Feminismus & Weltverschwörung
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Quatsch, der sich Feminismus nennt

Man kennt das. Am angeblichen Genderwahn, dem Binnen-I oder der Sichtweise auf Geschlecht als ein soziales Konstrukt arbeiten sich Feuilletonisten und Kolumnisten gern ab. Ein wenig ist es wie bei Steuerpolitik oder Klimawandel. So richtig Ahnung und Lust sich damit zu beschäftigen hat kaum jemand, aber immer eine Meinung. Konservative Politiker finden dann, dass die Suffragetten eine wichtige Bewegung waren (die adrett gekleideten Frauen, die für das Frauenwahlrecht Diverses in die Luft jagten) – moderner Feminismus ihnen aber zu radikal sei.

Nun ist es wieder soweit. Women Against Feminism, laut Selbstbeschreibung against modern feminism and its toxic culture, hat 10.000 Likes auf Facebook und war ein vieldiskutiertes Twitterthema am Anfang der Woche. Ähnliches hatte bereits der Europawahlkampf mit der „Ich bin keine Feministin, weil…“ Kampagne der AfD-Jugend hervorgebracht: Junge Frauen halten sich Schilder vor die Brust, auf denen sie erklären, warum sie keine Feministinnen sind. Wegen dem ganzen Quatsch, den Feministinnen so denken. Eine unvollständige Liste.

Feministinnen denken alle Männer sind Unterdrücker. 
Mal abgesehen davon, dass jedes Mal ein Robbenbaby stirbt, wenn jemand das behauptet. Der menschliche Geist ist zu unglaublichen Leistungen fähig. Bereits Zweijährige lernen, dass sie ihren Teddybär und ihren Bagger gleich lieb haben können. Die Tatsache, dass man sich für Frauen einsetzt heißt eben nicht, dass man Männer ablehnt. Außerdem: Schonmal über die Straße gegangen und von einer „Du patriarchalisches Schwein!“ brüllenden Frau unvermittelt angegriffen wurden? Nein? Also entweder noch nie einer Feministin begegnet oder…

Feministinnen sind alle lesbisch und hassen Sex mit Männern. 
Ich nehme an, liebe Verfechter dieses komplizierten Arguments, die Idee ist aus empirischer Beobachtung erwachsen? Womöglich aus einer jahrzehntelangen Studie, bei der ihr euch selbstlos als Proband zur Verfügung gestellt habt? Super, dann bitte noch so nett sein und diesen humorvollen Einstieg in einen Flirt auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten: „Wollen wir etwas Mathe üben? Wir könnten Dich und mich addieren, unsere Kleider abziehen, unsere Beine teilen und uns multiplizieren.“ Du hast dir das zur weiteren Verwendung notiert? Wunderbar! Dann lass es mich mal so sagen: Wenn Frauen sich lieber auf ein heißes Nadelkissen setzen, als mit dir zu schlafen, liegt es nicht daran, dass sie Feministinnen oder lesbisch sind. Feministinnen haben genauso wenig oder viel Sex, mit wem auch immer, wie andere Menschen auch. Nur eben nicht mit Leuten wie dir.

Ich brauche keinen Feminismus, weil ich Hausfrau werden will. Oder CSU Politikerin.
Hey, das ist toll. Mach das. Und die beste Nachricht noch hinten dran. Den Feminismus wird es freuen, dass du das machst, was du willst. Denn genau diese Wahlfreiheit gäbe es ohne ihn nicht. Genauso wenig wie das Wahlrecht, ein Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe und die Möglichkeit berufstätig zu sein, ohne dass der Ehemann dir den Job kündigt. Oder kurze Haare und Hosen ohne schief angeschaut zu werden. Plus Beyoncé und Miley Cyrus. Und unter Umständen könntest du das nicht mal lesen.

Feminismus ist nichts für mich. Mir geht es um alle Menschen. 
Für ganz Mutige: Bei Vollmond vor den Spiegel stellen und 3x hintereinander „Ich bin Feministin.“ sagen. Was dann passiert? Keine Ahnung. Was definitiv NICHT passiert: Alice Schwarzer stürmt aus einer Ecke, zwingt dich in einem dunklen Ritual allen anderen Göttern abzuschwören und tätowiert dir ein großes „F“. Das Schöne ist nämlich: Man kann Feministin sein und alles andere auch. Ich bin auch für alle Menschen. Und für Weltfrieden und flauschige Katzenbabys.

Foto: womenagainstfeminism.tumblr.com

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