Leben & Lesen
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Worüber man sich jetzt Sorgen machen könnte

Ich bin keine ängstliche Person. Was mir fehlt, ist eine gewisse Unbekümmertheit. Die Einschätzung des eigenen Selbst entwickelt sich oft in Unterscheidung zu anderen. Ich bin noch nie ausgeglichen-vergnügt an einen Check-in Schalter herangeschlendert, um herauszufinden, dass ich mich bei der Flugzeit vertan habe.

Ich habe schon immer Leute bewundert, die aus den Tiefen des eigenen Selbst heraus darauf vertrauen, dass sich die Dinge schon irgendwie finden werden. Mein fehlendes Vertrauen in die kosmische Macht von Zufällen, Karma & guter Lebensenergie führt zu einem ordentlichen Grad an Organisiertheit. Ich checke den Flugplan oft genug, um ihn irgendwann auswendig zu kennen. Das ist nicht schlimm. Diese Eigenschaft kann man im Leben auch gut gebrauchen.

Wie mir ein Firmenpraktikant im ersten Semester an der Uni diese Woche bestätigte, eine gechillte Person bin ich nicht. (Darüber hinaus werde ich anscheinend auch älter & entferne mich immer mehr vom Sprachgebrauch der Jugend.  Aber das ist ein anderes Thema. Yolo.)

Pauschale Aussagen über Geschlechterrollen finde ich ja sowieso null swag wie ihr wisst. (Ok, ok, ich höre auf.) Und auch wenn Frauen natürlich besser im Multitasking, emphatischer, kreativer, selbstloser, intuitiver & wegen erziehungsbedingt-eingepflanztem Kümmergen vielleicht sogar besser im Listen schreiben sind (Weil, hey, wer muss den Laden wieder aufräumen, wenn’s nicht läuft?), bin ich mir nicht sicher, ob sich Frauen generell mehr Sorgen machen.

Sagen wir es mal so, ICH hatte die schlaflosen Nächte, wenn bei meiner Mitbewohnerin (eher laid-back & tiefen-gechillt (ok, jetzt ist wirklich Schluss) was Verhütung betraf), die Regel ausblieb. Besorgnis hat nicht unbedingt etwas mit Eierstöcken zu tun. Zumindest kann ich mir ganz schlecht eine Taschentuchbox auf Hillary Clintons Schreibtisch vorstellen.

Was aber Frauen mehr mit sich herumschleppen (repräsentative Umfrage unter Müttern, die vor dem Kindergarten nochmal kurz durchschnaufen, bevor sie die Kinder abholen), sind diese unterschwellig, quengelnden Schuldgefühle. Das Praktische an der Sache ist, dass wir uns viele davon gar nicht ausdenken müssen, weil andere für uns vordenken. Jüngstes viel getwittertes Beispiel dieser Woche: Mütter nehmen sich nicht frei, Mütter nehmen Wick Duo GrippalUnd eines meiner All-Time-Favourite der Fernsehwerbung (neben allem, was auf dem  Sorgen…äh…Frauensender sixx läuft): Vitalwunder Ursula Karven, die vor Gesundheit strotzend, ihr wenig hintergründiges Mach dich leicht – Programm bewirbt.

Wenn eine meiner werten Leserinnen also gerade überlegt, was man am heutigem Tag noch tun könnte, außer mit einem Freitag der 13. Filmmarathon, dem *political correctness aus* Sonderschüler *political correctness an* unter den Serienmördern Tribut zu zollen, der sei hier eine Liste von Dingen ans Herz gelegt, über die man sich Sorgen machen könnte:

  • dein Gewicht
  • dein Alter
  • die Form deiner Füße (Füße sind die neuen Problemzonen, die auch vor Playboy-Models nicht halt machen.)
  • der Zustand deiner reproduktiven Organe, Abnutzungsgrad & weitere Verwendbarkeit
  • deine Karriere als Singlefrau
  • deine Karriere als Mutter
  • Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich nicht Wellness machen will?
  • Trinke ich genug?
  • Wird es am Wochenende sonnig, so dass ich die Fenster putzen muss?
  • dein Stellungsrepertoire & die Qualität deiner Blow-Jobs (vgl. alle Artikel der Kategorie Liebe & Sex auf jolie.de)
  • Wie viele Lebensjahre verliere ich durch den Verzehr eines Toasterschnitzels? Durch meine NICHT-vegetarisch/vegan /glutenfreie/Paleo-Ernährung?
  • Wie finde ich einen Job, der nur erfüllende Tätigkeiten unter Freunden beinhaltet?
  • Welchen Grad an seelischem Schaden füge ich meinem Kind durch Fremdbetreuung zu?
  • Welchen Grad an seelischem Schaden füge ich meinem Kind durch Betreuung zu Hause zu?
  • Lieben mich die Menschen noch, wenn ich offenbare, dass ich mir nicht täglich die Haare wasche?

Für Vollständigkeit wird keine Haftung übernommen. Ergänzungen werden gern in den Kommentaren entgegengenommen. Männer sind ausdrücklich aufgefordert, sich zu beteiligen. (Bei dem Versuch der Erstellung einer Männerliste fiel mir nur „Ist es ok, wenn ich die Apple Watch nicht will?“ ein.)

Foto: flickr – Len Matthews CC by 2.0

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