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makellosmag und die Taschenverschwörung

Als im Harry Potter-Theaterstück Hermine mit einer dunkelhäutigen Schauspielerin besetzt wurde, folgte ein kleiner Aufruhr in der Fangemeinde. J.K. Rowling konterte souverän, sie hätte nie Hermines Hautfarbe beschrieben – und sich einfach für die beste Schauspielerin entschieden. Eine Sache allerdings ist klar. Harry Potter hätte nie ein Mädchen sein können. 

Bevor ihr anfangt, wütende Kommentare zu schreiben. Ich weiß, wie mutig, intelligent und klug weibliche Charaktere sein können. Hermine ist das beste Beispiel, sie trägt die ganze Serie. Und trotzdem führt kein Weg daran vorbei, dass man Harry nur als Jungen beschreiben konnte. Um das zu verstehen, müssen wir uns gar nicht anschauen, wie sein Charakter beschrieben wird. Auch seine blitzförmige Narbe hätte ein Mädchen tragen können. Nein, wir müssen nur etwas tiefer an ihm herunter blicken.

Harry konnte nur ein Junge sein, denn er hat Kleidung mit Hosentaschen.

Echten Hosentaschen. Es ist eventuell bisher in der Bewertung etwas untergegangen, aber Harrys eigentlicher Vorteil im Kampf gegen das Böse ist seine funktionale Kleidung. Wenn man genauer darüber nachdenkt, zieht er ständig sehr wichtige Sachen aus seinen Taschen: Horkruxe, Karten, Kompass, den Stein der Weisen. Es passt eine Menge in Harrys Hosentaschen.

Und Hermine? Sogar eine Superhexe wie Hermine scheint keine ordentlichen Hosentaschen zu besitzen. Wie alle Frauen muss die Arme im letzten Buch nämlich ständig den ganzen Kram der Gruppe mit sich rumschleppen. Und wo ist der drin? In einem Beutel! Die Frau hat die ganze Zeit eine bescheuerte Tasche dabei. Warum? Weil auch sie ein Opfer der Taschenverschwörung ist.

Taschen an Frauenkleidung sind oft nicht existent.

Sie sind maximal aufgesetzt. Fake. Wer Kleidung konsumiert, ist nicht selten dazu verdammt, ein Leben mit aufgesetzten Taschen zu verbringen. Das gilt, wie ich feststellen musste, auch für Kinderkleidung. Kinderkleidung! Kann mir jemand erzählen, wie man mit Pippi Langstrumpf „Sachen suchen“ spielen soll ohne anständige Hosentaschen, die Volumina aufweisen? Oder Schürzentaschen in diesem speziellen Fall. Die meisten Kleider haben ebenfalls keine oder nur Miniaufbewahrungsmöglichkeiten, in die nicht einmal drei/vier Kiesel passen. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, Kinderwägen wurden nur erfunden, um die ganzen gefundenen Sachen irgendwo reinwerfen zu können. Und im Büro kann der Kollege sein Smartphone, Geldbeutel und vielleicht sogar einen Stift einfach in der Anzugtasche verschwinden lassen. Jacketts haben sogar Außen- und Innentaschen. Während die Kollegin entweder alles in der Hand trägt oder ständig eine tolle feminine Businesstasche mit sich führt.

Die ganze Sache ist eine gemeine Verschwörung der Konsumindustrie, um uns neben Kleidung auch noch Handtaschen zu verkaufen. Möglichst viele Handtaschen, die nach Anlass und Kleidung auszuwählen sind. Um uns dann wieder anzumeckern, dass Frauen tausend Taschen besitzen und immer so viel Kram mit sich rumschleppen. Es handelt sich hierbei vermutlich um den schlimmsten backlash der ganzen Emanzipationsgeschichte. Denn das war alles schonmal anders. Selbst früher, als Frauen nur Kleider trugen, hatten sie ordentliche Taschen. Unter den weiten Röcken versteckt, hingen sogar kleine Beutel, die man durch einen Schlitz in der Kleidung erreichte. Gibt es heute noch bei Trachtenmode.

Dann stelle ich mir das so vor.

Als die Frauen rauskriegten, dass es noch praktischere Kleidung gab, nämlich die, die die Männer trugen, zogen sie deren Hosen an. (Und weil man während der Weltkriege und dazwischen mit Eintritt in die Arbeitswelt gern die Vorläufer von Smartphone und Co. irgendwo unterbrachte.) Frauen hatten nun große Hosentaschen und fühlten sich, als könnten sie die Welt verändern. Als stünden ihnen alle Türen offen. Zauberei – wie bei Harry Potter.

Das bemerkte auch die Modeindustrie und überlegte sich, dass man noch viel mehr Hosen verkaufen könnte, wenn man Männerhosen für Frauen machte. Einfach den Schnitt übernehmen ging natürlich nicht. Sollte ja praktischer für die Frauen sein. Besser sitzen und schön aussehen. Also Silhouette verändern, Taille hoch und insbesondere die Taschen weg. Die machen, wenn sie vollgestopft sind, auch so unschöne Hubbel auf den Hüften. Wer konnte das bitte wollen? Damit wurde ein praktisches Kleidungsstück, das genau dafür gemocht wurde, praktisch zu sein wie durch Zauberei zu einem modischen. Und damit ziemlich unpraktisch. Zumindest, was die Taschen angeht.

Und das ist mindestens genauso verrückt, wie sich beim Umtopfen von Springenden Knollen nicht vorzusehen.

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12 Kommentare

  1. Meike sagt

    Ich finde diese Taschenattrapen auch ganz schlimm, am sinnlosesten an Mänteln, die große aufgesetzte Klappen haben und nichts darunter. Bei Skinny Jeans verstehe ich ja noch, dass man dort nicht Smartphone und Geldbeutel reinstopft aber sonst macht es null sinn.

  2. Oh, wow, darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber stimmt schon. Obwohl, ich immer nur Jacken mit Taschen habe, irgendwie. Ich kaufe aber auch so gut wie nie Handtaschen. Ich besitze einen Beutel, einen Rucksack (typisch Mama), eine selbst genähte Tasche und zugegeben eine teure Tasche für die Kamera. Ich glaube, ich bin ein recht untypischer Käufer.
    Dafür frage ich mich ständig, warum mein einjähriger Sohn an JEDEM Kleidungsstück massig Taschen haben muss. Ich meine, die braucht er doch gar nicht! Das kostet doch nur unnötig Stoff!

  3. Christina sagt

    Langsam wirds ein bisschen inhaltsleer.
    Ist das jetzt die reine Produktion von quantitativem Content, um den Grimmepreis zu kriegen?

    • Hi Christina, schade, dass dein erster Kommentar jemals auf der Seite dieser ist. Wenn’s dir vorher besser gefallen hat, liest du ja schon eine Weile mit, oder? Ansonsten gilt: mein Blog, meine Texte. Mir gefällt’s. Du musst nicht lesen. Grüße, Corinne

  4. Bei meinem Sohn ist ein ganz wichtiges Entscheidungsmerkmal bei der Jacken- und Hosensuche: „Wie viele Taschen hat die“! Diverse Onlineshops, die dieses wichtige Merkmal nicht aufführen, kommen deshalb für uns nicht in Frage.

    • Coole Sache, mache ich in Zukunft auch so. Gibt’s das Problem mit den aufgesetzten Taschen etwa bei Jungen auch oder nur zu wenig?

  5. Das ist mir noch nie aufgefallen 😀 Vielleicht, weil ich quasi nie Kleider oder Business-Kleidung trage, sondern nur 08/15 Jeans und die haben alle normale Taschen. Habe auch mein Smartphone immer in der Hosentasche. Meine Jacken haben auch Taschen. Eine Handtasche habe ich zwar meistens dabei, aber da ist folgendes drin: Geldbeutel, Schlüssel, Taschentücher, je nach Witterung ein Regenschirm, und ansonsten 3463 Kassenbons, Einkaufszettel, Notizen, Flyer, Visitenkarten und verlorengeglaubte Haargummis. Also, gut, dass es Handtaschen gibt wie sollte ich sonst den ganzen Müll (https://www.instagram.com/p/6VBe4YjHPX/?taken-by=fraumargarete) mit mir herumschleppen!?

  6. Daniela R sagt

    Super Text! Nachdem ich nicht mehr diverse Wickelutensilien und Wechselkleidung mit mir rumschleppen muss, stellt das Unterwegssein ohne Tasche eine enorme Freiheit für mich da. Ich hab mir sogar extra einen neuen Führerschein machen lassen, damit der in meinen möglichst kleinen Geldbeutel geht, welchen ich dann relativ bequem in die Hosentasche stecken kann.
    So fördern auch Taschen in Röcken enorm meine Kaufbereitschaft. Wo soll ich neben Smartphone und Schlüssel schließlich auch mit meinen Händen hin?
    Und wie stellen sich Modedesigner den Büroalltag einer Mutter vor, die Ihr Smartphone immer dabei haben muss, weil garantiert die Schule/Kita anruft, wenn sie gerade nicht am Schreibtisch sitz. Gürteltasche? Schnurr um den Hals?
    Ach, ein Aufregerthema mal wieder!

  7. Birgit sagt

    Diese „Taschendiskriminierung“ ist mir auch schon aufgefallen, besonders was die praktischen Innentaschen angeht. Find ich toll, dass das mal thematisiert wurde.

  8. Die Sache mit den Taschen nervt mich auch schon lange. Meine Lösung: Öfter mal in der Herrenabteilung stöbern. Da gibt sage und schreibe Jeans mit normaler Passform aus reiner Baumwolle. Die sind dann so geschnitten, dass in die Taschen etwas reingeht, weil sie eben nicht skinny sind. Auch meine Anoraks sind meist Herrenklamotten: Da gibt es Innentaschen bis zum Abwinken.

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