Neueste Artikel

#1 Ich schreibe ein Buch und nehme euch mit – Unbeschrieben-Podcast

Mich kann man jetzt auch hören. Denn – Trommelwirbel – die erste Folge meines Podcast ist da. Ich erzähle von meinem Jahr und es gibt eine Neuigkeit zu erfahren. Um diese Neuigkeit wird sich in Zukunft alles drehen im Unbeschrieben-Podcast. Seid also gespannt.

Viel Spaß beim Hören, ich freue mich auf eure Kommentare,

Eure Corinne

Podcast-Feed ::: iTunes ::: Soundcloud::: Download

***

Intromusik: Neon Bicycles – Hard Times/ Mittelteil: Talk Less Say More – England Without Rain (CC-by-NC)

Beitragsfoto: flickr – Ana C. – CC by 2.0

Von Affen, Menschen und warum wir alle Liebe brauchen

Ich möchte schon seit vielen Stunden etwas Kluges schreiben. Ich schiebe eine Menge Ideen hin und her, aber es will nicht richtig etwas werden. Stattdessen denke ich auf einmal ständig an Harrys Affen, die mir vor Jahren in einer Psychologieeinführungsveranstaltung begegnet sind. Ich habe es eigentlich schon aufgegeben mit den Gedanken in meinem Kopf, bis ich diesen Text lese. Genauer gesagt, lese ich den Text und einen Kommentar dazu auf Twitter. Dort schreibt jemand, wer mit Emotionen die US-Wahl kommentiert, ist hypersensibel, wenn nicht gar hysterisch und hat die ganze Sache nicht verstanden (Demokratie halt). Die Überheblichkeit macht es mir klar. Plötzlich weiß ich, wieso ich an die Affen denke. Und warum ich eigentlich nicht darüber schreiben wollte und gewartet habe, dass noch eine sehr intelligente Analyse in meinem Kopf entsteht. Mir waren Emotionen auch im ersten Impuls zu wenig. Aber das sollten Gefühl nie sein. Deshalb erzähle ich jetzt von den Affen.

Irgendwann in den 1930er Jahren fing Harry Harlow an, Experimente mit Affenbabies zu machen, indem er ihnen mit Absicht Liebe entzog. Es läuft mir immer kalt den Rücken runter, wenn ich überlege, wie er die kleinen Affen ihren Müttern wegnimmt, um sie in einen kalten Raum (vermutlich mit Betonwänden) zu bringen. Es hat eine verzweifelte Traurigkeit, wie er den Affen nach und nach Attrappen als Ersatzmütter (oder Väter oder Ersatzbezugspersonen) anbot. „Sag mir, kleines Baby, welche Mutter magst du lieber? Die aus Draht oder die, die noch mit einem weichen Handtuch umwickelt ist?“ – „Oh, du magst die lieber, an die du dich kuscheln kannst, obwohl die andere dir Milch geben würde…“ Wie man 30 Jahre Forschung braucht, um herauszufinden, dass Lebewesen andere Lebewesen, Berührungen und Nähe brauchen, ist mir ein Rätsel. An eines der herzzerreißendsten Details erinnere ich mich so. Wenn man die kuschelige Attrappe in einem Raum voller neuer Eindrücke stelle, fingen die Babys an, sich diesen neuen Gegenständen zu nähern. Weil sie sich immer wieder in den Schutz der Mutter zurückziehen konnten. Wenn man die Attrappe entfernte, waren sie sofort von der neuen Situation überwältigt und machten nichts mehr außer verzweifelt auf dem Boden hin und her zu rutschen, zusammengekauert wie kleine Fellbündel.

Ich dachte an die Affen, weil mich ihre Geschichte an eines erinnert: Dass wir alle, tief in unserem Inneren, nur eines brauchen. Und dieses Eine braucht so wenig. Unter all diesen Wünschen nach größeren Häusern und erfolgreicheren Karrieren, wollen wir alle nur ein bisschen Liebe, ein bisschen Anerkennung und echte Nähe. Wenn wir sie bekommen – von unseren Eltern, Partnern, Freunden und Freundinnen, Vorgesetzten, oder einfach nur eine Gruppe von Menschen, die uns nahestehen, dann umklammern wir sie, wollen mehr, genießen sie mehr und leben mehr. Wenn sie uns versagt bleibt, weil wir vernachlässigt werden oder isoliert sind, gerät alles durcheinander.

Es ist Freitag. Bei den Meisten von uns liegt vermutlich eine anstrengende Woche hinter uns. Vielleicht versuchen wir trotzdem morgen ein klein wenig mehr zu lieben. Keine Drahtmutter zu sein, die nur das Nötigste gibt und keine flauschige Attrappe, die auch nur Zuwendung verteilt, wenn jemand ausdrücklich danach verlangt. Schauen wir mal, was passiert, wenn wir aktiv unsere Nähe anbieten. Eine extralange Umarmung, eine aufrichtige Nachfrage, eine Überraschung, ein Kuss. Was passiert wohl, wenn sich jemand einer Unterstützung, einer liebevollen Nähe sicher sein kann? Wenn wir als Menschen eigentlich wissen, was wir brauchen, was wir wollen, sollte es uns nicht peinlich sein, es zu bekommen und zu geben. Oder darüber zu schreiben.

***

Geliebt zu werden macht uns stark.
Zu lieben macht uns mutig.

Laotse

***

Foto: flickr – John Lambert Pearson – CC by 2.0

Traumkörper

Morgens – ganz kurz nachdem sie die Augen aufgeschlagen hat – erzählt mir meine Tochter manchmal, was sie geträumt hat. Es passiert nicht jeden Tag. Ich verpasse den Moment oft, weil sie von selbst wach geworden und aufgestanden ist. Aber wenn ich das Kinderzimmer früh genug erreiche, kann ich zusehen, wie sie wach wird. Und dann, halb noch im Schlaf, fängt sie an zu blinzeln und zu lächeln und erzählt, was sie in der Nacht erlebt hat. „Ich habe von meinem Traumkörper geträumt.“ sagte sie heute und vor Verwunderung konnte ich zunächst gar nichts erwidern. „Woher hat sie denn dieses Wort?“ war mein erster Gedanke. Aber da hatte sie schon weitergesprochen: „Mein Traumkörper, Mama, konnte unter Wasser atmen. Ich bin geschwommen und  getaucht und es hat funktioniert.“

***

Die Fitnessinstagramerin präsentiert ihre Bauchmuskeln und schreibt darunter: „Wenn du dich motivieren willst, stell dir einfach deinen Traumkörper vor. #determination“

Traumkörper. Was ist das eigentlich für eine Idee in diesem Wort? Gleichzeitig verführerisch und irgendwie lächerlich zugleich. Die Verbindung aus einem nicht greifbaren, vagen Konzept wie Traum mit etwas, das kaum präsenter im Hier und Jetzt, kaum physischer sein könnte, als unser Körper.

Keine Entschlossenheit dieser Welt, denke ich bei mir, wird den Wunsch meiner Tochter ohne Hilfsmittel unter Wasser atmen zu können, erfüllen. Ist der Blick auf die Bauchmuskeln und Beine der Instagramerin nicht das Gleiche? Kein Sportprogramm der Welt wird 1,60 m Frauen in 1,75 m verlängern. Ihre Beine können vielleicht schlanker oder muskulöser werden aber so werden sie nie aussehen. Und egal, was dein Fitnessstudio sagt, meine Sportmedizinerfreundin sagt, der eigene Grundkörperbau lässt sich nicht wirklich ändern.

Natürlich kann sich ein Körper verändern. Das tut er schon von sich aus mit der Zeit. Die Vorstellung, dass wir alle lebenslang nur nach einem einzigen Körper streben sollen, scheint doch eigentlich grotesk. Wo wir doch wissen, mit wie vielen verschiedenen Körpern wir bereits durchs Leben gegangen sind – als wir Mädchen waren, als wir mehr Sport gemacht haben, als wir schwanger waren.

Natürlich können wir stärker und schneller werden, nicht mehr außer Atem kommen, wenn wir dem Bus nachlaufen oder in den 5. Stock sprinten. Aber es ist so individuell, was man von seinem Körper gern hätte, was er zu leisten bereit ist. Egal, wie viel Gemeinschaft uns Motivationsbilder suggerieren. Am Ende ist es ein einsamer Weg, diesen eigenen Körper kennenzulernen. Deshalb ist ein Traumkörper vermutlich genau das, wovon meine Tochter erzählte. Etwas Magisches, Faszinierendes –  aber selten Reales. Und etwas zutiefst Individuelles.

***

Wir Erwachsenen träumen von ihm allerdings in anderen Dimensionen. Da ist die Schönheitsdimension, aber da ist auch die Effizienzdimension, überlegte ich heute den Tag über. Eine gut geölte Maschine soll er sein, unser Körper – möglichst fehlerfrei, geschmeidig und leistungsstark. So, dass er vorhersehbar und mit Sicherheit seine Arbeit tut. Ich mag den schönen Körper der Instagramerin wegwischen können, aber irgendwie träume ich trotzdem von   so einem, denke ich bei mir. Von einem, der nicht ernsthaft krank wird, der ohne Probleme altert, der mir mit seiner Körperlichkeit keine Steine in den Weg legt, wenn es um meine Pläne geht.

Das ist ein Körper, den ich kontrollieren will oder der sich selbst ordentlich kontrolliert. Auch das hat etwas mit Disziplin zu tun. Mit einer utopischen Idee. Und feiern wir so nicht auch, was der Körper tun könnte und nicht das, was er einfach ist? Am Ende ist wahrscheinlich nur eines sicher: Wir sind keine Maschinen. Ganz egal, wie nah uns Marathonläufe und Einheiten im Fitnessstudio an diese Idee heranführen. Wir sind verletzlich. Und unser Körper ist es auch. Ein Traum von ihm ist dann genau das. Ein Zustand, der nur in einem flüchtigen Moment entsteht. Kein Normalzustand. Ein Extrem irgendwie. Es hat nur einen kleinen Kindertraum gebraucht für diese Erkenntnis.

Foto: flickr – Jared Tarbell – CC by 2.0

Ein bisschen Podcastliebe

Podcasts sind großartig. Ich habe sie entdeckt, als ich dem ersten Kind stundenlang zum Einschlafen die Hand hielt und musste ein zweites bekommen, um mein abendliches Hören weiter zu rechtfertigen. Nachdem das erste Kind irgendwann wie aus dem Nichts beschloss, dass es groß sei und mich nicht mehr brauche. (Nicht erst seit diesem Erlebnis weiß ich, dass Erziehung eine Illusion von nervigen perfekten Babykindkurs-Müttern ist. Kinder machen alles irgendwann, nur nicht in meinem Tempo.)

Der Plan mit dem zweiten Kind ging übrigens nur bedingt auf, denn es schlief von Anfang an unglaublich gut. Freundlicherweise hat es sich aber das Zahnen bis jetzt aufgehoben, so dass es nachts ganz viel wach ist, allerdings relativ friedlich. Es lässt sich gemächlich Dauerstillen und greift ständig nach dem Kopfhörer in meinem Ohr, was drei Dinge zur Folge hat.

  1. Mein Osteopath verdient wieder ordentlich an mir, denn ich vollführe jede Nacht eine lustige Verrenkung, die das Liegendstillen erlaubt, aber dem Baby den Blick auf meinen Kopfhörer verwehrt.
  2. Da das Kind den entgangenen Nachtschlaf tagsüber aufholen muss, hat es wieder die Dauerposition in der Trage eingenommen, so dass ich nicht nur nachts Podcasts hören kann, sondern auch tagsüber. Während ich in der Wohnung für die Olympiameisterschaften im Gehen trainiere.
  3. Der Schlafmangel, mein alter, lieb gewonnener und überhaupt nicht vermisster Freund, ist wieder da (Erwähnte ich, dass ich nachts ewig wach bin, wenn ich einmal wach bin?). Aber während ich beim ersten Kind mit Gedächtnislücken zu kämpfen hatte und beim Reden ständig abschweifte, geht es dieses Mal. Was wollte ich nochmal schreiben?

Ach ja, Podcasts. Meine bereits ordentlich lange Liste reichte nicht mehr aus. Auf Twitter habe ich schon immer mal Podcasts empfohlen, deshalb hier kurz der Hinweis auf zwei alte Lieblinge: Lila-Podcast (Feminismus in schön) und  Reptile Podcast (zwei Freundinnen reden, so toll).

Und hier die Neuentdeckungen:

Millenial – Dieses Gefühl, dass das Leben nach der Uni endlich los geht und die Welt trotzdem nicht auf dich gewartet hat (und besonders nicht darauf, dass du deine Träume verwirklichst). Hier begleitet man Megan Tan durch ihre 20er. Die 1. Staffel  fand ich super, weil man mit Megan wirklich in Illusion der Echtzeit bei Allem dabei ist (Wiedereinzug bei den Eltern, Bewerbungsgespräche …). Staffel 2 finde ich nicht mehr so spannend, weil sich die Geschichte  zunehmend von ihr entfernt. Empfohlen hatte ihn mir die Groschenphilosophin. Danke dafür!

Feuer und Brot – Alice und Maxi, wieder zwei beste Freundinnen aus Kindertagen reden sich einmal quer durch aktuelle Themen und die Popkultur – immer mit feministischen Untertönen, gut recherchiert und sehr angenehm anzuhören. Was auch daran liegen mag, dass eine von Beiden auch als Synchronsprecherin arbeitet.

Die absolute Riesenempfehlung ist The Black Tapes Podcast. Vielleicht liegt es daran, dass eigentlich #Horrorctober ist und ich dieses Jahr nicht mitmache (letztes Jahr schon) oder daran, dass ich immer dachte „Hörspiel-Podcasts“ sind nichts für mich und nun eines Besseren belehrt wurde. Es ist auf jeden Fall einfach nur großartig, wie Alex Reagan, Reporterin bei Pacific North West Stories, sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Black Tapes macht. Das sind Videokassetten, die paranormale Ereignisse zeigen sollen. Aufbewahrt von Dr. Richard Strand, dem Gründer des Strand Institute, das jedem 1 Million Dollar verspricht, der den Beweis für paranormale Ereignisse erbringt. Das Ganze ist nicht nur spannend, ein bisschen gruselig und vielschichtig. Es ist auch super produziert und toll begleitet (es gibt z.B. Twitteraccounts und Webseiten zu allen Details). The Black Tapes lässt bewusst offen, ob die Geschichte real ist. Ich kann einem Rezensenten auf iTunes nur zustimmen: „Wenn man hier reingehört hat, weiß man, wieso die Leute vor den Radiogeräten 1938 bei der Hörspielversion von Krieg der Welten tatsächlich dachten, dass uns Aliens angreifen.

Kurzum, es ist toll, es macht süchtig. Um die beiden Staffeln wie ich in einer guten Woche durchzuhören, müsst ihr euch aber wahrscheinlich ein zahnendes Baby besorgen. Meines muss ich leider erstmal behalten, die 3. Staffel startet bald.

PS: Off-Topic fand ich es interessant, wie selbstverständlich amerikanische Podcasts gesponsert werden und wie wenig es mich stört, wenn ein Exorzismus für einen kurzen Sockenwerbespot (kein Witz!) unterbrochen wird. Also, liebe deutsche Firmen, gebt doch den Podcasts mal ein bisschen Geld.

Foto: flickr – Tanja Djordjevic – CC by 2.0