Feminismus & Weltverschwörung
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Was sagt denn eigentlich ihr Mann dazu?

Schon die ersten Frauenzeitschriften Ende des 19. Jahrhunderts erklärten der Mittelklassefrau zuverlässig, wie sie zu leben hat. Und ordentlich in den neu entstehenden Warenhäusern einkaufen sollte sie auch. Trotzdem hatten sie ein Problem. Kaufen sollten die Leserinnen, aber besitzen durften sie nichts. Das Geld gehörte dem Mann. Also musste man ihn irgendwie auch überzeugen. 

Diese Zeiten sind natürlich lange vorbei. Schon seit Ewigkeiten (1962) dürfen Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes ein Bankkonto eröffnen. Seit 1969 gelten sie gar als geschäftsfähig. Nur 15 Jahre später freute sich Evelyn Hamann im legendären Loriotsketch über ihr Jodeldiplom auf das Gefühl „auf eigenen Füßen zu stehen“. Während ihr Gatte sich an der „echten Partnerin, die ihre eigenen geistigen Fähigkeiten entwickelt – für die Familie, für die Gesellschaft“ ergötzte.

Und heute? Da stehen wir Frauen wirklich nur noch ganz kurz vor der Weltherrschaft, lese ich überall. Ganz besonders die Singlefrau mit ordentlichem Einkommen ist als selbstzahlende Zielgruppe heiß umworben und wird von sich emanzipierenden Firmen (Irgendeiner noch keinen Feminismus-Werbespot?) angesprochen. Schon Destiny’s Child lehrte uns schließlich in den 90ern, dass nichts so empowered wie das Zahlen der eigenen Rechnung.

bildschirmfoto-2016-09-15-um-19-33-43Wofür wir unser Geld ausgeben könnten… – da helfen uns wieder die Frauenzeitschriften gern.  In der aktuellen Ausgabe der Jolie zum Beispiel für Champagner Cocktail-Sets, Kapuzenpullover oder vergoldete Macarons. Während wir mal wieder ganz nebenbei schlank, schön und happy werden. Ach, und Mittelscheitel ist wieder in.

Aber halt, es ist nicht alles beim Alten. Denn diese Ausgabe beinhaltet auch den „Trendreport zum Thema Sexismus“.  (Noch VOR Jenna Behrends CDU-Brief!) Das auf den Titel zu schreiben, haben sie sich noch nicht getraut. Aber es gibt drei Seiten zu sexistischer Werbung mit exklusiver Schützenhilfe („Die Macht der Bilder darf man nicht unterschätzen, sagt die Feministin Anne Wizorek.“). Gefolgt von einer Abrechnung mit Mansplaining, also mit Männern, die Frauen ungefragt die Welt erläutern („Vielen Dank für die Belehrung.“). Junge, Junge  – äh, Mädels, da brechen wohl wirklich neue Zeiten an.

Apropos Junge, während die Jolie in der Kolumne zu erklärwütigen Männern noch ironisch anmerkt, dass die Kolumnistin „den Artikel nur mit Hilfe ihres Mannes fertigstellen konnte. Späßle!“, ist das hier kein Scherz:

bildschirmfoto-2016-09-15-um-19-50-21Interessiert uns natürlich brennend, was der Thilo (extrem selbstkritischer Autor von „In 80 Frauen um die Welt“) von Sexismus hält. Diese fiese Falle, in die er selbst fast einmal hineingetappt wäre, als er von seiner Bettgenossin nur den Körper lobte. Aber nicht wusste, welche Bücher sie gern liest! Selbst seinen Auftraggeber die Jolie findet er sexistisch, wenn sie Tipps zum Schminken gibt und es allgemein einfach „scheiße, wenn wir den Respekt vor Frauen verlieren. Weil wir dann Menschen haben, die erst Nutte rufen und später eben diese Frauen hinter Müllcontainern vergewaltigen.“ Ja, der Thilo hat’s raus. Der kennt sich nicht nur mit Vergewaltigungsstatistiken aus (99,9% hinter Müllcontainern oder in dunklen Parks von völlig Fremden – nicht), sondern ist auch ein Freund der klaren Worte. So sind sie die Männer. Haben sie schließlich jahrtausendelang trainiert im Patriarchat.

Deshalb ist es gut, wenn wir sie oft nach Dingen fragen. Zum Beispiel, was sie vom Sexismus-Trend halten. Gut gemacht, liebe Jolie. Das hat auch den hübschen Nebeneffekt, dass Männer nicht mehr so viel ungefragt von sich aus erklären müssen (Bye, bye Mansplaining!).

Und wenn gerade keiner zur Hand ist zum Befragen – Profi-Tipp -, dann fragen wir einfach uns selbst, was die Männer denn halten könnten von diesem und jenen. Ob ihnen zum Beispiel der Penis-Lippenstift gefallen würde (Die Jolie meint: „Bei uns eigentlich out, denn „Der einzige Schwanz, dem ich in Sachen Styling vertraue, ist der Pferdeschwanz.“ – Äh…), unsere neue Winterromantikmode nicht zu verspielt ist oder ob wir FKK machen sollten. („Warum hast du es noch nicht ausprobiert?“ fragt der Psychotest und bietet zwei Antworten: „Hat sich nicht ergeben.“ und „Mein Freund wollte nicht, dass mich andere Männer nackt sehen.“)

Und, seid ihr jetzt auch überzeugt? Als Abo-Geschenk gibt’s gerade Skinny Detox Tee bei der Jolie. Ich würde aber nochmal den Mann fragen. Nicht, dass ihr ihm zu dünn werdet.

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10 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, da wollen wir Männer mitnehmen und auch zu Feministen machen und dann beschweren wir uns, wenn sie sich für die Sache stark machen, aber mit den falschen Worten und falschen Statistiken. Da wollen wir Feminismus positiv besetzen und dann meckern wir über alles. Ich mag deinen Blog sehr gern, nicht falsch verstehen. Ich bin nur unentschieden und denke da in letzter Zeit drüber nach.

    • Ja, es ist kompliziert. Ich kenne diese Gedanken, ich habe die auch oft. Aber zur Zeit habe ich keine Lust mehr, Fleißsternchen für Interesse zu verteilen, wenn so viele andere richtig gute Sachen machen und gefühlt wenig Aufmerksamkeit bekommen.

  2. Friederike sagt

    Immer wenn mir das Leben zu grau wird, surfe ich Dich an und lasse mir den Tag erhellen. Solche Zeitschriften gibt es also wirklich? Es ist immerhin unterhaltsam, Dir beim durchblättern und denken über die Schulter zu schauen.

    Ach, würde das Redaktionsteam sich hier mal durchblättern! Es könnte eine bessere Welt werden, wenn sie ein souveräneres Frauen- und Menschenbild entwickelten in ihrer Profession(alität).

    Derweil: Einfach danke, mal wieder!

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