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Der lange Weg zur Tinkerbell-Geburtstagstorte (…der feministischsten aller Backwerke)

Mitte der Woche habe ich meine Kochfreude geteilt & schon gibt es die Gelegenheit für den ersten Backpost. Es ist nämlich Kindergeburtstagszeit. Nun hatte ich nicht sonderlich viel darüber nachgedacht, was für eine Mutter ich sein wollte, bevor mein Kind in mein Leben trat. Eine grandiose, soviel war klar. Aber die Details waren (und sind manchmal) noch erstaunlich unausgeschmückt.

Eine Sache hatte ich mir trotzdem geschworen. Nie, nie, nie wollte ich einen dieser Kindergeburtstage nach bester Partyplanermanier mit Mottotischdecken, Goodie-Bag & dreistöckiger Mottotorte feiern.

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So in der Art – nicht.

Was soll ich sagen, man wird Mutter & kapituliert irgendwann. Spaß beiseite, eine riesen Einladungsveranstaltung gibt es nicht. Aber ehrlicherweise ist der Wunsch auch noch nicht mit Nachdruck aufgekommen. Fragt mich nochmal im nächsten Jahr.

Was ich aber tatsächlich jedes Jahr mache, ist, eine Torte zu backen.

Im auslösenden ersten Jahr war es auch die Nostalgie der zu Ende gehenden Elternzeit, die mich zur Internetrecherche nach Rollfondant (die eingefärbte Zuckermasse, mit der man verzieren kann) trieb.

Jetzt ist es schöne Tradition & mir macht das Überlegen & Backen Spaß. Da ich nur einmal im Jahr so eine Torte mache, vergesse ich in den 12 Monaten dazwischen immer wieder verlässlich den Aufwand & lege voller Tatendrang los.

Während ich bisher in der Themenwahl relativ frei war, ist der persönliche Geschmack des Kleinkindes nun ausgeprägt. Wir sind gerade in einer Feen- & Hexenphase. Das bedeutet, dass sich nun neben mir im Kindersitz redlich bemüht wird, Stop & Go im Stadtverkehr weg zu hexen & dass Tinkerbell Herrscherin über das Kinderreich ist.

Als Tinkerbell das erste Mal in unser Leben trat, habe ich ziemlich die Nase gerümpft (Disney, blonder Zopf & kurzes Kleid). Aber Tinkerbell ist eine ziemlich coole Fee. In den Geschichten, die ich kenne, ist sie abenteuerlustig, mutig & clever. Und mit Freundschaft & einer Prise Feenglanz als Motto lässt sich ganz gut leben. (Das sage ich nicht nur, weil ich euch das mit dem Backen verkaufen will. Und obendrein feministische Kochposts versprochen habe.)

Das diesjährige Backen – mit Warnhinweis

Achtung: Ich schreibe es jetzt für mich & die Nachwelt auf. Mit so einer Torte ist man schön einen Tag lang beschäftigt. Und intellektuell nicht unterkomplex ist das Ganze auch. Während ich in den ersten Arbeitsgängen noch eine Diskussion auf Deutschlandradio hörte, schaltete ich nach zweimaligem Vergessen des Eiertrennens aus guten Gründen auf die Spotify-Playlist „Best of 90s“ um. PS: An mein Ich im nächsten Jahr & Nachmachwillige mit weniger als 5 Stunden Zeit: Es soll fertige Biskuitböden & Mousse auch Chocolat zum Anrühren geben.  

Gebacken habe ich drei Biskuitböden, zwei davon mit Kakaopulver

Der Boden wurde unmittelbar nach der Geburt getrennt.

Der Boden wurde unmittelbar nach der Geburt getrennt.

In die Mitte kam als Füllung Mousse au Chocolat. Viel Mousse au Chocolat. Schließlich ist es keine richtige Torte, wenn man nicht nach einem halben Stück bewegungsunfähig in der Ecke liegt.

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Hier dachte ein ungenannter Twitternutzer bereits, ich wäre fertig. Wäre auch zu schön gewesen.

Verziert habe ich mit fertigem Rollfondant in weiß, grün & rosa. (Wer richtig verrückt ist, kann den auch selbst machen. Braucht dann aber 2 Tage Urlaub mehr.) Die Tinkerbellfigur kann man auch bestellen.

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Die Bilder vom Entstehungsprozess. Der Rollfondant lässt sich gut mit dem Nudelholz ausrollen. Damit er nicht klebt, Arbeitsfläche mit Puderzucker bestäuben. Wusste ich beim Weißen noch nicht. Das Ergebnis habe ich dokumentiert (Risse).

Die lassen sich nachher gut mit Deko kaschieren. Zum Kleben habe ich Zuckerguss verwendet (einfach Puderzucker in warmen Wasser verrühren), oft wird aber auch Gebisskleber empfohlen. (Ich wollte mir den Spaß mit dem Beratungsgespräch zu geschmacksneutralem Gebisskleber eigentlich gönnen. Hat aber aus Zeitgründen nicht geklappt.). Vielleicht gibt es Tortenprofis unter den LeserInnen, die noch bessere Tipps haben. Dekoideen kann man sich ganz einfach im Netz besorgen. Mit einem Messer lässt sich der Rollfondant prima zurecht schneiden.

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Für die Rosen habe ich den Fondant einfach gerollt. Und so sieht die Torte dann aus.

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Wer jetzt wirklich noch will…

Ich bezweifle ja immer, dass irgendjemand Backposts liest & Kochshows guckt… & tatsächlich etwas nachmacht. Wen es doch interessiert, das sind die Zutaten für Böden  & Mousse.

Biskuitboden
100g Mehl
200 g Zucker
6 Eier
100 g Speisestärke
3 EL Kakaopulver (außer beim hellen)
1 TL Backpulver

Eiweiß (Eier werden getrennt) steif schlagen, Zucker langsam dazugeben & verrühren, Eigelb unterrühren, alle trockenen Zutaten mischen (Mehl, Kakao, Speisestärke, Kakao & Backpulver), alles vorsichtig unterheben, ca. 30 min. bei 175°Grad Umluft im vorgeheizten Backofen

Mousse au Chocolat
500g Schlagsahne
6 Eier
400g Zartbitterschockolade
60 g Zucker

Schokolade schmelzen, Eiweiß (Eier werden getrennt) steif schlagen, Sahne steif schlagen, Eigelb mit 2 EL warmen Wasser verrühren, Zucker langsam dazu geben & rühren bis das Ganze cremig wird, Schokolade unterrühren, Sahne & Eischnee unterheben, 1-2 Stunden kalt stellen

Geschichtet habe ich dunkler Boden, Mousse, heller Boden, Mousse, dunkler Boden (oben muss ein Boden sein, sonst klappt es mit dem Fondantmantel nicht).

Hört, Hört – Podcastempfehlungen fürs Wochenende

Ich höre gern zu. Bei Podcasts zum Beispiel. Weil das Wochenende vor der Tür steht & die Wetterverhältnisse noch nicht die besten sind, gibt es hier fünf Episoden-Empfehlungen der letzten Wochen für euch:

Erstens 

Auf DRadio Wissen sprach Laura Gehlhaar, großstädtische Rollstuhlfahrerin, Sozialheldin & Bloggerin über ihr Bullshit-Bingo (Welche Kommentare man lieber lassen sollte.), Inklusion & die Frage, wie eigentlich festgelegt wird, was eine Behinderung ist. Viel Interessantes & viel Neues. Ich wusste z.B. nicht, dass nur 2.600 Euro angespart werden dürfen, wenn man auf Assistenz angewiesen ist. Das macht nicht nur Mehrverdienst & Karriere irgendwie ziemlich unattraktiv (Und man überlege sich, welche Geisteshaltung gegenüber Behinderten dahinter steht…) sondern bedeutet auch in einer Ehe, dass der Partner oder die Partnerin zur gleichen Einschränkung verdammt ist. Lauras Blog Frau Gehlhaar ist ebenfalls einen Besuch wert, aber den Meisten wahrscheinlich schon bekannt. Schließlich hat sie nur knapp den Goldene #Blogger 2014 als bestes Tagebuchblog verfehlt.

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Zweitens

Die Gewinnerin war das nuf, die man nicht mehr vorstellen muss. Seit 10 Jahren bloggt sie (bei mir intern mit dem Titel cool-ironisch-unaufgeregte Ehrenbloggerin). Für den Leitmotiv-Podcast hat sich das nuf mit Caspar Mierau unterhalten. Dabei ging es erfreulich wenig um ihren Blog & noch weniger um sie als vermeintliche Mama-Bloggerin, die sie ja gar nicht ist. Sondern mehr um Wikis, Wissensmanagement, Elternabende & künstliche Intelligenz. Man erfährt z.B. von der Lebensidee des nuf, die eigenen Augen (Die Augäpfel ließen sich wohl einige Zentimeter aus dem Kopf herausnehmen ohne größeren Schaden anzurichten.) einmal zueinander zu richten, damit sie sich anschauen. Um dann zu gucken, was passiert. Mehr Überzeugungsarbeit, dass sie eine  interessante Gesprächspartnerin ist, muss ich wohl nicht leisten.

Hier geht es zum Podcast.

Drittens

Meine Schwäche für die verarmte Aristokratie von der Insel im 21. Jahrhundert habe ich hier bereits offenbart. Der Deutschlandfunk hat englische Landsitze & ihre Bewohner besucht. In My Home is my castle trifft man auf Indianer & erfährt von Kindern, die ihren Eltern nur zu besonderen Anlässen präsentiert wurden. Butler allerdings können sich heute nur noch Fußballspieler leisten & nur diese Neureichen tragen brandneue Wachsjacken. Den wahren Aristokrat erkennt man am angewetzten Modell.

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Viertens

Ebenfalls eine Radioreportage ist diese. Über den Berliner Wedding mit dem leicht reißerischen Titel Das Glück ist rau und schmeckt nach Heroin. Bereits Fontane schrieb über den Berliner Stadtteil „Nützlichkeit und Nüchternheit herrschen souverän und nehmen der Erscheinung des Lebens allen Reiz und alle Farbe.“. Die heutige landläufige Meinung ist kaum eine bessere. Maximilian Klein konfrontiert sich auf seiner Spurensuche mit den eigenen Vorurteilen. Hörenswert.

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Fünftens

Männer & Frauen. Eine Geschichte voller Missverständnisse. Nicht erst seit Warum Frauen immer telefonieren & Männer ständig Bier trinken (oder wie immer das Buch auch hieß…) ist klar, dass die nicht zu leugnenden, tief sitzenden Unterschiede (was sonst) aus der Steinzeit kommen müssen. Genetisch einprogrammiert, seit wir alle in Höhlen lebten. Die letzte Netzdiskussion im Mommyblogger-Kosmos fand übrigens darüber statt, ob Männer aufgrund dieser genetischen Predisposition nicht in der Lage sind, Abwasch zu erkennen. Mama notes hatte hier eine wunderbare Replik geschrieben. Warum das mit der Steinzeit auch wieder nicht so einfach ist, erfährt man beim Hören dieser Episode des SWR2 Forum.  Gejagt & gekämpft haben dort nämlich auch die Frauen. Viele Skelette hatte man aufgrund der Grabbeigaben in den 70ern & 80ern als Männer eingestuft. Ohne zu testen. Eine Untersuchung der DNA zeigt jetzt: Das waren Frauen, die da mit Waffen ins Jenseits geschickt wurden. Mich könnt ihr aber ruhig mit meinem Kochgeschirr bestatten.

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Schönes Wochenende!

Bild: flickr – Tom Wigley CC by 2.0

„Wie ist das denn für sie, wenn Mitarbeiter mehrere Monate aussteigen? Sie sind ja nicht die Arbeiterwohlfahrt.“

Am Montagabend stolperte ich über die story in der ARD. Papa, trau dich! hieß es da, eine Reportage über Väter zwischen Kind & Karriere. Das klang interessant genug, um dranzubleiben. Die Sätze aus dem Off führten schnell dazu, dass mir der Mund offen stand & ich mir den Laptop schnappte. Inzwischen hat auch die FAZ über die Doku geschrieben. (Der Fluch des Bloggens, wenn man einen Text liegen lässt, weil man noch etwas daran machen will & dann die Tage verstreichen.) Ich beschloss heute aber doch nicht auf „löschen“ zu klicken, sondern die Best-Off Sätze mit der Welt zu teilen.

0:04Ringelpiez mit Anfassen, ein Mutter-Kind Kurs. Doch heute ist es anders.“ (Was könnte passiert sein? Statt „Wir gehen jetzt im Kreise.“ rappt heute Bushido? Fast. Ein Mann ist anwesend. An diesem Punkt weiß man eigentlich schon alles über die unterschiedliche Wahrnehmung von Erziehungsarbeit in der Doku.)

0:30 „Der Mann taucht ein in eine völlig andere Welt. Früher war er unter Ingenieuren.“ (Jetzt nur noch Frauen & Babythemen. Weil Frauen, auch wenn sie berufstätig (noch) ohne Kind sind, sich natürlich auch nur über Babies & Frauenthemen unterhalten (Fingernägel lackieren, schmerzende Highheels, Kuchen backen & so.) Die interviewten Frauen im Kurs teilen die Weltsicht der Redaktion „Das ist eher Frauensache.“; „Mein Mann hätte nicht teilgenommen, weil es ihn zu viele Frauen gewesen wären.“ – Männer & Frauen kommen also nur zur Paarung zusammen.)

2:25 Man interviewt die Personalerin bei Bosch (dem Arbeitgeber des Mannes, der 7 Monate Elternzeit nimmt. 7 Monate, also 0,6% der Lebensarbeitszeit des Statistischen Bundesamtes): „Wie ist das denn für sie, wenn Mitarbeiter mehrere Monate aussteigen? Sie sind ja hier bei Bosch nicht die Arbeiterwohlfahrt.“ Die findet die Frage nicht befremdlich. Ja, freuen tut man sich nicht, aber hätte nunmal beschlossen, das zu unterstützen. Ein tolles Land, in dem wir da leben, das Kinder so herzlich willkommen heißt.

3:44 Die Freunde des Mannes können sich das eher weniger vorstellen „weil ihnen die Hausarbeit nicht so liegt oder sie haben sich nicht getraut.“ (Weil, wir erinnern uns, Männern als Geburtsrecht eine Abfolge von weiblichen Putzkräften (Mutter-Freundin-Ehefrau) zusteht, die diese lästigen Aufgaben normalerweise in jeder Lebensphase für sie erledigen. Hausarbeit ist laut Doku auch der Hauptknackpunkt, wieso Männer keine Elternzeit nehmen. Wahrscheinlich kurz durch Erhebung in der ARD-Redaktion ermittelt.)

11:20 2 Monate Elternzeit sind vorbei. „Während Arno vorher noch hektisch in Büchern nachgeschaut hat, wie man was mit dem Baby macht, ist er jetzt fit.“ (Weil er vor dem Alleinsein-mit-Kind Bier trinkend & Zeitung lesend im Sessel saß & ihm der Nachwuchs nur frisch gewickelt & zufrieden einmal am Tag präsentiert wurde?)

14:12  Väter in Elternzeit haben ein Netzwerk gegründet, um sich mit den Babies zu treffen & über Männerthemen zu reden („der letzte Ölwechsel“). Frauenthemen sind nicht so ihre. Frauen könnten sich auch 1 Jahr lang treffen ohne sich gegenseitig nach dem Beruf zu fragen, während das hier mindestens die 2. Frage ist. (Aha, kann ich aus persönlicher Erfahrung null bestätigen.)

Am Ende der Doku kehrt der Mann zurück in den Job & freut sich auf den weiteren beruflichen Aufstieg. Wie manche nach dem Abi mit dem Rucksack um die Welt reisen, hat er einen exotischen Ausflug zum Kind gewagt. Der andere, der seinen Job wegen der Elternzeit verlor, arbeitet halbtags & kümmert sich um die Kinder. Während die Frau in einer anderen Stadt den Hauptteil des Haushaltseinkommens verdient. Kontakt haltend über Skype & What’s App.

Was stimmt: Die Realität ist oft düster. Männer trifft oft genauso Ablehnung & die Konsequenz am Arbeitsmarkt, wenn sie mehr Zeit für Familie verlangen. Denn: Es gibt einen Vaterschaftsbonus auf dem Arbeitsmarkt, aber eben nur für die Vaterschaft, nicht das Vater-sein. Dabei ist die Lösung doch eigentlich so einfach. Kinder zeugen geht schlecht allein, Kinder aufziehen geht zu mehreren auch besser. Dafür ist die Basis noch lange nicht da. Solche Dokus, die sich an der Exotik eines für die Frau kochenden Mannes freuen, „der abtaucht in die Frauen- & Mütterwelt“ machen es nicht einfacher. Soweit sind Frauen & Männer nämlich gar nicht auseinander. Habe ich gehört.

Make-up & ich

Vielleicht war es die Bilderflut von der Fashion Week. Ich habe diese Woche das erste Mal darüber nachgedacht, warum ich eigentlich so gut wie nie Make-up trage. Ich habe nichts gegen Make-up. Ich habe gelegentlich etwas gegen die Art, wie es vermarktet wird. Aber ich finde auch an Fashionwerbung Einiges auszusetzen. Und mag trotzdem Mode. Ich trage Jumpsuits im Büro. Meine Schminkfreiheit ist kein ideologisches Statement. Es wäre leicht hieraus eine Ich bin besser als die anderen – Ich habe mehr verstanden – Nummer zu machen. Aber das ist es nicht. Ich klicke Make-up Tutorials auf youtube nicht weg. Vielleicht ist das ein bisschen wie Kochshows gucken während man Fertigpizza isst. Spannend, wie viele Dinge man so mit seinem Gesicht anstellen kann. Es ist mehr anthropologisches Interesse. Wobei, ich kann auch die Faszination nachvollziehen, die nächste Wundercreme zu besitzen. Ich habe schonmal welche gekauft. Ich hatte in meinem Leben schon einige Geschenke mit Schleife in türkis. Aber die Tiegel & Dosen verstauben im Bad. Es ist auch nicht so, als ob ich die Wirkung von Make-up nicht kenne. Klar, sieht man „besser aus“. Zumindest werde ich mit einer Schicht Foundation seltener gefragt, ob das Kind gerade schlecht schläft. Wieso also ohne?

Ich bin die meiste Zeit zu faul. 95% der Zeit habe ich eine Morgenroutine, die kein Make-up beinhaltet. Es ist aufwendig. Es kostet Zeit. Es bringt mir keinen erkennbaren Nutzen. Ich finde es super zu wissen, dass mein Kissen nicht aussieht wie ein Gemälde von Pollock, auch wenn ich mein Gesicht abends nicht wasche. Ich bin neugierig, ich lerne gern neue Dinge. Aber Wimpern kleben bringt mich an meine Grenzen. Ich mochte schon als Kind keine fisseligen Steckperlenspiele.

Ich bin zu ungeduldig. Ich habe es wirklich probiert. Aber es noch nie als Entspannung empfunden, mir Gesichtsmasken zu machen oder ausgiebig zu peelen. Zeit für mich ist irgendwie etwas anderes. Ich kann Kosmetiktermine manchmal entspannend finden, aber ich muss sie nicht haben. Man könnte mir auch ein Buch in die Hand drücken, einen Tee machen & mich eine Stunde in Ruhe lassen. Ich bin niemand, der Zeit immer effektiv nutzt. Ich kann wunderbar prokrastinieren. Aber wenn ich beim Nägel lackieren warten muss bis der Lack trocken ist, habe ich das Gefühl, der Tod streicht gerade vor meinen Augen die Lebenszeit zusammen.

Ich mag, was ich sehe. Ich freue mich über Komplimente, die mein Äußeres betreffen. Ein „Gut siehst du heute aus“ ist nett. Aber ich brauche sie nicht. Ich kann nicht einmal sagen, ob ich sie häufiger mit oder ohne Make-up bekomme. Das Gefühl, in den Spiegel zu schauen & sich wohl zu fühlen ist toll. Aber es ist weder abhängig von der Bestätigung anderer noch von Make-up. Mein pubertäres Ich hat da natürlich anders gedacht. Das Versprechen von Make-up, mehr aus sich zu machen, mehr rauszuholen, selbstbewusster sein, sich auszudrücken, erreicht mich nicht mehr. Ich mag auch so, was ich sehe. Ich kenne Arten mich auszudrücken, die mir mehr entsprechen. Ich bin nicht immer selbstbewusst, aber Make-up ist nicht die präferierte Lösung.

Wenn ich mich schminke, dann ist es, weil es gesellschaftliche Anlässe gibt, bei denen man durch ein geschminktes Gesicht seine Wertschätzung ausdrückt. Wie bei Kleidung auch. Ich gehe auch nicht in Jogginghose auf eine Hochzeit. Insofern verletzte ich komplett eines der Verkaufs-Mantras der Schönheitsindustrie: Ich mache es nicht für mich, sondern für die anderen.

Brüste, Nachrichten & warum ich No More Page 3 nicht mochte & StopBILDSexism unterstütze

Gestern war in der Times zu lesen: „Die Sun hat etwas an, Seite 3 bedeckt sich nach 45 Jahren.“ Ein Erfolg für die britische Kampagne No More Page 3, die vor zwei Jahren angetreten war, die nackten Mädchen aus der größten Boulevardzeitung der Insel zu verbannen. Die große Zahl an Unterstützern & eine breite Medienberichterstattung  sorgte dafür, dass bereits Ende letzen Jahres spekuliert wurde, die Sun werde ihre tägliche Nackte in Kürze kommentarlos auslaufen lassen. Weiterlesen