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Das war alles leichter mit 23

Vor einiger Zeit las ich einen Text von einer Autorin, die eigentlich nur ein neues Parfum kaufen wollte. Man empfahl ihr im Laden ungefragt auch ein Anti-Aging-Produkt. Die Autorin war 23. Sie fand es völlig zu recht absurd, dass sie – quasi gerade erst der Clearasilwerbung entwachsen – als nächstes geradewegs die Falten-Vermeidungs-Ware kaufen sollte. „So’n Quatsch“, schrieb sie, „braucht kein Mensch“. Älter werden ist schließlich kein Problem, sondern völlig normal. Und aufgeklärte, selbstbewusste Frauen lassen sich schon gar nicht unsicher machen und für dumm verkaufen. Damit war die Sache für die Autorin erledigt. Solche Texte sind gut und richtig und wichtig. Ich habe selbst ein paar davon geschrieben. Aber es war leichter, sie mit 23 zu schreiben. 

Ich weiß nicht mehr genau, wann es begann. Aber irgendwann waren die Kissenfalten auch Stunden nach dem Aufstehen noch da. An manchen Tagen blicken sie mir noch auf dem Weg zur Mittagspause vom Fahrstuhlspiegel aus entgegen. Auf meiner Stirn hat sich eine Runzelfalte festgesetzt, die wohl bezeugt, dass ich viel öfter angestrengt nachdenke, als zu lachen. An meinem Körper gibt es Teile, die lassen sich ziemlich hängen. Und ich habe wenig Hoffnung, dass sie sich noch einmal zusammenreißen. Mein nächster runder Geburtstag wird eine „4“ auf dem Kuchen haben. Ganz vorn steht die dann.

Ich habe immer noch, genauso wie mein 23jähriges Ich, Trockenshampoo auf Lager und wickele die Haare an bestimmten Tagen mit Vorliebe zum Dutt, um das Kämmen zu vermeiden. Ich verstehe immer noch nicht ganz, wieso man sich die Zähne aufhellt oder Hyaluron-Cremes für 70 Euro braucht. Ich trage gern Sport-BHs, weil ich sie bequem finde. Aber ich verlasse auch das Haus immer häufiger mit Concealer. Ich creme jetzt. Das muss ich zugeben. Und ein Gedanke drängt sich mir auf: War meine Entspanntheit dem eigenen Äußeren gegenüber vielleicht einfach nur ein schönes Privileg, weil ich damals eben nichts davon brauchte, mit 23?

Ich ertappe mich dabei, wie sich meine Unterlippe vor Anspannung kräuselt (und meine Runzelfalte noch tiefer wird), wenn ich im Spiegel konzentriert schaue, ob dies ein graues Haar ist. Wenn ich eines finde, will ich es herausziehen und möglichst schnell verschwinden lassen. Was ist es schließlich mehr als ein sehr greifbares Zeichen meines körperlichen Verfalls? Und dann denke ich an die Haarlocken, die manche von den ersten Haarschnitten ihrer Kinder aufheben. Man legt sie in hübsche kleine Boxen, aber nie würde uns das mit unseren ersten grauen Haaren einfallen.

Es ist nicht so, als hätte mich jemand in kaltes Wasser getunkt und beim Auftauchen wäre mir die eigene Vergänglichkeit schlagartig bewusst geworden. Das Ganze geschieht langsamer, subtiler. Und irgendwann gibt es dann eben ein paar Dinge, die dir verlässlich jeden Tag deutlich machen, dass du nicht immun gegen den Lauf der Zeit bist. (Und wenn es nur die eigenen, viel zu schnell wachsenden, Kinder sind.)

Es ist nicht so, als hätte jetzt eine Spirale nach unten eingesetzt. Aber ich bin sehr wahrscheinlich nicht mehr ganz jung. Ich bin definitiv nicht mehr 23. Das klingt jetzt melancholischer als es gedacht ist. Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich bisher an das Altern eher in einem abstrakten Sinn gedacht. Ich dachte, es wäre etwas, womit ich selbstverständlich umgehen würde. Etwas, das ich problemlos annehmen würde, sobald mein Lächeln (oder das Nachdenken oder die Schwerkraft) die ersten Falten offenlegt. Ich dachte, wenn ich an Stellen zulege, die mir nicht gefallen, würde ich coole weite Leinensachen tragen wie Barbara Streisand in „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“. Und ich würde nicht fanatisch jedes schwarze Haar am Kinn mit der Pinzette jagen. Ich dachte, ich würde so eine ältere Frau sein, die jeden Morgen im Berliner Teufelssee (der mit dem Nacktbadebereich) ihre Runden dreht. Die fröhlich auf dem Fahrrad angeradelt kommt, sich auszieht als ginge es unter die Dusche und dann wieder von dannen radelt. Zufrieden und in sich ruhend.

Die Sache ist aber so. Es ist ziemlich einfach, das zu romantisieren, wenn man denkt, dass nicht nur dieses Alter noch eine ganze lange Weile hin sei, sondern auch seine ersten Anzeichen. Man kann sich leichter ausmalen, wie man sich fühlen wird, bevor das Gesicht langsam nach unten fällt und man immer häufiger gefragt wird, wieso man so böse schaut. Und dann liest man plötzlich doch die Antifaltenanzeigen und bei den Werbespots für Haarfärbemittel geht es nicht mehr nur ums fröhliche Experimentieren mit Farben. Werde ich jetzt zu der Frau, von der erwartet wird, in Zukunft die Abende mit Plastikhandschuhen und Farbtuben zu verbringen? Wie viele Stunden meines Lebens werde ich nun cremen und auf das Einwirken der Farbe warten? Und das Schlimmste an der Sache, das Ganze ist nicht so oberflächlich und äußerlich, wie es mir mit 23 schien. Meine Falten sind auch Anzeichen dafür, dass tatsächlich etwas vergeht. Dass sich auch in mir drin etwas verändert, meine eigene Vergänglichkeit wird mir bewusst.

Und jetzt? Ich glaube, wir sollten in jedem Alter versuchen, selbstbewusst unsere eigene Schönheitsgeschichte zu schreiben. Unabhängig von den Versprechungen, Verlockungen und vor allem Zweifeln, die Kosmetikindustrie und Werbung in uns setzen. Aber diese Schönheitsgeschichte ist eben auch nie zu Ende, wir schreiben ständig an ihr weiter. Das jetzt, das bin auch ich. Und mir wird eines sehr bewusst. Die Texte mit 23 waren gut und richtig und wichtig. Aber ich glaube, jetzt zählt es wirklich. Altern an sich ist kein rebellischer Akt, keine wohldurchdachte Ablehnung der medialen Zerrbilder, wie eine attraktive Frau auszusehen hat. Es ist einfach unvermeidlich. Vermeidlich ist aber auch, sich selbst zu verlieren. Daran glaube ich immer noch. Man selbst zu bleiben, auch angesichts des immer präsenten Rauschens, mal lauter, mal leiser, was uns zuflüstert, wie wir sein sollten und sein könnten, das ist das Schwierige. Das Rauschen, in dem nicht nur die äußerlichen Anzeichen des Alters zu hören sind, sondern auch die ganzen Annahmen, die sonst mitschwingen. Dass die meisten Frauen, wenn sie älter werden, quasi zwangsläufig weniger ambitioniert und sichtbar sind. Welche Frau hat sich mit 50 nochmal neu erfunden?

Es war einfacher mit 23 Texte darüber zu schreiben, das Alles einfach zu überhören. Ich habe den Verdacht, die richtige Arbeit geht jetzt erst los.

Foto: flickr – simpleinsomnia – CC by 2.0

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32 Kommentare

  1. Tief durchatmen. Mit 37 hatte ich auch so eine Phase, in der ich mich als unattraktives altes Weib sah. Aber das relativierte sich mit den 40, den 45, und inzwischen ist es mir ziemlich egal. Ich werde halt älter, das ist so. Gut, ich habe leicht reden, ich habe keine Wechseljahrsbeschwerden, die einem Teil meines Bekanntenkreises Ärger machen. Ein echter Vorteil: kaum noch catcalls von unbeschäftigten jungen und nicht mehr jungen Herren.

    • Das habe ich auf Twitter jetzt auch ein paar Mal gelesen, dass es dann wieder unerheblicher wird. Gut zu wissen. Danke dir.

  2. Barbara Streisand in „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ ist coolnessmäßig immer noch mein großes Vorbild. Danke, dass du mich daran noch einmal erinnert hast 🙂

    Vielen Dank für diesen Text. Ich bin zwar etwas jünger als du, aber gleichzeitig stellt sich mir immer öfter die Frage, warum Frauen irgendwann aufhören, öffentlich „stattzufinden“. Ich habe manchmal das Gefühl, sie verschwinden. Und damit auch alle Vorbilder, wie das Leben später mal aussehen kann. Ich wünsche mir sehr, dass sich das ändert.

  3. Mit 50 erfindet sich jede Frau neu. Muss sie.
    Ich habe die Angst vor der 40 nie verstanden, hatte sie auch nicht. Ich war auch mit 23 nicht so arrogant (das kann man doch sagen, oder?), zu glauben, älterwerden wäre ein Zuckerschlecken und nur Tussis und medial verwirrte Frauen hätten damit ein Problem. Ich habe wohl geglaubt, ich könne damit etwas leichter umgehen, als ich es jetzt im Augenblick, knapp vor 50, tue. Nach wie vor färbe ich meine grauen Haare nicht, die ich liebe, störe mich nicht an den Falten um die Augen und den Mund, mich stären die Pigmentflecken und die ständige Müdigkeit, die mein Gesicht mit sich trägt, die einfallenden Wangen, der nun sehr ruckartige Verfall, der mit all dem anderen Mist der körperlichen Veränderung einher geht. Das fing an mit 43 und steigerte sich in den letzten zwei Jahren rasant. Mit Ende dreißig bekommst du eine leise Ahnung, mehr nicht …
    Ich hatte es vielleicht leichter als du, weil mein Beruf mich mit Frauen jeden Alters zusammen brachte und die coolsten, entspanntesten, interessantesten dann doch die ab Mitte 40 waren. So schlimm konnte es also nicht sein, älter zu werden. Auch wenn alle davon erzählten, wie schwer es ihnen falle. Da nahm ich mir fest vor, keiner dieser Frauen zu werden, die hinter jedem Fältchen und jedem grauen Haar herjagen, aber jeden Zustand so intensiv wie möglich zu pflegen.
    Was mich wohl am meisten erschüttert: Ich war es gewohnt, immer gute 5-10 Jahre jünger geschätzt zu werden – das ist jetzt irgendwie vorbei, an Mitte/Ende Vierzig komme ich nicht mehr vorbei. Nur wenn Freundinnen jüngeren Alters für nicht jünger gehalten werden, dann muss ich innerlich doch grinsen – heute nehme ich auch indirekte Schmeicheleien gerne an 😀

  4. Achso und von wegen die Mär, dass ältere Frauen verschwinden: Jein. Klar werde ich nicht mehr von ganz jungschen Typen angemacht, aber Blicke und Sprüche bekomme ich noch immer. Aber das ist ja nur die Männerseite.
    Ich habe viel mehr den Eindruck, dass viele jüngere Frauen einfach auch sehr eingeschränkte Freundinnenkreise haben und kaum selbst „ältere“ Frauen kennen. Schaue ich mich in Serien und Filmen um, dann sind Frauen ab 40 immer öfter zu sehen und auch politisch sind es eher die mittelalten, die präsent sind. Was also genau ist diese Unsichtbarkeit, von der gesprochen wird? Doch nur die pfeifenden Bauarbeiter?

    • Die Unsichtbarkeit ist schon medial gemeint. Da gibt es auch Zahlen zu. Maria Furtwängler hat da gerade eine Studie zu den Öffentlich-Rechtlichen gemacht und in den USA gibt es zum Beispiel eine zu Hollywood, dass Filmpartnerinnen meist locker 10-15 Jahre älter sind als der Hauptdarsteller. Es gibt schon weniger Rollen ab einem bestimmten Alter. Aber das ist, da hast du Recht, oft gekoppelt mit wahrgenommer Attraktivität. (Also Film, Werbung etc.) Und Attraktivität ist bei Politikerinnen eher kontraproduktiv.

      • Ich habe eben den Eindruck, dass es eben meist eher persönliches Empfinden ist und da taucht ja immer wieder das Männer-Element auf 😀
        Aber zum dem Thema Schönheit etc. plane ich ja gerade eine Serie mit 6 tollen Frauen in ganz unterschiedlichen Stadien des Lebens.

        • Es wäre einfach, wenn es ein „Männer-Element“ wäre, wenn es um erotische Wahrnehmung ginge, die einen verletzt, wenn sie ausbleibt. Aber das ist nicht das, was ich meine, wenn ich „unsichtbar“ schreibe. Es geht mir um die Wahrnehmung von Frauen im öffentlichen Raum, um Karrierechancen, Weiterbildung, Respekt und daraus resultierend um das (unzulässige!) „Koppeln“ von Alter und Geschlecht. Denn das ist Macht, nicht Biologie.
          Mein Alter ist Teil meiner Identität. Frauen gewinnen mit zunehmendem Alter ebenso an Persönlichkeit, Reife und Wissen wie Männer. Wenn Frauen das nicht zugestanden wird, wenn „role models“ in der Öffentlichkeit fehlen, weil Frauen in den Medien (fast ausschließlich) jung sind, dann geht ein Teil dieser Identität verloren. Und egal wie ich persönlich damit umgehe, ist es doch da.

          Bitte schreib über sechs tolle Frauen – ich möchte das sehr gerne lesen.

          • Wo ich es am massivsten sehe, das ist natürlich im Job – wobei das Problem ja schon oft beginnt, sobald Frau Mutter wird … andererseits fände ich es fast schon beschönigend, diese Tatsache unter Unsichtbarkeit zu führen, aber etwas Besseres fällt mir spontan auch nicht ein. Vielleicht ist es eher ein Stummschalten? Angucken würde man uns ja noch, gerade Mütter und Frauen wie Helen Mirren machen sich doch hübsch auf Plakatwänden. Nur die Klappe sollen sie halt halten.

            Und die sechs Frauen sind gerade dabei, kleine Texte über sich selbst zu schreiben zur Vorstellung – das sollte Montag los gehen, wenn alles gut geht.

  5. ja es kommt schleichend, definitiv. ich kann mit 28 auch sagen, ’noch‘ sehe ich darüber hinweg, aber wenn die haut hängt und falten wirft, lehne ich mich eher zurück und denke mir: kannste eh nix machen. loslassen ist unheimlich befreiend.
    als ich mir aber neulich meine naturhaarfarbe nachwachsen liess, musste ich bei dem gedanken „das wird wohl das letzte mal vor den grauen haaren sein“ etwas schlucken.
    obwohl ich mich wirklich freue, mal eine schrullige alte dame zu sein. da kaufe ich mir dann auch ein großes, protziges auto – so stell ich mir das vor, hehe.

  6. „Warum hat Deine Mutter graue Haare?“ hat ein kleines Mädchen meinen Sohn bei seiner Einschulung gefragt. „Die sind nicht grau. Die sind silber,“ hat er geantwortet. Damit war alles gesagt, alles gut. Für ihn. Für alle anderen wurde ich „unsichtbar.“ Das hat mir durchaus zu schaffen gemacht. So wie der Schock, als ich das erste Mal dachte: Halbzeit!

    Dabei ist 40 eigentlich perfekt. So vieles, was Du kannst, gleichzeitig so vieles, was Du nicht mehr musst. Ich weiß wer ich bin und was ich kann – auch ohne Hyaluron 😉 Wäre da nicht die Gesellschaft, die uns wieder suggeriert dass Frauen jung sein müssen.

    Danke für Deinen wunderbaren Text! You nailed it – wie so oft. Ich warte jetzt auf die Fortsetzung (da müßte dann eigentlich Mme Macron drin vorkommen).

    Liebe Grüße – Carina.

    • So viel Liebe für deinen Sohn. <3 Stimmt, Mme Macron, aber da wurde so viel schon drüber geschrieben in den letzten Tagen hatte ich das Gefühl.

  7. Ich glaube, so lange man noch nah am Jugend-, Schönheits- und Schlankheitsideal ist, sind Abweichungen schmerzhaft. Mit einigen Tricks, ein bisschen Diät und Schminke robbt man sich dann weiter an den Idealzustand.
    Dann wird man 40 und älter und irgendwann sind es nicht 5 graue Haare sondern so viele, dass man sie nicht zählen kann und so viele Falten, dass man sie nicht wegschminken kann etc.
    Dieser Übergang tut kurz weh und dann ist man so weit weg von diesen Magazin-Schönheitsansprüchen und dann ist es einem herzlich egal.

    • „Mit einigen Tricks, ein bisschen Diät und Schminke robbt man sich dann weiter an den Idealzustand.“ <3 Das gefällt mir gut. Haben jetzt schon ein paar geschrieben, dass es dann irgendwann leichter wird. Und dann ist es einem wahrscheinlich auch egal, dass man in Werbung und anderen medialen Bildern weniger stattfindet. Obwohl das eigentlich auch wieder traurig ist, wenn ganze Altersgruppen rausfallen, wo wir doch eigentlich alle überaltern.

  8. Und das hört ja nicht auf, mit 40 something. Ich fahre da zweigleisig. Creme mich, mit stets wechselnden wald- und wiesen Cremes, weil die super Herrencreme nur Abzocke ist. Ansonsten schaue ich nicht mehr in den Spiegel, mindestens vermeide ich ihn, den Blick. Letzthin beim neuen Personalausweis: Wollen Sie sich die Bilder noch einmal anschauen, fragte mich der Photograph. Ich habe höflich aber bestimmt verneint.
    Irgendwann wird mich ein Zombie anschauen, falls mein Blick aus Versehen in einen Spiegel fällt.
    P.S: bin 62 J.

    Gruß

    Achim

    • Lieben Dank Achim! Ich finde das jetzt sehr erfrischend, dass hier auch mal ein Mann dazu was schreibt. Realtiviert das Ganze irgendwie auch. Beste Grüße!

  9. Pingback: Das Alter… | Wolke Rosa

    • Schöner Text. So geht es mir manchmal auch. Und manchmal eben auch nicht. Ich freue mich über jede, der es immer so geht. Aber da die Schönheitsbranche so einen Riesenmarkt ist, der seine Werbung nur allzugern auf Unsicherheiten aufbaut, sind es wohl noch nicht genug. Außerdem mag ich auch Schönsein und Schönmachen, aber eben nicht immer auf die Art der Industrie.

  10. Ja, so geht’s mir auch. Wobei mein jüngeres Ich ein sehr unentspanntes Verhältnis zum eigenen Körper hatte. Wenn ich jetzt alte Bilder sehe, dann frage ich mich nur: warum eigentlich?! Da gab’s doch nichts auszusetzen? Und vor 25 Jahren (OMG… as time goes by) gab es mangels Instagram & Co noch nicht mal diese Bilderflut der optimierten Superfrauen.

    Mittlerweile schwant mir, dass ich den Mund vielleicht ein bisschen zu voll genommen habe, als ich vor 1-2 Jahren lauthals getönt habe, dass der Jugendwahn an mir vorbeigeht. Das sagt sich leicht, wenn die Gesichtskonturen nicht langsam einen auf Steilküste machen und es morgens immer länger dauert, ehe ich ausgeschlafen aussehe. Allerdings ist es für präventive Maßnahmen eh zu spät und schweres Geschütz muss nun tatsächlich nicht sein. Sage ich jetzt. Mit 45. 😉

    LG Anna

  11. Pingback: Kuh oder Ziege – Altern ist nichts für schwache Bindehaut – mybeautyblog

  12. Ich habe letztens meine alten Tagebücher gelesen und war erstaunt, wie sehr ich mich mit Mitte Zwanzig/Anfang Dreißig damit fertig gemacht habe, nicht attraktiv genug zu sein, zu dick zu sein, etc. Wenn ich mir jetzt die dazugehörigen Fotos von mir angucke, sehe ich eine superhübsche junge Frau. Damals konnte ich mich nicht so sehen und das macht mich traurig. Und lehrt mich für heute und für die Zeiten die kommen: Gehe stolz durch jeden Tag, denn Du bist schön und toll! Und besser wird es nicht mehr. Und in 10 Jahre will ich nicht die Fotos von mir angucken und denken: Was für eine schöne Frau – warum hat sie sich nur immer so gegeißelt und runtergemacht, weil sie dachte, irgendwelchen Ansprüchen (welchen???) nicht zu genügen? Das ist Lebenszeitverschwendung!

  13. Meine ersten weißen Haare hatte ich mit 13. Inzwischen bin ich 32 und habe weiße Strähnen … ich bin immer erstaunt, wie unterschiedlich sich bei verschiedenen Menschen das Alter zeigt!
    Das Frauenmagazin, dass meine Mutter liest, hatte eine Zeitlang in jeder Ausgabe eine Fotoserie, eine ältere prominente Frau in unterschiedlichen Lebensabschnitten. Tatsächlich sahen die Fotos mit 40, 50 meist am besten aus – natürlich mit weniger straffer Haut und weniger perfektem Körper, aber soviel mehr Ausstrahlung als die junge Version, mit zur Person passendem Stil anstatt in seltsamer Mode. Das wünsche ich mir auch für mich, so eine Frau zu werden – und mich mehr darauf zu konzentrieren, was ich gewinne, als was ich an körperlicher Perfektion (haha) verliere. Und auf Fotos in meinen 40ern, 50er und den folgenden Jahren auch mein jüngeres Ich einfach überstrahlen kann.

  14. Mal wieder ein wundervoller, ehrlicher Text, liebe Corinne! Die Stelle „Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich bisher an das Altern eher in einem abstrakten Sinn gedacht. Ich dachte, es wäre etwas, womit ich selbstverständlich umgehen würde“ bringt meine Attitude als gerade 20-jährige auf den Punkt. Trotzdem mache ich mir manchmal viele Gedanken über das Älterwerden, obwohl mir ältere Freunde sagen, dass ich doch noch so jung bin.
    Altern ist ein unvermeidlicher Teil jedes Lebens. Der individuelle Umgang damit ebenso.
    Ohne Falten und einzelne graue Haare ist es so einfach, Anti-Aging-Pflege und Make-Up als „Quatsch“ abzutun. Der Wandel der eigenen Optik im Laufe der Jahre ist ein natürlicher Prozess, der doch nicht aufgehalten werden kann. Ich denke da zum Beispiel an Courtney Love, die (ich glaube) auf der MET-Gala wie eine Karikatur ihrer selbst aussah. Ohne eine einzige Falte, dafür mit einem grotesk künstlichen Gesicht und tiefen Tränensäcken unter den Augen. Die Menschen, die ihr Altern annehmen und in Würde älter werden, sind für mich die bewundernswertesten. Ich hoffe sehr, dass ich das in 10,15,20 Jahren auch so sehe und mich nebenbei über die Fältchen vom vielen Lachen freue.

  15. Ich denke, dass es kein Trost ist, aber ich gebe mal ungefragt meine Erfahrung weiter. Als die große 4 vorne kam, hatte ich ein Wochenende lang schlechte Laune, dann berappelte ich mich. Die 5 war nicht mehr so schlimm – vielleicht habe ich auch einfach nur aufgegeben. Die Vorstellung von Zahlen, die mit einer 6 beginnen, finde ich echt gruselig und hoffe, dass 4 Jahre nicht so schnell vergehen…
    Liebe Grüße ohne Würde, aber voller Freude!
    Bärbel

    • Lieben Dank, doch, ich finde Erfahrungen anderer sind immer irgendwie Trost. Man ist immerhin nicht allein. Alles Liebe, Corinne

  16. Pingback: Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 14. Mai 2017

  17. Ein wunderbarer Text, leider zu spät gelesen, obwohl du in meiner Blogroll stehst.

    Anlässlich des Films „embrace“ habe ich auch etwas zum Thema Körperwahrnehmung geschrieben:
    https://annikahansen7.blogspot.de/2017/05/embrace.html?m=0

    Alt werden is nix für Feiglinge, diesen Satz unterschreibe ich. Bauarbeiter pfeifen durch aus noch ab und an, aber unsichtbar wird man dennoch. Das ist noch nicht mal eine Einbahnstraße, auch ich sehe mir ältere Männer oder Frauen auf der Straße so gut wie überhaupt nicht an. Ich taxiere mit einem Seitenblick innert Sekundenbruchteilen, ob es sich „lohnt“, hinzuschauen, ein gänzlich unbewusster Prozess.
    Gehe ich in einen Klamottenladen, werde ich taxiert und augenblicklich aussortiert. Ich bin dort nicht mehr relevant.
    Am schmerzhaftesten ist es für mich im Job. Die Chefs werden rapide jünger und halten mich offenbar für ein Fossil, mit dem sie zwar gezwungen sind zu arbeiten, weil Alter allein kein Kündigungsgrund ist, aber man unterstellt älteren Kollegen und Kolleginnen automatisch, dass sie keine Ideen mehr haben, Dinge nicht vorwärtstreiben, nicht innovativ sind – ganz unabhängig davon, wie gut und proaktiv man seinen Job macht.

    Ich arbeite seit kurzem in einer neuen Abteilung bestehend aus drei alten Hasen und drei neuen jüngeren Kolleginnen. Die neue Chefin kommuniziert grundsätzlich nur mit den jüngeren. selbst wenn man ihr sagt, fragen Sie Herrn X, er ist ein Crack in seinem Gebiet, bittet sie eine der jüngeren, ihre Wünsche an Herrn X zu übermitteln.

    Als neulich ein kleines Feierabendbier im Kreise der Kollegen genommen wurde, wurde allen Bescheid gesagt, nur den beiden ältesten Kolleginnen wurde „vergessen“ Bescheid zu sagen.

    Das Alter birgt nicht nur Falten, mit denen man fertig werden muss. Auch auf Gebieten, die man gemeinhin für nicht betroffen hielt, hält das Leben so manche Ohrfeige bereit.

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