Leben & Lesen
Kommentare 7

Wie man keinen Roman schreibt – #NaNoWriMo – Rückschau

Seit ich denken kann, schreibe ich. Es gibt Schulhefte mit ersten Geschichten in krakeliger Schrift und sogar einen Roman aus der ganz frühen Jugendphase, bei dem ich bisher allerdings noch nicht den Mut aufbringen konnte, mal wieder reinzuschauen. Das Anlesen der zufällig wiederentdeckten Tagebücher meines 12jährigen Ichs hatte mir erstmal gereicht. Ich bin da ziemlich kritisch mit mir.

Das Bloggen hat eine Lücke gefüllt und ich liebe es sehr. Wie Wörter sich finden, aneinander reihen & Texte entstehen, wie auf einmal aus Nichts etwas entsteht, wie sich ein Bogen ergibt, ein passendes Ende – das überrascht mich immer wieder & ist nicht nur befriedigend, sondern manchmal fast magisch. Am Liebsten mag ich es, wenn halbfertige Posts sich Monate später doch zu etwas fügen. Wenn man noch genau weiß, wie man anfing zu schreiben & es nicht funktionierte…und irgendwann einfach der Knoten platzt. Nicht immer. Aber oft genug, so dass ich keine Entwürfe mehr lösche. Was mich zum #NaNoWriMo bringt. Im Juli diesen Jahres habe ich schon etwas Ähnliches gemacht & versucht, jeden Tag zu schreiben. Bei #NaNoWriMo geht es darum, in einem Monat 50.000 Wörter zu schreiben. Das wäre ein Roman. Begleitet wird das Ganze von einer tollen Seite mit Inspiration, Wordcounter & Mails, die regelmäßig motivieren sollen. Ich bin über Twitter darauf gekommen & habe sehr gern bei Sophia & Frau Margarethe mitgelesen, die ihre Erfahrungen verbloggt haben.

Die Vorraussetzungen waren gar nicht schlecht. Ich habe ein Zimmer für mich allein (Thanks, Virginia.) & musste nichts heimlich unter dem Stickrahmen verstecken, weil Schreiben unschicklich ist (Jane, du weißt, was ich meine.). Außerdem würde ich sagen, dass ich durch ausgiebige Roman- & Bloglektüre von vielen tollen Frauen das ästhetische Ideal männlichen Schreibens ordentlich um die Ecke gebracht habe. (Gilbert & Gubar wären stolz auf mich.) Die Idee für einen Roman begleitet mich eine Weile. Ich habe auch immer mal ein bisschen geschrieben (der Klassiker der Diss-Ablenkung).

Nun ist der November fast vergangen & ich habe keine 50.000 Wörter geschafft. Nicht mal annähernd, ich bin bei knapp 10.000 gelandet. Das ist nicht schlimm, denn der Versuch, die Marke zu schaffen, hat mich über die Idee nachdenken lassen. Ich konnte mich nicht hinsetzen & einfach drauf los tippen weil noch irgendetwas fehlte. Weil es noch nicht passte. Wie bei den angefangenen Blogposts. Was ich jetzt habe, ist immer noch kein fertiger Roman in meinem Kopf aber konkretere Ideen & einige bereits geschriebene Szenen. Das ist nicht schlecht. Außerdem weiß ich noch mehr, dass ich es irgendwann mal zu Ende bringen will. Dass es aber Zeit & Muße kosten wird. Anders als beim Bloggen hilft mir eine Stunde hier & da leider wenig. Immer, wenn ich mich reingedacht habe, kommt ein bisschen Leben dazwischen. Das ist ok. Ich habe auch bei der Diss immer gesagt, irgendwann schreibe ich die zu Ende. Und wenn es mit 50 ist. Da ist nun auch deutlich früher etwas draus geworden.

Ich bin also zufrieden. Auch, weil ich mich selbst ganz gut kenne. Wenn ich einmal angefangen habe, etwas genauer zu durchdenken, geht es nicht so schnell aus meinem Kopf. Und wenn es sich festgesetzt hat, dann mache ich auch etwas damit. Es braucht nur seine Zeit.

Einen anderen hübschen Nebeneffekt hatte die ganze Sache übrigens auch. Ich habe es tatsächlich geschafft, mich beim Schreiben mehr zu disziplinieren. Beim Bloggen war es bisher oft so, dass ein Post ziemlich lange dauerte, weil ich zwischendurch ständig noch etwas nachguckte, hier nochmal Twitter checkte, da die Mails. Bereits in den ersten Tagen #NaNoWriMo merkte ich, dass das nicht funktioniert ohne komplett zu frustrieren. Also bin ich seit einigen Wochen stolze Besitzerin einer dieser Kindermädchen-Apps, die dein Internet ausschalten, wenn du schreibst. Und weil ich auch ein bisschen Ästhetin bin, habe ich mir  zusätzlich WriteRoom gegönnt, was den Bildschirm in ein schönes ablenkungsfreies, schreibmaschinenartiges-retro-Reich verwandelt. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten (man weiß ja immer, wo man die Sachen wieder abstellt), läuft das jetzt richtig gut. Ich bin überrascht, wie schnell sich so ein Blogpost manchmal ohne Ablenkung schreibt. Beste Vorraussetzungen also, um irgendwann noch ein bisschen mehr zu schreiben.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on TumblrEmail this to someoneShare on Google+

7 Kommentare

  1. Julia sagt

    Wenn er dann mal fertig ist, ich würde ihn lesen. 🙂 Ist es auch was Lustiges wie der Blog?

  2. Ein Buch von dir würde ich auch auf jeden Fall lesen! 🙂
    Ich habe den NaNo dieses Jahr zwar strukturierter, das heißt mit einer konkreten Idee, angefangen, gleichzeitig aber auch viel lockerer, und das hat ganz gut funktioniert für mich. Wenn ich dann erstmal im Schreiben drin bin, lenke ich mich auch nicht mehr ab.
    Beim Bloggen funktioniert das allerdings nicht, das scheint sich da nicht zu übertragen 😀

  3. Daniela Röder sagt

    Spannend, spannend, spannend. Ein Roman von Dir würde mich total interessieren. Falls Du kritische Probeleserinnen brauchst – Du hast meine email 😉
    LG Daniela

  4. Hallöchen 🙂
    Habe mit dem NaNo diese Jahr ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Bin ebenfalls disziplinierter beim Schreiben geworden, aber mir fehlte einfach etwas…
    in meinem Fall war es mein ursprüngliches Hauptprojekt. Bin sehr perfektionistisch und mir war von Anfang an klar, dass wenn überhaupt der NaNo nur mit eine neuen Projekt gelingen könnte, an das ich noch keine Ansprüche stelle. Hat aber dann ja nicht funktioniert.
    Jetzt schreibe ich weiter ab meinem ursprünglichen Projekt und wenn ich erst 50 bin, wenn ich es beende ;P

    LG Alanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.