Job & Vereinbarkeit, Leben & Lesen
Kommentare 1

Die Niveafrau & ich: Es ist Zeit für eine kritische Selbsteinschätzung

Ich bin gerade über eine alte Werbung gestolpert & habe nun große, große Schuldgefühle. Euch kann ich es ja sagen. Bis vor 20 Minuten dachte ich, ich mache das eigentlich alles ganz gut: Arbeit, Kind & das bisschen Haushalt. Dann trat die Niveafrau in mein Leben. Seitdem hat sich – frei nach Erich Kästner – der böse Zwerg Selbstzweifel an mein Bett gesetzt. Dass die Niveafrau um Längen besser aussieht als ich – damit hätte ich umgehen können. Eine kritische Medienanalyse, die mittlerweile auch BILD und BUNTE erreicht hat, hat für uns schließlich alle Photoshoplügen entlarvt. Aber die Niveafrau kann so viel mehr als gut aussehen. Sie ist das Perpetuum mobile, das letzte Einhorn.

Aber der Reihe nach: Die Niveafrau hat, das fällt dem aufmerksamen Zuschauer sofort auf, eine picobello blitze-blanke Wohnung. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu mir – die Zimmerpflanzen leben noch. Selbst das Kind der Niveafrau hinterlässt keine bleibenden Spuren außer die pittoresk arrangierten Spielzeuge Ziehlöwe und Holzauto. Auch wenn die Niveafrau, wie wir bald erfahren werden, mitten im pulsierenden Leben steht, hat sie es geschafft ihr Kind von digitalem Plastikkram fernzuhalten. Bei der Niveafrau – ja, da können wir uns sicher sein – gibt es keinen Kampf ums Fernsehgucken. Als die Lichtgestalt dann nach Hause kommt offenbart sich das ganze Ausmaß der Tragödie: Die Niveaufrau war bereits einkaufen (auf hohen Schuhen im Businessoutfit), nur gesunde Sachen (Grünzeug hängt aus der Tüte). Und sogar an den Einkaufsbeutel hat sie gedacht, über diesem hängt das Täschchen fürs Büro. Während mir angesichts dieses Tsunamis an Perfektion die Tränen in die Augen steigen, trägt die Niveafrau ihr 15kg Kind wie eine Feder und telefoniert lächelnd. Wahrscheinlich mit der Mutter des Niveamannes, weil er immer keine Zeit findet, sie anzurufen. Diesen küsst sie beim Eintreffen lächelnd alle Tagesprobleme weg um sich dann, die Haare schwungvoll zurückwerfend, neben ihm auf der Couch niederzulassen. Die Niveafrau bleibt auch beim Zerstören ihrer blitzeblanken Wohnung durch den alles von sich schmeißenden und schweißenden (sorry, das Wortspiel musste sein) Mann zen-artig cool. Der Niveamann hat sogar die Schuhe angelassen! Bei mir gäbe es dafür Nächstes-Mal-alleine-wischen – und zwar lebenslang und ohne Bewährung.

Aber halt…da fällt es mir auf…der Niveaumann kam VOR der Niveafrau und dem Niveakind nach Hause! Und es war noch hell!

Diese Tatsache gepaart mit der unglaublichen Ausgeglichenheit der beiden lassen nur einen Schluss zu: Niveafrau und Niveamann leben bereits das 32h Modell unserer Familienministerin. Eine wahre Kämpferin für Gleichberechtigung & gerechte Verteilung der häuslichen Pflichten ist sie! Ein Hoch auf Nivea für diesen mutigen Kommentar zur Debatte um die arbeitende Mutter!

Und ich… muss jetzt leider los…Deo kaufen.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on TumblrEmail this to someoneShare on Google+

1 Kommentare

  1. Wow, da haben wir es wohl mit Frau Superwoman in spe zu tun. Perfekte Wohnung, perfektes Kind, perfekte Karriere, perfekte Ehe, perfektes Aussehen – Fräulein Alleskönner schafft alles mit links und riecht dabei auch noch wie eine frische Frühlingsbrise. 🙂
    Ich gehe jetzt auch Deo kaufen, vielleicht fällt dann auch ein Teil von diesen Zauber auf mich herab. Zumindest rieche ich dann nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht nach den schweißtreibenden Stunden, die ich hinter mir habe, sondern kann zumindest die Illusion erzeugen dass mir auch alles so einfach von der Hand geht wie der Niveafrau. Werbetrick zeigt Wirkung. 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.