Wintergeburtstag oder Mama hat es schon immer gewusst.

Es wird langsam Zeit, dass ich vorbaue. Beim ersten Kind habe ich die Chance verpasst & hatte auch noch keinen Blog. Nun ist das Baby fast drei Wochen alt & ich sollte loslegen.

Ich stelle mir das Ganze so vor: Man will ja immer das Beste für sein Kind. Manchmal macht einem das Leben aber einen Strich durch die Rechnung oder man selbst hatte einfach keine Lust, etwas anders zu machen. So ehrlich muss man sein. Beide Szenarien schützen nicht vor späteren Vorwürfen des Nachwuchses. Merke: Es gibt immer Dinge, die man anders hätte machen können aber nie richtig. Beispielsweise wird meine Tochter ihren Namen irgendwann blöd finden. Die große Schwester tut das jetzt schon & hätte sie gern Schildkröte oder Anna genannt – inklusive eigener Umbenennung in Elsa. Wir hätten dann bis zur vollkommenen Glückseligkeit des Kindes nur noch ein Rentier und einen sprechenden Schneemann gebraucht. Aber ich schweife ab.

Da also irgendwann Manches doof gefunden werden wird, werde ich hier auf dem Blog bis in alle Ewigkeit festhalten, dass mir schon immer klar war, dass ihr dieses und jenes nicht passen wird. Bei einem eintretenden Trotzphasen-Pubertäts-Unmutsäußerungs-Wutanfall kann ich dann überlegen auf den Text deuten. War mir klar, Mama hat es schon immer gewusst. Das wird die Wut nicht mildern, aber mir eine allwissende elterliche Autorität verleihen. So die Theorie. Durch meine schonungslose Offenlegung der Tatsachen werde ich zudem dem Kind in der Aufzählung meiner Verfehlungen zuvorkommen. Das wird es zusätzlich verwirren.

Ich beginne mit deinem Wintergeburtstag. Ja, mein liebes Kind, spät im Dezember Geburtstag zu haben, zwei Tage nach Weihnachten, ist Mist. Am Ende des Jahres dran zu sein, ist wie auf der Oberstufenparty den Punkt verpasst zu haben, wo man jemanden zum Knutschen oder den Alkohol gefunden hat. (Ok, der Text bekommt eine FSK-Freigabe.) Alle anderen liegen schon ziemlich zufrieden in irgendwelchen Ecken & keiner hat mehr richtig Lust, sich mit dir abzugeben.

Spätjahresgeburtstage haben noch weitere entscheidende Nachteile. Vermutlich sind die meisten deiner Freunde nämlich pleite, denn Weihnachten war teuer. Das Geld ist verpulvert & die Läden leider noch nicht wieder offen, um die Gutscheine der Verwandtschaft gegen ein Geschenk für dich zu tauschen. Für einen Gang in die Fußgängerzone wären sie vermutlich auch viel zu erschöpft, denn Weihnachten ist eine kräftezehrende Angelegenheit. Alle sind sehr, sehr müde. Sehr wahrscheinlich zu müde, um sich über deinen Geburtstag zu freuen. Das liegt nicht daran, dass sie ein kaltes Herz haben. Dezember ist altgriechisch für Monat, der völlig überladenen mit Festivitäten ist. Nach Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkten, Wichteln & Nikolaus ist das eigentliche Fest eigentlich schon zu viel. Das macht es schwer, weiteren Enthusiasmus für einen Geburtstag zu entwickeln. Sieh es ihnen nach. Zusammenfassend: wenn deine potentiellen Gäste nicht gerade im Skiurlaub sind oder sich die Kräfte für die Neujahrsparty aufsparen, vergessen sie deinen Geburtstag vermutlich einfach im Trubel der letzten Jahreswoche.

Aber eines kann ich dir versprechen. Wir werden immer noch ein Plätzchen in der überdekorierten Weihnachtswohnung finden, um deine Happy Birthday – Ballons aufzuhängen. Du musst für deine Geschenke kein zusätzliches Gedicht aufsagen & wir verpacken sie nicht in den Weihnachtspapierresten. Ich werde immer frische Kerzen besorgen. Auch wenn es verlockend erscheint, dich einfach den Adventskranz auspusten zu lassen. Wir werden uns jedes Jahr mit dir freuen. Weil es einer der glücklichsten Tage unseres Lebens war, als du zu uns kamst. Und ich halte in der Krabbelgruppe mal Ausschau nach einem 1. Januar – Baby als Freund für dich. Eigenes Leid erträgt man ja besser, wenn es anderen noch schlechter geht. Für den 1. Januar gilt alles oben Gesagte. Plus Katerstimmung.

Foto: flickr – abakedcreation – CC by 2.0