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erlesenes

Eine Rund-um-mich-herum-Schau in den unendlichen Weiten des Internets und manchmal auch zwischen Buchdeckel. Die gibt es ab jetzt regelmäßig auf makellosmag. Wann immer mir Dinge ein- und auffallen, die ich gern teilen möchte, die aber zu kurz für einen Post sind.

Gelesen & für interessant befunden – eben Erlesenes.

Vor einiger Zeit verpflichtete die US Cosmopolitan Jill Filipovic, feministische Bloggerin und Autorin (Zuletzt war sie Editor bei einem der größten feministischen Blogs feministe und Kolumnistin beim Guardian).  Nun schreibt sie also in einer der klassischen Frauenzeitschriften (berühmt für ihre Schmunzel-Sextipps) über Politik und das, was ich eigentlich nicht Frauenthemen nennen will: beispielsweise hier über Texas und den langen Weg zu einer Abtreibungsklinik. Ich finde das bemerkenswert, weil ihre Texte in der Cosmo gut funktionieren. Und zeigen, dass sich Frauenzeitschriften bei der Themenwahl nicht auf den Kampf beauty vs. brains einlassen müssen.

Die Tücken der Arbeitswelt machen auch vor Märchenfiguren nicht halt. Cinderella muss sich nach der Scheidung an der Wall Street zurecht finden. Als Brokerin schlägt sie sich tapfer mit den Kollegen herum, wehrt gekonnt Heiratsanträge ab und macht am Ende noch ihren Doktor. Wir lernen: die gläserne Decke hat dem gläsernen Schuh nichts entgegenzusetzen. Und das Ganze noch in Versform. Schmunzellektüre für die Mittagspause.

Ein Tipp zum richtigen Schmöckern kommt hier: Meine Urlaubslektüre war Only Ever Yours von Louise O‘ Neill. Als düsterer Zukunftsroman spielt er in einer Zeit, in der nur noch Männer auf natürlichem Weg zur Welt kommen. Frauen werden künstlich gezeugt und in Internaten in bester 50er Jahre Tradition zu perfekten Frauen erzogen. Die Heldin Freida steht kurz vor der Entscheidung ihres Lebens – die andere für sie treffen. Mit dem 16. Lebensjahr der Mädchen werden sie ausgesucht als  Ehefrauen oder Geliebte. Wer keinen Anklang beim männlichen Geschlecht findet, wird Erzieherin im Internat.  Das klingt vielleicht ein bisschen wie ein schlechter „Die Frauen von Stepford“- Aufguss. Ist aber sehr lesenswert. Das Buch liegt irgendwo zwischen dem Klassiker „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood und richtig gut gemachten amerikanischen Highschoolfilmen. Den Spagat muss man erstmal schaffen. Als lustig kann man das Ganze nicht wirklich bezeichnen, eher sarkastisch und eben auch düster. Denn in dieser Welt, in der Frauen nur auf Optik und ihre biologische Funktion reduziert werden, findet man doch ziemlich häufig Dinge, die einem bekannt vorkommen. Zur Entstehungsgeschichte des Romanes hat die Autorin hier beim britischen Blog the vagenda geschrieben. Bisher ist es nur auf Englisch erschienen. Ich konnte keinen deutschen Verlag ergoogeln, aber da es in Großbritannien sehr erfolgreich ist, hoffe ich auf eine Übersetzung.

Zum Schluss das Lieblingsretro. A good washer is like a good man – Eine gute Waschmaschine ist wie ein guter Mann (Das waren noch Zeiten, als die Waschmaschinen ganze Männer fassten. Nur sein Hut hat nicht mehr ganz reingepasst.) washer

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