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Diäten und Co.

Ich verrate euch etwas. Als ich im letzten Jahr den Grimme Online Award gewann, konnte ich vor Freude nicht schlafen in der Nacht, die folgte. Ich war unglaublich glücklich und stolz. Am nächsten Tag sah ich ein Bild von mir und Caroline Peters, die mir den Preis überreicht hatte, bei Spiegel Online.

Ich schaute auf das Bild und dachte kurz: „Mensch, hast du dicke Oberarme. Und was hast du dir bei der weißen Hose gedacht? Die Caroline Peters hat das richtig gemacht mit dem schwarzen, langärmeligen Overall. Die kennt sich aus, die ist vom Fernsehen. Hättest du mal dran denken können, dass man auf Fotos immer dicker aussieht. Da kriegst du diesen Wahnsinnspreis und dann ausgerechnet in diesem Jahr, kurz nach dem zweiten Kind, wo noch alle Kilos drauf sind.“

Dann stockte ich und ohrfeigte mich innerlich kurz, bis ich wieder zu mir kam. „Hallo, geht’s noch? Da stand ich also kurz nach meinem größten Erfolg allen Ernstes da und dachte an mein Winkefett.“

Die Gedanken waren schnell wieder weg, die Freude wieder da, ich habe mir nicht noch am Flughafen einen Eiweißshake gekauft und auch nicht weniger gegessen in den Wochen darauf. Ich erzähle das, weil ich glaube, dass jede, wirklich leider jede, solche Gedanken kennt. Wenn auch nur kurz, wenn auch nur flüchtig, wenn auch ohne den ganzen gefährlichen Rattenschwanz, der leider viel zu viele trifft. Ich glaube mittlerweile auch, dass man mit dem Alter gelassener wird und mache mir gerade deswegen noch mehr Sorgen um die nächste Generation.

In den letzten Tagen laufe ich wieder an einem Calzedonia-Beachwear-Poster nach dem anderen vorbei, die Last-Minute-Abnehmtipps bevölkern die Zeitschriften und auf Facebook werde ich von einer Werbeanzeige nach der anderen bombadiert, die mir Size Zero verspricht oder den Körper meines Lebens oder endlich Erlösung von meiner Cellulite. Und es geht wieder um Diäten. Was ist daran schlimm, wenn man sie macht, wenn man dünner wird, wenn man sich doch wohler fühlt, glücklicher ist (und gesünder, gesund ist immer wichtig).

Ganz ehrlich, ich habe genug Diäten gemacht, um zu wissen, Kalorienzählen ist der letzte Sch****. Sie sind freudlos, kosten Energie und Lebenszeit und sie funktionieren nicht. Wirklich, alle Langzeitstudien zeigen (und davon gibt es nicht so viele, weil sie mindestens 5 Jahre gehen), dass die Kilos wiederkommen. Ja, es gibt die Einhörner, die ihr Gewicht halten. Aber sie sind genau das, Ausnahmen. Das wissen wir eigentlich auch. Wenn Diäten langfristig schlank machen würden, bräuchten wir nicht ständig neue. Dann wären irgendwann doch alle Frauen, die es wollen, Größe 38, oder? In meinem Buch gibt es übrigens ein ganzes Kapitel dazu.

Ich weiß aber auch, Diäten machen zunächst auch erst einmal glücklich, weil man etwas geschafft hat, weil man sich tatsächlich besser fühlt, weil die ganze Anstrengung vorbei ist. Das ist kein Wunder, denn schlank zu sein ist und bleibt die Norm. „Dick“ ist kein Adjektiv, das uns beschreibt wie brünett oder blond. Es hat einen Rucksack, den es mit sich rumschleppt. Es sagt auch „träge, faul, willensschwach, krank“. Und „dünn“ ist das Gegenteil.

Am Schwersten an der den-eigenen-Körper-zu-akzeptieren-Sache ist tatsächlich diese schmerzhafte Trennung zu akzeptieren, sich von dem Versprechen auf ein perfekteres Ich zu verabschieden. Immerhin versorgt es uns zuverlässig mit einer ganzen Menge an Hoffnungen und Träumen. Deshalb verstehe ich das gut, ich verstehe, dass Diäten Menschen zunächst glücklich zurück lassen und dass sie dieses Glück teilen wollen.

Aber Diäten sind eben auch Teil dieses Glücksversprechens, Teil einer milliardenschweren Industrie, die uns alle irgendwie unsicherer und unglücklicher macht. Dicke wie dünne Frauen, und viele Männer mittlerweile auch. Eine Freundin von mir bedient in einer Patisserie. Sie erzählt, dass es ihr besonders auffällt, wenn Frauen dort Kuchen bestellen ohne entschuldigende oder verschwörerische Blicke oder Worte. Weil es nicht so oft vorkommt. Dass man einfach so Kuchen bestellt. In einer verdammten Patisserie.

Es geht nicht darum, ob man dick oder dünn schön findet. Es geht auch nur im ersten Schritt darum, dass sich alle schön fühlen. Es geht eigentlich darum, dass wir Körpern und ihrem Aussehen nicht mehr soviel Raum geben. Ich möchte nie wieder hungrig sein oder anders, ich möchte mir meinen Hunger für etwas anderes aufheben. Für größere Ziele. Was mich zu der gestern auf Twitter diskutierten Frage bringt, ob man als Feministin Däten machen darf. Klar, als Feministin darf man, wie jeder andere Mensch auch, prinzipiell fast alles machen. Sich auffällig schminken, diäten, auf hochhackigen Schuhen laufen, lange über das eigene Outfit sinnieren. Und dann darf man darüber nachdenken. Dann fällt einem vielleicht auf, dass immer noch weniger Männer sich so ausladend schön machen und mit ihrem Körper beschäftigen. Dass die Botschaften für Frauen immer noch lauter sind und zahlenmäßig mehr. Dass sie mehr Raum einnehmen, siehe oben, sowieso schon, auch ohne dass wir uns auch noch gegenseitig unsere eigenen traurig-vorher und glücklich-nachher-Bilder oder Gewichtskurven zeigen.

Deshalb habe ich mir geschworen, nie über Diäten zu schreiben (was einfach ist, weil ich sie nicht mehr mache) oder über meine Kilozahl (auch nicht schwer, weil ich keine Waage habe). Aber ich habe vor ein paar Tagen die Sommersachen in den Schrank geräumt und sie passen wieder. Ich bin natürlich nicht blind, ich habe bereits vorher bemerkt, dass sich mein Körper verändert. Denke ich jetzt: „Oh, gefällt mir besser?“ Ja, ab und zu. Ich denke aber auch immer noch in einzelnen Momenten: „Hier könnte vielleicht noch…“ Denn das ist ja das Perfide am Optimieren, fertig werden sollen wir nie. Ich will mich aber nicht nur in kleinen verbesserbaren Teilen, ich will mich ganz. Deshalb lächele ich dann meistens nur, schüttle kurz innerlich den Kopf und beschäftige ich mich wieder mit den ganzen anderen schönen Dingen in meinem Leben.

Foto: flickr – Laura Lewis – CC by 2.0

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46 Kommentare

  1. Wirklich gelassener wird frau auch im Alter nicht. Auch nicht als hartgesottene Feministin. Das Hadern mit dem Körper ist für manche von uns lebenslang. Ich bin 74, irgendwie aber auch froh, immer noch eitel zu sein. Niemand soll zu mir sagen: „Du lässt dich gehen“. Das gilt natürlich umso mehr für den Kopf. Seien wir ehrlich: Frau zu sein, ist einfach anstrengend.

    • Ich freue mich gerade über meine wahrscheinlich älteste Leserin (Darf ich das so sagen?) und natürlich über den Kommentar. Der letzte Satz trifft es leider, fürchte ich.

  2. Liebe Corinne, so recht hast Du!
    Die Schönheit eines Menschen zeigt sich auf so unterschiedliche Art, und wird auch genauso individuell von jedem einzelnen wahrgenommen. Die unglaublich vielen Merkmale, die für mich persönlich einen Menschen attraktiv machen, lassen sich einfach nicht auf das Attribut „schlank“ reduzieren. Und nicht jeder Mensch, den ich attraktiv finde, ist auch für andere attraktiv! Wie kommen wir Menschen nur auf die Idee, dass das einzige wahre und einheitlich anzustrebende Aussehen das von den Medien vorgegebene ist.
    Und es gibt definitiv viel Wichtigeres, als ständig mit dem eigenen Körper zu hadern…auch ich habe vor vielen Jahren (ein halbes Jahr nach der Geburt meines Sohnes) schon damit aufgehört, mich ständig auf die Waage zu stellen und beschlossen, dass es auch ohne diesen Kontrollwahn und unnötiger Kasteiung durch Diäten geht – und es geht tatsächlich. Auch wenn ich manchmal an schlechten Tagen – ebenso wie Du – denke, das eine oder andere könnte doch noch besser sein – den Gedanken dann aber möglichst schnell weiter ziehen lasse ;-).
    Ich lese übrigens extrem gerne bei Dir, danke, dass Du uns an Deinen Gedanken teilhaben lässt!
    LG SuSe

    • Danke dir für das Lob und deine Geschichte! Der Austausch mit euch hier macht einer ganzen großen Teil meiner „Bloggen“-Liebe aus.

  3. Ich tue mich jetzt ganz schwer und wollte eigentlich die Klappe halten. Du weißt, wie sehr ich dich schätze und wir wissen beide, wie recht du mit so vielem immer wieder hast. Auch hier in diesem Text.
    Aber unabsichtlich hilfst du ein bißchen dabei, ein Mißverständnis am Leben zu halten: Wer abnimmt, muss nicht zwangsläufig „diäten“ und hilft damit auch nicht unbedingt einer Industrie – nicht mehr, als eine Schokosüchtige einer anderen Industrie hilft und die Bäckerinnung am Leben erhält. Man kann auch einfach auf die Dinge verzichten, die zuviel für eine sind. Und das hat dann auch nicht zwangsläufig mit „Hungern“zu tun.
    Mal abgesehen davon, dass ich im Zusammenhang mit kontrollierter Ernährung (wie gesund oder ungesund nun auch immer) die Vokabel „hungern“ fast schon pervers finde gemessen daran, wieviele Menschen auf diesem Planeten wirklich hungern, während eine Abnehmwillige lediglich einem Stück Torte hinterher weint …
    Ich gehöre zu den scheinbar Schlanken, die im letzten Jahr freiwillig, bewußt und erstaunt fünf Kilo abgenommen hat, weil neben dem Altwerden das Dickerwerden einfach zu viel Veränderung war. Ich habe das aus optischen wie psychischen Gründen getan; ich wollte mich wieder erkennen. Und bis dahin hatte ich geglaubt, dass mir das Abnehmen sicher nicht gelingen würde – hatte ich ja noch nie versucht in meinem dünnen Leben. Und alle sagten ja, das läge an den Wechseljahren und ich solle mir ruhig was gönnen und das bliebe eh nicht unten und Kalorienzählen sei eine Qual.
    Mich in Hosen zu stopfen, die vier Wochen vorher noch passten, fand ich aber auch quälend und dann mal ehrlich aufzuschreiben, was ich esse und wieviel Bewegung ich habe und wieviel ich wirklich brauche, war – nunja, ups. Vielleicht waren zwei Brote zum Frühstück plus Chips und Apfel und drei Tassen Ostfriesentee mit je zwei Kluntjes und einem halben Becher Sahne am Tag doch etwas viel für zwischendurch. Ich nahm das Doppelte meines Grundumsatzes zu mir.
    Ich strich das doppelte Brot, die drei Tassen Tee und lernte wieder, Hunger von Appetit zu unterscheiden. Und habe weniger Geld an die Lebensmittelindustrie und an die Klamottenverkäufer abgegeben. Nach wie vor gibt es Wochen, in denen ich einfach alles in mich hinein schaufele und dann übersättigt auf dem Sofa hänge. Und stelle dann immer wieder fest, ich fühle mich satt, aber nicht übersatt wohler – Hunger kann ich übrigens keine Minute tolerieren, ich werde dann bissig.
    Und nein, ich bin überhaupt nicht der Meinung, alle müssten schlank sein und vernünftig oder schönheitssüchtig oder was man auch meinen könnte, das weißt du von mir schon recht gut. Aber ja, ich fühle mich nach all den Jahrzehnten eben auch immer nur gepiekst, wenn die Vermutung angedeutet wird, Schlanksein habe etwas mit Diät und Hunger und Entbehrung zu tun. Hat es nicht. Immer wieder schwingt bei all diesen Bodythemen mit, gäbe es keine Werbung, keine Medien, keine Männer, dann wäre die Welt voller glücklicher dicker Frauen, die in Schokotörtchen schwelgten.
    Nö, sie wäre in etwa so wie jetzt, vielleicht würde sich nur jede etwas mehr mögen 🙂 In meiner Umgebung sind übrigens fast alle Frauen so unglaublich sportlich. So sehr, dass sie wirklich gerne laufen, rennen, turnen – DAS nenne ich unsportliche Sprotte mal frustrierend … 😀

    • Ich denke auch – es gibt einen großen Unterschied zwischen „Diät für den Beach-Body“ und „Abnehmen“. Und für letzteres kann Kalorienzählen alles andere als „der letzte Sch***“ sein, sondern eine hilfreiche Methode und sogar genussfördernd – weil man weiß „Dieses Stück Torte passt in meinen Tages-Energiebedarf und ich kann es genießen, ohne zuzunehmen“.
      Mir hilft es, aufzuschreiben, was ich esse. Das kontrolliert mich, wenn ich merke, ich fange wieder an, über die Stränge zu schlagen – ist das genussfeindlich? Mal ehrlich, den dritten Schokoriegel am Tag genieße ich nicht. Den esse ich aus Langeweile, als Übersprungshandlung – aus Gewohnheit pendle ich regelmäßig in die Küche und schaue in den Kühlschrank. Und esse, obwohl ich eigentlich weder Hunger noch Appetit habe.

      Ich halte nichts von Diäten, wie sie in den Frauenzeitschriften stehen. Aber von Diäten, die eine dauerhafte Ernährungsumstellung nach sich ziehen und ohne Wundermittelchen einfach dafür sorgen, dass die gegessene Kalorienmenge unter der verbrauchten bleibt (oder später identisch ist zum Gewichthalten) halte ich sehr viel, wenn man übergewichtig ist. Ich mag meinen Körper. Auch mit 10 kg mehr mochte ich ihn. Trotzdem möchte ich weitere 10 kg abnehmen, weil ich meinen Körper so sehr mag, dass ich ihn gesund halten und nicht belasten möchte.

      Ich empfinde Schönheit als unabhängig von der Kleidergröße, es gibt sehr schöne dünne und sehr schöne übergewichtige Menschen. Und ich finde es wichtig, zu lernen, seinen Körper zu mögen, egal ob er aktuellen Schönheitsidealen entspricht – aber wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen Diät hält, kann ich nichts Falsches daran finden. Übergewicht, ob man es schön findet oder nicht, ist nunmal ein Gesundheitsrisiko.

      • Hi Hana, das ist eben, glaube ich, genau der Grund, warum das Thema überall so intensiv diskutiert wird. Es ist immer gleich sehr persönlich, weil jede eine persönliche Sichtweise, Meinung oder angelesenes Wissen, ihre Geschichte dazu hat. Deshalb danke für deine. Meine ist eben in Teilen eine andere. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, alles zu monitoren. Für mich ist das kein entspanntes Verhältnis zum Essen und meinem Körper, sondern eines, wo die Gedanken viel zu viel darum kreisen. Und ich finde, auf einer größeren Ebene als der persönlichen, bekommen Diäten bereits genug Aufmerksamkeit als Heilsbringer, so dass ich lieber die andere Richtung stärke.

        • Das Problem ist, die falschen Diäten bekommen Aufmerksamkeit – die „Nimm schnell in 4 Kilo in einer Woche ab“-Zeitschriftendiäten, bei denen man im Endeffekt nur Wasser verliert. Sie versprechen viel und halten nichts.

          In unserer Gesellschaft ist aber tatsächlich Übergewicht ein größeres Problem als Magersucht. Ich will damit Magersucht und die Probleme von schlechtem Körpergefühl nicht kleinreden – im Gegenteil nur die Übergewichts-Probleme werden von den meisten Menschen ZU kleingeredet. Diäten bzw. Abnehmen grundsätzlich zu verteufeln, weil man den Zeitschriftenmist nicht mag (den zu kritisieren kann ich nur bejubeln!), halte ich daher für falsch.

          Kalorienzählen kann man mögen oder nicht, ich kann jeden verstehen, der darauf keine Lust hat – aber deine Aussage, es würde nicht funktionieren, stimmt schlicht nicht. Abnehmen besteht aus „Kalorienzufuhr kleiner Kalorienverbrauch“; Gewicht halten besteht aus „Kalorienzufuhr gleich Kalorienverbrauch“. Es ist so einfach (wenn auch in der Umsetzung doch so schwer). Studien, die gegenteiliges behaupten, sind methodisch ffalsch durchgeführt (wenn es dich interessiert, was für falsche Abnehm-„Wahrheiten“ so im Umlauf sind, empfehle ich „Fettlogik überwinden“ – tolles, wissenschaftlich fundiertes Buch); i.d.R. liegt die Nicht-Abnahme beim Kalorienzählen daran, dass man nicht abwiegt und die Mengen unterschätzt, oder Kleinigkeiten zwischendurch vergisst aufzuschreiben.
          [Es gibt wenige Ausnahmen wie das Lipödem – bei diesen Erkrankungen merkt man aber sehr deutlich an anderen Beschwerden, dass man sie hat]

          Dass so wenig „Einhörner“ es schaffen, dauerhaft das niedrige Gewicht zu halten, hat die gleichen Gründe wie dass so viele Raucher es nicht schaffen, sich ihr Laster abzugewöhnen – Gewohnheiten ändern ist sauschwer, und bei manchen Menschen hat Essen (gerade Zucker) fast schon Suchtcharakter – wie oft habe ich schon vorm Kühlschrank gestanden, ihn aufgemacht und mich dann gefragt: „Was mache ich hier? Ich habe gar keinen Hunger. Ich hab nichtmal Appetit!“ Ich wollte eigentlich anscheinend nur eine kurze Pause …
          Das Gehirn liebt Gewohnheiten, weil sie ihm Energie sparen, und anders als bei anderen Gewohnheiten oder Süchten kann man natürlich nicht ganz aufs Essen verzichten oder sich ganz von Orten, an denen gegessen wird, fernhalten. Das macht es extra-schwierig. Aber mit „Kalorienzählen funktioniert nicht“ hat das nichts zu tun – und dass viele Menschen es dauerhaft nicht schaffen, hängt nicht damit zusammen, dass es nicht möglich ist, sondern damit, dass wir Gewohnheitstiere sind … und viele nach einer Abnehmphase in alte Gewohnheiten zurückfallen.

          • Liebe Hana, siehe unten, du schreibst hier eine Kurzzusammenfassung von Fettlogik. Das ist ok, du scheinst das Buch sehr zu mögen. Auch wenn eine Doktorin es geschrieben hat, sind seine Thesen aber eben nicht unwidersprochen. Kalorienzählen funktioniert langfristig nicht. Die letzte Studie hierzu war die bislang größte und längste Interventionsstudie zu Lebensstilen von 2010 (Look Ahead Studie). 4 Jahre nach dem Diäterfolg hatte sich hier bei über 90 Prozent die Hälfte des Diäterfolges wieder verflüchtigt. Es ist keine für die Masse langfristig lebbare und vor allem funktionierende Methode. Die Kommentarspalte ist hier zu klein, um alles aufzuschreiben. Auch zu deinem Argument Dicksein ist ein größeres Problem gäbe es viel zu sagen. Ich mag meine Leserinnen sehr, sehr gern und du bist mir ziemlich nah am Herzen, weil du eine der allerersten warst, die hier kommentiert hat, aber Fettlogik enthält nicht unumstößliche Wahrheit. Liebe Grüße, Corinne

    • Hey meine liebe Michou, ich lese dich immer gern, weißt du doch. Siehe Hana, es sind eben viele persönliche Geschichten, die hier immer mitschwingen (und deine habe ich ja ein bisschen mitbekommen). Ich glaube übrigens auch nicht, dass alle dick und glücklich wären ohne gesellschaftliche Normen. Aber ich glaube auch nicht, dass man diäten oder Kalorien zählen muss, um abzunehmen oder sich wohl zu fühlen. Und ich glaube, dass weniger Gedanken ans Essen, an die Dinge, die man darf und die, die man nicht darf, ein bisschen glücklicher machen.

    • Mom sagt

      Ja, Michou, das ist super, wenn das für Dich klappt. Es gibt aber auch Leute, die kriegen das nicht hin. Es gibt Leute, für die ist das Halten oder REduzieren ihres Gewichts eine tägliche, immerwährende, niemals endende Aufgabe, um nicht zu sagen, Qual, mit geringen Erfolgsaussichten.
      Wahrscheinlich ist das Ganze für Dich nicht so schwierig, weil Du immer eher schlank warst, vom Körpertyp her, und Dir bis jetzt nicht den Stoffwechsel mit Diäten zerschossen hast. Du bist auch wahrscheinlich ein Typ, der immer sehr auf attraktives, mithin schlankes Aussehen geachtet hat (ich lese Dein Blog), und nie übergewichtig WURDE. Vielleicht bist Du auch nicht von Natur das, was man einen „guten Futterverwerter“ nennt, i.e. ein evolutionäres Erfolgsmodell, das jedes über den aktuellen Verbrauch verzehrte Kalorientierchen als Fett speichert. Du hast vielleicht auch nicht massiven emotionalen oder sonstigen Stress über Jahre aushalten müssen, der Übergewicht zumindest fördern kann (bei einem gewissen Typ).

      Insofern finde ich, Du könntest Dich hier wirklich vollinhaltlich zurücknehmen, weil Du offensichtlich ja keine Schwierigkeiten damit hattest/hast, Dein Gewicht a) zu halten bzw. b) zu reduzieren.
      Für jeden, dem es NICHT gelingt, sein Gewicht dauerhaft zu reduzieren, klingst Du wie ein Weltklassepianist, der mit großen Kulleraugen um sich guckt und sagt: „Ich verstehe überhaupt nicht, warum nicht jeder so Klavierspielen kann wie ich. Man muss sich halt hinsetzen und diszipliniert üben, dann ist das echt nicht schwer.“

      Ich empfehle den (nicht mehr aktualisierten) Blog justmaintaining.com von einer Frau, die tatsächlich einmal sehr dick war und dann eines der Einhörner wurde, die ihr Gewicht tatsächlich untenhalten können. Es ist sehr ehrlich und streckenweise auch sehr wütend geschrieben, etwas, das mir im Gedächtnis blieb, war ihre Aussage, dass es ihr dritter Job sei, ihr Gewicht unten zu halten; soviel emotionale Energie, Zeitaufwand, Überlegungen, Planungen steckte sie da hinein.
      Dieser Frau (und anderen) hilft es sicher gaanz intensiv, wenn eine zeitlebens eher dünne Frau sagt: „Ehrlich, was ist da schon dabei, 5 kg abzunehmen, lässt man halt die Torte weg (IHR ELENDEN FETTEN LOSER, WISST IHR DENN GAR NIX???).“
      NOT.

      • Eieiei – so ganz hast du mich nicht verstanden, denn wogegen ich mich wehre, ist etwas ganz anderes: Dass immer über Qual und Hungern gesprochen wird in einer Gesellschaft, die beides so nicht kennt – weil es um ein Stückchen Kuchen geht, das man isst oder nicht isst.
        Was das angebliche Futterverwerten geht: Nö. Ich gehöre zu denen, die kochen und essen, wenn ihnen langweilig ist. Mit den Schwangerschaften habe ich einmal 28 und das zweite Mal 32 Kilo zugelegt und hatte Kleidergröße 48. Ich habe jetzt in den Wechseljahren jedes Jahr ein Kilo und dann auf einmal 6 Kilo zugelegt. Wenn ich nur an irgendein Essen denke, das ich mag, bin ich sofort auf der Suche danach – und das kontrolliere ich jetzt, weil ich eben nicht komplett mir fremd werden will.
        Es geht mir auch überhaupt nicht darum, ob jemand dick oder dünn ist oder ob jeder gleich aussehen muss – wenn du meinen Blog liest, dann weißt du das eigentlich. Und weißt auch, dass ich nie auf Schönheit getrimmt wurde und komplimentearm groß wurde und ich Schönheit für mich als nie erreichbar empfand.
        Es ist diese immerwährende Betonung größter Qual, die es bedarf, um schlank zu sein, zu werden oder zu bleiben, die so einfach nicht stimmt – auch wenn es manche so empfinden.

        • Nur noch mal kurz von mir: Ich kann mit dem Argument „Woanders ist es noch schlimmer, da hungern die Leute z.B. wirklich.“ immer wenig anfangen. Im Kern spricht es nämlich nur anderen ab, auf Dinge hinzuweisen. Von andauernder Qual und Leiden habe ich auch noch nie geschrieben, sondern von gesellschaftlichen Normierungen. (Davon unabhängig gibt es eine Menge Qual und Leiden, das aus fehlgeleiteten Schönheitsnormen entsteht und wir helfen uns hier wenig, wenn wir nicht wenigstens versuchen nachzuempfinden, dass andere Gewichtsverlust nicht als Spaziergang empfinden, der nur Willensstärke und Einsicht erfordert.)

          • Sprichst du mir jetzt nicht auch ab, auf etwas hinzuweisen? Und zwar nicht auf das Hungern als eigenständigen Punkt, sondern darauf, dass viele, die über Abnehmen und Diäten schreiben, dabei oft erwähnen, dass sie eben nicht hungern und sich quälen wollten.
            Wir stellen jetzt gerade mal fest, wie schwierig die schriftliche Kommunikation ist und wie leicht mißverstanden werden kann. Wir zeigen es gerade ganz hervorragend und auch, wie da in Lager eingeteilt wird.

          • Ja, ich verstehe tatsächlich den Eifer nicht, angesichts der gesellschaftlichen Fixierung auf schlanke Körper, die so viele krank (und übrigens auch dick macht) unermüdlich für die positiven Aspekte von Diäten zu werben, bei denen es nicht um die Beseitigung von tatsächlichen gesundheitlichen Beschwerden geht, sondern um die berühmten 5kg weniger, mit denen das Leben einfach ein bisschen besser wird. Da werden wir nicht zusammen kommen und da bin ich leider gern im anderen Lager.

        • Mom sagt

          Es nützt leider überhaupt niemandem etwas, wenn mit den armen hungernden Kindern in Afrika argumentiert wird.
          Wer gerade eine Wurzelbehandlung hat, bei der die Betäubung nicht ordentlich greift, leidet, auch wenn er weiß, dass man in der guten alten Zeit die Zähne betäubungslos gezogen hat. Es ist beides Scheiße, und fremdes Leid erleichtert dem Leidenden nicht das eigene Leid.

          Natürlich ist „ich kann mich nie sattessen und muss jede Kalorie zählen“ nicht Leningrad 1942. Aber trotzdem eine Quälerei, wenn die eigenen Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden können. (Und ich darf daran erinnern, dass bei Menschen nach Diäten über Jahre der Ghrelinspiegel erhöht bleibt. Das ist ein Hormon, das den Appetit anregt; d. h. nach einer Diät meldet der Körper oft noch JAHRE SPÄTER ständig erhöhten Appetit. Dauerhunger macht nirgendwo Spaß.)

      • Hallo Mom,
        für die meisten Menschen ist es nicht einfach, abzunehmen und das niedrigere Gewicht zu halten. Allerdings liegt das nicht an einem „kaputten Stoffwechsel“ (der Stoffwechsel ist genau darauf ausgelegt, mal sehr viel und mal länger sehr wenig Essen zur Verfügung zu haben – durch Diäten kann man ihn daher keinesfalls „kaputt machen“), sondern daran, dass Gewohnheiten eine ungeheuer machtvolle Sache sind.
        „Gute Futterverwerter“ sind ebenfalls ein Mythos – unterschiedlicher Kalorienverbrauch von Menschen liegt an unterschiedlich viel Muskelmasse (Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand Kalorien) und Körpergröße (da ist es tatsächlich so, dass große Menschen mehr Kalorien verbrennen als kleine – als kleiner Mensch finde ich das auch ziemlich doof). Überwiegend ist es bei schlanken Menschen aber so, dass sie einfach weniger Appetit haben und sich intuitiv mehr bewegen.

        Tatsächlich ist es von der Sache her nicht schwierig, abzunehmen – man muss weniger essen. Da es meist eine unbewusste Handlung ist, wieviel man isst, steckt da eine Arbeit hinter, seine Gewohnheiten zu ändern – und für Langeweile-Esser (hier, ich!), Übersprungshandlungs-Esser, Frust- und Trostesser heißt es dann erstmal, Ersatzhandlungen zu finden und sich mühevoll über Monate hinweg anzutrainieren, bei „Aufgabe erledigt, was mach ich als nächstes?“ NICHT automatisch zum Kühlschrank zu pilgern und sich einen Schokoriegel in den Mund zu stopfen. Für manche Menschen ist das so schwierig, wie sich das Rauchen abzugewöhnen. Da scheitern auch viele dran – weil die Gewohnheit so mächtig ist. Aber es sind nicht nur Einhörner, die es schaffen, sich das Rauchen abzugewöhnen, sondern ganz normale Menschen. Und das geht auch beim Abnehmen – man muss sich nur (wenn man nicht nur ganz wenig Übergewicht hat) vorher drauf einstellen: Man wird nie wieder (!) so essen können wir im Moment. Man wird für immer kleinere Mengen essen müssen, bzw. weniger Süßigkeiten, oder weniger fettig gekochtes im Alltag (oder woran die zu hohe Kalorienzufuhr bei einem persönlich liegt [bei mir sinds die Süßigkeiten]).

        Tatsächlich wird sich der Magen, wenn man üblicherweise zu große Portionen isst, nach einer Weile zusammenziehen, wenn man dauerhaft die Portionsgröße reduziert. Wenn man dauerhaft weniger fettig und süß isst, wird sich der Geschmack verändern und man wird sein früheres Essen irgendwann „zu fettig“ oder „zu süß“ finden (meine Schwester ist etwas traurig, dass ihr früherer Lieblingspudding ihr nicht mehr schmeckt, weil zu süß …)
        Auch mir fällt es schwer, wenn sich meine Freunde, die alle größer sind als ich, die Teller vollladen, mit einer Spatzenportion danebenzusitzen. Aber – tatsächlich habe ich gemerkt, dass mich eine größere Portion nicht glücklicher macht und meinen Körper mehr belastet als mir gutzutun.

        Ich kann nur jedem das Buch „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann empfehlen – ein ungeheuer motivierendes Buch, das Denkfehler zum Thema Gewicht und Abnehmen entlarvt, ich habe das Buch als sehr befreiend empfunden.

        • Hallo Hana, die Dinge, die du schreibst sind keine unumstößlichen Wahrheiten, auch wenn es in Fettlogik so dargestellt wird und dir geholfen hat. Ich kann dem Buch nichts abgewinnen, da es genau den Mythos der Dicken befördert, den ich auch im Text kritisiere und eine Überbetonung von Essen und Verboten fördert, die genau dazu führt, dass man sich zunächst gut fühlt nach einer Diät (und umso schlechter, wenn man scheitert). Mir ist es wichtig, dass als meine Meinung hier zu lassen, weil ich es einfach nicht unwidersprochen auf dem Blog haben will. Das ist keine Kritik an dir oder deiner persönlichen Überzeugung. Das Thema ist ein Minenfeld, das weiß ich nicht erst seit gestern. 😉

        • Mom sagt

          Hana, bei Deiner ersten Zeile dachte ich schon, dass das nach „Fettlogik-Schiene“ aussieht. Denke also, es hat wenig Sinn, Deine Inhalte ausführlich zu diskutieren (insbesondere, weil das Buch noch nicht lang genug am Markt ist, um seine Wirksamkeit bewiesen zu haben – die meisten Diäter haben ja nach 5 Jahren die meisten Kilos oder mehr wieder drauf; mal sehen, wies den Fettlogikern gehen wird; sollte es diesbezüglich Studien geben, natürlich), nur soviel:

          Natürlich ist es eine Binsenweisheit, dass man nicht über den Grundumsatz essen soll. (Und, a propos, natürlich unterscheidet sich der Grundumsatz von Person zu Person, und damit hätten wir auch die unterschiedlichen Futterverwerter wieder)
          Ich halte es aber mit Fung oder auch Mosley, deren Thesen ich sehr überzeugend finde. Calorie in/calorie out reicht nicht aus, meinen sie. u.a. weil es recht unterkomplex ist und die verschiedenen Regelkreise des Körpers nicht berücksichtigt, als da wären Mikrobiom, Hormone (Insb. Insulin), das Belohungssystem im Gehirn, aber auch Reaktion des Körpers auf unterschiedliche Umweltbedingungen (Stress, Schlafmangel) usw.
          Es geht ja im Bereich Nahrung nicht um Gewohnheiten wie „Montags gucke ich Netflix“ oder „ich trage gerne rote Hosen“, sondern um mächtige Impulse des Körpers, der so das Überleben der Person sichert (wenn ich nicht hungrig werde, esse ich nicht und bin irgendwann tot). Dass sich solche Impulse nur sehr schwer unterdrücken lassen, liegt auf der Hand. Wir sind ja super angepasst an nahrungsarme Umstände, d. h. unsere Impulse MÜSSEN stark darauf ausgerichtet sein, uns zur Nahrungsaufnahme zu bewegen (gern süß und fett).
          Mit diesen Impulsen sitzen wir jetzt mitten auf einem Butterberg, sozusagen. Ich bin überzeugt davon, dass ganz viel kulturelle Prägung (früh beginnend und über Jahre) nötig ist, um sich für unsere Umstände geeignete „Gewohnheiten“ anzuerziehen.
          Wir haben das als Kultur, denke ich, noch nicht im Griff, ebenso wie wir noch keine kulturellen codes für den geeigneten Umgang mit Smartphones entwickelt haben. Als Individuen kämpfen wir mangels entsprechender Sozialisation einen schweren Kampf. Ich beglückwünsche jede/n, der/die es schaffen, sich seine eigene gedeihliche Kultur im Umgang mit dem vorhandenen Nahrungsmittelüberfluss zusammenzuzimmern. Ich gebe selber zu (nach jahrelangem Lavieren an der Grenze zwischen Normalgewicht und Übergewicht und als jemand, der versucht, die Sache im Griff zu haben), dass ich das oft situationsbedingt nicht schaffe (trotz Wissens, trotz Wollens, trotz diverser Privilegien wie Zugang zu gesunder Nahrung).
          Ich weiß, dass es vielen anderen auch so geht, ich weiß, dass der Körper ein sehr komplexes System ist, und dementsprechend bin ich sehr, sehr vorsichtig, wenn jemand mit der Hoppla-hier-komm-ich-es-ist-alles-so-easy-Lösung kommt.
          Weil dann sehr schnell der Gedanke mitschwingt: „…und wenn du’s nicht schaffst, bist du einfach zu dumm dazu.“

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  5. Jule sagt

    Oh, wie gern habe ich das gelesen. Irgendwie symptomatisch, dass viele wieder nur sehen: „Oh, jemand sagt etwas Schlechtes über Diäten, ABER…“. Dabei war das Grundargument doch ein anderes und eigentlich müssten wir uns doch alle einig sein, dass zuviel Wert auf Äußeres gelegt wird. Und in diesen Chor müssen wir doch nun wirklich nicht noch einstimmen und an jeder Ecke sagen: „Aber für mich war eine Diät total wichtig und gut.“

    • Ja, das Grundargument war ein anderes. Dem hat auch niemand widersprochen, oder?
      Wenn dieser Absatz nicht gewesen wäre:
      „Ganz ehrlich, ich habe genug Diäten gemacht, um zu wissen, Kalorienzählen ist der letzte Sch****. Sie sind freudlos, kosten Energie und Lebenszeit und sie funktionieren nicht. Wirklich, alle Langzeitstudien zeigen (und davon gibt es nicht so viele, weil sie mindestens 5 Jahre gehen), dass die Kilos wiederkommen. Ja, es gibt die Einhörner, die ihr Gewicht halten. Aber sie sind genau das, Ausnahmen.“
      hätte es vermutlich auch keinen Widerspruch gegeben.

      Aber das ist einfach falsch, denn Diäten kosten nicht Lebenszeit, sondern VERLÄNGERN sie. Und sie funktionieren nur dann nicht, wenn man sie nicht durchhält (weshalb viele Zeitschriften-Diäten Quatsch sind, weil man sie nicht durchhalten KANN – aber hier wird ja auch von vernünftigen Konzepten wie Kalorienzählen gesprochen).
      Ja, Studien zeigen, dass auch ein hoch-runter-schwankendes Gewicht gesünder für den Körper ist als ein dauerhaft hohes Körpergewicht. Dass leichtes Übergewicht schon schädlich ist.

      Ob man Diäten als freudlos empfindet, ist eine Meinung, und dass sie Energie kosten, ist richtig – aber hier wird nicht „aus Prinzip“ widersprochen, sondern weil falsche Fakten genannt wurden.

      • Hallo Hana, siehe meine anderen Antworten. Es ist nicht falsch, Diäten funktionieren für die große Mehrheit tatsächlich nicht. Es sei denn, man hält sie durch, wie du schreibst. Das bedeutet viele Gedanken ums Essen, Verbote, Einschränkungen und Lebenszeit, die verschwindet. Und Diäten verlängern auch die Lebenszeit nicht per se. Auch das mit dem hoch und runter schwankenden Gewicht ist einfach Quatsch. Bitte, ich möchte jetzt nicht überall die Thesen aus Fettlogik stehen haben. Danke dir.

      • Jule sagt

        Sag mal Hana, worum geht’s dir? Dir hat Kalorienzählen geholfen, mal sehen wie lange, aber gut. Aber warum andere unbedingt missionieren wollen? Ich verstehe diese Logik der Fettlogik-Anhängerinnen nicht. Das ist doch nichts Anderes als die Frauenzeitschriften: „Seht her, ich habe die Lösung.“ So lange Frauen untereinander ausdauernd andere Frauen zum Kalorienzählen bekehren wollen, braucht sich keiner Sorgen machen, dass wir irgendwo wirklich wichtige Dinge tun. Wie schön.

      • Mom sagt

        Aber Hana, offensichtlich gelingt es unglaublich vielen Menscen NICHT, Diäten durchzuhalten – die dämlichen Diäten nicht, aber auch nicht die vernünftigen!!!
        Das ist doch ein grundlegendes Problem.

        (Und ich sage das als jemand, der Gewichtskontrolle usw. für sehr vernünftig hält.)

  6. Amen!
    Amen!
    Amen!
    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich habe die Wechseljahre bereits hinter mir und sehe die Veränderungen – optisch und viel wichtiger: gesundheitlich. Nicht nur, daß meine frühere Wespentaille sich verabschiedet hat, ich brauche einfach deutlich weniger Kalorien als früher, wenn ich mein Gewicht halten will. Und damit meine ich nicht meinen jugendlichen steten BMI von 22, sondern den aktuellen von ca. 27. Hungern nutzt da übrigens gar nix. Wenn ich mich nicht ausreichend bewege, wird massiv Wasser eingelagert, und das macht dann schon mal locker gute 3 kg mehr in einer Woche oder auch 1 kg über Nacht, egal ob ich mich von Wasser oder Sahnetorte ernähre. Ich mag gar nicht hochrechnen, wo das enden würde.

    Und ich kann es einfach nicht mehr hören, daß Gewichtkontrolle per def. die Unterwerfung an Medien und ensprechender Industrie bedeutet. Insbesondere vermisse ich die Differenzierung, daß es durchaus gute Gründe gibt, sich um sein Gewicht zu kümmern und die Tatsache, daß Abnehmen nicht per se size zero zum Ziel hat.

    Letztendlich sind beide Lager gleich kompromißlos, bislang habe ich noch bei keiner Autorin eine Relativierung gesehen, auch wenn Kommentartorinnen en masse Argumente dafür bringen.

    • Kim 🙂
      Relativieren ist ja immer schwierig, denn wir stecken alle fest in unserer Haut und alles, was über Körper gesagt werden kann, hat ja immer auch irgendwie Bezug zu uns persönlich.
      Ich verstehe dich sehr, sehr gut und bin da ganz bei dir. Gerade der niedrigere Grundumsatz hat mir ordentlich zu schaffen gemacht: Früher habe ich eben drei Teilchen und zwei warme Essen zwischen Chips und Lakritz gegessen, dabei aber immer auch körperlich gearbeitet. Heute resultierte dieses Verhalten zu – siehe oben 😀
      Intuitives Essen übrigens: Nö. Das hat für mich geklappt, als ich jung war und auch danach lange noch, schon weil ich weder Schoki noch Kuchen sonderlich liebe. Aber irgendwann ist die Intuition einfach auch futsch, wenn aus Freude an einer Handvoll Lakritz die tägliche Sucht nach einer ganzen Tüte geworden ist. Gerade den Hiper auf Süßes habe ich mir sehr antrainiert in den letzten Jahren und wurde ihn schwer wieder los. Es war dabei ja gar nicht mal die Tatsache, dass die Hosen nicht mehr passten, sondern vor allem der Fakt, wie oft ich total panisch und miesgelaunt durchs Haus tigerte, weil ich nach Süßen suchte, dass ich längst verschlungen hatte … 😀

  7. Nur zum besseren Verständnis: meine Antwort oben bezieht sich auf Michou. Das Design erscheint mir hier eher suboptimal.

    • Jule sagt

      Ganz ehrlich, Kim. Das tut mir wirklich leid, dass es dir so geht. (Aber wieso die Aggressivität, es gibt einen gut leserlichen Button mit „Antworten“ unter jedem Kommentar.) Du leidest sicher unter deiner Situation, aber das hat doch nichts mit normalen, landläufigen Diäten zu tun, wenn man innerhalb einer Woche 3 Kilo zunimmt. Um normale Diäten geht aber Text und um sinnlose Körpernormen. Du bist eben die Ausnahme, aber es stellt sich doch auch niemand hin, wenn jemand die Zunahme von Schönheitsoperationen beklagt und sagt: „Aber nach meinem Autounfall hat die plastische Chirugie gute Dienste getan.“ Ich wünsche dir alles Gute.

  8. gitte sagt

    liebe corinne,
    es ist so wahr, was sie schreiben, besonders monitoren kann so unglücklich oder sogar krank machen. ich selbst habe mich einem großen teil meines lebens einem schlankheits und schönheitsideal unterworfen, das ich meinte, erfüllen zu müssen. ich kannte die kalorien eines salatblattes. bratwurst war eine totsünde. leider hatte ich damals auch viele bekannte, für die das äußerliche zu sehr zählte. erschwerend kam hinzu, dass ich in meinem elternhaus keine selbstakzeptanz gelernt hatte. ich war nie gut genug. immer fehlte was. jeder, der was auszusetzen hat, nur her damit, wird schon stimmen, nach der schwangerschaft und geburt meiner tochter bekam ich dann bulimie, kotzte jeden apfel wieder aus, ein mechanismus aus essen und kotzen begann. abends noch ein glas wein zuviel zigaretten, nur nicht dicker werden. ich war unglücklich und wußte nicht, wie komme ich da raus. mein mann, meine mutter, bekannte bekamen mit, daß ich nicht mehr so gut funktionierte und fanden das befremdlich. ich schämte mich, weil ich nicht mehr den schein wahren konnte eine perfekte frau und mutter zu sein. dann wurde ich so richtig lebensbedrohlich krank, mein mann dem das alles zuviel wurde, ging auch noch fremd. damals war ich um die 40. das war die grenze und der umbruch. ich hatte einen langen krankenhausaufenthalt, machte eine jahrelange verhaltenstherapie. meldete mich bei selbsterfahrungsgruppen an. durch den umgang mit schwerstkranken menschen lernte ich was wirklich wichtig war für mich. ich lernte, ich selbst zu sein und zu mir auch unperfekt zu stehen. ich rauchte nicht mehr, kotzte nicht mehr, null alkohol. abhängigkeiten ade, auch die vor der meinung der anderen. ich aß, nach der schweren krankheit holte ich alles auf. ich ließ mich sowenig wie möglich auf destruktive menschen ein und auf fassadenpolierer schon gar nicht. ich wurde frei. ich konnte mich spüren. ich wurde statt vorzeige 36, pummelchen 46, und zufrieden. früher hätte ich gedacht, damit muß ich mich vergraben. heute sehe ich meine dicken haare, meine glatte haut und nehme mich an. eße eis und bratwurst und freue mich, dass es mir bekommt. ich lebe einfach. beugt man sich den idealen der anderen, kann man nur verlieren. dann ist die brust zu klein, die beine zu kurz oder umgekehrt etc. man kann nur sein eigener experte sein. mittlerweile bin ich schon oma. ich sage meinen kindern und meinen enkeln immer wieder, das sie toll sind, genauso wie sie sind. schwiegertochter befürchtet die enkelin würde 1,90. na und, nicht alles problematisieren. braucht sie keine leiter zum gardinen aufhängen. kinder selbstvertrauen schenken. erwachsen stärke und selbstvertrauen zu lernen, ist ein langer weg. man ist dem optimierungswahn lange hilflos ausgeliefert. und manche sterben sogar daran.

    • Liebe Gitte, vielen, vielen Dank, dass du so offen über alles schreibst, ich bin gerade ziemlich berührt von deiner Geschichte. Ich hoffe auch, dass ich meinen Kindern Selbstakzeptanz für sich und ihre Körper mitgeben kann. Wir sind in allem Vorbild, auch im sich-Dinge-versagen und vor dem Spiegel in die Hüfte kneifen. Ich wünsche dir und deiner Familie alles, alles Gute! Ganz lieben Gruß, Corinne

  9. antje sagt

    Ich bin 52, habe seit ich 40bin keinen flachen Bauch was mir nicht gefällt, ich habe immer alles und soviel gegessen Und getrunken wie ich wollte und konnte, ich fühle mich immer wohler und finde mich immer schöner je älter ich und hässlicher werde, ich habe keine Ahnung wieviel ich wiege, ich betreibe keinen Ausdauersport, und jeder Arzt schliesst anhand meines Gewichts (falsch/ unprofessionell) dass ich sportlich sei und ich muss mir von anderen Frauen (nie unwidersprochen) sagen lassen ich sei keine echte Frau und wenn ich höre wie ein 12jährige davon spricht eine Diät machen zu wollen (!) bin ich froh dass das alles so gar nixmit mir zu tun hat und bis ich sterbe nix haben wird so lange ich selbst entscheide

  10. Gaby sagt

    Mit zunehmendem Gewicht (bei mir war das kurz vor 100 kg) kommen körperliche Beschwerden schneller. Die Knie, der Rücken, die Füße…
    Mit jeder neuen schmerzenden Stelle fällt Bewegung schwerer.
    Man läuft weniger (die Füße!), steigt keine Treppen mehr (die Knie!!) und auch jegliche Form von Sport wie Yoga etc. ist schwierig, wenn die Schmerzen stark sind (der Rücken!!!!, die Hüfte, die Schulter…).

    Ab einem bestimmten Alter – oder einem bestimmten Gewicht – geht es vielleicht gar nicht mehr um Kleidergröße 38, sondern um Lebensqualität.

    Bei mir haben Diäten noch nie funktioniert, aber mit Hilfe eines einjährigen Programms habe ich es irgendwie geschafft, 16 kg abzunehmen. Das hat die Krankenkasse bezahlt. Die wissen warum. Ich halte mein Gewicht, die Schmerzen sind weg und ich bin fitter als mit 18. Jenseits von allen Schönheitsidealen, kapitalistischen Modeerscheinungen etc kann ich sagen, dass es mir zum ersten Mal seit zehn Jahren körperlich wieder gut geht. Ich bin mir selber sehr dankbar dafür.

    • Hey Gaby, das ist schön, ich freu mich für dich. Dass klassische Diäten und Kalorienzählen langfristig nicht funktionieren, haben inzwischen auch viele Studien bewiesen. Schlimm genug, dass trotzdem noch so viel getan wird, als wären sie DAS Zaubermittel und immer nur Gr. 38 als Lebensziel ausgegeben wird.

    • Mom sagt

      Klasse, finde ich toll, das das bei Dir geklappt hat! Alles Gute weiterhin!

      Ich möchte das nicht als Diettalk verstanden wissen, sondern ich freue mich sehr mit der Vorposterin, dass sie ihre Lebensqualität verbessern konnte.

  11. Kinch sagt

    Ungesunder Verhaltensweisen die man nicht durch Willenskraft loswird, akzeptiert man am besten. Stimmt. Auch die Fixierung auf Gewicht und Ernährung ist eine solche und kann man auch einfach akzeptieren.

    Dann sei doch halt kurzfristig glücklich, dass du dir keinen Eiweißshake reinzogen hast. Und sei später glücklich, irgendwas anderes stattdessen gegessen zu haben. Warum gegen das eine oder andere ankämpfen?

  12. Lina sagt

    Klingt eher als wärst du zu faul es richtig anzupacken. Diäten scheitern nur, weil man danach wie vorher frisst. Wenn einen etwas stört, dann kann man es auch ändern, und sich nicht einreden, dass man ja trotzdem so schön ist. Wenn ich ne neue Haarfarbe will, rede ich mir ja auch nicht ein, dass die alte doch ganz gut ist und ich trotzdem liebenswert bin. Wenn das Winkfett stört, muss man halt was dagegen machen und nicht rumweinen, dass die Gesellschaft so böse ist, weil sie uns auf Äußerlichkeiten reduziert.

    • Hey Lina,
      ich habe das Gefühl, dich macht dein eigener Drang zur Verbesserung leicht aggressiv, kann das sein? Vielleicht liegt es sogar an Schoko- oder Eisverzicht? Ich wünsche dir von ganzem Herzen mehr Gelassenheit mit anderen und dir selbst. Probier’s mal, wer nicht ständig darum kreist, was einen noch zufriedener machen könnte, wird am Ende vielleicht sogar das. Viele Grüße, Corinne

  13. sauguter text! ich hatte den direkt an ein paar meiner freundinnen geschickt, die sich gerade mit afterbabybodykack rumschlagen. dummerweise hat die eine befreundete lektorin direkt angemerkt, dass der text super sei, bis zu dem punkt, wo dick ein verb ist…. berufskrankheiten. mach doch mal ein adjektiv daraus 😉 wobei… dick tun statt dick sein…. man könnte da weiter rumspinnen. hehe. ich teile das mal demnächst noch auf meinem blog. danke dafür!
    liebe grüße und weiter so!
    jule*

  14. Pingback: Live aus der Heckenwirtschaft - die Coolen Blogbeiträge | Sabienes

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