Kinder & Küche
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Bad Moms oder Das ist Deutschland

Heute startet der Film Bad Moms in den deutschen Kinos. Ich werde ihn mir nicht ansehen. Als der Trailer vor ein paar Monaten herauskam, hatte ich bereits das Gefühl, dass er nicht ganz mein Humor sein würde. Abgesehen davon handelt es sich um einen Film über Mütter, der bis auf die Hauptdarstellerinnen von einem rein männlichen Team realisiert wurde (Regisseur, Drehbuch….).

Letzteres stammt von den Krachertypen, die schon das Hoho-Buddy-Movie Hangover geschrieben haben und sicher die skurrilen und komischen Seiten und Brüche der Mutterschaft super umsetzen konnten.

Aber es geht mir nicht darum, den Film zu zerreißen, ohne ihn gesehen zu haben. Auch wenn US-Rezensionen davon schrieben, dass sein Humor weitestgehend daraus besteht, dass Frauen betrunken absurde Dinge tun (Mütterausbruch in den Alkohol) oder aus der immer wiederkehrenden Pointe, dass Mamas trotzdem Sex wollen (Schocker!)  Ansonsten geht es um den Mütterkrieg zwischen arbeitenden und Hausfrauen, den-Kuchen-selber-backenden und kaufenden Exemplaren und den vermeintlichen Tabubruch, sich selbst als schlechte Mutter zu bezeichnen (weil man nicht Elternratsvorsitzende ist und manchmal seine Ruhe braucht). Also um alles, wovon wir eigentlich nicht noch mehr bräuchten.

Ich glaube, mir den Film gut vorstellen zu können. Auch weil Bad Moms seit einer Weile vom Filmverleih Tobis auf seiner Facebookseite vermarktet wird. So kommt man in den Genuss kleiner Filmausschnitte wie dem von der fremde Männer anbaggernden Alleinerziehenden.

Aber es sollte ja gar nicht so sehr um den Inhalt des Films gehen. Ich fing nämlich vor ein paar Tagen an, die Kommentare auf der Facebookseite zu lesen. Hier verabreden sich Mütter voller Freude und unter exzessiven Emoji-Einsatz zum Filmabend. Ihre verschwörerischen Dialoge haben etwas von der ersten Zigarette auf dem Schulhof: „Hihi, wir sind auch schlechte Mütter.“ Das Kinoerlebnis ist lang ersehnt: „Endlich mal wieder ein Mädelsabend!“ schreiben sie. „Nur wir, ich muss mal wieder raus!“ oder „Das habe ich sooo nötig.“

„Da müssen wir hin.“ tippen sie ein, zählen den Countdown und versichern sich, dass sie auch alle Frauen kennen wie die mannstolle Singlemutter von oben. Aber, so liest man weiter „Ob der Alex es dann mit dem Kind schafft?“. Na, dann muss „der Stefan eben EINMAL zwei Stunden alleine auf die Beiden aufpassen“. „Hast du es ihm auch dick in den Kalender eingetragen, damit er sich nicht rausreden kann?“ mahnt eine Dritte. Nicht selten scheint auch Oma einzuspringen, weil der Papa nicht so richtig will oder kann. Da muss man erstmal mit ihm klären (Augenrollemoji), weil er doch immer Donnerstag Fußball hat (Lachemoji) und dann mit den Kumpels einen trinken geht. Außerdem „Will er er dann wieder ewig Dankbarkeit dafür.“ (Zwinkeremoji).

Das sind – da können alle Lach-Zwinker-Freundentränen-Emojis nichts daran ändern – ziemlich traurige Unterhaltungen, die sich da im Jahr 2016 unter den Filmtrailern abspielen. Es spricht ein gewisser Fatalismus aus den Zeilen. Kein wirkliches Ärgern, kein Auflehnen. Eher ein schulterzuckendes „So ist das halt.“ So sind sie eben die Väter, die lieber Verantwortung für den Heimsieg als für die Kinder übernehmen (oder die Gesundheit der Partnerin, die nicht besser wird, wenn sie nicht einmal zwei Stunden für sich hat). Und ich frage mich, auch wenn so ein Leben für die Männer ganz angenehm klingt, ob sie dieses Infantilisieren durch ihre Partnerinnen nicht auch nervt. Ob das Beziehungen auf Augenhöhe sind.

Oder ist das gar nicht wichtig? Sind diese Paare vielleicht sogar zufriedener, weil starre Rollenbilder auch Rettungs- und Vereinfachungsanker in einer unsicher werdenden Welt sein können? Weil sie nicht, wie in meiner anderen Blase, ständig diskutieren, wie man das 50/50 – Prinzip so richtig konsequent umsetzt. (Ist einmal mehr Wäsche sortieren als der Partner, weil man gerade Zeit hat ok?)

Wahrscheinlich ist das Ganze nur Ausdruck einer Tatsache, die mir klar sein müsste, aber die ich trotzdem manchmal vergesse. Frauen sind sehr verschieden und keine homogene Gruppe. So einfach es auch oft wäre, sie so zu denken.

Am Ende meiner Überlegungen bleibe ich trotzdem dabei: Ich glaube nicht, dass man langfristig in diesem Ungleichgewicht glücklich bleibt. Ist dann die Freude am Tabubruch, in einem Film zu gehen, der „schlechte Mütter“ heißt, vielleicht sogar ein erster Schritt? Oder doch nur ein Feigenblatt, eine sozial akzeptierte kleine Flucht? Was denkt ihr?

Foto: flickr – Andrew Kippen – CC by 2.0

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37 Kommentare

  1. Ich denke wie du – der Trailer wirkt auf mich total abturnend, und ich wollte den Film auch schon, bevor ich deinen Text las, und den Trailer eben ansah, nicht sehen. Aber sich mit den Klischees zu beschäftigen, finde ich spannend. DAS ist also Mainstream. Traurig, ja.

    Dass einige Paare genau deswegen zufriedener sind, weil starre Rollenbilder und altmodische Verteilung der Aufgabe sie stabilisieren, habe ich auch gelesen. Da frage ich mich dann immer, von welchem anderen Planeten all diese Menschen stammen. Für mich wäre das jedenfalls nix.

    Liebe Grüße, und ich habe deine Gedanken sehr gerne gelesen!

    • Danke dir, freue mich über deinen Kommentar! Mir fällt es dann immer schwer mit der Kritik, weil ich mich eigentlich nicht über andere Lebensweise erheben will. Wenn sie dann aber so der eigenen Weltsicht nicht entsprechen, ist das eine ziemliche Geduldsübung.

      • Altmodische Aufgaben- und Rollenverteilung ist ja völlig in Ordnung – da finde ich gar nichts dran zu kritisieren, wenn beide Partner das so wollen.
        Problematisch ists erst dann, wenn man die klassische Aufgabenverteilung hat UND die Frau zusätzlich Vollzeit arbeiten geht … dann ists eine eindeutige Schieflage.
        Aber wenn es für den Vater ernsthaft ein Problem ist, zwei Stunden mit den Kindern allein zu sein, ist das in beiden Fällen wirklich traurig!

        Der Film … tja. Ich steh eher auf subtilen Humor, den werd ich da wohl nicht finden …

    • Welche Rollenverteilung eine Familie hat, ist mir eigentlich ziemlich egal, was ich aber nicht verstehe, aus meiner ganz persönlichen Sicht, ist die finanzielle Abhängigkeit. Ich rede gar nicht unbedingt von Teilzeitstellen, sondern davon, dass man „kann, weil der Mann verdient ja genug“. Ich fühle mich auch immer wieder wie von einem anderen Planeten, weil ich es für mich ausgeschlossen habe, ohne Elterngeld/Gehalt oder irgendwas zu Hause zu bleiben. Weil es für mich ausgeschlossen ist, dass ich vom Geld meines Mannes lebe. Mein Geld ist mein Geld und sein Geld ist sein Geld. Wobei Kindererziehung natürlich durchaus honoriert werden darf – in unserem Fall dadurch, dass ich weniger Miete zahle. Aber wenn ich dann von meiner Müttergeneration höre, dass Frauen betteln müssen, damit sie neue Vorhänge bekommen oder Sachen heimlich extra in bar bezahlen, damit der Mann nichts davon mitbekommt – dann finde ich das immer ziemlich gruselig. Wenn ich mir von meinem Geld Unsinn kaufen will, dann möchte ich das tun, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Und mein Mann wiederum darf mit seinem Geld auch machen, was er will. Und schlussendlich sollte die Entscheidung, ob man als Paar zusammen bleibt oder nicht, auch nicht finanziell gesteuert sein.

  2. Ich bin jetzt in dem Alter in dem ich den schleichenden Prozess beobachte. Wie Freundinnen sagen „ja mei er arbeitet halt soooo viel, da kann er zuhause nichts machen“
    Und mir kommts hoch bei solchen Sätzen, weil ich mir denk: JA verfickt du arbeitest doch keine Stunde weniger, aber statt zum saufen zu gehen, hockst du abends da und machst die Wäsche“
    Ich glaub halt es ist einfach.
    Man geht dem Konflikt einfach aus dem Weg weil „ändern kann ich ihn eh nimmer“

    • Das denke ich auch oft, der faktische Zeiteinsatz an Arbeit ist mindestens der Gleiche. Nur dass eben das eine bezahlte Erwerbsarbeit ist und da liegt der Hase im Pfeffer. Ich frage mich immer, wenn man dann in diese Akzeptanzhaltung geht, funktioniert das überhaupt? Ich kann mir das nur als Dampfkessel vorstellen, der irgendwann hochgeht (oder nach innen implodiert und dir selbst schadet).

  3. Wenn ich mich so umschaue: Ich glaube, du triffst den Nagel auf den Kopf. Die traditionellen Rollenbilder machen es bequem (und nach sehr anstrengenden Tagen wünsche ich mir manchmal, still und heimlich, ich wäre auch gerne mit „Zahnarztfrau“ zufrieden – wie die Dame aus der Werbung).
    Ich fand es schockierend zu sehen, wie viele tolle Frauen in meinem Umfeld nach der Geburt des ersten Kindes in traditionelle Muster zurückfielen. Genau genommen schockiert es mich noch immer. Denn: Entweder merken sie das wirklich nicht oder sie reden es sich schön oder sie gehen irgendwo tief in sich davon aus, dass das „so muss“… Ich weiß es nicht.

    Aber ich hoffe auf einen stetigen Wechsel und darauf, dass wir mehr werden. Wobei ich glaube, dafür brauchen wir wirklich das Engagement und die Einmischung der Männer. Und das sehe ich noch viel seltener.

    • Absolut, ohne die Männer geht es nicht. Ich will ja die in meinem direkten Umfeld nicht zu viel loben, weil sie im Grunde nur das tun, was Frauen auch tun, nämlich Verantwortung übernehmen 🙂 – aber ich habe da kaum die anderen Exemplare drunter. Wobei ich auch fairerweise sagen muss, dass ich mich von solchen Bekanntschaften dann auch distanziere, weil es oft auf anderen Ebenen ebenfalls nicht stimmt.

    • Katrin sagt

      Sie reden es sich schön, und irgendwann explodiert der Dampfkessel. Dann landen die Damen in H4, die Kinder sind in unserem Umfeld meist gerade aus dem Haus. Aber das Streiten um die Balance kostet sehr viel Kraft, gerade auch wegen den liebgewonnenen männlichen Komfortzonen. Grüße aus der westdeutschen Peovinz 😉

  4. Ich hab noch keine Kinder, aber komme langsam in das Alter, wo um mich herum alle heiraten und es eben langsam losgeht mit den Babys. Und ich beobachte, wie Frauen, die jahrelang studiert und gearbeitet haben und die ich als „tough“ bezeichnen würde, plötzlich in irgendwelche seltsamen Rollenbilder entgleiten.

    Versteht mich nicht falsch, ich finde, es sollte jeder Ehefrau/Mutter sein, wie er will. Aber es ist auffallend, dass so viele es anscheinend auf die eine altmodische Art und Weise sein wollen. Ich frage mich, ob das an meinem Freundeskreis liegt? Vor allem, ob es eine Freundschaft weiter geben kann? Es verlieren sich doch auch irgendwann alle Gemeinsamkeiten, wenn jemand das Heimchen am Herd „spielen“ will?

    • Ich bin ja gerade das zweite Mal im ersten Babyjahr und die Antwort ist wahrscheinlich: Ich verstehe die Frauen eigentlich. Es ist eben sehr anstrengend (hier den alten Witz mit „Woanders foltern sie mit Schlafmangel.“ einfügen) und wenn sich dann die Möglichkeit bietet, denkt man, warum nicht. Es ist auch nicht schwarz-weiß, ich kenne Paare, die trotz klassischer Rollenverteilung sehr gleichberechtigt leben (wie Sophie im Kommentar unter dir), wo man sich trotzdem unterstützt oder sich die Unterstützung nach ein paar Jahren dreht und der Mann der Frau mehr ermöglicht (doch, doch). Also würde ich sagen, ja, für Freunde ist es schwierig. Aber einfach versuchen, ein offenes Ohr zu behalten, die Person ist ja nicht weg. Diesen vermeintlich einfacheren Weg auszuprobieren, kann verlockend sein und als Rechtfertigung vor sich selbst leben en paar die neue Rolle dann richtig aus. Und als Single hat man sich ja auch durch ein paar Lebenskonzepte gewunden.

      • Vielen Dank für den Ratschlag. Weil das unten immer wieder aufgegriffen wird: Ich bin „Heimchen am Herd“ sprachlich übers Ziel hinausgeschossen. Es tut mir ehrlich leid, ich wollte auf keinen Fall jemanden herabwürdigen oder Entscheidungen verurteilen. Ich wollte da eher meine persönlichen Erfahrungen beschreiben.

        In jedem Fall: Ich sehe es oft zu starr und ich hoffe, dass du recht hast und sich das dreht. Und in jedem Fall werde ich mich bemühen, weiter da zu sein für meine Freundinnen und sie zu unterstützen. Im besten Fall können wir ja für einander so eine Art „Treppchen“ sein, das einem den Blick auf andere Dinge ermöglicht und dafür sorgt, nicht starr und einsam den jeweils anderen nur zu kritisieren und zu verurteilen.

        • Hey Ana, ich „kenne“ dich ja ein bisschen über andere Kommentare und Social Media und habe das auch nicht so scharf gelesen (Danke für deine schönen Kommentare übrigens mal an dieser Stelle.) Trotzdem toll, dass du es nochmal aufgegriffen hast. War auch für mich eine Erinnerung, dass man eben sensibel mit Sprache umgehen sollte. Auch wenn ich der Meinung bin, dass ein Kommentar auch einfach mal so getippt werden darf und man sich die Worte dort nicht so überlegen muss wie in einem Text. Lieben Gruß!

  5. Ich beobachte solche Facebook-Dialoge auch immer mit weit aufgerissenen Augen. In meinem Umfeld gibt es kein einziges solches Paar. Selbst wenn die Rollenverteilung „traditionell“ ist, sind die Väter trotzdem sehr engagiert und durchaus in der Lage, abends aufs Baby aufzupassen, wenn die Mutter zum Sport gehen will (oder zum saufen ;)). Lebe ich in einer Blase? Scheint fast so. Oder sind solche Facebook-Dialoge wie oben von dir beschrieben nur Spaß? Ich möchte am liebsten letzteres glauben…

    • Das möchte ich auch gern glauben, dass es so ein halb-ironisches Abarbeiten an der eigenen Realität ist mit kleinen Übertreibungen. Obwohl dass ja auch nur heißen würde, dass es diese Realität eben gibt.

  6. Ganz deiner Meinung. Wobei ich fürchte, dass es ganz tief drin ist in (vielen) Frauen. Es gab da mal vor zehn Jahren (!) diesen wunderbaren Artikel von Iris Radisch, http://www.zeit.de/2006/12/Titel_2fMtter_12. „Elternschaft ist weiblich“.

    Und dann lese ich neulich das Porträt einer jungen Mutter bei den Mompreneurs, die sich (trotz Kindern!) selbständig gemacht hat, und ich freue mich für sie, bis ich auf ein paar Sätze stoße, mit denen sie ihren Mann lobt, der ihr diese Selbstverwirklichung ermöglicht, weil er auch mal das Kind in die Kita bringt und dahinter steht, dass seine Frau (trotz Kindern!) ein Business aufbaut, natürlich anfangs noch was ganz Kleines, und leben kann (und muss) sie ja zum Glück nicht davon. Und ich bin hin- und hergerissen zwischen Wut darüber, dass man etwas lobend erwähnen muss, das eine absolute Selbstverständlichkeit sein sollte und der darüber, dass sich Frauen oft selbst so klein machen. Nebenberuflich selbständig, Kleingewerbe, Kleinunternehmerregelung. Das alles machen fast nur Frauen. Und nicht nur, weil sie wenig Zeit haben wegen der Kinder.
    Seufz.

    • Oh ja, das ist bei mir auch so ein Sauerwerden-Thema. Auf der einen Seite freue ich mich über die vielen Mompreneurs und auf der anderen denke ich: „Mann, hier müssen sich Frauen ihren eigenen Arbeitsmarkt schaffen, weil wir es als Gesellschaft nicht hinkriegen.“ Und getauscht wird oft gegen (erstmal) sehr miese wirtschaftliche Perspektiven wie du ja auch schreibst.

      • Ja, zu beiden Kommentaren – mit schönen Grüßen aus der unter die Kleinunternehmerregelung fallende Schreibstube. Kein Urlaubsanspruch, keine bezahlten Krankheitstage, das ist sehr oft sehr blöd.

    • Kleinunternehmerin hier, und ich habe nie bereut, mich dafür entschieden zu haben. Es ist für mich weniger Arbeit (und damit weniger Stress), mich nicht auch noch um Vor- und Umsatzsteuer kümmern zu müssen, auch wenn ich damit sicherlich Geld „verschenke“, wie es so schön heißt, da meine Einnahmen fast ausschließlich umsatzsteuerbefreit sind (darum bin ich auch noch nicht aus der Regelung rausgefallen, obwohl meine Umsätze über den Grenzen liegen — eben die umsatzsteuerbefreiten Umsätze).

      Und ich persönlich würde gar nicht festangestellt arbeiten wollen, Kinder hin oder her. Mein Mann hingegen könnte sich nie vorstellen, selbstständig zu arbeiten.

      Kleinunternehmer hat also nicht zwingend was mit „kleinmachen“ zu tun, da können auch ganz praktische Überlegungen hinterstecken.

      Auf der anderen Seite kann ich deine Wut verstehen, wenn es als etwas Besonderes dargestellt wird, dass Mompreneurs sich trotz (!) Kindern selbstständig machen können / dürfen, weil ihr Mann sie gnädigerweise unterstützt. Während männliche Unternehmer es selten so herausstellen, dass ihre Frauen sie unterstützen (ohne die Unterstützung der Familie geht es in den meisten Fällen nämlich gar nicht!).

  7. Also ich kann mich Deiner Bewertung über den Film – auch ich habe nur den Trailer und Ausschnitte auf der Facebookseite gesehen – nur anschließen. Nicht einverstanden aber bin ich mit der doch sehr abwertenden Haltung gegenüber der klassischen Rollenverteilung, wie sie auch aus den Kommentaren deutlich wird. Meiner Meinung nach muss das jeder für sich entscheiden und es ärgert mich wirklich sehr, dass man sich für seine Entscheidung ständig rechtfertigen muss. Ich habe lange studiert und dann viele Jahre als Rechtsanwältin und Fachanwältin in einer Großkanzlei – 80 Stunden und mehr pro Woche – gearbeitet. Die Arbeit hat mir immer viel Freude gemacht und tut es noch immer. Und trotzdem habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, zwei Kinder zu bekommen und für jedes dieser Kinder zwei Jahre (!) (leider musste und muss ich mich dafür ständig rechtfertigen und wurde auch häufig gefragt, wann mein Urlaub denn vorbei sei und ich endlich wieder etwas sinnvolles mache) zu Hause zu bleiben. Das ging natürlich nur, weil mein Mann weiter vollzeit gearbeitet hat. Dass ich dann auch die klassischen Rollen im Haushalt übernommen habe, war für mich gar keine Frage. Für mich völlig selbstverständlich ist auch, dass ich nur noch Teilzeit (30 Stunden) arbeite. Denn ein Vollzeitjob würde – zumindest in meinem Job – dazu führen, dass ich die Kinder gar nicht mehr sehe. Und das möchte ich nicht. Das ist meine Entscheidung und dazu stehe ich. Ich würde mich aber wünschen, dass andere das einfach akzeptieren und mich nicht als altmodisch, unmodern, unterwürfig etc. abstempeln. Auch sehe ich hier kein Ungleichgewicht in der Beziehung. Ich glaube, wir Frauen hätten es sowohl im Job als auch in der Familie wesentlich einfacher, wenn wir uns nicht auch noch gegenseitig ständig kritisieren, sondern in unseren unterschiedlichen Lebensmodellen unterstützen würden.

    • Ich fand und finde die Diskussion hier eigentlich sehr respektvoll. Und die beruflichen Zustände, die du beschreibst sind natürlich einfach unhaltbar mit Kindern. Insofern gab es bei dir ja auch externe Faktoren, die deine Entscheidung begünstigt haben, oder? Sich gegenseitig unterstützen ist absolut notwendig, aber für Veränderungen, die allen helfen, müssen wir eben auch Zustände kritisieren, die Frauen wirtschaftliche Nachteile bescheren. Und wenn wir alle zurückstecken, muss sich in der Wirtschaft eben nichts ändern. Wir sind uns, glaube ich, auch näher als du denkst. Vielleicht interessiert dich dieser alte Text von mir. http://www.makellosmag.de/spoiler-babycontent-vereinbarkeit-und-persoenliches/.

      • Vielleicht bin ich über die Jahre auch etwas empfindlich geworden. Aber Kommentare, in denen gefragt wird, ob es mit einem „Heimchen am Herd“ noch Gemeinsamkeiten gibt (man verblödet doch nicht gleich, nur weil man sich dazu entscheidet, eine gewisse Zeit zu Hause zu bleiben), oder Aussagen, dass es eine Geduldsübung sei, keine Kritik an derartigen anderen Lebensweisen zu üben, finde ich nicht sehr respektvoll.

        Was ich aber eigentlich sagen wollte, ist, dass es doch egal sein müsste, ob meine beruflichen Umstände mit Kindern vereinbar waren oder nicht. Ich wünsche mir, dass derartige Entscheidungen akzeptiert werden, egal ob die Mutter vorher 20, 50 oder 100 Stunden die Woche gearbeitet hat.

        Danke für Deinen alten Text, der mir gut gefällt. Genau das meine ich. Kommt meiner Meinung nach nur hier nicht wirklich rüber…

        • Dann sind wir doch in einem Punkt anderer Meinung :-). Ich finde nämlich, dass viele Probleme aus unserem Wirtschaftssystem erwachsen, dass nur noch wenig Leben zulässt (nicht nur mit Kindern, auch wenn man Angehörige pflegen will oder als Single ein normales Sozialleben, soll es ja auch geben ) bzw. es sofort mit wirtschaftlichen Nachteilen (bitte keine Brüche im Lebenslauf, weniger Fortbildung in Teilzeit, weniger Aufstiegschancen, War da was mit Rente?) bestraft. Und hier müssen wir alle etwas machen, finde ich: Frauen wie Männer, Kinderlose und Eltern. Und wenn sich jede(r) eine private Lösung sucht, gibt es kaum Veränderungsdruck. Deshalb sollten wir schon über Arbeitsverhältnisse reden.

          • Natürlich! Das sehe ich auch so. Ich meinte nur, dass die Bewertung der Entscheidung einer Frau, zu Hause zu bleiben, nicht besser oder schlechter ausfallen sollte, nur weil sie vorher mehr oder weniger gearbeitet hat.

          • … ja, der Druck ist härter geworden, die Arbeitgeber lassen wenig Spielraum, denn theoretisch kann ich zur Pflege von Angehörigen auf Teilzeit wechseln. Das will nur kein Chef hören. Wirklich erbärmlich Zustände im reichen Deutschland!

  8. Mama mit drei Kindern sagt

    Ich habe ganz viele Mütter kennengelernt,die totunglücklich seit Jahren und Jahrzehnten sind ,weil sie sich wegen ihrer Männer nie selbstverwirklichen konnten und eher untergebuttert wurden.Es liegt aber auch an den Frauen selbst,sie selbst denken sich in so eine Rollenverteilung begeben zu müssen,dem ist aber nicht so.
    Ich sage immer“Du hast dir doch deinen Mann selbst ausgesucht“,wenn sie sie dann jammern ,das er nicht mal zwei Stunden abends auf die Kinder aufpassen kann.
    Auf mich wird neidisch herabgesehen,weil ich einen Mann an meiner Seite habe,der von anfang an Verantwortung übernommen hat,der auch als einziger Mann in den Kindergarten zur Elternversammlung gegangen ist,weil es ihm wichtig war.
    Ich habe Mütter kennengelernt,die zu Hause das Internet nicht benutzen dürfen,die nur Geld ausgeben dürfen,wenn der Mann es für richtig hält,wo Ehemänner alleine in den Urlaub fahren und Frau mit drei Kindern müssen zu Hause bleiben,wo die Frau eine dreiviertel Jahr ohne Wäschetrockner auskommen musste(bei drei kleinen Kindern),weil ihr Mann für einen neuen Wäschetrockner kein Geld rausrücken wollte.Ich hab Männer kennengelernt,die auch bei dem 3.Kind noch niee eine Windel auch nur angefasst haben…Und ich hab Ehen scheitern sehen,weil die Frau sich hat nie verwirklichen können.
    Ich hab nicht viel Emanzipation bei den Müttern gesehen,sie reden sich ihr Leben meistens schön…das ist es aber nicht!
    Der Neid und die Missgunst solcher Mütter auf mich,die alle Freiheiten und Privilegien geniessen kann,ist dann riesengross…ich wurde deswegen gedisst.Später hab ich mich von solchen Bekanntschaften distanziert,weil man doch nicht auf gleicher Ebene kommuniziert!

    • Kaum zu glauben, das sind ja Zustände wie in den 50ern. Ich will trotzdem nochmal sagen, was ich oben gesagt habe: klassische Rollenverteilung heißt trotzdem nicht zwangsläufig, dass das passiert. Ich kenne auch andere Fälle. Aber es gehört sicher auch eine gewisse menschliche – mhm – Haltung dazu bei großer wirtschaftlicher Ungleichheit zwischen den Partnern (Ich bringe das Geld nach Hause.) trotzdem eine gleichberechtigte Partnerschaft zu wollen und zu leben.

      • Mama mit drei Kindern sagt

        Richtig,genauso sehe ich das auch.Es muss nicht zwangsläufig sein,das es solche Lebensumstände gibt…es geht auch gleichberechtigter!

  9. Andrea sagt

    Manchmal hab ich das Gefühl es gibt hauptsächlich zwei Gruppen Mütter:

    Diejenigen die sich anpassen und den Mann irgendwann lassen „weil es halt so ist“ und die Alleinerziehenden. ;o)
    Klar, es gibt auch Paare da ist es wirklich Gleichberechtigt.
    Ich höre davon über ein paar Ecken oder lese es hier in den Kommentaren.

    Kennen tu ich überlastete Frauen in „intakten“ Familien und überlastete Alleinerziehende mit und ohne freie Wochenenden.

    Mein Mann und ich hatten vereinbart dass nach der Elternzeit beide Teilzeit arbeiten…leider nicht schriftlich. Ich wollte trotzdem dass wir uns daran halten….ich bin alleinerziehend.

    • Guck mal, und ich kenne im analogen Leben ausschließlich Familien, in denen Mann und Frau partnerschaftlich zusammenarbeiten und sich unterstützen. Klar klappt das mal mehr und mal weniger gut, aber das Grundprinzip bleibt.

      Ist sicher eine Frage des Umfelds (und vielleicht auch Stadt/Land?).

  10. danke für den text. ich denke öfter über diese kleinen kommentare (nicht auf fb, sondern im alltag) nach, die ein narrativ einer emanzipierten mutter aus den 50er fortführt. also, natürlich will man auch seine kleinen fluchten und augenrollen und zwinkersmiley. diese gespräche tragen dazu bei, dass eine schiefe und ungleiche haltung in heterobeziehungen als normalzustand fortgeführt wird, fürchte ich. es gibt die rollen UND es gibt eine gesellschaftlich anerkannte art und weise, wie man sich darüber beschwert. und so wird das dann zum teil unserer gesellschaftlichen realität, die es halt zu ertragen gilt. so filme unterstützen genau das. sie zeigen keine andere möglichkeit eines lebensentwurfes auf, sondern die rebellion gegen bestehendes mit den zur verfügungstehenden altbekannten mitteln (einmal einen trinken gehen, einmal guten sex haben etc). bad moms – da würde ich mir einen film wünschen von müttern, die protestmärsche ins parlament organisieren und sich nicht mehr abwimmeln lassen. bad .. nämlich nicht für die kinder, sondern für ein konservatives, misgynes gesellschaftskonzept.

  11. Ich finde, das ist ein sehr schwieriges Thema, das unglaublich viele Facetten hat. Oberflächlich gesehen, stecke ich wohl auch gerade in einem sehr klassischen Rollenbild: Mann arbeitet, ich auch nach über einem Jahr noch mit Kind zu Hause. Mann geht einmal die Woche zum Fußball, trifft sich ab und an abends mit Kumpels. Ich war in diesem Jahr ein Mal abends mit ehemaligen Kolleginnen etwas trinken und nun ein Mal übers Wochenende weg. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich jetzt plötzlich ein Heimchen am Herd wäre. Das hat unglaublich viele Gründe: Ich bin arbeitssuchend (daher sowieso zu Hause) und ohne Arbeit bekomme ich keine Kita – Teufelskreis. Meine wichtigsten Freundinnen sind weggezogen, daher könnte ich jetzt auch nicht mehr wöchentlich ins Kino gehen, so wie früher – oder haben gerade einfach einen komplett anderen Lebensstil. Und dass wir die Elternzeit nicht 50/50 aufgeteilt haben, hat auch finanzielle Gründe. Und, ja, ich bin gerade auch gerne zu Hause bei meinem Kind anstatt im Büro. Aber ich bin vielleicht ein „Heimchen“, aber ganz sicher nicht am Herd, sondern ich arbeite trotzdem den ganzen Tag. Andere Frauen verbringen jede freie Minute mit Hausarbeit, die verstehe ich auch nicht. Ja, aber, mei, wenn man halt keine anderen Hobbys hat? Nicht jeder Mensch hat große Ambitionen. Das ist zwar für viele schwer zu verstehen, aber andere können sicher auch nicht nachvollziehen, wie ich jeden Mittagsschlaf und jeden Abend damit verbringe, ein Magazin zusammen zu stellen, das mir keinen Cent einbringt.
    Ich möchte auch Frauen nicht verurteilen, die Konflikten mit dem Partner aus dem Weg gehen. Ich kann für mich sagen, dass ich schon mehr als genug Stress habe und den ein oder anderen zusätzlichen Konflikt auch lieber vermeide.
    (Mich macht es allerdings auch rasend, wenn man „Arbeit“ mit „Geld verdienen“ gleichsetzt.)

  12. Also ich hab nur einen Trailer gesehen und beschlossen, dass ich den Film sehen muss 🙂 Allerdings sehe ich das nicht so eng mit dem Ausgehen und kann auch warten bis er im TV kommt. Dauert ja mittlerweile auch keine 5 Jahre mehr 😉
    Mein Mann kommt zwar unterdessen mit den beiden Rackern abends einigermassen klar (je nach beidseitiger Tagesverfassung mehr oder weniger) und es nervte mich durchaus, dass das nicht immer reibungslos verlief, andererseits aber ist er die arme Sau, die tagsüber schuftet und abends oder am Weekend nimmt sich die Frau auch noch 2-3x das Recht heraus, in den SPORT zu gehen, also reines leisure, Selbstverwirklichung und so. Dabei habe ich fast vergessen, dass ich fast 6 Jahre lang keinen einzigen Abend das Haus verlassen habe. Aber ich muss auch ehrlich sein: ich wollte es so, für mich hat es gepasst, ich bin heute vlt schneller mal ungeduldig, wenn ich es abends nicht zum Training schaffe weil ich eben weiss, dass es klappen KANN (nennt man das verwöhnt?), aber, nun ja, ich schätze ich bin glücklicher als mein Mann, der sich gar nicht erst traut, uns für Sport am Weekend allein zu lassen weil er doch schon tagsüber unter der Woche immer weg ist. Daran arbeiten wir noch!

  13. Ui, so viele Kommentare, na, dann will ich als kinderlose ü40 auch noch etwas dazu sagen. Ganz ehrlich, ich komme manchmal aus dem kopfschütteln nicht raus, wenn ich manche Mütter erlebe und wenn dann solche Film-Titel rauskommen, im 21. Jahrhundert. Kaum zu ertragen! Klar, jeder soll das Lebensmodell leben, dass er möchte. Trotzdem, dann will ich später auch kein Jammern hören – nach Trennung oder weil die Frauen-Rente gleich null ist. Einfach mal Nein sagen, dem Kerl ‚was zutrauen, ihn in die Elternzeit schicken und die eigene Karriere pushen.

  14. uch frage mich derzeit, was mit unserem Bild vom Erwachsen-sein los ist. es kommt mir so vor, als wären wir die erste Generation, der keiner das Alter ansieht. Unsere Eltern sind noch ne Weile am Hebel in Politik und Vorständen und unser Jahrgang glänzt medial durch PokémonGo…

    kann es sein, dass die Frauen, die derartige fb-Dialoge führen ein erwachsen-sein leben, das von unserer Müttergeneration gut geheißen wird?

    wenn du durch das Mutter-werden mit einem Schlag die dazugehörige Belastung erfährst, welchen Struckmustern folgst Du? welche Konflikte trägst Du aus? an welchem Rollenbilder orientierst Du Dich?

    wie handeln gute Mütter in Filmen?

    und wenn Du qua Social Media filterlos mit den Auswirkungen der Partnerlosigkeit auf Dich und Deine Kinder konfrontiert wirst, gehst Du dann, weil er weniger im Haushalt macht?

    Mädels: es nützt nichts, intellektuell vom Glück zu träumen, wenn es nicht in der Realität verankert ist. Kinder verbinden uns mit dem Jetzt. das zählt. ich bin jetzt müde.

    und wenn „Mutterbild-konformes“ Verhalten zu Anerkennung bei Oma und Opa führt, wie wählst Du?

    die Emanzipation kann nicht alle Köpfe verändern. manchmal muss sie warten, bis eine Generation nicht mehr existiert. manchmal wird sie durch Nostalgie zurückgeworfen. und manchmal ist es einfach zu anstrengend, allein gegen Windmühlen zu kämpfen (oder wie nenn ich das besser, wenn Freund*innen weggebrochen sind und als Halt nur Mann (ich sichere meinen Status Quo), Mutter (du warst schon immer nicht die Ordentlichste) und SchwieMu (was? Du bügelst nicht? aber er braucht doch gebügelte Hemden!??) übrigbleiben?

    verankert die Gedanken in der Realität und nicht im Ideal! der nächste Schritt heißt nicht „oh, die armen werden wahres Glück wegen der klassischen Rollenverteilung nie erfahren“ sondern „wer produziert uns einen ‚Bad Moms‘ Film, der seinen Namen auch verdient“?

    Minusch

  15. Pingback: 2016 – in Euren Worten – juna im netz

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