Schnipsel vom Elternsein: Macht das irgendwann Spaß?

Gestern wurde ich Zeugin folgenden Gesprächs in der Kaffeeküche (Gedächtnisprotokoll). Mann I: „Ich war auch nicht geschaffen für die Zeit von 0 bis 5. Bin aber dabei geblieben auch wenn’s hart war. Machen ja viele andere nicht. Jetzt ist’s einfacher. Ich glaube nicht, dass Männer dafür geschaffen sind, mit Babies & Kleinkindern umzugehen. Mag sexistisch klingen, ist aber so.“ Mann II (vermutlich frischerer Vater): „Hm.“

Das Mithören dieser Unterhaltung hat mich nachdenklich gemacht. Nicht darüber, ob das nun die neuen Väter sind oder ob ich es gut oder schlecht finde, wenn in konservativen Branchen wie meiner Männer das Wort Sexismus kennen. Nein, mir ist klar geworden, dass ich offensichtlich ein Typ mit Brüsten bin. So richtig gemacht für die Zeit zwischen 0 und 2 war ich nämlich auch nicht. Da drängte sich schon das eine oder andere Mal die Frage auf: Muss das so? So anstrengend, kräftezehrend, nervenzerreißend? Macht das irgendwann nochmal Spaß? So, da habe ich es gesagt. Einmal für alle von uns. Jetzt können wir tief ausatmen in dem Wissen, dass wir alle trotzdem tolle Mütter & Väter sind, die ihre Kinder lieben.

Ich weiß, einigen kribbelt es jetzt in den Kommentarfingern. Weil Spaß die falsche Kategorie ist, die völlig falsche Grundvorstellung. So kann man an die Sache nicht herangehen. Hat schließlich keiner gesagt, dass das Leben leicht wird. Alles harte Arbeit. Und dass die Suche nach Unendlichem Spaß ins Verderben führt, hat schon David Foster Wallace auf gefühlten 1000 Seiten ausgebreitet.

Nun fände ich es aber ein ziemliches freudloses Dasein – in sämtlichen Belangen – wenn man sich mit der traurigen Spaßlosigkeit der nichtveränderbaren Gegebenheiten arrangieren würde. Und die gute Nachricht ist ja: kleine Kinder werden größer & der Spaß nimmt tatsächlich zu. Um dann im Teenageralter jäh wieder abzubrechen, wenn man Schilderungen anderer bereits weiter erfahrener Eltern glaubt. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit. Genug, um meine Spaßgedanken zu lesen.

Warnhinweis: Ich bin keine Ärztin, Pädagogin oder Expertin und nur marginale Konsumentin von Erziehungsratgebern, da sie mich in Summe nur ängstlicher & neurotischer machen. Meine einzige Qualifikation ist mein Kind, mit dem ich erfolgreich durch Babyland gestoplert bin, um nun mit nur minimalen Blessuren in Kleinkindreich angekommen zu sein. Wir sind beide ziemlich glückliche Menschen & haben eine Menge Spaß. 

So sehr man es sich auch wünscht, Kinder werden nicht ab einem magischen Alter oder Entwicklungsschritt auf einmal zu kleinen Spaßbolzen. Wir werden es. Mutter sein verändert die eigene Identität. Punkt. Es geht gar nicht anders, ich kenne niemanden, wo sich die alte Persönlichkeit 100% unter dem Eindruck von Schlafmangel & neuer Über-Verantwortung & Verpflichtung halten konnte. Das ist gut so. Das alte Ich hätte sich zum einen vermutlich auch verändert, wenn man sich für einen neuen Job oder die Aufzucht einer Schafsherde im chilenischen Hinterland entschieden hätte. Außerdem sorgt diese neue verantwortungsvolle Person dafür, dass es dem Baby gut geht. Ein bisschen von dem Vorher wiederzufinden klappt trotzdem irgendwann bei so ziemlich jedem – wenn man Eis zum Abendessen isst, die Spielzeugtürme einfach später wegräumt & sein Kind wieder mit Neugier anguckt & nicht mit genervtem Blick, was nun schon wieder sein könnte.

Wenn man keinen Spaß mit seinen Kindern hat, ist man vielleicht nur ein wenig aus der Übung. Zumindest ging es mir so. Zum einen ist ein Baby zu haben ja eine ernste Sache, die man selbst sehr ernst nimmt & auch ernster genommen werden sollte als ein Single- oder Paarleben. (Es ist durchaus von Vorteil ein annehmbares Dach über dem Kopf, einige finanzielle Mittel & eine angemessene Nahrungsbasis vorzuhalten.) Zum anderen wurde einem vor dem Kind sein ganzes Erwachsenenleben lang beigebracht, den Spaß auszuschließen, um noch reifer, verantwortungsbewusster & überhaupt erfolgreicher zu werden. Spaßfrei zu sein wird gesellschaftlich unterstützt & erwartet. Es ist also nicht unsere Schuld, wenn es nicht unser erster Impuls ist, die Wände mit Kuchenglasur zu beschmieren. Und es vielleicht ein bisschen Zeit braucht, bis man wieder in den Kinderspielmodus findet, den man selbst vor einiger Zeit verlassen hat. Ging mir zumindest so.

Noch so eine Sache, die man im Erwachsenenleben einübt, ist das Bewerten in den Kategorien von richtig und falsch. Mit einem Kind einen Fehler zu machen, scheint nun ein noch viel größeres & weltbewegenderes Falsch zu sein, als sich in der Konferenz unkorrekt zum Business Plan zu äußern. Um sich selbst nicht verrückt zu machen, hat mir die Verinnerlichung folgender Punkte geholfen: 1) Du wirst Fehler machen. 2) Die richtig peinlichen werden immer vor Publikum passieren. 3) Verliere trotzdem nicht das Vertrauen in dich selbst. Kinder brauchen Liebe, Essen und Schlaf. Wie Eltern auch.

Am liebsten hätte ich den Text jetzt noch mit einer gut klickbaren Liste à la „20 spaßige Dinge, die sie mit ihrem Kind machen können“ beendet. Sowas wie Üben sie Überschläge auf dem Bett!, Stellen sie alle Möbel zur Seite, drehen die Musik laut auf & tanzen sie, bis einer umfällt! oder Überlassen Sie es mal ihrem Kind, ihr Make-up am Morgen zu machen! (Ja, diesen Tipp gibt es wirklich.) Ich habe aber keine Liste (Vielleicht traut sich ja jemand in den Kommentaren?) sondern nur mein Gefühl. Und meinen eigenen kleinen Versuch, seit ich Mutter bin, dem scheinbar genetischen Impuls zu widerstehen, anderen Eltern Ratschläge zu geben. Mit Spaß ist es nämlich erstaunlicherweise wie mit einem gut erzogenen Kind. Er bedeutet für alle etwas anderes.

Foto: flickr – rick – CC by 2.0

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