Feminismus & Weltverschwörung
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Was machen denn diese jungen schönen Frauen da? – Warte, ich weiß es, ich weiß es…!

Vorab gleich damit sich niemand falsch informiert fühlt und mir dann vorwirft zwei Minuten seines Lebens vergeudet zu haben. Weil er nicht gemerkt hat, worum es geht. Mit dem, was die jungen schönen Frauen da machen, meine ich den Feminismus. Ja, ja ist klar, DEN Feminismus gibt es nicht. (Genau das macht es den armen Medien und Kommentatoren aber auch immer so schwer.) Diese Woche wurde an Beyone als Posterchild des F., Welle Nummer vier bis zwanzig mal wieder durchexerziert, wie das nun so ist mit dem Feminismus.
Die WELT ließ uns bereits Montag wissen: Der neue Feminismus sieht besser aus und legte dann den gleichen Artikel mit nur geringfügigen Änderungen nochmal auf. Die Frage Kann diese Frau eine Feministin sein? bezieht sich wieder auf Beyonce. (Spoiler: Sie wird nicht beantwortet.) Bereits im März hatte man bei JEZEBEL erkannt, dass man sexy und ein Vorbild sein kann als weiblicher Popstar.

Bei diesem neuen Feminismus nämlich da sind die Frauen jung und schön und urban und twitteraffin sowieso. Und alles kann, nichts muss und jede darf, wie sie will. Prinzipiell habe ich da nichts gegen. Das Ganze ist ja kein elitärer Club, in dem Gender Studies Professorinnen mit Rubensfiguren und ihre kurzhaarigen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen die Türsteher spielen. Bitteschön, ich freue mich über jeden, der mitmachen will.

Aber mit zwei Sachen habe ich Bauchschmerzen.

Zunächst: Wenn ich im Park beim Fußball mitspielen will und noch nie was von dem Spiel gehört habe, dann recherchiere ich auch mal kurz die Regeln. Oder frage jemanden der sich damit auskennt. (Nicht die 11833). Ich laufe aber nicht einfach mit meinem eigenen Ball los und erzähle allen, wie es geht. Ich schreibe nicht NUR Meinung und tue dann so als äußere ich mich journalistisch reflektiert. (Antonia Baum oder BARBIE Feminismus, anyone?). Und die TUSSIKRATIE ist auch noch nicht kalt. Dabei gräbt jede INSTYLE irgendwo eine Dermatologin aus, die kurz zitiert wird, wenn sie seitenweise Hautcremes bewirbt. Gern genommen wird auch, das muss man zugeben, Zitate einholen und trotzdem nur die eigene Soße präsentieren.

Und noch eine Sache grummelt mir im Magen. Wieso wird eigentlich jeder Prominenten neuerdings ein Feminismus-Statement abgepresst? Irgendjemand hat mal gesagt, man solle sich nicht aufregen, wenn Fußballer dumme Sachen zum Weltgeschehen sagen. Man soll sie einfach nicht fragen, denn dazu kluge Kommentare zu geben, ist nicht ihr Job. Gut, Beyonce hat die Kiste selbst aufgemacht: Album, offener Brief zum Gender Pay Gap und breit kritisierte Verfehlungen eingeschlossen. Aber es kommen auch so Sachen bei raus wie:

Kelly Clarkson – „No, I wouldn’t say feminist. That’s too strong.“
Lady Gaga – „I’m not a feminist. I hail men, I love men, I celebrate American male culture — beer, bars, and muscle cars.“
Katy Perry: „I am not a feminist, I do believe in the strength of women.“
…und Beyonce vor ein paar Jahren: „That word can be very extreme … I guess I am a modern-day feminist. I do believe in equality…Why do you have to choose what type of woman you are? Why do you have to label yourself anything? I’m just a woman, and I love being a woman.“

Oder ist es egal, weil „any press is good press“? Müsste man mal die PR-Abteilung des Feminismus fragen…
Würde man sich in Deutschland zum Beispiel mehr Äußerungen von Prominenten wünschen? Egal wie wischiwaschi der Bezug ist (90er Girl Power à la Blümchen und Heike Makatsch)? Sollte sich Alice Schwarzer mal wieder mit Verena Pooth streiten (Daniela Katzenberger?)? Außer Charlotte Roche und Aufschrei war nicht viel, oder? Und wieso sind eigentlich so Leute wie Kathrin Bauerfeind oder Sarah Kuttner in den Untiefen der öffentlich-rechtlichen Spartenkanäle verschwunden während Joko und Klaas den Grimme Preis kriegen?

Fragen über Fragen…

Also Promis rein in den Feminismus? Irgendwie hat das Ganze immer was von der DOVE-Kampagne mit echten Frauen oder der BRIGITTE ohne Models. Mit Feminismus produziert man schöne, kleine Schlaglichterschlagzeilen. Und ansonsten wird schön drauflos kritisiert.

Oder was meint ihr?

Foto: von Anton Bielousov (Eigenes Werk: Slutwalk (Toronto, ON)) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

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