Kinder & Küche, Leben & Lesen
Kommentare 7

Der lange Weg zur Tinkerbell-Geburtstagstorte (…der feministischsten aller Backwerke)

Mitte der Woche habe ich meine Kochfreude geteilt & schon gibt es die Gelegenheit für den ersten Backpost. Es ist nämlich Kindergeburtstagszeit. Nun hatte ich nicht sonderlich viel darüber nachgedacht, was für eine Mutter ich sein wollte, bevor mein Kind in mein Leben trat. Eine grandiose, soviel war klar. Aber die Details waren (und sind manchmal) noch erstaunlich unausgeschmückt.

Eine Sache hatte ich mir trotzdem geschworen. Nie, nie, nie wollte ich einen dieser Kindergeburtstage nach bester Partyplanermanier mit Mottotischdecken, Goodie-Bag & dreistöckiger Mottotorte feiern.

10923442173_bbedde5e19_z

So in der Art – nicht.

Was soll ich sagen, man wird Mutter & kapituliert irgendwann. Spaß beiseite, eine riesen Einladungsveranstaltung gibt es nicht. Aber ehrlicherweise ist der Wunsch auch noch nicht mit Nachdruck aufgekommen. Fragt mich nochmal im nächsten Jahr.

Was ich aber tatsächlich jedes Jahr mache, ist, eine Torte zu backen.

Im auslösenden ersten Jahr war es auch die Nostalgie der zu Ende gehenden Elternzeit, die mich zur Internetrecherche nach Rollfondant (die eingefärbte Zuckermasse, mit der man verzieren kann) trieb.

Jetzt ist es schöne Tradition & mir macht das Überlegen & Backen Spaß. Da ich nur einmal im Jahr so eine Torte mache, vergesse ich in den 12 Monaten dazwischen immer wieder verlässlich den Aufwand & lege voller Tatendrang los.

Während ich bisher in der Themenwahl relativ frei war, ist der persönliche Geschmack des Kleinkindes nun ausgeprägt. Wir sind gerade in einer Feen- & Hexenphase. Das bedeutet, dass sich nun neben mir im Kindersitz redlich bemüht wird, Stop & Go im Stadtverkehr weg zu hexen & dass Tinkerbell Herrscherin über das Kinderreich ist.

Als Tinkerbell das erste Mal in unser Leben trat, habe ich ziemlich die Nase gerümpft (Disney, blonder Zopf & kurzes Kleid). Aber Tinkerbell ist eine ziemlich coole Fee. In den Geschichten, die ich kenne, ist sie abenteuerlustig, mutig & clever. Und mit Freundschaft & einer Prise Feenglanz als Motto lässt sich ganz gut leben. (Das sage ich nicht nur, weil ich euch das mit dem Backen verkaufen will. Und obendrein feministische Kochposts versprochen habe.)

Das diesjährige Backen – mit Warnhinweis

Achtung: Ich schreibe es jetzt für mich & die Nachwelt auf. Mit so einer Torte ist man schön einen Tag lang beschäftigt. Und intellektuell nicht unterkomplex ist das Ganze auch. Während ich in den ersten Arbeitsgängen noch eine Diskussion auf Deutschlandradio hörte, schaltete ich nach zweimaligem Vergessen des Eiertrennens aus guten Gründen auf die Spotify-Playlist „Best of 90s“ um. PS: An mein Ich im nächsten Jahr & Nachmachwillige mit weniger als 5 Stunden Zeit: Es soll fertige Biskuitböden & Mousse auch Chocolat zum Anrühren geben.  

Gebacken habe ich drei Biskuitböden, zwei davon mit Kakaopulver

Der Boden wurde unmittelbar nach der Geburt getrennt.

Der Boden wurde unmittelbar nach der Geburt getrennt.

In die Mitte kam als Füllung Mousse au Chocolat. Viel Mousse au Chocolat. Schließlich ist es keine richtige Torte, wenn man nicht nach einem halben Stück bewegungsunfähig in der Ecke liegt.

Foto 2-6

Hier dachte ein ungenannter Twitternutzer bereits, ich wäre fertig. Wäre auch zu schön gewesen.

Verziert habe ich mit fertigem Rollfondant in weiß, grün & rosa. (Wer richtig verrückt ist, kann den auch selbst machen. Braucht dann aber 2 Tage Urlaub mehr.) Die Tinkerbellfigur kann man auch bestellen.

Foto 2

Die Bilder vom Entstehungsprozess. Der Rollfondant lässt sich gut mit dem Nudelholz ausrollen. Damit er nicht klebt, Arbeitsfläche mit Puderzucker bestäuben. Wusste ich beim Weißen noch nicht. Das Ergebnis habe ich dokumentiert (Risse).

Die lassen sich nachher gut mit Deko kaschieren. Zum Kleben habe ich Zuckerguss verwendet (einfach Puderzucker in warmen Wasser verrühren), oft wird aber auch Gebisskleber empfohlen. (Ich wollte mir den Spaß mit dem Beratungsgespräch zu geschmacksneutralem Gebisskleber eigentlich gönnen. Hat aber aus Zeitgründen nicht geklappt.). Vielleicht gibt es Tortenprofis unter den LeserInnen, die noch bessere Tipps haben. Dekoideen kann man sich ganz einfach im Netz besorgen. Mit einem Messer lässt sich der Rollfondant prima zurecht schneiden.

PicMonkey Collage2

Für die Rosen habe ich den Fondant einfach gerollt. Und so sieht die Torte dann aus.

Foto 5-2

Wer jetzt wirklich noch will…

Ich bezweifle ja immer, dass irgendjemand Backposts liest & Kochshows guckt… & tatsächlich etwas nachmacht. Wen es doch interessiert, das sind die Zutaten für Böden  & Mousse.

Biskuitboden
100g Mehl
200 g Zucker
6 Eier
100 g Speisestärke
3 EL Kakaopulver (außer beim hellen)
1 TL Backpulver

Eiweiß (Eier werden getrennt) steif schlagen, Zucker langsam dazugeben & verrühren, Eigelb unterrühren, alle trockenen Zutaten mischen (Mehl, Kakao, Speisestärke, Kakao & Backpulver), alles vorsichtig unterheben, ca. 30 min. bei 175°Grad Umluft im vorgeheizten Backofen

Mousse au Chocolat
500g Schlagsahne
6 Eier
400g Zartbitterschockolade
60 g Zucker

Schokolade schmelzen, Eiweiß (Eier werden getrennt) steif schlagen, Sahne steif schlagen, Eigelb mit 2 EL warmen Wasser verrühren, Zucker langsam dazu geben & rühren bis das Ganze cremig wird, Schokolade unterrühren, Sahne & Eischnee unterheben, 1-2 Stunden kalt stellen

Geschichtet habe ich dunkler Boden, Mousse, heller Boden, Mousse, dunkler Boden (oben muss ein Boden sein, sonst klappt es mit dem Fondantmantel nicht).

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on TumblrEmail this to someoneShare on Google+

7 Kommentare

    • Danke für den Tipp, merk ich mir. Oft bin ich viel zu ungeduldig für Anleitungen & fange lieber selbst an, einfach auszuprobieren. Und merke dann, dass ich doch nochmal nachschauen sollte, wie beim Ausrollen. 😉

  1. „Schließlich ist es keine richtige Torte, wenn man nicht nach einem halben Stück bewegungsunfähig in der Ecke liegt.“

    Yep, so siehts aus! Hier habe ich mich wiedergefunden 🙂
    Tolle Torte!

  2. Anne sagt

    Moment mal, bin ich hier richtig? Keine Analyse, keine Alternative, sondern eine Anleitung für eine Motivtorte? Das war überraschend 😉 Ich bekenne mich ebenfalls zur Leidenschaft, der ich ebenfalls höchstens im Jahr zweimal nachkomme, dann aber weder Mühe noch Ausgaben scheue.
    Auf jeden Fall zur Sache: zwischen Boden und Fondant sollte man noch eine Schicht Creme haben, dann lässt sich der Fondant besser auflegen. Wie man die schön glatt bekommt, kann man auf unglaublich kurzen YouTube Videos sehen, das ist ganz einfach und hilft tatsächlich. Zum Kleben gibt es neben Puderzucker spezielle essbare Kleber, wegen der USA Herkunft der meisten Hersteller eben als edible glue zu finden.

    Die Torte sieht auf jeden Fall wahnsinnig lecker aus und ich wäre begeistert gewesen, hätte jemand das mal für mich gemacht. Aber ich hatte auch „nur“ normale 80er Jahre Geburtstage. 😉

  3. Vielen Dank liebe Kommentatorinnen für die Tipps & Tricks! Die Torte hat heute morgen auch den Geschmackstest bestanden. Und nein, dass wird kein Backblog ;-). Dafür bin ich viel zu sehr Amateurin.

  4. Die sieht unfassbar toll aus. Dass Tinkerbell eine coole Fee und Herrscherin ist, wußte ich noch nicht. Ich werde aber unter keinen Umständen in diesem oder im nächsten Leben eine solche Torte selber machen! 🙂 Ever!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.