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Warum mich die Fruchtbarkeitsperformance von Beyoncé nervt

Beyoncé hat wieder zugeschlagen. Mit spektakulären Bildern gab sie die zweite Schwangerschaft bekannt. Ihre erste Tochter Blue Ivy ist fast fünf und jetzt kommen die Zwillinge. Die dazugehörigen Fotos, irgendetwas zwischen Kunst und Kitsch, lösten vom Schmunzeln und kleinen Lästereien bis hin zu uneingeschränkten Begeisterungsstürmen so ziemlich alles aus. Inmitten von Blumen findet man den Megastar, mit einem Schleier bedeckt oder im Wasser schwebend. Über allem liegt ein hübscher Filter und selbst das rote Auto, auf dem Beyoncé den Babybauch streichelnd verweilt, wirkt nicht deplatziert inmitten dieser natürlichen Künstlichkeit. Narzisstisch kann man das nennen, aber Bescheidenheit war noch nie eine von Beyoncés Charaktereigenschaften. Und ehrlich: Wieso sollte sie dies auch sein? Angesichts ihrer Erfolge.

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Ganz egal aber, wie man die Bildsprache der Aufnahmen einschätzte, bei der Bewertung von B.’s Mediencoup war man sich in meiner Blase erstaunlich einig. Die Einschätzung ging so: Was Beyoncé anfasst, hat einfach Größe, sie ist und bleibt unser aller Queen B. Auch mit den Schwangerschaftsfotos changiert sie virtuos zwischen (Frauen-)Rollen: Beyoncé, die Göttin, die Heilige, die schwarze Venus. So errettet sie uns in diesen düsteren Zeiten mit guten Nachrichten aus den USA, die wir alle doch so nötig haben. Man mag sie eine exzentrische Diva nennen, aber mit der ikonographischen Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft feiert sie nicht nur sich selbst, sondern auch den weiblichen Körper und die Frauen an sich. Was sie darstellt, ist immer ein schlauer sozialer Kommentar, zu irgendwas und irgendwie feministisch, selbstbestimmt.

Warum die Faszination groß war, hat zunächst einen einfachen Grund. Prominente Babybäuche sind ein Riesenbusiness und Beyoncés ist ein Superstar-Bauch. Von dem es allerdings keine Paparazzifotos von den ersten Wölbungen gab, keine „Ist sie oder ist sie nicht?“ – Fragen, keine „Zu viel gegessen oder doch schwanger?“ – Spekulationen. Wenn es um prominente Frauenbäuche geht, ist eigentlich immer Jagdsaison. Aber nicht bei Beyoncé. Sie hat die Medienmacht, ihr Bild tatsächlich selbst zu orchestrieren. Und so ist die erste Erkenntnis, dass Beyoncé nicht nur weit entfernt von uns liegt, sondern auch von so ziemlich allen anderen prominenten Frauen.

Die waren, seit die nackte Demi Moore 1991 auf dem Cover der Vanity Fair den Startschuss für das öffentlich-selbstorchestrierte Portrait von prominenten Bäuchen gab, an irgendeinem Punkt alle dabei. In Demis Pose haben wir in den folgenden Jahren Claudia Schiffer, Britney Spears, Jessica Simpson, Cindy Crawford oder Natalie Portman gesehen, um nur einige zu nennen. Auf diesen Fotos, wie auch bei Beyoncé, gibt es einen Bauch, aber nie einen wirklich großen, über den 7. Monat hinaus. Was es nicht gibt, sind Dellen, Schwangerschaftsstreifen oder eine Haut, die den berühmten Schwangerschaftsglow vermissen lässt. Das ist die mediale Darstellung von Schwangerschaften, wie wir sie auch in Filmen und Serien finden, wo kaum jemand eine wirkliche 9-Monatskugel (und die Hüften und die Oberschenkel dazu) zeigt, sondern eher Cameron Diaz oder Supermodels einen Fußball an den fitt-schlanken Körper heftet. So wird Schwangerschaft gepaart mit Schönheitsstandards und der Bauch ist nur eine weitere Kurve, die wir betrachten und bewerten.

Aber geschenkt. Schließlich reiht sich auch die schöne Beyoncé nur ein in eine große Riege von Frauen, für die das Babybauchportrait so fest zur Schwangerschaft gehört wie der Geburtsvorbereitungskurs. Und an Stolz auf sich selbst zusammen mit dem Wunsch, möglichst attraktiv auszusehen, ist nichts verkehrt. Gerade auch, weil die Babybauchfotografie zeigt, dass nicht nur bei Prominenten Tabus gefallen sind. Eine Schwangerschaft wird heute gefeiert, sie ist weniger gefährlich und in Zeiten der Empfängnisverhütung meist selbstgewählt, also ein durchweg freudiges Ereignis. Und die Schamhaftigkeit, die einen runder werdenden Bauch einst umgab (Oh, da hatte jemand Sex.) gibt es auch nicht mehr.

Beyoncé macht aber mit ihren Bildern noch mehr und hier liegt das Problem. Sie hat einen größeren Anspruch, ihre Fotos wollen den weiblichen Körper als Kunstprojekt inszenieren, als Metapher. Die Bilder zitieren berühmte Gemälde, allen voran die „Geburt der Venus“ von Botticelli. Auf ihrer Webseite werden sie von Worten begleitet, wie diesem Ausschnitt aus einem Gedicht der somalischen Autorin Warsan Shire, die auch mit ihr am Lemonade-Album arbeitete.

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Der weibliche Körper als Instrument für die Kunst muss nicht zwangsläufig so radikal genutzt werden wie in den 70ern von Valie Export, die ihre Brüste zum Betasten ausstellte. Aber wenn man sich ihre Performances ansieht und in der Folge vielleicht an Marina Abramovics Kunstaktionen denkt, wird eines klar. Beyoncés Bilder sind bei genauerem Hinsehen und in Anbetracht der Botschaften, die man ihnen zuschreibt, nicht nur erstaunlich belanglos. Sie zitieren auch die konservativsten Vorstellungen von natürlicher Mutterschaft und einer Fruchtbarkeit, auf dessen Vorhandensein sich der eigene Wert als Frau gründet.

Damit beugt sich Beyoncé, die uns doch ständig neue Perspektiven eröffnen will, leider nur einer Bewertung von Schwanger- und Mutterschaft bei prominenten Frauen, die um sich greift. Denn die Bäuche werden zunehmend nach moralischen Standards bewertet, die Tugendhaftigkeit ihrer Besitzerin lässt sich an ihrem Schwangernen-Verhalten ablesen. Prinzessinnen sind die Modellschwangernen, Reality-TV-Stars kommen hingegen oft nicht so gut weg. Es gibt die Bäuche, die wir süß und angemessen finden und die, die doch nur unsere Aufmerksamkeit wollen, die uns bewusst frech ins Gesicht springen. Es gibt den angemessenen, konservativen Bauch und den traurigen, irgendwie deplatzierten. An der Art und Weise, wie wir ihre Schwangerschaft bewerten, werden prominente Frauen gemessen.

Demi Moores nacktes Schwangernenportrait wollte die Sexyness dieser Lebensphase feiern. Von dieser Wertschätzung der weiblichen Sexualität ausgehend, sind wir nun bei einer Performance der Natürlichkeit und Fruchtbarkeit angekommen. Als Subtext schwingt bei dieser Bewertung eine gesellschaftliche Angst mit, die Angst vor der Selbstbestimmung. Vor Frauen, die irgendwann gar keine Kinder mehr bekommen oder Kinder ganz ohne Männer bekommen, nur mithilfe von Petrischalen. Um diese Kinder dann allein aufziehen, womöglich sogar selbstgewählt oder mit anderen Frauen. Diese Angst verhandelt eine Überhöhung  der Schwangerschaft. Frauen wissen heute selbst oft nicht, ob sie Lust auf die Mutterrolle haben. Lohnt sich der Aufwand und die Einschränkungen (Zeit, Geld, Körper, Lebensstil), die man erfährt? Ist es die ultimative Erfüllung der eigenen Biografie, ein Kind zu bekommen? Der gesellschaftliche Diskurs macht diese Diskussion mit und stellt uns verschiedene Bilder vor, um sich dann klar für eines zu entscheiden.

Es ist genau diese Art von Schwanger- und Mutterschaft, in die sich auch Beyoncé mit ihren Portraits einordnet. Es ist eine natürliche, äußerst konservative Fruchtbarkeitsperformance, die sie aufführt. Das Zitat von ihrer Webseite, von der Mutter als schützendem Kokon, als Bollwerk gegen die Welt, fügt sich ebenso ein, wie die Anlehnungen, die sie an Gemälden wie Botticellis Venus nimmt. Auch in diesem Renaissanceklassiker ist Fruchtbarkeit eine Tugend, mit einer moralischen Komponente. Die Frau ist idealisierte Lebensspenderin. Sie zeigt keine Stärke in Schwangerschaft und Geburt, sie ist grazil, feingliedrig und feinfühlig. Sie ist unschuldig, natürlich und unberührt, ein Idealbilder, das Schönheit, Fruchtbarkeit und Tugend verbindet. Passend dazu beschwört Beyoncé angesichts immer wiederkehrender Trennungsgerüchte auf ihrer Webseite auch die Liebe zum Ehemann und ihrer wachsenden Kleinfamilie.

Man kann es gut finden oder nicht, dass Demi Moore Anfang der 90er mit ihrem nackten Bauch  den schwangernen Frauen die Hypothek der Sexyness mitgab. Mit Beyoncés Bildern werden die  prominenten Bäuche aber nicht in die feministische Selbstbestimmung weiter getragen. Ihre Selbstinszenierung führt uns stattdessen hinein in ein ziemlich konservatives Frauen- und Mutterideal, das die eigene Fruchtbarkeit als ultimative Eigenschaft des Selbst feiert. Die Stärke des weiblichen Körpers in dieser Lebensphase verpufft, wenn sie nur mit Natürlichkeit und ästhetisierter Reinheit zusammen inszeniert wird. Und das nervt.

Foto: Instagram

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16 Kommentare

  1. Oh, da dacht ich doch zunächst, das sei ein Trauergebinde im Eingangsbild….

    Danke auch sonst für diesen, wie immer wunderbaren, Text.

  2. Ich habe Beyonces Performance eher aus einer anderen politischen Richtung gesehen: In einer Zeit, in der es für Minderheiten in Amerika nicht gut aussieht und President Trump auch zum Black History Month (Februar) nicht wirklich etwas Produktives beigetragen hat, stellt sie gerade zu Beginn dieses Monats ihre Schwangerschaftsfotos online. Und das alles anlehnend an eine Ästhetik, die ursprünglich (etwa die Geburt der Venus) von weißen Frauen dargestellt worden ist. Beyonce war auch mit ihrem letzten Album politischer las bisher und hat sich auch klar pro Black Lives Matter positioniert.

    Aber das ist nur mein Blick auf die Bilder. Deinen finde ich aber auch sehr spannend und muss darüber noch nachdenken. Aber wie immer: Ein sehr schöner Text!

    • Ja, das ist vermintes Gelände nicht? Welche Diskriminierungsform wiegt stärker, kommentiert Beyonce als superreicher Megastar speziell die Situation der schwarzen Frauen? Ich fand es vor allem interessant, dass ich nur einen Kommentar zu ihren Bildern gefunden habe, der das zum Thema macht und 20, die sie nur als Schwangerne sehen. Klar, kann man sagen, genau da liegt das Problem, eigentliche Bedeutung ihrer Aktion nicht erkannt. Ich glaube aber, dass sie sie eben daneben noch eine Sichtweise anbietet, die bewusst oder unbewusst sehr konservative Ideen von Mutterschaft benutzt und dass diese dann, weil sie zum allgemeinen Ton passt, lieber genommen wird. Insofern stehen unsere beiden Interpretationen problemlos nebeneinander, welche eher rezipiert wird, ist eben interessant.

  3. „Mit Beyoncés Bildern werden die prominenten Bäuche aber nicht in die feministische Selbstbestimmung weiter getragen. Ihre Selbstinszenierung führt uns stattdessen hinein in ein ziemlich konservatives Frauen- und Mutterideal, das die eigene Fruchtbarkeit als ultimative Eigenschaft des Selbst feiert. Die Stärke des weiblichen Körpers in dieser Lebensphase verpufft, wenn sie nur mit Natürlichkeit und ästhetisierter Reinheit zusammen inszeniert wird. Und das nervt.“

    Lustig, ne. Da ist eine Frau so mächtig, dass sie ihr Schwangerschaftsbild selbst inszenieren kann und, nehme ich an, das so tut wie sie’s haben will. Ist ja eigentlich der Wunschtraum aller Feministinnen, oder? Und was tut sie? Geht her und macht ihre Selbstinszenierung so, wie sie sie für richtig hält. Und soll dann irgendwie unfeministisch und nicht selbstbesimmt sein.
    ….nein, so geht das nicht. Feminismus muss Frauen zugestehen, sich selbst so darzustellen, wie sie das wollen: ob als queere Transmutter im Holzfällerhemd oder als geschmacklose Marienstatue auf einem roten Auto. Das eine bejubeln und das andere ablehnen ist nicht. Frauen sind vielfältig, ihre Meinungen und Haltungen sind vielfältig, und es steht Feministinnen schlecht zu Gesicht, hier „extreme vetting“ zu betreiben und Frauen Meinung nur zuzugestehen, wenn sie zum jeweiligen Feminismus passt.

    NB: weniger überhöht: ich würde als Star auch keine Schwangerschaftsbilder veröffentlichen, auf denen ich Cellulitis und Schwangerschaftsstreifen zur Schau trage. Die Frau lebt u.a. davon, ganz gut auszusehen, die wird sich nicht freiwillig aus politischen Gründen die Geschäftsgrundlage ruinieren.

    • Ich glaube, du hast den Text ein bisschen zu flüchtig gelesen. Genau das habe ich geschrieben, dass es verständlich ist, wenn man auf Bauchbildern attraktiv aussehen will, machen Millionen anderer Frauen auch. Auch Kritik muss nebenbei bemerkt immer möglich sein, sonst bekommen wir Stillstand. Darüber hinaus kritisiere ich nicht Beyonce als Person oder ihren Feminismus, sondern die Art, wie ihre bewusst gewählte Darstellung zu einer zunehmend medial und gesellschaftlich befeuerten Sichtweise auf Schwangerschaft passt, die „selbstbestimmt“ sagt und „konservativ“ meint. Und wie Kommentatoren sie automatisch als feministisch wahrnehmen ohne weiter hin zu schauen.

      • Tut mir leid, wenn ich Dich mißverstanden habe.

        Ich nehme dieses „selbstbestimmt“ = „konservativ“ so nicht wahr. Was ich wahrnehme, ist, dass „selbstbestimmt“ gern von und für Frauen verwendet wird, die sich dem „sex sells“-Diktat auf jeder Ebene unterwerfen. Die Pornoästhetik – und die wird von Konservativen, wie ich sie kenne, nicht goutiert -, die dann als „ich mache das nuuuuuur für miiich und mein Selbstbewußtsein“ verkauft wird. (Neeeee, ist klar.) Eifrig befeuert von Medien aller Coleur.
        Das halte ich für das viel größere Poblem.

  4. Merle sagt

    Wirklich guter Text! Wer sagt „Jede so, wie sie will.“ nimmt übrigens an, dass immer alles von der Person komplett durchdacht wurde und alles bewusst ist. Das ist es aber in den meisten Fällen nicht und deshalb finde ich den text gut, denn gerade bei Themen, die so vorbelastet sind in der öffentlichen Wahrnehmung, wie eben wie wir uns als Schwangerne verhalten und darstellen, ist es ganz wichtig, sich zu fragen, ob es für einen selbst passt. Ich gehe bei Beyoncé aber noch einen Schritt weiter und glaube, dass sie als reicher Megastar alles perfekt haben will in der Außenwahrnehmung. Und dazu gehört erst recht die perfekte, kleine Familie. Das ist dann keine Frage von „Ich bin so, wie ich will.“, sondern genau das, was Corinne schreibt, eine Inszenierung. Und wer dann viele Dinge, die man als Sängerin in der Popkultur tut, in der letzten Zeit als politische Statements auflädt, muss damit leben, dass man dann kritisiert wird.

    • Naja, stars LEBEN von der Selbstinszenierung. Es ist ihr Job, eine glamouröse Projektionsfläche für ihr Publikum abzugeben. Dass sie sich nicht in Schlappen und mit ausgebeultem Nachthemd vor dem Kühlschrank abbilden lässt (gerne noch mit ein paar Krampfadern garniert), ist ja nicht unlogisch. Nur sollte das dem geneigtem Publikum halt auch klar sein, dass eine Beyonce nicht slice of life Journalismus betreibt.

  5. Pingback: Wir sind nicht Beyoncé – aufZehenspitzen

  6. Naja. Die eine Sache ist die, dass sich B. wie die meisten anderen Mütter eben auch auf ihre Kinder freuen wird und eine stolze Schwangere ist.
    Die andere Seite ist, was du auch kritisierst. Diese überhöhte Schwangerschaftspräsenz einer überhöhten Künstlerin …
    Ehrlich: Meinen Schwangerschaftsbauch (oder -bäuche) hätte keiner fotografieren wollen – egal in welchem Monat. Ich freue mich aber für all die prominenten Frauen, die so schön schwanger sind, dass man mit Photoshop dann gar nicht mehr so viel Arbeit hat. Wie Beyonce.
    LG
    Sabienes

  7. anna sagt

    Liebe Corinne,
    Du bist irritiert darüber, dass B. trotz Macht und Geld nicht selbstbestimmt/er mit ihrer Schwangerschaft umgeht. Ich denke, gerade Schwangerschaft sowie Gebären eignen sich nicht dafür den Emanzipationgrad einer Frau zu beurteilen, schon allein weil beide Ereignisse bei Betroffenen in vollkommen gegenteiligen Emotionen münden können. So empfindet die ein oder andere ihre Schwangerschaft und Gebären eben nicht als Teil ihres selbstbestimmten Lebens (da helfen übrigens weder Macht noch Geld) sondern vielmehr als Langzeitpause von selbigen und dies vollkommen unabhängig, ob der Schwangerschaft eine selbstbestimmte Entscheidung für eben jene voranging. Meines Erachtens ist die von dir so genannte Überhöhung der Mutterschaft (wo liegt hier eigentlich das rechte Maß?) nichts anderes als der Versuch einen Umgang zur Bewältigung dieser Zeit der körperlichen Entfremdung und des völligen Ausgeliefert-seins gegenüber menschlicher RePRODUKTIONsvorgänge zu finden. In solchen Situationen sich einen gewissen schützenden Nutzen zuzuschreiben, halte ich nicht für konservativ. Was ich damit sagen will, diese Bilder stellen möglicherweise eher eine individuelle Bewältigungsstrategie dar, die einen völlig konträren Hintergrund aufweist als etwa die Aufforderung an das Kollektivobjekt Frau, sich der vermeintlichen Schönheit der Schwanger- und Mutterschaft bewusst zu werden.
    Bg. A.

    • Hey Anna, danke für deine sehr ausführliche Einschätzung. Sicher, Schwangerschaft und Mutterschaft sind Zeiten, die von Frauen sehr unterschiedlich wahrgenommen werden können und vielleicht ist es vermessen, hier zu bewerten. Wenn man es so sieht wie du, handelt es sich bei den Fotos um rein private „Äußerungen“. Leider finden sie aber in einem großen gesellschaftlichen Kontext statt, eben weil Beyoncé eine so öffentliche Person ist. Ich finde, man sieht an der medialen Rezeption der Fotos, dass sie hier einen Mutterschaftsdiskus mitbestimmt. Das heißt am Ende deutet sie etwas mit, dem z.B. auch ich als zweifache Mutter unterworfen bin. Ich kann mitgehen, dass Beyoncé das Ganze vielleicht nicht so intendiert hat, aber bleibe trotzdem dabei, dass es mich nervt, dass sie hier ein Interpretationsangebot macht, was keine wirklich neuen Perspektiven auf Mutterschaft eröffnet, sondern nur ziemlich alte, konservative Muster bedient. Lieben Gruß, Corinne

  8. a girl has no Name sagt

    Eyo,

    ich habe mir die Kommentare nicht durchgelesen, daher kanns gut sein, dass meine Frage schon gestellt wurde. Meine Auffassung dieser Bilder scheint n bisschen anders zu sein, als deine. Beyonce ist eine Schwarze Frau. Ja, sie ist able bodied, cis Frau und so und einfach mies privilegiert aber es ist auch echt nicht so lange her, dass großteile z.B. afroamerikanischer Generationen zwangssterilisiert, massivst unterdrückt, und schlicht ermordet wurden. Daher finde ich es nicht so angemessen die Fotos mit Magazincovern von irgendwelchen Beckis zu vergleichen. Watt meinst du dazu? ich fand den Artikel btw echt lehrend auf weiß-feministischer Basis und freu mich eh über jede Berichterstattung über die Queen 🙂

    • Kenne deine Kritik natürlich, sie ist bei solchen Texten ja erwartbar und sie wurde auch schon geäußert. Wie ich geschrieben habe, wenn Beyonce eine Interpretationsmöglichkeit für das Muttersein anbietet, die konservativ ist und breit medial rezipiert wird, dann
      beeinflusst sie den Diskurs, dem ich unterworfen bin. Das nervt und ich erlaube mir das im Text losgelöst von anderen Diskriminierungsformen anzusprechen (darf man nicht, ist mir klar.) Viele Grüße, deine weiße Feministin mit den guten Haaren

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