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Liebes Tagebuch….Dein Schneewittchen

Schneewittchen – remastered 

Liebes Tagebuch,

puh, war das ein Tag. Habe ich dir schon erzählt, dass ich in einem Film gelandet bin, der keinen Bechdeltest bestehen würde? Der Plot ging ungefähr so: Wenn du geil aussiehst, kann es schonmal passieren, dass andere Frauen dich töten wollen. Aber mit ein bisschen Glück kommt ein Typ auf einem Pferd vorbei & nimmt dich mit.

Nachdem das Ding jetzt abgedreht ist, sitze ich mit dem Typen auf dem Schloss fest. Ganz süß ist er ja, aber er nervt auch ein bisschen. Zum Beispiel kümmert er sich kein Stück um die haarende Katze, die ER schließlich ins Schloss geschleppt hat.

Den ersten Abend schien er auch ein bisschen enttäuscht, dass ich nicht gekocht und aufgeräumt hatte. Der Denkfehler muss sich bei ihm eingeschlichen haben, als ihm die 7 erzählt haben, dass ich dabei war, das Haus zu putzen…kurz bevor das mit der Lebensmittelvergiftung passierte. Dabei war ich da nur mit dem WG-Putzplan dran! Ok, die einzige Frau unter 7 Männern kann für die Hausangestellte gehalten werden. Und noch für ganz andere Sachen…

Ich erwarte nicht von jedem, dass er über den Tellerrand denkt. Aber versuch du mal, eine Frauen-WG zu finden, wenn du in der Mine zu tun hast.

Ach so, ich wollte dir ja noch erzählen, warum der Tag so anstrengend war. Heute kamen Leute von einer Zeitschrift vorbei & wollten eine Homestory machen. Der Stylist hatte echt komische Klamotten dabei – voll retro. Mich vor dem Kamin platziert. Und mir natürlich gleich wieder die Katze in die Hand gedrückt. (Die haben hier so einen Fetisch mit Frauen & Tierbabies und sprechenden Vögeln…. und Pferden & so.)

Interessiert waren sie aber. Ich hab ihnen alles von meinem Geologiestudium erzählt. Dass ich in der Praxisphase in der Mine war wegen der Gesteinsproben und so. Und wo ich mich nach dem Master bewerben will.

Da fällt mir ein, muss ich doch gleich mal schauen, was für ein Artikel dabei rausgekommen ist.

Dein Schneewittchen

 

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Kinderzeitschrift, 2015

 

Das Lied von den richtig erfolgreichen Frauen macht mich ziemlich müde

Ich bin ein bisschen müde. Das liegt daran, dass es mir immer schwerer fällt, eine bestimmte Platte zu hören. Die Platte heißt Schaut mal hier! und der Song in Dauerschleife trägt den Titel Die richtig erfolgreichen Frauen. Es kommen immer mehr Strophen hinzu, der Inhalt bleibt gleich. Die richtig erfolgreichen Frauen sind natürlich die beruflich erfolgreichen Frauen. In Wirtschaftswoche & ManagerMagazin sind sie angekommen & werden portraitiert. Online buhlen sogar mehrere Heimstätten um das, so wird vermutet, auch sehr kaufkräftige Klientel (der feuchte Traum jeden Werbers – Shoppingsucht vereint mit Topgehalt).

Die modernen Heldinnenepen haben eines gemeinsam. In Allgegenwart der gläsernen Decke verstehen sie diese Frauen als etwas Besonderes, als etwas Einzigartiges. Weiterlesen

Das Lied von den richtig erfolgreichen Frauen macht mich ziemlich müde

Ich bin ein bisschen müde. Das liegt daran, dass es mir immer schwerer fällt, eine bestimmte Platte zu hören. Die Platte heißt Schaut mal hier! und der Song in Dauerschleife trägt den Titel Die richtig erfolgreichen Frauen. Es kommen immer mehr Strophen hinzu, der Inhalt bleibt gleich. Die richtig erfolgreichen Frauen sind natürlich die beruflich erfolgreichen Frauen. In Wirtschaftswoche & ManagerMagazin sind sie angekommen & werden portraitiert. Online buhlen sogar mehrere Heimstätten um das, so wird vermutet, auch sehr kaufkräftige Klientel (der feuchte Traum jeden Werbers – Shoppingsucht vereint mit Topgehalt).

Die modernen Heldinnenepen haben eines gemeinsam. In Allgegenwart der gläsernen Decke verstehen sie diese Frauen als etwas Besonderes, als etwas Einzigartiges. Natürlich kennen wir alle die schmerzliche Wahrheit: Das sind sie tatsächlich. Frauen sind in Führungspositionen immer noch hoffnungslos unterrepräsentiert.

Besonders, so lehren uns die Buchstaben, machen diese Frauen ihre außergewöhnlichen Eigenschaften. Sie schaffen nicht weniger als eine bessere Welt. Die Zukunft. Selbstbewusst sind sie, diszipliniert & taff oder durchsetzungsstark & zäh.

Sie sind die Löwinnen & nicht die Mäuschen. „Sie verkaufen sich nicht unter Wert!“ rufen uns die Coaches zu. „Sie sind ehrgeizig, strebsam & begierig auf Erfolg. Und fühlen sich wohl damit.“ Willst du auch? Musst du dich anstrengen.

Diese Erzählung macht die erfolgreichen Frauen nicht nur generell zu einer Sondergruppe sondern spaltet die Frauen in zwei Teile. Neben den Erfolgreichen gibt es in dieser Logik noch die 95-98% andere Frauen. Das müssen dann die weniger ambitionierten Exemplare in ihren leicht langweiligen, rückständig-domestizierten Leben sein. Ihr wisst schon, die in Teilzeit & ohne Firmenwagen. Die, denen einfach was fehlt an Dynamik & Tatkraft. Die ihren Job nicht genug lieben, die sich nicht reingehangen haben (Sheryl Sandberg) oder zu feige waren (Basha Mika).

Das ist eine ziemlich dumme, in der Logik des Wirtschaftslebens aber natürlich sinnvolle Teilung. Weil sie den alten Mythos des „Jeder kann es schaffen, wenn er sich nur anstrengt.“ auch für Frauen erschließt. Wichtig ist ungebrochener Enthusiasmus & eine tiefe Liebe zur Arbeit.

Dabei lieben die meisten Menschen ihren Job nicht. Oder sie lieben ihn & würden trotzdem nie als erfolgreich bezeichnet. Weil sie etwas tun, dass bei der Verteilung von Kohle & Status leider ein bisschen spät dran war. Das sind nicht selten diese falsch gewählten Frauenberufe. Frauen steigen auch aus & treten kürzer. Weil Kinder da sein. Weil es finanziell Sinn macht, weil der Partner mehr verdient. Weil es einfacher erscheint, eine Arbeit hinter sich zu lassen, die schlecht bezahlt & schlecht angesehen ist.

Das Narrativ der erfolgreichen Frauen mit ihren stimulierenden Jobs, die nur von Herausforderungen, Weiterentwicklung & Spaß und nie von Langeweile & Monotonie geprägt sind (Und wenn, muss man was ändern!) passt sich hier gut ein. Klar, wer es nicht geschafft hat, eine faszinierende Beschäftigung zu finden, der kann sich auch zu Hause langweilen & muss das nicht im Büro tun.

Fazit: Wenn die persönlichen Eigenschaften die richtig Erfolgreichen nach oben getragen haben, dann werden sie den Anderen wohl fehlen. Dann ist das Alles schon wieder ein bisschen weniger strukturelles Defizit & ein bisschen mehr individuelle Verfehlung, oder?

Dabei gibt es noch mehr Gründe, wieso der Chef(-innen)sessel nicht erreicht wird. Fehlende Leidenschaft & Ehrgeiz sind da nicht mal die Bedeutendsten. Sie passen aber schön zur Verteufelung der Mittelmäßigkeit. Und dem Versprechen, sich aus dieser zu befreien.

Wer ehrlich ist, muss aber zugeben, plan- & berechenbar ist das Arbeitsleben & der eigene Werdegang nur bedingt. Zufälle bestimmen den Weg. Man kann sich anstrengen & aufreiben & trotzdem nichts werden. Davon können nicht nur die 95% erzählen sondern sicher auch die 5% der richtig Erfolgreichen.

Abgesehen davon hat jemand Kluges einmal gesagt, dass echte Gleichberechtigung erst erreicht ist, wenn auch die durchschnittlichen & unterdurchschnittlichen Frauen in Führungspositionen sitzen. Wie bei den Männern.

Bleibt zum Schluss anzumerken, natürlich stricken die erfolgreichen Frauen selbst mit an ihrem Mythos. Außergewöhnlich zu sein aufgrund der persönlichen Eigenschaften ist einfach schöner, als außergewöhnlich zu sein, weil man überall die einzige Frau ist. Wahrscheinlich sind die richtig erfolgreichen Frauen auch ziemlich müde, was das betrifft. Aber so lange man sich ein wenig zu genüsslich zurücklehnt mit dem Gedanken, dass die Schwestern einfach nicht den gleichen Biss hatten wie man selbst, wird man so schnell keine Gesellschaft bekommen.

Foto: flickr – AP Photografie – CC by 2.0

Ein gänzlich unironischer Text über meinen Feminismus

Jetzt habt ihr geklickt & freut euch auf ganz viel Ironie, oder? Irgendwas mit Butter, Lippenstift oder Frauengeschenken in Weihnachtskatalogen vielleicht?

Heute nicht, meine Lieben. Und das kam so. Kato vom Blog Innocent Glow hatte eine super Idee zu einer Blogparade. Eine so tolle Idee, dass es die erste Blogparade ist, bei der ich mitmache. Blogger & Bloggerinnen verteilen untereinander Themen & zwar solche, die über den eigenen Tellerrand hinausgehen. Nicht das, worüber man sonst so schreibt. Veröffentlicht werden alle Texte am 1. Mai, die ganze Liste findet ihr bei Kato.

Ich habe Wibke (die „in Ghana ihr Herz verloren hat“) vom Reise- & Lifestyleblog Sonnenstrahlenmomente gebeten, über ghanaische Frauenbilder & Schönheitsideale zu schreiben & freue mich schon auf den Text.

Leah (ihr Blog heißt Splitter vom Glück – dass das alles dicke Leseempfehlungen sind ist klar, oder?) durfte für mich überlegen. Sie schrieb mir:

Was bedeutet Feminsmus heute? Was bedeutet er (eigentlich ironisch, dass der Genus von Feminismus männlich ist) für dich persönlich? Oder anders formuliert, was bedeutet es heute, eine Feministin (falls du dich als solche bezeichnest) zu sein? Die ganze Aktion heißt aber „über den Tellerrand“ und dies ist ja nicht wirklich ein Thema, welches dir fremd ist. Jetzt kommt deshalb der Haken: Ich möchte, dass du einen unironischen (auch wenn ich deine Ironie sehr mag) Beitrag zu diesem Thema schreibst.

Uff. Da habe ich erstmal kurz überlegt. Denn ich hätte gedacht, dass nichts, aber auch nichts glasklarer ist als die Tatsache, dass ich Feministin bin. Dass Feminismus mir ganz viel bedeutet, gerade heute.

Leah ist aber natürlich nicht nur wunderschön & kann zauberhaft schreiben (Ja, liebe Leah, das ist ein ganz unironischer Text wie gewünscht.), sondern hat den Finger in die Wunde gelegt. Und mich zum Nachdenken gebracht. Denn meine Ironie hat tatsächlich etwas mit meinem Feminismus zu tun.

Zunächst geht es mir wie anderen auch. Wenn man sich als Feministin bezeichnet & ein paar Sachen gelesen hat, kommt es einem tatsächlich unumgänglich vor, eine zu sein. Man kann sich nicht vorstellen, dass jemand bei Sinnen ist & sich NICHT als Feminist oder Feministin sieht. Wie kann man das alles nicht sehen, die absolute Notwendigkeit, die sexistische Werbung, alles!

Es ist nicht immer leicht über den Tellerrand zu blicken. Gerade wenn man für etwas brennt. Daher kommen sicher die teilweise reflexhaften Abwehrhaltungen, wenn sich Feministinnen angegriffen fühlen.

Mir hilft es dann nachzudenken, wie mir mein Feminismus eigentlich zugelaufen ist. Alles begann in einem Gender Studies – Einführungskurs. Gewählt, weil ich im ersten Semester nicht wusste wie früh man zur Einschreibung da sein musste (kein Scherz!). Ich hasste ihn. Und die Dozentin. Die hatte die Wahrheit gepachtet, ach, inhaliert hatte sie die. Da wäre es fast schon vorbei gewesen mit mir & dem Feminismus.

Aber der war schlau & schlich sich über einen Literaturwissenschaftskurs in mein Herz. Ich las George Eliot & Emily Dickinson, hörte von den Bronte-Schwestern & von Jane Austen. Die Kurzgeschichte Die gelbe Tapete faszinierte mich & die Idee der Literaturwissenschaftlerinnen Gilbert & Gubar, dass für Frauen in Texten des 19. Jahrhunderts oft nicht viel mehr blieb als Engel oder Verrückte zu sein. Auch, weil den Autorinnen eine Tradition des Schreibens fehlte, wie sie Männer hatten. Von da an ging es weiter & zur feministischen Theorie. Ins Heute katapultierte mich kurze Zeit später der Beauty Myth von Naomi Wolf.

Je mehr ich mich mit feministischer Theorie beschäftigte, desto mehr merkte ich, wie viel man falsch machen konnte. Die eine Strömung mit der anderen verärgern. Das vergessen & den nicht einbeziehen. Meine Distanz zu diesem akademischen Feminismus habe ich bis heute nicht abgelegt.

Das führt mich zurück zur Ironie. Ich kann mich erinnern, wie es mir ging, bevor ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Und Feminismus erfordert Beschäftigung. Ich glaube es, wenn junge Frauen schreiben oder sagen, dass sie keine negativen Erlebnisse gehabt haben. Oder solche, die sie als negativ wahrnehmen.

Es kostet nicht viel, zu wissen, dass man selbst auch nicht immer so gedacht hat. Dass es in Ordnung ist, weil zwischen den beiden Positionen mindestens ein paar Zentimeter Buchregal & einige Stunden Nachdenken & Wahrnehmen aber auch Lebenszeit liegen.

Ich bin entspannt, weil ich warten kann. Weil die Erlebnisse auch bei diesen Frauen kommen werden. Weil es ein Fakt ist, dass Frauen und Männer Feminismus brauchen. Heute mehr denn je. Ich sehe ihn als eine Einladung zum Gespräch, wie das Heute ist & wie das Morgen aussehen kann. Eine Erklärung für die Welt, für Dinge, deren Zusammenhänge vielen nicht bewusst sein mögen. Wenn man die Einladung annimmt, geht es nicht mehr ohne. Und wenn jemand sie annehmen will, bin ich da.

Was hat das mit Ironie zu tun? Ich glaube, ein humorvoller Blick macht es leichter, die Einladung anzunehmen. Keiner wird gern belehrt. Und mir als Typ & meinem Schreibstil kommt es auch entgegen, nebenbei bemerkt. Da würden jetzt schon einige Feministinnen widersprechen, weil sich Feminismus nicht verkleiden muss, nicht witzig & leichtfüßig sein muss, um ernst genommen zu werden. Deshalb ist meine Ironie, das ist mir beim Nachdenken über Leahs Fragen klargeworden, auch ein klitzekleines-mini Bisschen mein Schutzschild dagegen, feministisch etwas falsch zu machen. Angreifbar zu sein, für solche, die finden, so kann man das alles nicht machen.

Das ist jetzt lang geworden. Aber hoffentlich verständlich. Feministin bin ich. Hundertprozentig. Aber Feminismus ist nicht für Jede das Gleiche, er kann sich wandeln, er ist nicht leicht zu erklären. Er ist kein „er“ & keine „sie“ sondern mindestens alles dazwischen & alles drum herum. Das macht ihn vielschichtig, das macht ihn oft schwammig & schwer greifbar. Aber die guten Dinge sind selten simpel. Auf jeden Fall hat Feminismus mit echtem Interesse zu tun, mit wirklichem Nachdenken – über sich selbst & die anderen.

Also, vielen Dank Leah. Ich hätte nicht gedacht, dass ich beim Nachdenken über meinen Feminismus noch Neues über mich erfahren kann.

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Meine Entgoogleisierung light – Wieder auf der Suche

Wer aufmerksam mitliest, hat sicher schon bemerkt, dass ich sehr oft googleGoogle ist mein Lehrer, Coach, Reisebüro, Therapeut, Hausarzt & einmal im Jahr Steuerberater. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich mit dem Wissen verbracht, dass die Suchmaschine da ist, um meine Fragen sofort zu beantworten. Neben der Schnelligkeit, absoluten Objektivität & Vertrauenswürdigkeit dieser Quelle schlägt Google vor allem in der wissbegierigen & leicht peinlichen Zeit zwischen 12 und 18 jedes Tagebuch & jede vertraute Freundin nicht nur beim Thema Verschwiegenheit um Längen. (Meiner Meinung nach auch der Hauptgrund für den Niedergang der BRAVO. Wer würde sich für den Gang zum Kiosk entscheiden, wenn man die drängenden Fragen der Pubertät im eigenen Zimmer beantwortet & bei entsprechendem Wunsch zusätzlich visuell aufbereitet bekommt?)

Für alle mitlesenden Teenies: auch über die Teenagerzeit hinaus gibt es peinliche Fragen, die Erwachsene, in der noch fehlgeleiteteren Hoffnung, dass sie nie wieder auftauchen, in ihren Browsern versenken. Weiterlesen