Feminismus & Weltverschwörung
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Triff die FABDFL – die feministisch-angehauchte Bloggerin, die Frauenzeitschriften liest

Am vergangenen Sonntag entspann sich unter dem Posts eine Diskussion über Frauenzeitschriften. Ich schrieb, dass ich diese nicht wirklich lese. Vielleicht mal im Netz klicke. Zwei Tage später habe ich einen Zeitungsstapel in der Wohnung in Angriff genommen. Wer aufmerksam mit liest weiß, ich räume ungern auf. Er war also bereits etwas älter & höher. Nun, den dort aufgefundenen Exemplaren von Instyle, BUNTE, Gala, ELLE, Vogue, Maxi, GRAZIA, BRIGITTE, Joy & Madame (exakte Aufzählung) nach zu urteilen, kaufe ich doch erstaunlich viele Frauenzeitschriften. Oder lasse sie mir von Vielfliegern mitbringen. Mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich sie auch gelesen. Ihr könnt euch meine Verwunderung vorstellen. Hätte man mich nachts geweckt & nach meinem Blog gefragt, ich hätte so etwas gesagt wie: „Mein Blog ist der natürliche Fressfeind der Frauenzeitschriften.“ Kritisiert man nicht Dinge, die einem nicht gleichgültig sind? Jetzt lag ich wach & überlegte. Dann stand ich auf. Mir kam eine Idee, wieso ich den Papierstapel im Wohnzimmer habe. Wieso mir Frauenzeitschriften nicht egal sind.

Ich weiß um den ganzen Schwachsinn, der sich zwischen den Hochglanzseiten befindet. Aber Frauenzeitschriften sind auch fast die einzigen Medien, in denen Mode, Schönheit, aber auch Freundschaft, Familie, Liebe & Sex als Themen behandelt werden, für die sich eine normal-intelligente Person interessieren könnte (und dürfte).

Ich weiß um den ganzen Schwachsinn, der sich zwischen den Hochglanzseiten befindet.

Für sie schreiben zum Großteil Frauen. Ich kenne die genauen Quoten bei den anderen Zeitungen & Zeitschriften nicht. Aber mein subjektiver Leseeindruck sagt, dass Trägerinnen von Brüsten hier meist in Lifestyle-Segmenten ihren Platz finden. Wenn überhaupt. Nehmen wir mal die ELLE, von der ich die meisten Exemplare (auch britische) in meinem Papierstapel hatte. Gut, man muss sich erstmal durch 30 Seiten Werbung blättern. Aber in jeder Ausgabe hat ELLE Features, teilweise sehr gute. Es gibt einige Artikel, wo ich mich erinnerte, dass der Kaffee kalt geworden war. Weil ich an ihnen hängen blieb. Man kann davon halten, was man will. Natürlich ist Feminismus mittlerweile in Teilen des Mainstream fast ein hippes Verkaufsargument (Erinnert sich noch jemand an die peinliche Chanel-Show des wohl unfeministischsten Mannes der Modebranche, für den Frauen, Puppen & Adele zu fett ist?). Sicher springt ELLE hier auf einen Zug auf. Aber sie springt.

Während ich mich so in Verständnis für diese Gattung hineinschreibe, weiß ich natürlich, die Modestrecken, die transportierten Körperbilder, das ist alles großer Käse. Mir dreht sich der Magen um, wenn Pre-Teenager als Double von erwachsenen Frauen inszeniert werden. Weil ihr BMI passt. Normalgewichtige (also so alles ab Gr. 36, haha), kleine, nicht-weiße Frauen habe ich nicht gefunden. Da hilft nur ein nein. Und Kritik. Denn Bilder sind die Sprache, die Frauen zuerst beigebracht wird (Nicht groß, nicht dünn, nicht lächelnd, nicht – bitte weitere Spezifikation hier einsetzen – genug, ihr kennt das.) Unerreichbare Standards braucht keine. Das Leben ist schon kompliziert genug. Ich bin auch nicht klug genug, um das zu durchschauen. Ich stehe da auch nicht drüber. Weil das Problem strukturell ist & nichts damit zu tun hat, wie ich Umgehungslösungen für mich finde.

Das ist beschissen. Aber…ehrlicher weise ist es in allen Medien gleich beschissen. Frauenzeitschriften sind nicht der einzige Ort, an dem das passiert. Und weil sie es besser könn(t)en. Weil ich glaube, dass auch dort kluge & witzige Frauen arbeiten, sollte ich als kluge & witzige Leserin, die die Themen interessieren, nur eben nicht immer so, wahrscheinlich nur eines tun. Weiter kritisieren, aber AUCH Besseres verlangen. Mehr von dem & weniger von dem anderen. Ja, ja, ich weiß, dann laufen die Anzeigenkunden weg & meine schöne Zeitschrift ist schneller tot, als mir lieb ist. Ich weiß auch, dass die BRIGITTE mit den echten Frauen gescheitert ist (aus vielen Gründen, was ein neuer Post ist).

Die erste Beichte des neuen Jahres. Ich bin eine FABDFL.

Aber das sind meine nächtlichen naiven Gedanken. Vielleicht geht mein Interesse für Frauenzeitschriften doch tiefer, als es mir bewusst war. Vielleicht gibt es mehr als die in ihnen verstecken Bloganlässe, die mich zur Leserin machen. Die erste Beichte des neuen Jahres muss daher wohl lauten: Ich bin anscheinend eine FABDFL – eine feministisch-angehauchte Bloggerin, die Frauenzeitschriften liest.

Postscript: Deshalb freut mich dieser Tweet. Vielleicht geht das ja in meine Richtung. Zielgruppe wird wohl nicht ganz meine Altersgruppe sein, aber man muss ja an die nächste Generation denken. Ninia la Grande hat bald mehr auf ihrem Blog versprochen. Ich freue mich drauf. Wenn ich weniger Frauenzeitschriften kaufe, habe ich Geld für das Crowdfunding frei.

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12 Kommentare

  1. Passt gerade gut: habe eben einen langen und nervenzerfetzenden Vormittag hinter mich gebracht, habe dann frisches Gemüse und die Januar- InStyle gekauft. Und meinte zu der Besitzerin des Schreibwarenladens, als ich die Zeitschrift auf die Theke legte: „Brauch ich ja eigentlich nicht, aber weh tut es ja auch nicht.“
    Überlegte, weshalb ich das gesagt hatte – wahrscheinlich, weil ich mich immer gerne mit ihr instant-unterhalte. Sie meinte, es sei einfach schön zum die Beine hochlegen und entspannen. Woraufhin ich zu kluger Selbsterkenntnis gelangt und diese auch laut formulierte:
    „Eigentlich kaufe ich die Illusion – die Illusion, ich würde mich gleich gemütlich hinräkeln können und mich mit Oberflächlichkeiten einbalsamieren zu dürfen. In Wirklichkeit werde ich in drei Tage auf Seite 5 angelangt sein…“

    Genau das ist es: ein Hochglanzmagazin ohne Anspruch auf einen echten, klugen, freigeistigen Gedanken verspricht mir eine Zeit, in der die Welt mich vollkommen in Ruhe lässt. DAS kaufe ich. Liefert sie mir natürlich auch nicht.

    Was die propagierten Schönheitsbilder anbelangt: die haben mich seltsamerweise nicht berührt und ich bin ja als Kind einer Schreibwarenhandlung mit Zeitungen, Comics und Magazinen aufgewachsen – für mich waren die Models, die ja zu allen Zeiten (besonders in den 50ern, so es eine „hochwertige“ Zeitschrift war) rank und schlank, mondän und elegant oder sonstwie unerreichbar waren, nichts weiter als schöne Bilder, die mit mir nichts zu tun hatten. Was wiederum daran gelegen haben mag, dass ich mir zu Teeniezeiten nur wünschen konnte, irgendwann einmal eben so schlank wie diese und nicht so dünn wie ich selbst zu sein … kommt von der anderen Seite der körperlichen Gegebenheiten, so sieht das vielleicht anders aus. Aber für mich waren sie das gleiche wie die Prinzessin auf der Erbse: wunderschöne Märchengestalten, die keinen Anspruch an mich stellten. Meine Komplexe habe ich mir woanders besorgen können – aber DAS führt nun wirklich zu weit.

    Somit: fürs Sofa bringe ich dann ein paar Magazine mit und wir zerpflücken jede einzelne Seite und schreiben Leserbriefe. Das stelle ich mir sehr spaßig vor!

  2. Ich bin auch eine FABDFL!
    Dazu muss ich aber sagen, dass mich in Teenagerjahren diese Zeitschriften wie „Glamour“ schon beeinflusst haben – da wurden Werte vermittelt, von denen ich mich bewusst befreien musste. Heutzutage lese ich sowas mit einem Augenzwinkern und der Hoffnung, dass das nicht allzu ernstgenommen wird – und mit dem Ziel, mich einfach berieseln zu lassen.

    • Danke für das Mitbekenntnis!! Das ging mir ganz genauso, deshalb war mir auch wichtig zu schreiben, man kann nicht zu klug dafür sein oder drüber stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Werte,Rollen-& Körperbilder, die dort transportiert werden, wirken. Egal wie reflektiert oder erwachsen man ist.

      • Ja, das ist die Gefahr. Deswegen ist es auch gut, sich einfach mal darüber auszutauschen. Ich habe deinen Artikel mal in meiner wöchentlichen Medienschau verlinkt – wenn das okay ist!

  3. „Mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich sie auch gelesen. Ihr könnt euch meine Verwunderung vorstellen.“

    Kann ich so unterschreiben. Oder wenn ich mich vor jemandem rechtfertige mit: „Ich lese das ja nur, um es danach zu kritisieren, ich lese das aus einer gewissen „Distanz“ heraus!“ – was natürlich totaler, selbst eingeredeter Blödsinn ist. Dass die ganzen Fotos an mir abprallen, nur weil ich sie dekonstruieren kann, bezweifle ich auch.

  4. Ich lese gern gelegentlich Frauenzeitschriften. Vor allem auf langen Zugfahren – zwischen Belletristik und Lehrbüchern durch bunte Bilder und kurze Artikel blättern ist herrlich entspannend.

    Brigitte „ohne Models“ war mal ein ausgemachter Blödsinn … die „Nichtmodels“ waren alle groß, dünn und sahen aus wie Models. Dass man Amateure statt Profis nimmt, davon hab ich nichts, ich hätte gern mehr Kleidung an kleinen, sehr großen, rundlichen, birnenförmigen, älteren, durchschnittlichen Frauen gesehen.
    Das wäre natürlich mehr Aufwand gewesen, als einfach alle Kleidung in Gr. 34 zu bestellen … aber dann hätte es einen Unterschied gemacht.
    Tatsächlich gibt es eine Zeitschrift, die das hinbekommt: Die ottobre-Schnittmusterzeitschrift nimmt als Models große, kleine, junge, alte, dicke, dünne Frauen. Ein 50-jähriges Model, 150cm groß, mit Größe 48? Präsentiert dort die Mode. Auf der nächste Seite mal eine junge Frau mit ausgeprägten Hüften. Da gibt es dann Leserinnen, die jammern: Ich hätte lieber schlanke Models, ich trage Größe 34 und kann mir die Kleidermodelle nicht in meiner Größe vorstellen! Aber irgendwas ist ja immer … 😉

  5. Pingback: Von den Frauenzeitschriften zum Gender-Marketing – Was mit Lust

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