Kinder & Küche
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Wörter sind wie Zahnpasta

Manchmal fällt mir nicht viel ein, um zu erklären, warum etwas so oder so ist. Manchmal überrasche ich mich selbst mit meiner Genialität beim Finden von Vergleichen. Manchmal überrascht mich mein Kind, weil eine Erklärung funktioniert, die ich für die mieseste gehalten habe. Stichwort: Erziehung & Regeln & so.

Manchmal überraschen mich aber auch andere mit ihren brillianten Einfällen. Wie die Bekannte, der ich erzählte, dass sich gerade diverse kindergarten-entliehene (Weil, von uns hat sie das nicht!) Schimpfwörter & Beschimpfungen bei uns zu Hause stapeln. Und es irgendwie schwer ist zu erklären, warum man dies & das nicht sagt. Die tiefere Erkenntnis, die man über die nächsten Jahre vermitteln will, ist ja nicht nur, dass man ins soziale Aus geraten kann, wenn man andere als stinkendes Dummgesicht betitelt. (Jaja, noch sind das eigentlich sehr süße Schimpfwörter, die die Unbedarftheit des Aussprechenden gleich mit offenbaren.) Sondern, dass Worte tief verletzen können. Dass man Achtsamkeit üben sollte. Empathie haben, Wertschätzung für das Gegenüber. Auch wenn hier zunehmend auch viele Erwachsene ziemliche Defizite in der Interaktion haben. Ich höre da nicht auf, von einer besseren Welt zu träumen. Die dann unsere Kinder bauen müssen, hihi.

Die Bekannte auf jeden Fall sagte dazu: „Bei uns zu Hause haben wir immer gesagt: Denk dran, Worte sind wie Zahnpasta.“ Sie saß nämlich mal mit ihren beiden Söhnen am Tisch und gab beiden eine Tube Zahnpasta. Die durften sie dann nach Herzenslust ausdrücken & auf dem Tisch verteilen. Die Söhne hatten – nach kurzer Nachfrage: Dürfen wir wirklich? –  einen Mordsspaß & erklärten sich das Ganze mit vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit der Mutter. Tatsächlich wurden sie auf sehr kluge Weise vom Überraschungseffekt in die Falle des Erziehungserfolges geführt. Alter Elterntrick. Das ältere Kind hielt auch kurz inne & fragte nach dem Sinn.

Nachdem also die leeren Tuben den Tisch (oder die Unterlage darunter, man bleibt schließlich immer diejenige, die nachher ans Aufräumen denkt) in einen beinahe echten Jackson Pollock verwandelt hatten, bat man sie, die Zahnpasta in die Tube zurück zu befördern. „Geht nicht!“ war die Antwort. Eben. Weil Worte wie Zahnpasta sind. Wenn sie einmal den Mund verlassen haben, kann man sie nicht zurückholen. Deshalb ist es gar nicht so schlecht, zwei Mal darüber nachzudenken, ob man den Tisch in ein Pfefferminzland verwandeln will.

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich finde das eine super Geschichte. Ob der Erfolg reproduzierbar ist, teste ich in ein paar Jahren.

Für das Hier & Jetzt überlege ich, ob ich ins nächste Projektmeeting mal einige Packungen Zahnpasta mitnehme. Vielleicht könnte auch Facebook ein paar verschicken. Visualisierung unterstützt ja ungemein den Lernerfolg. In allen Altersklassen.

Foto: flickr – Mauren Veras – CC by 2.0

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9 Kommentare

  1. Nach dem Titel war ich echt gespannt was kommt. Und wurde überrascht. Positiv natürlich 😉

    So simpel und so wahr. Ich glaube, ich gehe Zahnpasta kaufen (die Reisegröße tut es ja auch 😉 ) und führe ab sofort immer ein paar Tuben mit.

  2. Daniela Röder sagt

    Super Idee. Das muss ich mir merken und bei der nächst besten Gelegnehit anwenden.

    Schöne Grüße
    Daniela

  3. Katrin sagt

    Toller Artikel und das mit der Zahnpasta werde ich an meinen Kids sehr bald ausprobieren. Danke für den guten Tipp. Schöne Grüße Katrin

  4. Schoki sagt

    Wie lustig! Sehr schön, sollte ich mal in meiner ersten Klasse anwenden. Ich kaufe auch ein paar Tuben in Reisegröße. 😉

  5. Pingback: Blubb, blubb – makellosmag ist erstmal abgetaucht | makellosmag

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