Schönes & Banales
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#12 Weit weg [NaBloPoMo]

Wie weit warst du jemals von zu Hause weg? fragt heute der Schreibimpuls. Das kommt auf die Perspektive an. Reisetechnisch habe ich mich noch nie aus Europa heraus bewegt. In diesem Jahr mache ich zum 3. Mal in Folge Urlaub am gleichen Ort. Klingt vielleicht ein bisschen langweilig. An mangelnder Lust auf Neues liegt es nicht wirklich. Mit 19 bin ich zum Studium nach Großbritannien, dann später nach Frankreich. Ich mag mein Zuhause, bin aber auch gern an anderen Orten.   

Ich fände es spannend, nach New York zu reisen, Asien interessiert mich auch. Aber in den Zeiten vor dem Berufsleben, also während des Studiums, hatte ich nie wirklich die Zeit oder das Geld.

In den Semesterferien habe ich gearbeitet & dann waren da Hausarbeiten & Prüfungen zu schreiben. Sich eine Auszeit zum Reisen zu nehmen kam mir nicht in den Sinn – weder nach dem Abitur noch während des Studiums. Ich wollte schnell fertig werden, weil ich neugierig war auf das Leben da draußen. Heute denke ich manchmal, ich hätte mir ein wenig mehr Zeit lassen sollen.

Es gibt in den Kulturwissenschaften diese Theorie, dass Reisen in der Postmoderne nicht mehr wirklich befriedigen kann, weil man alles schon gesehen hat. Man kennt tausende Fotos, Dokumentationen & Berichte. Diese sind so gut inszeniert (klasse Wetter, super ausgeleuchtet, die nicht so schönen Ecken nicht gezeigt), dass das eigene Erlebnis fast dahinter zurück bleiben muss & viele enttäuscht sind, wenn sie etwas in echt sehen.

Das ist eine spannende Idee. Ich lese gern Reiseblogs & habe oft das Gefühl, es ist eher das Reisen an sich als die einzelnen Orte, um die es geht. Das Unterwegssein, das etwas-lernen-über-sich-selbst-in-der-Fremde. Die Fremde an sich ist dann fast austauschbar.

Oder man landet bei der manchmal ein wenig verzweifelt anmutenden Suche nach dem letzten bisschen Authentizität: dem Strand, den noch niemand gesehen hat, dem Restaurant mit dem wirklich ursprünglichen Essen, in das nur die Einheimischen gehen.

Unweigerlich muss ich auch an eine Bekannte meiner Oma denken, deren weiteste Reise ihres Lebens ein Ausflug in die 20km entfernte Kreisstadt war. Oder an meine Oma, die in ihren 80ern das erste Mal an der Ostsee war.

Verrückt, wie sich der Radius in zwei Generationen ausgedehnt hat, dass ich nun denke, es ist komisch, dass ich noch nie eine Flugreise über 4 Stunden gemacht habe.

Foto: flickr – Martin Teschner – CC by 2.0

Dies ist ein Post im Rahmen der NaBloPoMo – Reihe. Die Idee ist, im Juli an jedem Tag zu bloggen. Wer mehr erfahren möchte, liest hier weiter. Noch mehr Blogs, die auch mitmachen, findet ihr rechts oben in der Sidebar. Alle meine Beiträge findet ihr hier

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1 Kommentare

  1. Mellie sagt

    Die „Enttäuschung“ ist mir auch schon passiert, aber gerade bei Fernreisen sind es sowieso immer die Dinge, die man nicht erwartet hat, die überraschen und es lohnenswert machen.

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