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Ich habe Carrie Bradshaw wieder getroffen und sie ist ganz anders, als ich sie in Erinnerung hatte.

Heute geht es auf Zeitreise. Kurz nach der Jahrtausendwende – in einem mittelgroßen Alpenstädtchen in Frankreich finden drei Austauschstudentinnen zueinander. Sie finden bald heraus, dass die finale Staffel von Sex and the City bereits im französischen Fernsehen läuft. Problem: Im Wohnheim befindet sich nur ein allgemeiner Fernsehraum mit sehr lauten Franzosen drin, die immer Sport gucken. Mit denen sie sich, selbst wenn eine minimale Chance bestünde, dass sie umschalten, schon aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht verständigen könnten. (Am Rande interessiert hier vielleicht die Geschichte, wie eine von ihnen im Fahrstuhl stecken & dort fast für immer blieb, weil sie dem Mann der Notrufzentrale die Adresse des Wohnheims ansagen musste, in dem sie gefangen war. Mit Postleitzahl.)

Aber man wäre nicht Anfang 20, wenn man nicht für jedes Problem eine pragmatische Lösung vorzuweisen hätte. Die Studentinnen legen zusammen & beschließen, einen Fernseher zu kaufen. Denn die Wohnheimzimmer à 12 qm haben einen Fernsehanschluss. (Liebe mitlesende nächste Generation, das waren die düsteren Zeiten vor dem allgemeinen Gebrauch von Smartphones & Mediatheken. Und mit Wohnheimen ohne W-Lan.) Mangelnde Sprachkenntnisse führen auch dazu, dass niemand sich in der übersichtlichen Innenstadt in den Fernsehladen traut. So erwirbt man das Gerät etwas außerhalb im Riesensupermarkt Carrefour (raus aus dem Regal – rein in den Wagen – bezahlen – kein Wort verloren). Um ihn dann 4 km auf einem Einkaufswagen (!) ins Wohnheim zu transportieren. (Der Einkaufswagen verblieb die vollen 6 Monate neben dem Eingang des Wohnheims in zunehmendem Stadium des Verfalls. Die Mitwissenden würdigten ihn keines Blickes mehr.)

Was möchte ich mit dieser kleinen Episode sagen? Ich glaube, sie macht auf subtile Weise deutlich, dass ich sehr gern Sex and the City geschaut habe. Sehr, sehr gern, denn wir verstanden eine Weile kein Wort & konnten der Handlung nur mäßig folgen. (Hatte ich die rudimentären Französischkenntnisse schon erwähnt?) Trotzdem wurde jede Woche geschaut. Und ich war nicht allein. Zu uns gesellten sich schnell 9 andere Einsame fern der Heimat – auf 12 qm.

Nun bin ich älter & weiser, suche aber trotzdem jedes Jahr aufs Neue den Ablageort der Adventsdekoration in allen Ecken der Wohnung. Dabei stößt man auf so manches wie die DVD-Kollektion Sex and the City, von der ich nicht mal mehr wusste, dass ich sie überhaupt besaß.

Was folgte war…maßlose Enttäuschung. Ehrlich, mir ist es nicht mehr möglich nachzuvollziehen, wie ich diese Serie lieben konnte. In der Charlotte mein Lieblingscharakter war. Lassen wir mal beiseite, dass sie wahrscheinlich tausende junger Frauen auf dem Gewissen hat, die glaubten, es wäre möglich, in Downtown New York in einem Apartment zu leben, in dem man sich um die eigene Achse drehen kann – finanziert durch einen Freelancing-Kolumnenjob.

Da könnte ich drüber hinweg sehen. Aber es geht tatsächlich NUR um Männer. Ich mag Männer. Aber die Serie fällt mit wehenden Fahnen durch den Bechdel-Test, weil sich NUR über Männer unterhalten wird. Jedes Detail ihrer Äußerungen & Handlungen wird minutiös seziert. Als wären sie kaum zu begreifende Fabelwesen, deren Ergründung langer eingehender Studien bedarf.

Ok, es gibt ein paar Lichtblicke & ich weiß, wieso Sex and the City so gefeiert wurde. Es zelebriert Frauenfreundschaften & wie der Titel schon sagt – Sex – als normalen Bestandteil im Leben von Singlefrauen. Das war neu im Mainstream-TV. Ein Klassiker auch die Folge, in der Miranda zum Partnerdinner ihrer Kanzlei eingeladen wird & ihr klar wird, dass alle Welt denkt, sie sei lesbisch (weil, ihr wisst schon, erfolgreich & nicht verheiratet).

Und trotzdem, wenn ich das jetzt wieder schaue, ist der Spaß irgendwie weg. Ich sehe nur noch eine Orgie an Konsum unterbrochen von Gesprächen über Männer. Das ist überhaupt das Verwunderlichste – die glänzende Haare-Schuhe-Kleider-Waxing Welt von Sex and the City ist genau das, was mir heute so aufstößt am Zeitungskiosk & im TV. Überhaupt: Frauen & Shopping. Die vermeintliche Tatsache, dass Frauen gern Klamotten kaufen, ist sowieso der größte urbane Mythos überhaupt. Shoppen ist doof. Eine Wahrheit, die von Lifestyle- & Frauenmagazinen & von Sex and the City komplett ignoriert wird. Ich meine damit nicht das Interesse an Mode, sondern die Aktivität an sich. Bei Sex and the City läuft niemand in ständig falsch klimatisierte Läden, wühlt nach der richtigen Größe & zwängt  sich in scheußlich ausgeleuchtete Umkleidekabinen.

Gut, ich erwarte nicht, dass eine Serie meine dröge Realität widerspiegelt. Und Sex and the City muss nicht die Welt verändern. Aber ich fühle mich auch nicht mehr gut unterhalten, wenn Carrie sich einem russischen Oligarchen an den Hals wirft & Mr. Big beweint, dessen komischer wichtiger Tycoon-Job dazu führt, dass er ständig verschwindet. Sex and the City ist eine 47 Stunden lange romantische Komödie. Ich mag auch romantische Komödien, aber nicht 47 Stunden lang. Und ich würde keine davon als meinen Lieblingsfilm bezeichnen. Also warum habe ich Sex and the City so geliebt? Vielleicht ist meine kritische Haltung heute der fiese Beigeschmack der schrecklichen Kinofilme, mit denen man nach dem Serienaus gefoltert wurde. Oder ich habe mich einfach verändert.

Was mich zum Nachdenken bringt, ist wie klar ich jetzt auf manche Szenen blicke & denke „Geht ja gar nicht.“ Und wie sehr ich weiß, dass ich genau das mal so mochte. Beides war weder richtig noch falsch. Wenn man ein paar Bücher gelesen & die Gender Studies Kurse nicht geschwänzt hat & seine Tage in der Twitter-Filterblase verbringt, neigt man manchmal dazu, den Belehrbären zu geben. Und zu denken: „Das müssen die doch sehen.“ Jetzt das alles nochmal zu schauen zeigt mir: Tun die meisten nicht. Habe ich auch nicht. Was nicht heißt, dass man aufhören sollte, darauf hinzuweisen. Im Gegenteil. Aber ich gelobe innerlich in Zukunft ein bisschen mehr Gelassenheit mit anderen.

Und ich werde mich bei Miranda entschuldigen. Mit ihrer nur marginal ausgebildeten Shoppingsucht, ihrem Anwaltsberuf  & am Ende Mann, Kind & Hund (inklusive der einhergehenden Nervenzusammenbrüche) war sie die coolste der Freundinnen. Miranda war die Sheryl Sandberg des Big Apple. Es tut mir leid, Miranda. Ich konnte dich nicht sehen, weil Charlottes Rehaugen im Weg waren. Aber jetzt weiß ich es besser.

Wie ich wieder lesen lernte & nun falsche Märchen erzähle – zum Vorlesetag

Morgen ist Weltvorlesetag. Geschichten und Bücher begleiten mich seit ich denken kann. Meine Eltern hatten keine Bücherwände bis unter die Decke, aber sie haben immer vorgelesen. Jeden Abend hat mir mein Vater eine selbsterdachte Geschichte erzählt. Noch heute ist meine Mutter traurig, dass sie diese nicht aufgeschrieben hat. Ich verdanke meinen Eltern unglaublich viel & bin überzeugt davon, dass dies mich prägte. Mich & meine Liebe zu Sprache, Worten & Büchern.

Als ich selbst lesen konnte, wurde ich Stammgast in der örtlichen Bücherei. Ich kann mich noch gut an die Verwunderung der Bibliothekarin erinnern, weil ich stapelweise Bücher auslieh. Jedes Mal fragte sie mich, ob ich die wirklich alle gelesen hatte. Hatte ich. Ich mochte die klassischen Kinderbücher – Erich Kästner, Astrid Lindgren. Ich habe die ganze Hanni & Nanni-Reihe gelesen. Mein allergrößtes Lieblingsbuch war lange Zeit Lippels Traum. Von einem Jungen, der wahnsinnig viel liest & jede Nacht eine Geschichte weiter träumt. Wahrscheinlich fühlte ich mich hier verstanden. Noch heute zählen lesen & schlafen zu meinen größten Hobbys.

Ich kann mich nicht daran erinnern, in der Schule besondere Erweckungserlebnisse, was das Lesen betrifft, gehabt zu haben. Das ist sicher nicht untypisch. Viele sagen, dass ihnen die Klassiker in der Schule eher verleidet wurden. Kann man nur hoffen, dass die Meisten einen zweiten Anlauf wagen. Manche Bücher brauchen ihre Zeit. Beim Zauberberg brauchte ich mehrere Anläufe für die Liebe. Erst beim dritten Mahl (1x unter Zwang in der Schule & 2x freiwillig) las ich ihn mit Vergnügen zu Ende.

Manche Bücher brauchen eben Zeit. Und Muße, sich auf sie einzulassen. Den Lesegenuss hat mir fast mein Literaturstudium ausgetrieben. Mit Zeit & Muße war nicht viel. In Großbritannien ist es üblich, dass man sich im ersten Studienjahr einmal durch den Kanon fräst. Das kann gut und gerne zwei Dickens pro Woche bedeuten. Das hat nicht nur Nachteile, man bekommt einen super Überblick. Aber ich muss noch heute Handlungen googeln, weil nicht viel hängen geblieben ist. Man lernt das Querlesen, das Überblättern & verliert ein wenig den Zugang zur Schönheit der Worte. Meine Doktorarbeit hat das nicht besser gemacht. Jahre lang stapelte sich die ganze schöne Belletristik, die ich einmal lesen will, wenn ich fertig bin, in meiner Wohnung. Als ich Frau Doktor war & mich auf die Bücher stürzte, musste ich feststellen, dass ich ständig automatisch anfing querzulesen. Um möglichst schnell einen Überblick zu bekommen, die Hand zuckend Richtung Textmarker.

Mit der Zeit & der Gewissheit zweckfrei lesen zu dürfen, ist die Freude zurückgekehrt. Ich kann mich wieder ganz auf Bücher einlassen. Nun fehlt ein bisschen die Zeit. Was mich zum Vorlesen bringt.

Trotz meiner Liebe zu Büchern & der Tatsache, dass mein Kind nach einer Romanfigur benannt ist, habe ich nie darüber nachgedacht, wie ich sie an Bücher heranführe. Das musste ich auch nicht. Kleine Kinder haben feine Antennen dafür, wenn man ihnen etwas verkaufen will, was man selbst nicht tut. Und orientieren sich genauso gern an den Dingen, die die Großen machen.

Seit es nach Büchern greifen kann, möchte das Kind in ihnen blättern. Dann kam das Vorlesen, was ich zunächst als sehr schwierig empfand. Ich hatte Probleme der Handlung zu folgen, wenn ich vorlese, wenn ich betone & mich auf die Wirkung konzentriere. Mit einem Kind entdeckt man Kindergeschichten neu. Das ist das Tolle. Da wollte ich nichts verpassen.

Manche Geschichte der eigenen Kindheit erscheint aber auf einmal in einem anderen Licht. Ich bin die Meisterin der Neuformulierung während des Vorlesens. Besonders Märchen sind meine Opfer. Wenn die Eltern von Hänsel & Gretel sie nicht wegschicken, weil sie kein Essen haben, sondern weil die Milch fehlt, hört man nicht einmal ein Zögern. Ich trage das ganz flüssig vor. Das ist nicht schlecht, dann gibt es in ein paar Jahren zwei Versionen. Jedes Märchen doppelt. Mindestens.

Während ich diesen Text schreibe & darüber nachdenke, was ich weitergeben möchte, fasse ich den Vorsatz, dass das Kind Bibliotheken richtig kennen lernen soll. Bisher werden bereits Buchläden sehr gemocht. Wahrscheinlich wird dies ein einsamer Wunsch bleiben, denn ich besitze nicht mal mehr einen Leihausweis, sondern kaufe Bücher eher. Und wenn man etwas nicht vorlebt…

Ich möchte, dass das Kind Bücher kennen lernt & schätzt. Mit etwas Glück wird es sie lieben. Zu schnell muss es aber gar nicht lesen lernen. Denn Vorlesen ist wunderbar. Vorgelesen zu bekommen ist der Wunsch nach Geschichten. Aber auch der Wunsch nach Gemeinsamkeiten & der Wunsch nach Nähe. Wer kuschelt sich beim Vorlesen nicht eng zusammen oder unter eine Decke? Ich glaube, auch deshalb lieben Kinder es so sehr. Und deshalb wünsche ich ganz vielen von ihnen, dass sie heute etwas vorgelesen bekommen.

Foto: flickr.com

Victoria’s Secret: Engel mit Full-time Job

Am 2. Dezember ist es wieder soweit & die alljährliche Victoria’s Secret Fashion Show erfreut die Welt. Na ja, zumindest einen Teil der Welt. Das Ganze wird wie immer ein Riesenspektakel, um möglichst viel Aufmerksamkeit für Unterwäsche zu erzeugen. 47 Engel (die offizielle Berufsbezeichnung der Models) werden den Laufsteg entlang laufen. Daneben gibt es noch singende Stars & erstmals ZWEI diamantenbesetzte BHs. Wahnsinn.

Nun ist das Modeln für Victoria’s Secret sowieso nur der Crème de la Crème der internationalen Top-Models vorbehalten. Was unter anderem daran liegt, dass das Tragen der überdimensionierten Flügel so schwierig ist. Mhm. Untereinander herrscht angeblich auch große Konkurrenz, wer die größten Flügel hat, denn Größe der Flügel ist gleich Wichtigkeit & Marktwert des Model. Hach, die Frauen. Wobei, Größenvergleiche & Wichtigkeit in der Sozialkohorte…

Den Engelaufmarsch zu kritisieren ist einfach. Die Engel sind immer fröhlich, haben alle die gleiche Frisur & einen unstillbaren Drang, Dauerküsschen zu werfen. Victoria’s Secret ist eine pinke Kaugummiwelt, die den vermeintlich perfekten Körper verkauft. Und das auch deutlich drüber schreibt, was erst kürzlich zu lauter Kritik führte.

Richtig interessant am Marketing der Unterwäschefirma finde ich aber, dass sie diesen Körper zunehmend zu einem Vollzeitjob stilisiert. Das Ganze ging 2011 mit Engel Adriana Lima los, die erstmals – Skandal, Skandal – über die harte Routine zur Vorbereitung auf die Show „auspackte“. Seitdem spielt sich jedes Jahr das Gleiche ab. Die Engel trainieren hart 8 Stunden am Tag auf ihren 9-5 Uhr Vollzeitstellen. Auch die Modalitäten der Kinderbetreuung müssen geklärt werden, wenn die Mamis arbeiten. Wie bei jedem anderen Job! Auf Instagram kann man ihnen beim Malochen zuschauen – Seilspringen, Kniebeuge, Gewichte… Und die Medien berichteten fleißig & freuen sich angesichts so viel entwaffnender Ehrlichkeit zur Entstehungsgeschichte der perfekten Körper.

Mit diesem Kniff macht Victoria’s Secret etwas sehr Cleveres. Im Gegensatz zu Dove, die sich werbetechnisch den echten Frauen verschrieben haben, versucht man Punkte zu sammeln, indem man zeigt, dass Models auch nur gemacht werden. Und zwar im Detail, wie sie gemacht werden. Der Kritik, dass man unrealistische Körperbilder zeigt, tritt man freundlich lächelnd entgegen & verkündet, dass die gezeigten Körper eben auch nur mithilfe harter Arbeit fabriziert werden.

Natürlich ist der Impuls erstmal da, erleichtert aufzuatmen. Die Models bereiten sich eben monatelang vor & man selbst geht halt ins Büro. Blöd nur, dass die Unterwäsche wieder an normale Frauen verkauft werden soll & hier zwangsläufig ein Vergleich provoziert wird, wenn ich mich in der Umkleide im gleichen Zweiteiler im Spiegel sehe. Oder pubertierende Jungs ihrer Freundin was Nettes kaufen & die dann ganz anders aussieht.

Auf der Internetseite der Show kann man unter dem Slogan Train like an angel sogar an der Seite der Engel trainieren (So lassen sich nebenbei auch noch die hauseigenen Sport-BHs an die Frau bringen). Es wird suggeriert: In so einem Körper steckt viel Arbeit, aber nichts ist unerreichbar. Was natürlich Quatsch ist. Mit allem Training der Welt werden sich meine Proportionen nie in Victoria’s Secret Dimensionen verschieben, weil mir schon allein 20cm Beinlänge fehlen.

Nebenbei springt man mit der Taktik auch auf den Fit-ist-das-neue-dünn Zug auf, den auch Nike mit seiner Frauenwerbung am Laufen hält. Hier schwingt immer eine gute Dosis empowerment mit. Wer trainiert, ist stark – körperlich & mental. Auch die Engel werden gern so inszeniert. Sie spielen die Rolle der sexy Powerfrauen. Fit, gesund & fröhlich, sind sie millionenschwere, selbstbestimmte Königinnen ihres Millionenimperiums Körper. Dorthin gekommen sind sie mit Willen & Disziplin, gesunder Ernährung & Sport.

Bis man dann genauer hinsieht, wie auf dem Blog Fit and Feminist geschehenHier hat man sich die Vorbereitungen, die oft mit denen von Leistungssportlern verglichen werden, genauer angesehen. Fazit: Ihr Sportprogramm absolvieren die Engel in den letzten Tagen vor der Show ohne feste Nahrung. Ein Marathonläufer isst da eher eine Schüssel Pasta. Denn:

…the difference is that the hard work of an athlete is to ensure her body can actually do things, whereas the hard work of Adriana Lima and her team is to make sure she looks good.

(Der Unterschied ist, dass eine Sportlerin trainiert, damit ihr Körper in der Lage ist, Dinge zu tun, während die harte Arbeit von Adriana Lima & ihrem Team dafür bestimmt ist, dass er gut aussieht.)

Um dieses gute Aussehen geht es. Zu fit ist nämlich auch nicht richtig. 2012 tauchten unretouchierte Fotos auf, die zeigten, dass Victoria’s Secret am Liebsten zu viele Muskeln bei ihren Models wegphotoshopped. Vollzeittraining darf demnach gern dünn machen, aber die echten Resultate will man dann doch nicht sehen.

Foto: WestportWiki (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

[Lesewochenende] Himmel & Hölle – Das Dilemma moderner Elternschaft

Als ich das letzte Mal im Buchladen war, habe ich mit Freude festgestellt, dass Jennifer Seniors Buch über das Elterndasein inzwischen auch auf deutsch erschienen ist. Im Englischen heißt es All Joy & No Fun & ich habe es Anfang des Jahres sehr gern gelesen. Das Thema Vereinbarkeit & Hilfen oder Nicht-Hilfen für Eltern (meistens thematischer Schwerpunkt Mütter), ist ja gerade in aller Munde. Gerade erschienen von zwei deutschen Journalistinnen ist Die Alles ist möglich – Lüge (was ich gerade lese) &  Vater, Mutter, Staat von Rainer Stadler (in das ich durch den Vorabdruck im freitag ein bisschen hinein lesen konnte).

Jennifer Senior ist ebenfalls Journalistin & Mutter & stellte sich die Frage, die sich wahrscheinlich viele schon gestellt haben. Man kann sie schön am englischen Titel ablesen:

Wenn Kinder angeblich ein Quell der Freude sind (und tatsächlich auch viel Freude machen), warum macht Elternsein in unserer modernen Welt dann eigentlich so wenig Spaß & ist oft nur unglaublich anstrengend?

Dafür hat sie recherchiert, mit Sozialwissenschaftlern gesprochen & viele Interviews in Mütter & Elterngruppen geführt. Einige der Familien begleitet sie auch nach Hause & beobachtet ihren Alltag. Ihre Erkenntnisse sind somit größtenteils auf die USA bezogen, lassen sich aber problemlos auf westliche Industrienationen übertragen.

Am meisten hat mich ihre Perspektive fasziniert, die von den gängigen Artikeln zum Thema abweicht. Ansonsten wird oft mit den Umgebungsfaktoren begonnen: Betreuungssituation, Jobflexibilität oder das Teilen der Hausarbeit. Dann wird analysiert, wie diese auf das Elterndasein wirken.

Jennifer Senior kommt von der anderen Seite. Sie fragt: Hat sich vielleicht das Elternsein an sich verändert?

In der Folge fächert sie eine ganze Palette von Veränderungen auf & ihre Antwort lässt sich verkürzt so wiedergeben: Unsere Ansprüche an das Elternsein haben sich fundamental geändert. Während bis in die 70er Jahre hinein an vorderster Stelle stand, sein Kind – überspitzt gesagt – sauber & satt zu halten & dann ordentlich erzogen in die Welt zu entlassen, haben wir heute das Elterndasein emotional aufgeladen. Wir fühlen uns hauptsächlich verantwortlich für das GLÜCK unserer Kinder. Mehr noch, wir fühlen uns verantwortlich für ihr Lebensglück. Glück als Erziehungsziel ist aber nicht nur eine sehr schwammige Kategorie, sondern auch eine, die Eltern sehr, sehr müde machen kann. Weil man immer noch ein bisschen mehr tun kann. Und irgendwie zum Scheitern verdammt ist.

Nun sind die modernen Eltern natürlich nicht blöder als die vorangegangenen Generationen. Das neue Erziehungsziel ist  eine Reaktion in Gesellschaften, in denen man eben nicht mehr sicher sein kann, dass das Kind satt, mit Manieren & Ausbildung seinen Weg schon machen wird. Gerade die Mittelschicht ist hier besonders belastet mit dem Es geht immer noch mehr – Gedanken. (Hallo, chinesische Früherziehung).

Für mich war dies ein neuer Aspekt & eine sehr heilsame Erkenntnis. Mal ehrlich, wer hat sich nicht schonmal gefragt, ob man nicht irgendwas falsch macht? Man hat all die wunderbaren Geräte, die die Hausarbeit schneller machen, die Putzfrau, den helfenden Mann, Teilzeit & einen Tag Homeoffice die Woche & trotzdem fühlt man sich wie der Hamster im Rad, der nie ankommt & dem Kind nie richtig gerecht werden kann. Jennifer Senior untermauert ihre These in vielen spannenden Kapiteln. Die 50er-Jahre Hausfrau zum Beispiel, die ihre Kinder allein zu Hause betreute, spielte, auf den Tagesdurchschnitt gerechnet, weniger Stunden mit ihren Kindern, als die berufstätige Frau von heute.

Natürlich ist das kein Plädoyer für eine Rückkehr zu alten Erziehungsmustern, die auch mit Schattenseiten einhergingen.

Und auch kein Freibrief, nicht mehr an den Rahmenbedingungen (Betreuungssituation, Jobflexibilität & Rollenbilder) zu arbeiten. Denn die emotionale Last, zum Glück zu erziehen trifft Mütter beispielsweise ungleich stärker als Väter. Insofern darf man in dem Buch keine Lösungen à la „Hier mehr Kitaplätze & da mehr geteilte Führungspositionen & dann wird das schon“ erwarten. Aber es macht ein bisschen weniger schlechtes Gewissen. Und es ist, trotz der Flut an Studien & Informationen, nicht langweilig. Alles in allem, ein lesenswerter Puzzlestein in der Antwort auf die Frage, warum Mütter & Väter heute  an der Freude des Elternseins oft so wenig Spaß haben.

Wer Lust aufs Lesen hat, ab in die Buchhandlung. Wer lieber im Internet bleibt, kann sich den sehr sehenswerten TED talk der Autorin ansehen (auch mit Untertiteln).

Leise rieselt das Klischee…

Das Weihnachtsmagazin des KaDeWe ist da!! Ich konnte es kaum erwarten. Denn ich liiiiiiebe Geschenke. Denn ich bin eine Frau. Und Frauen liiiiiieben Geschenke. Geschenke zeigen mir, dass ich das ganze Jahr alles richtig gemacht habe….Ich war ein braves Mädchen.

Die Geschenkliste FÜR SIE (It’s a woman’s world) und FÜR IHN (Stilvoll unterwegs). Ich bekomme…einen Kimono mit Spitzeneinsätzen mit passendem Lingerieset. Denn Frauen liiiieben es, sich in Unterwäsche zu präsentieren. Dann ein Cocktailkleid mit Spitze, ein spitzenbesetztes Etuikleid & einen schwarzen Traum von einem Abendkleid. Da ist der Einsatz ganz dezent am Rücken – Spitze! Dazu noch der Strap-Slip, Handschellen mit goldener Kette & Peitsche, alles aus Satinbändern im passenden Koffer – soooo Shades of Grey. Und ein bisschen verruchte High Heels – spitzenbesetzt & transparent. Aber sehr stilvoll-verrucht. Und Männer liiiiieben hohe Schuhe. Fast so sehr wie Frauen Geschenke. Ein zuuuuckersüßes Babydoll und eng anliegendes Abendkleid mit Schößchen. Ich kann es mir leisten. Ich bin diszipliniert. Und Parfum, ein Collier, Ohrringe, Nagellack und Anti-Aging Augenserum. Ich bin ganz verliebt in den Häkelstring & den Häkelkragen mit Swarowskikristallen. Denn ich liiiiebe kleine filigrane Bastelarbeiten. Das wird alles in gaaanz kleine niedliche Schachteln mit gaaanz kunstvollen Schleifen verpackt. Ich weiß was drin ist, aber ich tue gaaaanz überrascht.

ER bekommt Kugelschreiber, Sakko, Manschettenknöpfe & Rollkoffer. Denn er ARBEITET. Er geht hinaus in die Welt und schreibt seine Kontakte in das Filofax aus Nappaleder. Geschichte schreibt er mit dem luxuriösen Kolbenfüllfederhalter. Doch, doch, steht so drüber. Nach getaner Arbeit lehnt er sich zurück und raucht kubanischen Zigarren, während ich zu seinen Füßen in dem schwarzen Negligé liege. Dafür braucht er das limitierte Luxusfeuerzeug. Wenn er mich schick zum Essen ausführt, zückt er die kunstvoll verarbeite Geldbörse.

Kinder haben wir natürlich auch. Das Mädchen bekommt die Scarlett O’Hara Barbie & der Junge das Carletto Tretauto. Während das Baby auf die gefütterten Babylederschuhe mit Silberbeschichtung sabbert.

Oh, das wird alles so wunderbar, mir ist schon ganz feierlich um mein kleines Herz. Der Schnee wird fallen und der Swarowskiweihnachtsbaum strahlen. Wir sitzen alle darunter. Selig lächelnd wie die heilige Familie. Irgendwo auf dem Weg hierher habe ich mein Hirn verloren. Aber ich habe den Behälter noch, wo es drin war. Vielleicht finde ich dafür noch einen schönen Haarreif.

Foto: flickr – Jason Mrachina – CC by 2.0