Film & Fernsehen, Schönes & Banales
Schreibe einen Kommentar

Dating Daisy: Frauen sind so…und Männer auch – Gänseblümchen erklärt die Welt

Unsere Öffentlich-Rechtlichen! Umfragen und TOP 100-Shows können sie. Jugendliche verstehen sie auch super. Die bekommen jetzt ihren eigenen Kanal nur im Internet, denn da steppt der Bär. Und Frauen? Ja, Frauen verstehen sie auch! Im gebeutelten Vorabendprogramm kann man jetzt jeden Freitag auf Daisy treffen. Die Heldin der gleichnamigen Serie Dating Daisy ist – welche Überraschung – blond, lustig & ein bisschen tollpatschig. Hübsch anzusehen aber irgendwie blass & langweilig – wie das namensgebende Gänseblümchen.

Der Versuchsaufbau bei Dating Daisy ist visionär. Hauptfigur Gänseblümchen ist 30 & wurde gerade vom Mann Antonio betrogen (Bei dem Namen des Verflossenen hätte sie sich das auch denken können). Jetzt datet sie wieder.

Die anderen verfügbaren Drehbuchversionen waren:

  • Daisy zieht von Berlin-Mitte aufs Land & schlägt sich mit einem mürrischem Jungbauern herum. Die beiden sticheln über 12 Folgen bis zum ersten Kuss im Regen unter dem Maibaum.
  • Daisy ist Sekretärin mit leicht cholerischem Chef, managt sich durch sein Berliner Leben & bekommt am Ende den Chef als Preis der Entbehrungen. Die beiden suchen sich eine tolle Wohnung in Berlin.
  • Daisy ist eine leicht chaotische, alleinerziehende Mutter (Der Vater ist super, aber wegen irgendwelcher Gründe zu weit weg. Er erforscht Nashörner in Afrika oder so.) Sie hat einen tollen Kreativjob & wohnt ohne Geldsorgen in einer 120 qm Altbauwohnung in Berlin-Mitte. Der Nachbar im Loft nebenan ist ein gutaussehender Karrieretyp, der eigentlich keine Kinder mag. Aber dann…    

Nun, Daisy ist in der jetzigen Version Krankenschwester geworden. Diese nicht so ambitionierten Kümmerberufe (nur der Wahrnehmung der Drehbuchautoren nach) laufen bei sowas immer gut. Die Serie spielt natürlich in Berlin – der Hauptstadt der One-Night-Stands (Serienzitat). Den Teeniesohn hat die lustige Sidekick-beste-Freundin zugeteilt bekommen, mit der Daisy sich durchs neue Leben navigiert. Der Giggolo-Werbeagenturchef kommt in Folge 2 & der arrogante Chefarzt in Folge 3.

Eigentlich sollen wir uns aber für den Handwerker (Auftritt Folge 1) erwärmen. Ganz nach dem Motto Schuster, bleib bei deinen Leisten!, mahnt die beste Freundin des Gänseblümchens dieser immer wieder, sich von den Glitzermännern nicht blenden zu lassen. Die sich natürlich alle als Armleuchter herausstellen, weil sie a) andere Frauen treffen oder b) sich nur um sich selbst kümmern. Männer kommen in der Serie also auch ganz schlecht weg.

Da es sich aber um eine Singlefrau dreht, wurde natürlich hier am Tiefsten in die Klischeekiste gegriffen. Einige Highlights aus Folge 2:

  • Rat der Freundin nach der Erkenntnis 15 Jahre ohne Verabredung verbracht zu haben „Wenn du dich deinem Kleiderschrank stellst, solltest du Bauchweg-Strumpfhosen einplanen & denk dran: Keine Angst vor der Orangenhaut!“
  • „Er will mit mir ausgehen, direkt nach meiner Schicht. Ich bin da nicht drauf vorbereitet, ich hab mir nicht mal die Beine rasiert, geschweige denn….“ Es folgt…ein bedeutungsschwangerer Blick nach unten. Spoiler: Ein schneller Schichttausch erledigt das Problem.
  • Der Handwerker hat eine karrieregeile Oberärztin-(Ex?)-Frau. Sie vernachlässigt die halbwüchsige Tochter grob, d.h. sie holt sie nicht von der Schule ab. Daraufhin landet diese mit Skatern(!) unter einer Brücke mit Graffiti (!) & schließlich mit Verdacht auf Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Die Beschwerden stellen sich als Nebenwirkung des Grippemittels heraus, was ihr die Mutter eingeflößt hat. Vermutlich, um die Tochter ruhig zu stellen – Hängt die Frau!

Ich lache gern & gönne jedem, nicht zuletzt mir selbst, leicht flache Serien zur Erholung am Freitagabend. Aber diese Mario-Barthisierung lässt mich nur gähnend zurück. Männer & Frauen sind sicher ein schönes Thema, aber nicht so billig gemacht. Es gehört ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl dazu. Klischees einfach nur reproduzieren ist öde, sie humorvoll zu entlarven, kann durchaus Spaß machen.

Die sehr mageren Einschaltquoten der ersten Folge lassen mich hoffen, dass das andere auch so sehen. Gestern sendete man dann gleich 2 Folgen hintereinander.  Wer jetzt noch Lust hat, kann sich seine eigene Meinung in der Mediathek bilden.

Ich werde den Freitagabend zukünftig dazu nutzen, Berlin, Berlin zu vermissen. Oder Aus heiterem Himmel. Ja, sogar Sterne des Südens könnten sie von mir aus auf dem Platz wieder senden. Und das will was heißen.

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on TumblrEmail this to someoneShare on Google+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.