Alle Artikel in: Leben & Lesen

„Einmal Zeit, bitte.“ – „In normal oder qualitätsoptimiert?“

In der ZEIT gab es vergangene Woche ein Gespräch mit Frauen aus dem Netzwerk Working Moms. Es ging um die nicht wirklich neue Frage: Kann man beruflich sehr erfolgreich & eine gute Mutter sein? Ich könnte jetzt darüber schreiben, dass der Großteil der Frauen das Ernährermodell einfach umgedreht hat. Sprich, der Vater flexibilisiert seinen Job nach den Bedürfnissen der Kinder. („Wenn Mütter bei mir anrufen, weil es um irgendwelche Verabredungen für Spielnachmittage (…) geht, rufen die genau einmal an…(…) weil ich Ihnen sage, wenden Sie sich bitte an meinen Mann!“). Für die Arbeitswelt ist das natürlich ungemein praktisch, weil sich so richtig nichts ändern muss. Es gibt eine(n) Ernährer(in) & jemanden, der die Familie am Laufen hält. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Jede sollte ihr Leben so gestalten, wie sie mag. Ich erwarte nicht von diesen Frauen, dass sie gesellschaftliche Strukturen im Alleingang „von oben“ aufbrechen. Oder anders formuliert: Ich wünsche mir eigentlich von Karrieremännern wie Karrierefrauen, dass sie sagen: „Telefonkonferenz um 20 Uhr, geht’s noch?“ Aber jetzt bin ich ein wenig abgeschweift & schon wieder …

Währenddessen…irgendwo im Universum: ein Mann steht früh auf

Ich bin einem so außergewöhnlichen menschlichen Wesen begegnet, das möchte ich euch nicht vorenthalten. Auf der US-Website Business Insider berichtet Filipe Castro Matos von einem seiner größten life hacks (in etwa: fundamentale Umstellung der Lebensweise). Ist er Veganer geworden? Vater vielleicht? Nein. Der Mann ist 21 Tage lang jeden Morgen 4:30 Uhr aufgestanden. Jeden Morgen! 4:30 Uhr! 21 Tage lang! Ich weiß, ich weiß, ich habe den Mund auch nicht mehr zubekommen. Ein bahnbrechendes Experiment Wieso macht man so etwas Wahnsinniges? Wieso besteigt man nicht einfach den Mount Everest wie andere normale Menschen, wenn man seine Grenzen austesten will? Weil es hier um mehr ging als die eigenen Grenzen. Deshalb wird dieses außergewöhnliche Experiment auch in einem Online-Businessportal unter Strategie beschrieben. In 21 Tagen nämlich kann man eine neue Lebensgewohnheit einüben. Und die neue Lebensgewohnheit ist frühes Aufstehen zur Leistungssteigerung. Auch das deutsche Manager Magazin berichtete schon einmal über Experimente mit der eigenen Weckzeit zwecks Leistungssteigerung (im Manager-Fitness-Special). Da halten wir mal kurz inne & überlegen. Zunächst ist die Idee natürlich wirklich bahnbrechend. Früh aufstehen. Man möchte dem Autor zurufen: Das macht der …

Rosa Kindertrauer

Es ist etwas passiert, was mich nachdenklich macht. Aber bevor ich zu der eigentlichen Geschichte komme, eine kleine Rede vorab. Nicht schon wieder rosa! Gendermarketing macht mir schlechte Laune. Wann immer ich etwas „nur für Jungen“ & „nur für Mädchen“ sehe, regt sich meine innere Revoluzzerin. Das war schon so, bevor ich Mutter wurde. In der Gender Studies Einführung habe ich mit der Verblüffung einer 19jährigen festgestellt, dass es naturgegeben nicht gibt (Ihr wisst schon, damals als wir in der Höhle lebten). Eine Zuordnung von Spielzeug, Esswaren & Kleidung nach Geschlecht hat einfach den wunderbaren Effekt, dass die Leute alles 2x kaufen müssen. Weil das Produkt für Mädchen, so wird suggeriert, für Jungen ungeeignet ist.  Man würde zwangsläufig in die Kategorie schlechte Eltern fallen, wenn man seinem Kind nicht die angemessenere Förderung, das „Passende“ zur Verfügung stellt. Und wenn man es tut, fühlt man sich vielleicht auch noch ein bisschen besser als andere Eltern. Das ist sowieso ein Topos der Elternkonsumindustrie (Chinesischfrüherziehung und so.) Deshalb kommt das Ganze auch auf, als der Konsum geboren wird & …

Heute Berufsberatung: Dein Playboy-Interview

Nun ist das mit dem Bloggen so eine Sache. Ihr solltet auch etwas davon haben, nicht nur ich den Spaß am Schreiben. Deshalb hier mein erster Serviceartikel. Ich habe intensiv recherchiert. Damit ihr wisst, was ihr antworten müsst, wenn der Playboy kommt. Denn, wessen Karriere sollte nicht von den ästhetischen Bildern gekrönt werden? Die, die man nur macht, um seinen Enkeln zu zeigen, was für eine heiße Schnitte die Oma mal war (Merke: Playboymodels haben immer Kinder. Sonst keine Enkel. Was sich irgendwie auch von selbst versteht, weil sie ja auch ganz viel Sex haben.) Und weil wir aus Gala und Bunte wissen, dass Prominente die Dinge immer ein bisschen richtiger und immer ein bisschen falscher machen als normale Menschen, habe ich mir die Best Practices natürlich bei ihnen abgeschaut. Ein paar einleitende Bemerkungen Nackt sein müsst ihr natürlich schon. Aber der Playboy macht das alles ganz geschmackvoll. Und variiert den Grad der Nacktheit nach Bekanntheitsgrad. Was für dich als Unbekannte wahrscheinlich heißt, dass du ziemlich nackt sein musst. Aber auf dem Cover sieht man …

Der schönste Tag im Leben

Mein Hochzeitstag war ein schöner Tag. Ja, feministische und auch sonstige Kritik an der Ehe gibt es genug. Ein veraltetes Ritual des bürgerlichen Zeitalters, nutzlos und das Patriarchat unterstützend. Und so lange nicht alle überall heiraten dürfen und vollkommen gleichgestellt sind…Ich habe es trotzdem getan. Aber darum soll es nicht gehen. Erst vor kurzem ist mir klar geworden, dass ein Aspekt meiner Hochzeit, der auch nach 50er Jahre klingen mag, wahrscheinlich maßgeblich dafür verantwortlich war, dass es (einer) der schönsten Tage meines Lebens werden konnte. Denn wir haben noch schnell „Ja“ gesagt, bevor das Kind kam. Ich war am fraglichen Tag im 7. Monat schwanger. Wenn ich jetzt auf die Planung diverser Hochzeiten in meinem Umfeld blicke und mich googletechnisch für die Feierlichkeiten fit mache muss ich eingestehen, dass ich eine Menge Glück hatte. Gerade die Vorbereitung der Hochzeit ist bei mir sicher um einiges ruhiger abgelaufen. Denn ich musste nicht diäten. Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Die Hochzeitsdiät gehört dazu wie das Aussuchen der Torte oder der Ringe. Scheinbar ist es überhaupt keine …