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Die SHAPE-Frau macht Urlaub

Kommt mit, heute besuchen wir wieder eines dieser Fabelwesen vom Zeitschriftenkiosk. Ihr müsst nicht leise sein, die SHAPE-Frau ist nicht scheu. Eher so Boom!!! Hier bin ich. Und effizient ist sie. Wie bereits der Blick auf das Cover der Fitnesszeitschrift offenbart. IMG_1851Denn keine ihrer maßgeblichen Lebensaktivitäten dauert länger als 5 Minuten. Und sie liebt Ausrufezeichen.

Mit 5 Minuten seid ihr beim Fasirgendwas – Workout dabei (Da wabbelt nichts mehr!).

Mit ganz winzigen Tricks – mikroskopisch sozusagen – kriegt man endlich den flachen Bauch (Ganz nebenbei!). Die Instagram-würdige Taille gibt es in nur einer Minute. Dafür müsst ihr nur euren Kleiderschrank je nach Körperform komplett neu bestücken. Ihr wisst schon Birne, Apfel oder Kiwi, falls ihr euch schon eine Weile nicht die Beine rasiert habt. Um euch dann olympiareif in einer Minute das entsprechende Outfit aus dem Schrank zu ziehen und anzuziehen. Was auch wieder was von Sport hat. Wie praktisch. Weitere Cover-Highlights: Endlich den Richtigen (!) findet die SHAPE-Frau mit nur drei Fragen und Sex hat sie, total ökonomisch, gleich morgens. Dann hat sie das auch weg.

So, jetzt seid ihr platt, oder?

Aber keine Angst, könnt ihr auch alles haben. Ann, ihres Zeichens Chefredakteurin, kennt nämlich ihre faulen Pappenheimer (also uns), die „einfach nur 17 statt 20 Liegestütze“ machen und auf der Party schon mal 2(!) Gläser Wein trinken. Sie ist selbst einer, gibt sie im Editorial freimütig zu. Im Fachjargon nennt sie das „Selbstbehumser“. Aber sich selbst behumsen, das weiß die Ann, macht gar keinen Sinn. Weil wir die Auswüchse unserer Exzesse („drei Handvoll Naschkram statt einer“) sowieso jeden Morgen bei der Tagesinspektion vor dem Spiegel sehen.

Apropos sehen. Am unbeobachtesten fühlen wir uns natürlich, wenn wir weit weg sind. Also im Urlaub. Und genau hier eilt uns Ann mit ihren Redakteurinnen (ja, alles Frauen) und Experten (oh, zwei Männer) im Titelthema zur Hilfe, die wir gar nicht gerufen haben.

Vorhang auf für die Top drei Tipps aus der Rubrik Nicht zunehmen im Urlaub, die – ihr ahnt es schon – nur mit einem Ausrufezeichen enden kann. Nicht zunehmen im Urlaub! ist kein Angebot, es ist ein Befehl! Also, hinsetzen. Jetzt werdet ihr beratschlagt, bis die Fettzellen nur so schlackern. Vor Angst.

Tipp 1: Nur anorexiekranke Freundinnen mitnehmen

Die, die „deutlich weniger essen als ich“. Denn „allein schlemmen macht keinen Spaß.“

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Tipp 2: Falsche Klamotten einpacken

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Ich hätte ja noch eine viel bessere Idee: nur Urlaubsgarderobe eine Kleidergröße kleiner in den Koffer. Schon hat man den Selbstbehumser in sich effektiv ausgetrickst, denn es bleibt nur noch die Wahl zwischen abnehmen, überall nackt oder auf dem Zimmer bleiben. Traumurlaub!

Tipp 3: Hitzschlag oder Einfach nicht essen

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Mittagessen ausfallen lassen und stattdessen eine schöne Wanderung! Dazu passt auch ein anderer Experten-Tipp im Text: lieber auf der heißen Terrasse statt im klimatisierten Restaurant essen. Dann hat man nämlich weniger Hunger. Und mit ein bisschen Glück gibt es noch einen ordentlichen Hitzschlag oben drauf, von dem man kotzen muss.

In diesem Sinne, happy holidays, Mädels!

***

BONUS: Das Poster zum Vermeiden der Futter-Falle. Mit allen Fehlern, Sünden und Dickmachern drauf. Denn Essen ist böse.

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Foto: flickr – Zephyr – CC by 2.0

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25 Kommentare

  1. Super Artikel, danke! Ich weis beim Lesen solcher greuseligen „Tips“ immer nicht, ob ich statt zu lachen lieber weinen soll. Für jemanden, der sich um Figur & Co. überhaupt nicht schert, mag das ganze Magazin eine einzige Lachnummer sein, die meisten Frauen (und immer häufiger leider auch Männer) werden sich diese Ratschläge jedoch zu Herzen nehmen. Und diese „Ratschläge“ sind alle eindeutig anorektisch!!! (meine ich als Anorexie-Betroffene sehr gut beurteilen zu können)

    • Danke für deinen sehr wichtigen Kommentar. Glaub mir, mit bleibt auch oft das Lachen im Hals stecken. Ich habe mich hier im Blog für den ironischen Zugang entschieden, um das Absurde (hoffentlich) zu entlarven. Aber für echte Betroffene ist „Lach mal drüber“ natürlich nur bedingt ein Weg. Und wenn 2015 20% mehr junge Frauen in stationärer Behandlung wegen Essstörungen waren als 2012 muss man ganz klar sagen: alles hängt mit allem zusammen. Wünsche dir alles Gute.

  2. Toll geschrieben und kommentiert – ich lese solche Zeitschriften ja nicht um kam mir fast vor wie beim Postillon, dass die wirklich solche Tipps da reinschreiben – unglaublich!

  3. Bestens, da wissen wir doch jetzt alle, wie man das Genießen effizient aufgibt und noch effizienter für andere lebt – weil man muss ja top aussehen, Kleiderhröße 32, alles andere ist inakzeptabel. Der nächste Urlaub ist schon gebucht; hab ein Schloss vor den Kühlschrank gehängt, Heimtrainer aufgestellt und die Heizung auf volle Pulle gedreht!

  4. Den ironischen Zugang finde ich sehr gut, ist doch oft die einzige Möglichkeit, den (unnötigen) Wahnsinn der Welt zu ertragen.
    Ich bin mir sicher, dass dein Blog vielen Betroffenen hilft, mit unserer oberflächlichen Umwelt besser umzugehen, einen neuen, eben den ironischen Zugang dazu zu finden, und nicht den selbstschädigenden Weg zu gehen.

  5. Ich kann eigentlich nur einen Kommentar von oben unterstützen: man fühlt sich wie beim Postillon.
    Und mir bleibt noch eine Frage: Haben Ann & Co im Urlaub auch mal Spaß?

  6. Ich lese Frauenzeitungen gern. Denke ich. NAchher ärgere ich mich, dass die Schlagzeilen besser klangen als die Texte waren, aber.. ich bin zuversichtlich.

    Trotzdem: Solche Tipps gehen gar nicht! Seine Freundinnen sollte man danach aussuchen, ob man Spaß hat. Ihre Freundinnen können neidisch auf den Teller gucken, weil sie eine doppelte Portion Rührei *böse!!!* isst. Außerdem will man doch im Urlaub chillen!

    Weniger Appetit? Ja! Aber der Körper braucht Nährstoffe. Und wenn man mittags nix isst, hat man abends mehr Hunger. Ich finde es wichtig, regelmäßig zu essen, daher kann man, wenn man keinen Appetit hat, etwas essen, was man gern isst. Und etwas, das nicht so schwer im Magen liegt…

  7. Nora sagt

    Der Artikel ist wirklich beschissen. Aber noch beschissener ist, dass er gesellschaftsfähig ist. Und die Shape anscheinend trotzdem gekauft wird. Leider ist das ja kein Einzelfall, die anderen Frauenzeitschriften können sich in Sachen blödsinniger, diskriminierender und frauenfeindlicher Artikel einreihen. Die einzige Möglichkeit dem zu begegnen ist Ironie. Dein Blog ist wunderbar!
    Lieben Gruß

  8. Tatsächlich achte ich drauf, im Urlaub nicht zuzunehmen – ist einfach doof und unentspannt, wenn die Klamotten nach dem Urlaub nicht mehr passen 😀 Ich empfehle ja „Eis zum Mittagessen“ statt „Eis zusätzlich zum Mittagessen“, aber da steht vermutlich nicht jeder drauf …
    Ich mag es auch gern, im Urlaub viel rumzulaufen – aber meine Reisebegleitung nach deren Essensmenge auszusuchen, hab ich noch nicht ausprobiert 😀

  9. Ich frage mich ob es wirklich Frauen gibt, die das Ding kaufen, um ihre Lebensführung nach den Tipps auszurichten. Oder ist das mehr so ein „Wäre-ja-schön-wenn…“-Impulskauf, den man dann ein paar Wochen später im Altpapier entsorgt, ohne dass von der Lektüre ernsthaft etwas in den Gehirnwindungen hängengeblieben wäre.

    • Wenn man in Befragungen schaut, kaufen Frauen Frauenzeitschriften zur Entspannung und Zerstreuung. Aber auch zur Identitätsbildung, sie suchen etwas, was Frausein in irgendeiner Form definiert. Die Masse der Botschaften in Werbung, Zeitschriften usw. macht tatsächlich etwas mit uns und die Wenigsten können ihre Wirkung einfach im Altpapier entsorgen. Überlegungen von „Sollte ich nicht auch…“, kleine Selbstzweifel usw., die sich einschleichen. Dann dreht man sich kritischer im Badeanzug vorm Spiegel, wenn man vorher 50 Titelblätter mit Sommerdiäten gesehen hat oder es wanderst eben doch die neue Faltencreme in den Einkaufswagen. Es macht unsicher und befördert ein bestimmtes Bild von Weiblichkeit. Das ist der Knackpunkt. Wer unsicherer mit sich und seinem Körper ist, wird auch Probleme damit haben, in anderen Lebenssituation selbstsicher aufzutreten.

  10. Pingback: Was ich im Juni & Juli gelesen, gesehen und gemacht hab – Frau Margarete

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