Schon mal Geschäftsführer gesehen, die Daten von Putzfrauen austauschen? Männer beschäftigen sich mehr mit ihren Kindern oder sehen das Kochen durchaus auch als ihre Aufgabe. Aber die richtigen Banalitäten der Hausarbeit sind weiterhin oft Frauensache. Nicht an den abspülenden Mann denken sondern mal an den Klassiker: Wer putzt das Bad?

Also, wem gehört der Dreck? Denen, die ihn verursacht haben. Wenn man also nicht allein die Wohnung verwüstet, beiden, allen, Mann und Frau. Dann dürfen sich gern auch beide darum kümmern, was mit ihrem Dreck passiert.

Wenn sich also jemand eine Putzfrau leistet und dafür anerkennend gesagt bekommt „Klasse, dass du dich frei machst und dir Hilfe holst.“ habe ich im Hinterkopf: Vom Putzen magst du befreit sein, aber die Aufgabe, dich um den Dreck zu kümmern bist du nicht los.

 

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8 Kommentare

  1. Chapeau! Sie bringen auf den Punkt, was mir zum Thema schon lange durch den Kopf geht. Und am Ende fühlte ich mich doch ertappt, denn während ich heute die Hecke meiner Schwiegereltern schnitt, säuberte mein Mann zuhause das Klo. So weit, so gut – wäre da nicht dieses schlechte Gewissen und das Gefühl, es hätte vielleicht eigentlich umgekehrt sein sollen. Nicht, dass mir das Heckeschneiden keinen Spaß gemacht hätte – ich mag Arbeit, die körperliche Kraft erfordert. Aber ganz tief in meine Geschichte und Erziehung ist eingebrannt, Toilette und Waschbecken zu reinigen sei Frauensache. Ich habe die Hoffnung, dass es mir vielleicht irgendwann auch noch gelingt, diese Vorstellung wirklich im Fühlen zu beseitigen, nicht nur im Denken.

  2. Vielen Dank für den Kommentar! Mir geht es ganz genauso. Aber sich darüber bewusst zu werden, dass es auch anders sein kann & wo die eigenen Ansprüche herkommen, ist schon ein erster Schritt sage ich mir immer.

  3. Pingback: In diesem Post geht es ums Kochen, ich komme auch gleich dazu. | makellosmag

  4. Pingback: Putzen gegen Sex | makellosmag

  5. Pingback: Die Perfidität des (Nicht-)Aufräumens | aufZehenspitzen

  6. dieLulia sagt

    Liebe Corinne,
    in Familien gibt es oft nur zwei Sorten von Dreck, Chaos, oder wie immer man den herumliegenden Trödel nennen mag: Den eigenen und den anderen. Leider definieren die meisten Familienmitglieder beides sehr unterschiedlich. Augeräumt werden die Dinge, die klar jemandem gehören. Alles, was nicht klar zuordenbar ist – und das ist eine Menge!!! – , bleibt liegen. Oder würde liegen bleiben, wenn sich nicht „jemand“ (guess who?!) dafür verantwortlich fühlen würde. Und das ist nicht nur ungerecht, sondern sehr anstrengend. Zumindest für mich. Putzfrau mag zwar eine Hilfe sein, dieses Problem mit der Verantwortung löst sie allerdings nicht.

    • Das kann ich sehr gut nachvollziehen, die Gesamtverantwortung bleibt eben meistens bei der Frau. Merkt man ja auch gern daran, dass Mama immer weiß/ bzw. wissen soll, wo sich dieses & jenes gerade befindet (weil von ihr oft weggeräumt). 🙂

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