Alle Artikel in: Leben & Lesen

Das Lied von den richtig erfolgreichen Frauen macht mich ziemlich müde

Ich bin ein bisschen müde. Das liegt daran, dass es mir immer schwerer fällt, eine bestimmte Platte zu hören. Die Platte heißt Schaut mal hier! und der Song in Dauerschleife trägt den Titel Die richtig erfolgreichen Frauen. Es kommen immer mehr Strophen hinzu, der Inhalt bleibt gleich. Die richtig erfolgreichen Frauen sind natürlich die beruflich erfolgreichen Frauen. In Wirtschaftswoche & ManagerMagazin sind sie angekommen & werden portraitiert. Online buhlen sogar mehrere Heimstätten um das, so wird vermutet, auch sehr kaufkräftige Klientel (der feuchte Traum jeden Werbers – Shoppingsucht vereint mit Topgehalt). Die modernen Heldinnenepen haben eines gemeinsam. In Allgegenwart der gläsernen Decke verstehen sie diese Frauen als etwas Besonderes, als etwas Einzigartiges. Natürlich kennen wir alle die schmerzliche Wahrheit: Das sind sie tatsächlich. Frauen sind in Führungspositionen immer noch hoffnungslos unterrepräsentiert. Besonders, so lehren uns die Buchstaben, machen diese Frauen ihre außergewöhnlichen Eigenschaften. Sie schaffen nicht weniger als eine bessere Welt. Die Zukunft. Selbstbewusst sind sie, diszipliniert & taff oder durchsetzungsstark & zäh. Sie sind die Löwinnen & nicht die Mäuschen. „Sie verkaufen sich nicht unter Wert!“ …

Ein guter Tag

Heute war ich im Garten meiner Kindheit. An der Stelle, an der ich immer geschaukelt habe, wurde wieder geschaukelt. Ich war in meinem alten Kinderzimmer. Dort stehen die Erinnerungen der Teenagerzeit. Die Musik, die Bücher. Es gab miserable Episoden in meiner Teenagerzeit. Sie sind mir noch ziemlich präsent. So sehr, dass ich heute manchmal unsicher wirkende Mädchen in der U-Bahn fest in den Arm nehmen möchte. Um ihnen ins Ohr zu flüstern: „Ich weiß, wie sich das anfühlt, es wird besser.“ Einen ganzen Sommer habe ich unter grauen Fruit of the Loom – Kapuzenpullovern verbracht, als meine Brüste anfingen zu wachsen. Heute, vielleicht lag es an der Sonne, dem Summen der Bienen oder dem ersten Spargel, mischten sich Versatzstücke der Erinnerung mit dem Wissen der Gegenwart. Mathe im Abitur, die Angst zu versagen & die Sebstzweifel mit der heutigen Gewissheit, dass jeder Dinge kann. Manche besser, manche schlechter & man einfach nur etwas finden muss, was man richtig gut kann. Um es dann richtig gut zu machen. Und dass das nicht Mathe sein muss. Das Zittern vor …

33 lebenskluge Weisheiten, die ich mir nur ausgedacht habe, um endlich auch einen Listenpost zu haben

In einigen Wochen werde ich 33. Konfetti! Ich habe leider das Bohei um den 30. Geburtstag verpasst. Einer von den Trends, die an mir vorbeigingen. Wie Fischpediküre, Bubble Tea oder Grünkohl-Smoothies. Mit 33 bin ich jetzt aber auch zu alt, um wieder 20 zu sein & erst recht zu alt, um den wilden Studentenjahren (die müssen ja immer wild sein, spätestens im Rückblick) nach zu weinen. Mit 20 fragt man sich sowieso nur, wo man eigentlich hin will, um dann in den Dreißigern festzustellen, dass man jetzt da ist, wo man nie wirklich hinwollte. Und es genießt. Zumindest tue ich das. Auch wenn die Abdrücke vom Kopfkissen morgens immer länger brauchen bis sie verschwinden, fühle ich mich noch nicht alt genug für den 33 ist das neue 40 & 40 ist ganz fabulös – Club. (Und dann 50 und dann 60…) Wenn ich aber eines definitiv bin mit fast 33 dann ist es weise – sehr, sehr weise. Und deshalb teile ich jetzt 33 Lebenserkenntnisse aus fast 33 Jahren mit euch. Wenn du denkst, du musst …

Gestern

Gestern bin ich geflogen. Es ging nach Düsseldorf. Mit germanwings, morgens hin & abends zurück. Ich fliege nicht oft. Wenn, dann mehr beruflich als privat. Ich freue mich meistens darauf, es ist eine schöne Abwechslung zum Büroalltag: eine Tagung, Konferenz oder ein Arbeitstreffen wie dieses Mal. Für mich hat innerdeutsch an einem Tag hin- & zurückfliegen, mit Laptop & Handtasche bewaffnet, immer etwas von einem kleinen Abenteuer. Ich reihe mich ein, in die Armee der gehetzten Vielflieger, der Berater & anderen Anzugträger. Der Flug am Morgen hatte leichte Verspätung wegen technischer Schwierigkeiten. Es war ein unbedeutendes Detail. Ich habe mich kurz geärgert, mir das Schauspiel im Wartebereich angesehen, den Telefonaten am Smartphone gelauscht. („Jetzt habe ich hier die Exceltabelle mit rot, gelb, grün bekommen. Was willst du mir damit sagen?“) Ich habe keine Angst vorm Fliegen. Im Grunde genommen, ist es für mich wie Bus fahren, das mache ich auch relativ selten. Mein größtes Problem auf dem Hinflug war der Druckausgleich & meine völlig verstopfte Nase. Ich bin um 10:50 gelandet. In dem Büroturm gab es wenig …

Worüber man sich jetzt Sorgen machen könnte

Ich bin keine ängstliche Person. Was mir fehlt, ist eine gewisse Unbekümmertheit. Die Einschätzung des eigenen Selbst entwickelt sich oft in Unterscheidung zu anderen. Ich bin noch nie ausgeglichen-vergnügt an einen Check-in Schalter herangeschlendert, um herauszufinden, dass ich mich bei der Flugzeit vertan habe. Ich habe schon immer Leute bewundert, die aus den Tiefen des eigenen Selbst heraus darauf vertrauen, dass sich die Dinge schon irgendwie finden werden. Mein fehlendes Vertrauen in die kosmische Macht von Zufällen, Karma & guter Lebensenergie führt zu einem ordentlichen Grad an Organisiertheit. Ich checke den Flugplan oft genug, um ihn irgendwann auswendig zu kennen. Das ist nicht schlimm. Diese Eigenschaft kann man im Leben auch gut gebrauchen. Wie mir ein Firmenpraktikant im ersten Semester an der Uni diese Woche bestätigte, eine gechillte Person bin ich nicht. (Darüber hinaus werde ich anscheinend auch älter & entferne mich immer mehr vom Sprachgebrauch der Jugend.  Aber das ist ein anderes Thema. Yolo.) Pauschale Aussagen über Geschlechterrollen finde ich ja sowieso null swag wie ihr wisst. (Ok, ok, ich höre auf.) Und auch wenn Frauen natürlich besser …