Feminismus & Weltverschwörung
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In diesem Post geht es ums Kochen, ich komme auch gleich dazu.

Mit Stars spielt man gern Feminismus Pingpong. Die Frage nach der Selbstbezeichnung als FeministIn, die durchaus auch Männern gestellt wird, scheint sich in den gängigen Fragenkatalog einzureihen. Den verwendet man, wenn man eigentlich nichts zu fragen hat, aber nun mal ein Star vor einem sitzt. Bei vielen, schon über längere Zeit gebräuchlichen Fragen, ist die Antwort sozusagen mit vorgegeben: Ist es schwer, mit dem Ruhm umzugehen? – Nein, ich liebe meine Fans.; Wie war es XY zu küssen? – Er/sie ist ein ganz toller Kollege. Wie schafft man es, immer so gut auszusehen? – Ich lasse mir von einer Stylistin helfen, bringe aber viel von mir persönlich ein.; Schwanger, verlobt, verpartnert? – Mein Privatleben kommentiere ich nicht.

Das macht es allen Beteiligten einfacher.

Humanisten & glitzernde Einhörner

Mit der neuen Frage ist es etwas schwierig. Die Star-Standardantwort hat sich noch nicht herauskristallisiert. Ich wäre dafür, dass man die Fragerei ganz lässt. Mir ist es egal, ob jemand sich Feminist oder Feministin nennt. Sieht man sich als Humanist oder glitzerndes Einhorn & ist trotzdem davon überzeugt, dass man sich für die andere Hälfte der Menschheit stark machen sollte – auch ok.

Vor einer Weile traf die Frage Kaley Cuoco, bekannt als Penny aus der Big Bang Theory. Sie antwortete:

„Ich war nie dieses Feministinnen-Mädchen, das Gleichheit gefordert hat, aber vielleicht liegt es daran, dass ich Ungleichheit nie erlebt habe. Ich koche für Ryan fünf Mal die Woche: Ich fühle mich dabei wie eine Hausfrau und ich liebe es.“ (Original hier – bereits vom Dezember).

Da ist einiges drin in der Aussage. (Man möchte ihr zunächst Feminismus 101 empfehlen.) Am interessantesten fand ich: Kochen, mit Freude & für andere (womöglich Männer!), geht anscheinend nicht.

Darf man als Feministin Nahrung für andere zubereiten? Jezebel hatte da eine schöne Antwort:

„Wenn ich jemanden date, dann mache ich manchmal zwei Sandwiches. Ich halte eines meinem Freund hin, aber kurz bevor er zugreift, werfe ich es aus dem Fenster. Dann muss er zusehen, wie ein streunender Hund es isst. Ich will das eigentlich nicht & wir fühlen uns beide schlecht. Ich habe ein Sandwich, der Hund hat ein Sandwich. Mein Freund hat keins. Aber ich mache es trotzdem. Für den Feminismus.“

Scheint also etwas dran zu sein an dem Stereotyp, wenn er auch hier, ironisch gebrochen, auftaucht. Allgemeine Meinung: Feministinnen kochen mindestens ungern. In meiner Twitter-Timeline lese ich, wie ungern man am Herd steht und/oder, dass man gleich verhungert, wenn der gerade abwesende (offensichtlich für die Nahrungszubereitung zuständige) Partner nicht sofort heimkommt & die Feministin füttert. (Ausnahmen wie Jessica Valenti mit ihrem Eat Me – Newsletter bestätigen die Regel.)

Der Grund scheint klar. Die Küche ist Ort alter Rollenklischees.

untitledDa war doch was mit den drei K… Die Hausfrau, das Baby auf der Hüfte jonglierend, im Topf rührend, ist ein hartnäckiges Klischee. Schaut man sich statistische Erhebungen zur Verteilung von Hausarbeit unter Paaren an, ist Kochen (neben Kindererziehung) tatsächlich eine Tätigkeit, die Männer inzwischen häufig im Haushalt übernehmen. Im Gegensatz zum klassischen Putzen (Bad & Toilette, anyone?). Passt. Bei den kochverweigernden Twitterinnen, kochen auch die Partner.

Während Kochen vor Jahrzehnten eine DER weiblichen Familienaufgaben war, entscheidet man sich heute häufiger dafür, sich nicht mit den Nahrungsmitteln anzufreunden, die einen täglich umgeben. In der öffentlichen Kochwahrnehmung ist das Hausmütterchen altbacken. Kalter Kaffee. Die routinemäßige, tägliche Nahrungszubereitung ist nicht cool. Wenn das Kochen einen außergewöhnlichen Charakter des Sich-etwas-Gönnens hat, ist es einfacher mit der Modernität. Man denke an das kochende Paar am Freitagabend oder die Singlegruppe im Kochloft. Nebenbei: mit der Professionalisierung & Marktfähigkeit, setzt auch beim Kochen die Vermännlichung ein. Der Großteil der Sterneköche ist männlich.

Ich habe schon immer gern gekocht.

Am liebsten allein, da ich Unordnung in der Küche nicht ertrage & immer alles gleich abspüle & wegräume. Ich brauche also Monk als Kochpartner oder gar keinen. Und ja, ich habe auch schon immer am Kochen gemocht, dass man Wertschätzung & Liebe an die Bekochten weitergibt. Das Lächeln, die Würdigung durch andere, Behagen & Zufriedenheit. Man hat tatsächlich das Gefühl, Zusammengehörigkeit zu schaffen & aufrecht zu erhalten. Wenn die Familie Kinder miteinschließt, potenziert sich das nochmal.

Kochen kann auf eine sehr altmodisch-heimelige Art zufrieden machen & die Gemütslage von Koch & Bekochten aufhellen. Vielleicht ist das gar nicht so weit weg von dem, was Kaley Cuoco meinte (minus dem Teil, dass sie Feminismus nicht ganz verstanden hat). Womöglich mache ich bald ein paar Kochposts. Feministische Kochposts versteht sich.

Bild: flickr – Seattle Municipal Archives CC by 2.0

 

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9 Kommentare

  1. Ob sie Feminismus verstanden hat, ist schlecht zu beurteilen, denn angeblich gibt es ja „den Feminismus“ nicht.

    Was mir aber an deinen Beispielen auffällt ist, dass es sich um Betrachtungen im Sinne der „Freiheit von“ handelt. Man will vom Köchen befreit sein. Doch Freiheit ist auch immer das Gegenteil, im Sinne der „Freiheit zu“ etwas. Der Freiheit zum Bekochen der Liebsten, bspw.

    Das ist so ein Punkt, der mich an Diskursen über Feminismus und über das Internet immer wundert, denn als westliche Gesellschaft haben wir solche Fragen eigentlich schon im 16. und 17. Jahrhundert geklärt. An der Umsetzung hapert es, aber deswegen muss man mE keinen Schritt zurück gehen.

    Die Interviewfrage hingegen müsste zweiteilig sein, bei einem ja, ergänzt um die Frage welcher Feminismus es denn ist. Mir dünkt nur, dass das unbestimmte nicht ganz ungewollt ist…

    mfg
    mh

  2. Turtle sagt

    Ohja, so gehts mir auch. Ich koche gern, am liebsten allein. Erstens, weil ich Kochen entspannend finde, ich muss da nicht nachdenken, sondern kann etwas „handwerkliches“ machen. Zweitens wuerde ich auf Dauer wahnsinnig werden wenn der Gatte mitkocht. Er ist einfach zu penibel. Waehrend er eine Zwiebel fein saeuberlich gewuerfelt hat, habe ich den Rest der Zutaten klein geschnitten. Und in meiner Kueche wuerde Monk anfangen zu hyperventilieren 😉

  3. Ich hasse Kochen, deshalb kocht mein Freund (der macht es gern, auch im Alltag; nicht nur Eventküche). Ich schäle dann die Kartoffeln – Kartoffelschälen findet er schrecklich – und wir beide sind glücklich 😀
    Feminismus wird dann schwierig, wenn er als Verbot für klassisch weibliche Tätigkeiten verstanden wird. Siehe den heiß diskutierten „Anti-Handarbeit“-Artikel … Feminismus ist nicht, dass frau keine klassisch weiblich belegten Tätigkeiten mehr ausführen darf, und auch nicht, dass es keine klassische Rollenverteilung geben darf. Sondern, dass diese Rollenverteilung nicht selbstverständlich ist, sondern man sich bewusst unter mehreren Alternativen dafür entscheiden kann. Genauso siehts mit dem Kochen aus – wenn die Frau gern kocht, warum sollte sie es nicht tun?

    • Absolut. Es schwingt bei dieser Kritik auch immer so ein bisschen mit: Na, macht sie das wirklich, weil sie es gern macht/ wirklich nur für sich oder doch, weil sie gefallen will, sich unbewusst alten Rollenmustern beugt? Dadurch spricht man Frauen dann erst so richtig die Kompetenz für ihr eigenes Handeln ab.

  4. kochen sollte nur jemand, der es gerne macht
    WENN ein mann kocht, dann ist das praktisch immer einer, der gerne kocht.

    das problem bei kochenden frauen ist, dass sie oftmals kochen, obwohl sie es nicht gerne tun.

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