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Die 5 Stadien des Verfalls mit Diätpulver

Die Meisten haben ihre wohlgemeinten Vorhaben schon wieder abgebrochen, aber eigentlich ist noch Fastenzeit. Fastenzeit, oder wie ich sie liebevoll nenne, die „Ich mache aus meiner Diät eine persönlichkeitsbildende Erfahrung.“ – Periode. (Als Randnotiz möchte ich hier meine These unterbringen, dass der Auftritt von Sophia Thomalla bei Hart aber fair vermutlich auf das diätbedingte Fehlen von Nährstoffen in den zerebralen Strukturen zurückzuführen ist. Wer die Irrungen & Wirrungen unserer C-Prominenz aufmerksam verfolgt, weiß, dass sich von Closer bis Promiflash schon lange alle große Sorgen um ihr Gewicht machen.)

Aber zurück zum Thema.

Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber es gab Zeiten in meinem Leben, da sah ich ein bisschen aus wie die Thomalla.

Ich machte mir viele Gedanken um meine Kleidung, legte Schmuck an (wenn auch eher selten Make-up), drehte mich aufmerksam vor dem Spiegel auf der Suche nach Problemzonen & kämmte mir täglich die Haare. Diese Zeiten sind aus diversen Gründen vorbei.

Aber damals kaufte & verbrauchte ich auch Diätpulver mit A. Bürobewohner*innen muss ich nichts weiter über die Erscheinung dieses Zaubermittels vor ein paar Jahren erzählen. Die ersten Erwähnungen hatten etwas von Werbung für Mittel gegen Sodbrennen oder Tena Lady, wenn man verschwörerisch mit dem Satz „Ich hab da was…“ in den Kreis der Eingeweihten gewunken wurde.

Auch meine intellektuellen Leser*innen können sich hier jetzt mal nicht rausreden. A kennt man! kam schließlich immer vor der Tagesschau! Die Werbefrau, winters wie sommers mit Topfigur, wird stets begleitet von einem hechelnden Mopshund (aka die wenig verklausulierte, von koksenden Werbern erdachte, Personifizierung unser aller ungesunden, fetten Ichs). Na klingelt’s?

Das naturheilkundliche (!) Wunderpulver, erfunden an einem Küchentisch im niedersächsischen Bienenbüttel oder doch in Frankreich (das Internet schwankt noch) wird angerührt & ersetzt Essen.

Halb oder ganz je nach persönlichem Schmerzempfinden & Stufe des Selbsthasses. Wieso? Na, wieso nicht? Neben dem Gewichtsverlust ist es auch toll für Verdauung, Haare & Haut, macht die Zähne wieder gerade & verringert den Wuchs von unerwünschten Körperhaaren.

Außerdem ist es eine super Methode, um herauszufinden, wie viel es braucht, bis man die eigene gute Erziehung hinter sich lässt & Wildfremden auf der Straße Pizzastücke, Döner oder einfach nur eine Viertel Brezel aus der Hand klaut.

Wer sich noch auf diese Reise begeben möchte oder gerade jemandem bei seinem Experiment zusieht, dem seien hier die 5 Stadien des Verfalls mit Diätpulver erläutert.

Stufe 1: Leugnen

Leute an den ersten beiden Tagen ihrer „Kur“ sind die größten Poser, die es gibt. Sie laufen durch die Welt & sagen Sachen wie „Ich fühle mich super. Ich habe so viel Energie. Das Ganze hat bereits jetzt mein Leben verändert. Wieso habe ich das nicht früher gemacht?“ Noch trinken sie die schlammartige Brühe mit überlegenem Grinsen. Lass Sie ruhig. Deine Zeit wird kommen.

Stufe 2: Reizbarkeit

Es kommt der Moment bei jeder guten „Kur“, wenn der Proband bissig & leicht reizbar wird. Ungefähr dann, wenn Ursula aus der Buchhaltung Kuchen für ALLE gebacken hat. Oder wenn sie zitternd hinter dem Türspion stehen, weil der Nachbar gerade chinesisches Essen geliefert bekommt. Der Erstzusammenbruch ist dann nicht mehr weit, gefolgt von einem wütenden Exkurs über die eigene ererbte schlechte Fettverbrennung, die einen zu einem Leben verdammt, in dem man NICHT essen kann, was man will. Wie die Heidi, die sich IMMER den Sauerbraten mit Klößen von der Mama reinzieht, wenn sie gerade in Deutschland (3x im Jahr) oder eine Kamera mit Instazugang in der Nähe ist (Don’t believe the hype.).

Stufe 3: Betteln

„Lieber Gott, ich weiß, du hast grad echt Wichtigeres zu tun, aber wenn du mir hilfst, das durchzustehen, damit ich nicht vor allen wie der willensschwache Loser dastehe, gehe ich wieder in die Kirche lasse ich dich mit meinem Quatsch in Zukunft in Ruhe.“ Wenn du bemerkst, dass du diesen Satz vor dich hin murmelst, halblaut, mitten am Tag, in einem Meeting über die Kennzahlen des Vormonats…dann hast du Stufe 3 erreicht.

Stufe 4: Trauer

Mittlerweile weinst du nicht mehr nur wegen der verpassten Gelegenheiten bei Dunkin Donuts, McDonald oder einfach nur Rewe. Du betrauerst dein altes Leben im Ganzen. Als du noch mit Freunden essen gehen konntest & der Blick auf den Kühlschrank dich nicht sehr, sehr traurig machte. Ein vergessenes Gefühl, was der Blick auf die Waage, den du ungefähr 214x am Tag auf diese richtest, nur sehr marginal aufwiegen kann.

Stufe 5: Akzeptanz

Gott hat sich nach deinem vorsichtigen Anklopfen in Stufe 3 doch noch gemeldet & dich darauf hingewiesen, dass er dich nicht umsonst zu einem autarken, selbstdenkenden Wesen mit freiem Willen gemacht hat. Deshalb fragst du dich jetzt, was der ganze Sch**** die Kur eigentlich soll. Du akzeptiert, dass es nichts für dich ist. Für alle anderen wahrscheinlich auch nicht.

Die Ergebnisse sind sowieso nicht so toll. Was absolut nichts damit zu tun hat, dass du dir ab & zu nachts Rührei mit Speck gemacht hast (OHNE Brot natürlich wegen Atkins & so). Nachdem du das offensichtliche Ende beschlossen hast (Ich wollte eh nie mehr als 6 Tage.), konsumierst du schnell die verlorenen Kalorien der Woche in drei Stunden & bist danach bewegungsunfähig. Auch ein ganz neues Körpergefühl.

*****

Idealerweise musst du diese Stadien nicht mehr als 2-3 mal durchlaufen, um festzustellen, dass diese radikale neue Diät (nicht zu viel Müll essen & gelegentlich bewegen) doch die Lösung ist. Wenn du überhaupt noch eine Lösung brauchst.

Denn als Erstes solltest du dich immer fragen, was eigentlich das Problem war.

Foto: flickr – Rakka – CC by 2.0

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7 Kommentare

  1. Puh, eine Freundin hat auch gerade bei Almased zugeschlagen, weil es ja im Angebot war …
    Keine Ahnung, ob man während der Kur damit abnimmt. Aber zum Abnehmen-ohne-Jojo taugt eben nur, was man sein Leben lang weiter machen würde – und das trifft bei Almased wohl nur auf die wenigsten zu. „Zwei Wochen Kur und danach bin und bleibe ich schlank“ funktioniert halt nicht …
    Ich habe diese Woche wieder mit Pilates angefangen und mich ernsthaft gefragt, warum ich im Herbst damit aufgehört habe – Sport ist halt wirklich etwas, wonach man sich gut fühlt. Zur Wohlfühlfigur müsste ich aber doch mal mein Schokoladenproblem in den Griff kriegen … da ergab die Analyse „Woran liegts mit den Pfunden“ ein klares Ergebnis 😉

    • „Funktionieren“ tut es schon, man isst eben kaum was & mässigt sich. Mit Pilates bin ich nie warm geworden, war aber auch immer in Kursen, wo ich mich sehr deplatziert gefühlt habe neben 50jährigen sehr biegsamen Gazellen. Das hatte auch etwas mit Figurdruck zu tun 🙂

  2. Turtle sagt

    Ich musste das Zeug googlen. Noch nie von gehört, allerdings schau ich auch nicht die Tagesschau. Laut Hersteller ist das Soja plus Joghurt plus Honig? Das ist doch verrückt.

    • Wahrscheinlich sind das noch gute Inhaltsstoffe im Vergleich zu anderen Diätpulvern. Bin ja froh, dass doch einige es nicht kennen, hatte nämlich das Gefühl, dass es gerade überall ist.

  3. Pingback: „Hey, wir bekämpfen hier den Welthunger.“ – Diäten für Männer sind nicht wie Diäten für Frauen | makellosmag

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