Job & Vereinbarkeit, Leben & Lesen
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Frau allein zu Haus

Das Homeoffice, so mein Eindruck, wird langsam zum nächsten heiligen Gral der Vereinbarkeitsdiskussion. Ganz dicht gefolgt von den mompreneurs. Ich bewundere alle, die den Mut & gute Ideen haben zu gründen. Aber wie ich hier schon einmal geschrieben habe, habe ich oft den Eindruck, dass der öffentliche Applaus auch davon motiviert ist, dass es bequem ist, wenn Frau sich ihre eigene Arbeitswelt schafft, in der sich Familie und Job vereinbaren lassen. Dann muss sich die oft noch sehr starre und konservative alte Arbeitswelt doch nicht so schnell bewegen.

Kennt ihr auch Kollegen mit täglicher 2,5h Mittagspause, die aber immer im Stress sind?

Aber zurück zum Homeoffice. Gerade in klassischen Arbeitsumfeldern ist es eben immer noch das Sehen und Gesehen werden, was zur Einschätzung von Mitarbeitern beiträgt. Chefs sehen ihre Untergebenen gern physisch emsig am Schreibtisch sitzen, ob die nun eigentlich Spiegel Online lesen, Tetris spielen oder tatsächlich ein Projekt bearbeiten. Am Besten sind sie dann auch schon da, wenn der Chef kommt & fahren den Rechner erst herunter, wenn der sich wieder durch die Tür bewegt. Jeder wird schon einmal erlebt haben, dass in manchen Firmen die Verzögerung hier nur wenige Minuten beträgt. Das führt teilweise zu skurrilen Auswüchsen, in denen Mitarbeiter lange Frühstücks- und Mittagspausen wie selbstverständlich einplanen, den Vormittag mit surfen verbringen und erst mit dem eigentlichen Tagwerk beginnen, wenn die 25h Teilzeitfrau (oder Mann) bereits geht, weil „man sowieso jeden Abend lang bleiben muss.“ (Ein tatsächlich mir gegenüber geäußerter Satz.) Schön ist das nicht. Familien- und generell lebensfreundlich schon mal gar nicht.

Wenn man schon zu Hause ist…

Wenn man per Homeoffice aus dieser allgemeinen Regel der Präsenz ausbricht, ist man bereits verdächtig. Machen wir uns nichts vor. Nicht vor Ort zu sein, setzt Frauen oft ins Aus.

Schön ist aber auch, wie die Umwelt Homeoffice sieht. Nämlich als ganz tolle Möglichkeit, dann „noch etwas nebenbei im Haushalt zu machen“ oder „zu Hause bei den Kindern zu sein und trotzdem zu arbeiten.“ Ich selbst muss im Homeoffice mehr Disziplin aufbringen, um so produktiv wie im Büro zu sein. Eigene Zeiteinteilung ist super. Der fehlende Arbeitsweg auch. Aber das oben genannte „Toll, dann kann man beides.“- Gefühl habe ich auch schon verinnerlicht. Dass man doch jetzt zu Hause ist & dann gleich etwas im Haushalt tun kann. Sicher gibt es Menschen, die problemlos Waschmaschine & Spüler anstellen können, sich wieder an die Arbeit setzten und es geht ihnen, als wären die Gedanken nie unterbrochen wurden. Bei mir schweifen sie gern zu den unerledigten Dingen. Irgendwie nimmt mich die Aura des zu Hause seins gefangen & presst mich in eine Rolle, die ich gar nicht haben will. Komplett schleierhaft ist mir, wie man komplett von zu Hause aus arbeiten kann, wenn die Kinder nicht in einer Betreuung sind.

Dann wird das vielgelobte Homeoffice aufgrund äußerer Wahrnehmung und dem eigenen fehlgeleiteten Anspruches nämlich zum Synonym für „Job machen und gleich noch den Haushalt & Kinder nebenbei“. Wie praktisch.

Flexibilität für alle!

Mehr Flexibilität muss her, keine Frage. Die Möglichkeit auch zu Hause arbeiten sollte jeder haben. Es ist schön, wenn man das kranke Kind ohne schlechtes Gewissen pflegen kann, weil man weiß, dass man am Abend nochmal die wichtigsten Sachen wegarbeiten kann (Auch wenn man hier wieder selbstverständlich beides macht.)

Ein Lebensmodell aber wäre das für mich nicht. Das liegt aber weniger an mir als an dem Rahmenbedingungen. So lange wir immer noch so tun, als müssten wir alle von 9 bis 5 an den Maschinen stehen und die Knöpfe drücken, weil sonst nichts läuft obwohl viele Tätigkeiten orts- und maschinenunabhängig ausführbar sind, wird sich wenig ändern. Und so lange Homeoffice als die Lösung für Mütter beklatscht wird & nicht alle davon Gebrauch machen, wird sich auch wenig ändern. Im besten Fall sitzen nämlich 2 zu Hause am Rechner & einer kann immer weiterdenken, wenn der andere die Waschmaschine anstellt.

Und zum Schluss off-topic noch ein paar Bonusgründe fürs Arbeiten im Büro

Erfolge machen gemeinsam mehr Spaß.

Niederlagen ein bisschen weniger niedergeschlagen.  

Und Lachen geht schlecht allein. 

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2 Kommentare

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