Beauty & Banales, Schönes & Banales
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„Ruft er an? Noch ist nicht aller Tage Abend.“ – Dating für die moderne Frau

Die Zeiten im Printjournalismus sind schlecht. Bei BRIGITTE haben sie kaum noch festangestellte RedakteurInnen, Dr. Sommer wurde entlassen & die Psychotests bei JOLIE machen jetzt dressierte Affen. Die haben sich heute noch vor dem ersten Kaffee Gedanken zur Frage aller Fragen der weiblichen Existenz gemacht: Wird er anrufen? Bevor wir zum Inhalt dieser tiefenpsychologischen Analyse kommen, soll noch kurz angemerkt werden. Die Zielgruppe der JOLIE sind laut Selbstauskunft Frauen zwischen 20 und 39 Jahren, natürlich, selbstbewusst, offen, neugierig, mit eigener Meinung.


Bebildert wird der Test mit einer traurig auf das Telefon blickenden Frau. Telefon & Interieur lassen darauf schließen, dass sie schon eine Weile (lies: seit den 80ern) das Haus nicht verlassen hat. Vermutlich wurde sie nicht oft von jungen Männern eingeladen.Bildschirmfoto 2015-01-02 um 21.31.05Man kann JOLIE dafür dankbar sein, dass sie wie in den 50ern die gute alte Art der Partnersuche befürwortet. Solche Menschen soll es geben. Vermutlich sind es die Gleichen, die Sachen sagen wie: „Frauen, die sich sofort hingeben werden nicht geheiratet.“ (Ja, hingeben ist hier der Fachtermini). Bei JOLIE nennt man das abschleppen (fettgedruckt – Weil Promiskuität blind macht…wie Onanieren?). Schnell wird hinzugefügt: „Da wir emanzipiert sind, könnten wir auch selbst anrufen.“ Emanzipation macht aber weniger Spaß & ist vermutlich eine genauso freudlose Angelegenheit wie Feminismus (vgl. einschlägige Feuilletons). Viel lieber freuen wir uns an den Generalisierungen der schwarz-weiß-Welt der Frauenzeitschriften.

Und schon legt JOLIE mit der Erziehung los.

  • Frage 3: Ganz ehrlich: Haben Sie den Guten bislang nur zum Essen getroffen oder war da schon mehr? (Bähm. Hast du gedacht, er ruft dann noch an? Wach auf, Mädchen! Hier sei darauf hingewiesen, dass die Rolle, die Männer hier zugewiesen bekommen, nicht weniger dumm ist.)
  • 5. Frage:  Woran liegt es denn Ihrer Meinung nach, dass Sie derzeit keinen festen Freund haben? (Hier kann man wählen zwischen „mein Singleleben macht mir zuviel Spaß“ (Du Schl…. – siehe oben), „Ich verliebe mich immer in den Falschen.“ (Wenn JOLIE dein Männerbild prägt…) & „Ich trage mein Herz auf der Zunge & die Typen laufen weg.“ (Schätzchen, niemand will dich reden hören. Niemals.)
  • So wie bei Anti-Spam Captchas haben auch die JOLIE-Affen nun eine Frage eingebaut, um zu prüfen, ob echte Menschen mit ausreichender Gehirnleistung den Test machen. Frage 6 lautet also: Welcher Tag ist heute? (Varianten: Freitag oder Samstag, 5-7 Tag nach dem Date, 2-4 Tage nach dem Date).
  • Frage 7 fragt DEN wichtigsten Parameter ab: Hat er Ihnen während des letzten Treffens mal ein Kompliment gemacht? (Varianten: „Hin & wieder“ (Gib dir mehr Mühe. Du bist bestimmt auch so eine, die sich morgens nicht schminkt, bevor der One-Night-Stand aufwacht), „Ja, ständig“ (Nun können wir nur hoffen, dass du ihn nicht abgeschleppt hast!) & „Nichts dergleichen. Ich hätte mir die Styling-Arie sparen können.“ (War bestimmt der falsche Lippenstift.)

Die Auflösung – Trommelwirbel – klärt alle noch offenen Fragen. Wie nett, dass man auch alle anderen Auflösungen sehen kann. Über die Schaltfläche Willst du dich nochmal testen? kann man so alles Züchtige nochmals durch klicken & landet endlich bei: „Na logo, ruft er an.“ Hoffnung haben ebenfalls noch die, die den Mann vielleicht nur ein bisschen „überrumpelt“ haben (wieder fett – steht vermutlich für einen Zungenkuss im Gegensatz zu „abgeschleppt“ = Verlust der Jungfräulichkeit). Ebenso wird die wissenschaftliche Erklärung zur Tagesfrage geliefert. (Die meisten Männer warten 2 bis 4 Tage & melden sich nicht am Wochenende, weil sie beschäftigt erscheinen wollen. Aha.)

Richtig verloren hat die 3. Gruppe. (Aber es liegt nicht an dir, „Männer haben Angst vor Verbindlichkeiten.“)

Bildschirmfoto 2015-01-02 um 21.50.55

Puh…Ich würde ja sagen, wenn eine Beziehung, bevor sie losgeht, mehr schriftlicher Anleitung bedarf (Wie viele Tage warten jetzt nochmal?) als der Aufbau eines Billie-Regals, läuft irgendwas schief. Aber was weiß ich schon. Gut, ich weiß Dating-Etiquette kann schwierig sein. Bis zu einem bestimmten Alter darf man unabhängig-ungebunden sein, aber irgendwann macht sich selbst DIE ZEIT Sorgen.

Wir leben in einer Welt, in der die Klatschpresse gern Augenringe von Frischverlassenen fotografiert (& die ehemaligen männlichen Partner mit Strippern in Vegas). Ja, es ist nicht einfach dem Horrorbild der traurigen Singlefrau zu entgehen. Ihr wisst schon – den Massagestab in der Hand & das Single-Mikrowellendinner vor sich weinend vorm Fernseher (Davon wird sie dann fett & noch unglücklicher. Ein Teufelskreis.) Aber der einzige Grund, wieso man sich blöd vorkommt, ist die Anzahl der sinnlosen Regeln, die verbreitet werden. Deshalb, Regel Nr. 1: Es gibt keine Regeln. Wer wählen geht, Einkommenssteuer zahlt & rückwärts einparkt, darf bezahlen, ohne Beautybehandlung andere Menschen treffen sowie abschleppen & überrumpeln wie es einem gefällt. Sogar anrufen. Auch vorbeigehen. Oder eine Brieftaube schicken.

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25 Kommentare

  1. Ähm ja …
    Du hattest mir ja quasi den Blankoscheck in die Hand gedrückt, vermutlich krame ich jetzt ganz olle Kamellen hervor und sprenge dein Kommentarlimit. Aber olle Kamellen magst du ja, siehe den unglaublich nützlichen Test in der Weiblichkeitsfachzeitschrift.

    Als ich so um die 14 war, hatte ich das erste Mal etwas anderes als die Brigitte in der Hand und kam mir unglaublich verrucht vor – es war die Cosmo oder die Petra, also eine der beiden Zeitschriften, die damals so um ’82 herum Emanzipation mit „Hol dir Sex, wann und wo immer du willst!“ gleichsetzten. Sozusagen SatC’s Samantha in Tinte. Natürlich sah das nur für mich so aus; im Endeffekt lief es eher darauf hinaus: „Gib IHM Sex, wann immer es geht!“
    Sprich: worauf steht, was macht ihn scharf, wie bekomme ich ihn dazu, noch mehr zu wollen, wie behalte ich ihn ganz, wie mäste ich ihn am leckersten, damit ihn dann auch keine andere mehr will und wie mache ich ihn eifersüchtig? Entscheidend für ein glückliches Leben offenbar.
    Bis Mitte meiner 20er habe ich wohl so ziemliche jede Fachzeitschrift jeden Monat durchgelesen – Da gab es durchaus auch mal spannendes, nützliches, progressives, es wagte gar mal eine Zeitschrift, darauf hinzuweisen, dass Frauen mehr auf sich selbst hören sollten und nicht ihr Leben auf ein vermeinlichtes Traumziel namens der perfeke Mann ausrichten sollten. Wenn ich mich recht erinnere, war das eine Zeitschrift, die mir richtig gut gefiel, die ganz andere Models, ganz andere Rezepte, ganz andere Ideen hatte – viel entspannter, weniger oberlehrerhaft als die Brigitte, viel weniger geil und männerorientiert als Cosmo und Petra, weniger madamig und pseudoelitär als Vogue und (hahaha) Madame – eben irgendwie selbstbewußter. An den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber sie wurde nach vier Ausgaben eingestellt.
    Von da durfte ich mir alle zwei Monate erklären lassen, was ich denn nun wohl wieder falsch gemacht haben mochte – ja, ich musste mir regelmäig sagen lassen, dass ich ganz und gar nicht ein Single aus Überzeugung sei, sondern in Wirklichkeit viel zu verzweifelt und mit den falschen Mitteln (siehe Schlampengefahr) nach dem einzig Wahren suchen würde. Ich hatte Katzen, also hatten die Zeitschriften sicherlich recht. Und dazu wurde mir klar, dass wenn ich schon als Schlampe unterwegs sein müsse, dann doch bitte richtig – denn hätte ich dabei auf die Bedürfnisse meiner Opfer mehr Rücksicht genommen und meine eigenen Vorstellungen beiseite gestellt, dann hätte doch wenigstens einer bei mir kleben bleiben müssen. Dringend wurde mir empfohlen an meiner Handfertigkeit in Küche und Bett zu arbeiten, mich ein wenig mehr aufzubretzeln, dabei züchtig zu bleiben und niemals zu klammern; am besten, man zeigt als Frau sowieso keine Gefühle. Also zumindest keine, die man wirklich empfindet – DAS ist immer besser.

    Wie gesagt, das ist jetzt – grob geschätzt – schon ein oder zwei Jahre her. Achwas, sind wir ehrlich, das ist 22 Jahre her und da lese ich nun deinen Beitrag und frage mich: Ja, sind wir denn wirklich noch kein bißchen weiter? Wollen (ältere) Frauen (junge) Frauen unbdingt in dieselbe Idiotenspirale zwängen, aus denen sie offenbar selbst noch nicht ausgebrochen sind? Lebt das 50er-Bild von der heiratswütigen Frau und dem bindungsscheuen Junggesellen denn immer noch fort? Gut, in den letzten zwei drei Jahrzehnten haben wir natülich alles andere geschafft, für das man sich in den 80er engagiert hatte: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, den Atomausstieg, den Weltfrieden, verbesserter Lebensstandard der dritten Welt und alle Nazis ausgerottet …

    Ironie aus, ich habe in meiner langen Datingzeit größtenteils Männer kennengelernt, die heiraten und Familien gründen wollten (mitunter sogar mit mir, was ja gar nicht hätte sein dürfen) und hatte Freundinnen, die allesamt äußerst bildungsscheu à la carte lebten – weshalb hat sich dieses zementierte Klischee nicht schon längst zerschlagen lassen?

    Du siehst, ich nutze den Platz hier wieder einmal schamlos aus, um vom Hölzchen aufs Stöckchen zu hüpfen. Stoppe mich, little sister 😀

    • Ich freue mich, dass du wieder da bist! Habe lustiger weise tatsächlich schon eine Weile einen Post bei meinen Entwürfen, der da heißt „Dinge & Plätze mit/an denen man keinen Sex haben sollte, egal was die Cosmopolitan sagt“. Werde ich bald mal schreiben. Die Cosmo macht gerade in den USA einen Wandel durch. Sie haben sogar Autorinnen von feministischen Blogs angestellt. In Deutschland kann ich da noch nichts bemerken, obwohl man der Cosmo zugestehen muss, dass sie sich selbst manchmal nicht ganz so ernst nimmt. Am schlimmsten treiben es aber tatsächlich Magazine wie JOLIE oder die ganze Klatschfraktion um InTouch usw. – zumindest habe ich den Eindruck. Das Traurige daran ist, dass die noch gar nicht so lange auf dem Markt sind. Scheinbar gibt es ein Publikum, das danach dürstet. Was ich Frauen nie vorwerfen würde, wenn man sie von klein auf auf diese Dinge trimmt & sie es irgendwann zu ihrem Mantra machen.

      • Ja, all diese nicht unterscheidbaren Blättchen wie Jolie, Glamour und noch so’n Ding scheinen mit größtem Ernst Lippenstiftfarben zu diskutieren, was mir absolut unverständlich ist – und dabei wollen wir mal nicht vergessen, dass ich ja in urfeministischen Augen so etwas wie eine Sklaventreiberin der Patriarchats bin als eine, die Frauen „schön“ macht …

        Es ist schwierig, weil wir uns wieder einmal selbst eine Falle stellen: werden wir darauf getrimmt oder steckt es doch in uns? Wie es auch sein mag, wir geißeln uns dafür. Ich habe festgestellt, dass es für Frauen durchaus wichtig ist, attraktiv zu sein – unabhängig von ihrer Erziehung oder ihrer Werteskala. Wobei ich aus eigener Erfahrung behaupten würde:
        Es ist Frauen deshalb wichtig, weil es eine Verbindung zwischen Seele, Hirn und Körper herstellt. Kluge Frauen wollen alles gleichermaßen pflegen und ein attraktives Spiegelbild beweist ihnen, dass sie damit richtig liegen. Der alte banale Spruch, dass Frauen sich für sich selbst schön machen, stimmt zu großen Teilen. Und wenn nun Zeitschriften dieses eine Bedürfnis auf körperlicher Hinsicht stillen wollen, dann greift frau zu – und liest auch all den anderen Mist. Und jetzt stellen wir uns eben das Mädel vor, das sehr formbar ist und den eigenen Ideen nicht traut – ja, die wird sicherlich durch dieses Geschreibsel mit geformt. Aber kennen wir nicht beide viel mehr Frauen, die derlei Artikel nur mit einer Mischung aus Humor, Ironie, Ärger und Überlegenheit lesen können?

        Ach, ich bin aus dem Ruder gelaufen – worauf ich hinaus wollte: ein gewißes Bedürfnis nach schmückendem Beiwerk, eigener „Schönheit“ und seichter Unterhaltung liegt uns gewiß und dazu kann man auch stehen, ohne gleich Antifeministin zu sein. Aber diese Festlegung auf nur diese Dinge durch Medien, die sich bei uns so von der Seite her einschleimen wollen – ätzend, grundfalsch und für manche auch gefährlich.
        Wäre doch mal ne Doku wert: wo stehe ich nach einem Jahr, wenn ich alle Ratschläger dieser Magazine befolge??? Aber wer opfert sich schon freiwillig 😀

        • Es gab diesen Jahr einen schönen Artikel bei Jezebel, wo jemand versucht hat, eine Woche nach der Ernährungsphilosophie von Gwyneth Paltrow zu leben. Das ging schon schief. Ansonsten bin ich ganz bei dir. Ich tippe mit lackierten Fingernägeln & würde mal eine steile These wagen: Jeder ist gern attraktiv – Männer wie Frauen. Bei einer Gruppe ist nur die Wertigkeit höher.

          • Wahrscheinlich darf man da ausnahmsweise doch mal alle möglichen Steinzeittheorien auswählen:
            Attraktivität im Sinne von Gesundheit, Jugend, Frische entschied über Fortpflanzung oder aussterben. Wenn ich auch heute keinen roten Lippenstift auflege, um alle Männchen anzulocken, so hat unser Sinn für Ästhetik sicherlich dort seine Wurzeln und lässt sich deshalb auch nicht so einfach mit Wissen um die Mechanismen umschiffen.
            Letzten Endes geht es mir in meinem Job beispielsweise darum, dass Frauen sich (banal, verzeih) „in ihrer Haut wohlfühlen“ – wenn du nicht mehr ständig darüber grübelst, ob du wohl nicht zu schlimm aussiehst, um das Haus verlassen zu dürfen, kannst du dich auf das konzentrieren, was dich eben auch ausmacht: deine Persönlichkeit. Aber das würde nun wirklich zu weit führen, all die Geschichten von Frauen, die enorme Wandlungen durchmachten, nur weil sie sich zum ersten Mal als attraktiv wahrgenommen hatten 😀

  2. Habe nicht nur einmal schmunzeln müssen und deinen Beitrag gleich an zwei Freundinnen weitergeleitet. Schlimm, dass sich seit 30 Jahren nichts an vielen Frauenzeitschrift-Ratschlägen geändert hat.

    Heute erst habe ich im Gratisblatt Maxima (wurde mir in der Drogerie meines Vertrauens mitgegeben – damit ich mich auch gleich schön machen kann) einen Artikel über Fehler bei ersten Dates gelesen. Aus der Perspektive eines Mannes. Muss ich bei Zeiten mal dekonstruieren.

  3. es ist ja gar nicht mal so unaufrichtig, dass eine frauenzeitschrift dazu gratuliert, einen mann gefunden zu haben, der nicht auf männerzeitschriften hört (1.). und zwar einer frau, die scheinbar gerade dabei ist, auf eine frauenzeitschrift zu hören.

    was mich aber viel mehr verstört: man telefoniert heutzutage noch? und man wartet 2-4 tage? man ist ohne kommunikation und zwar auch in einem alter von 20? das kann ich mir bei 39 ja schon schwer vorstellen…

    mfg
    mh

    • Ein berechtigter Einwand, der wahrscheinlich dafür spricht, dass der Text entweder mitsamt Foto aus dem Archiv geholt wurde oder es sich hier doch um Satire handelt.

      • Ich denke, das Wort Satire ist in den Redaktionen nicht bekannt – sowas verkauft sich so schlecht und kann sogar mißverstanden werden.

        Achso, um das Problem einmal aufzulösen: ich habe nach Dates immer wieder festgestellt, dass die Jungs nach drei Tagen anriefen – was ich ziemlich ätzend fand. Rief ich vorher an, wurde ich abgewimmelt (vielleicht gibt es da auch eine Regel?), nur um dann einen Tag später von ihm antelefoniert zu werden – das löste bei mir den Eindruck von Jekyll und Hyde aus – sehr ungünstiger Eindruck, wenn man sich vor Psychopathen in Deckung zu bringen gedenkt.

        Ich habe dann denjenigen, die mir gut gefielen, im Laufes des ersten Dates mitgeteilt, dass ich es bevorzuge, am nächsten Tag angerufen zu werden, falls man mich wieder sehen wollte. Manche riefen daraufhin noch in den nächsten Stunden an, andere am nächsten Tag und der Rest nie. Hat sich also bewährt und keiner verlor sein Gesicht, weil irgendwelche Regeln nicht befolgt wurden. 😀

        • seit ich dates offiziell aus meinem leben verbannt habe und mich nur noch mit menschen treffe, die mich außerhalb dieser regularien und absichten interessieren, ist mein leben viel entspannter und angenehmer geworden.

          man kann ja gar nicht so viel per kommunikation auflösen, wie hier regelwerke formuliert wurden. o_O zumal sich aus der auflösung dieser regeln auch nur wieder regeln ergeben.

          ich bin mir recht sicher, dass das keine satire ist. die meinen das alle ernst. aber wenn ihr hier schon so schön am erzählen seid… warum lest ihr den kram?

          mfg
          mh

          • Weil es Spaß macht. Weil es kein Verlust ist, wenn es beim Baden nass wird. Weil man sich darüber aufregen kann. Weil man wissen will, ob die Welt sich verändert hat. Weil man eigentlich das Racletterezept haben wollte und den Rest nicht verkommen lassen will. Weil Leser immer lesen, notfalls den Aufdruck auf der Margarineverpackung.

          • „Satire“ sollte ironisch sein. Ich klicke nur noch sporadisch, weil sich immer schön Blogfutter finden lässt .-). Sonst versuche ich mich davon fern zu halten, weil ich überzeugt bin, dass es Spuren hinterlässt. Man kann noch so viel ironische Distanz haben, wenn man so ein Magazin zuklappt, fühlt man sich nicht besser als vorher sondern hat nur Futter zur Eigenkritik gesammelt.

  4. Was ich daran so fürchterlich finde ist, dass solche Zeitschriften immer noch so tun, als hätten wir Frauen hauptberuflich mit dem Warten auf Männer beschäftigt zu sein. Es geht immerzu darum, Männer nicht zu verschrecken, sie anzulocken, die richtigen Knöpfe zu drücken und sie zum gewünschten Verhalten zu manipulieren. Und wenn es schiefgeht, sich wieder aufzurappeln und dieselben Methoden beim nächsten Mann auszuprobieren, der dann aber auch endlich hoffentlich der „Richtige“ ist. Alles richtet sich auf „Ihn“ aus.

    Dabei ist die Welt da draußen. Es gibt so viel zu sehen, zu machen, neu zu denken und auszuprobieren, so viele Probleme und Ideen, mit denen man sich auseinandersetzen kann, so viele Wege, die man gehen kann. Ich halte es für so wichtig, dass Frauen ihr eigenes Leben leben. Aber Anleitungen zum Abenteuer-Erleben bringen solche Zeitschriften irgendwie nie. Statt dessen sollen wir im Stübchen hocken bleiben, hoffen und bangen und unser ganzes Sein von subtilen Gefühlsäußerungen anderer Menschen abhängig machen? Echt jetzt? Da verpasst man doch sein Leben.

  5. Blogfutter ist gut. Und mit der auf Dauer fehlenden Distanz hast du komplett recht. Deshalb hörte ich mit Mitte 20 auf, das Zeug ständig zu lesen – heute lese ich es, wenn ich krank bin 😀

      • Oh, ich hoffe, wir haben das jetzt nicht entmystifiziert. Aber ich würde schon ein wenig an meinem Geisteszustand zweifeln, wenn ich mich über etwas ärgere & trotzdem nicht aufhöre, mich dem auszusetzen. Das ist quasi mein Beitrag zur kritischen Medienanalyse. Ich freue mich dann immer sehr, wenn ich in den Googlesuchen zu „Wie trinke ich sexy?“ auftauche & man bei mir landet.

        • Off topic!
          Bei mir landete man heute mit diesen Suchworten:
          Hand unterm Rock – ja, ähm, wieder einmal freue ich mich über das dumme Gesicht, dass der Sucher gemacht haben muss.
          Aber total überfordert bin ich hiermit: mumo sagen bugil.

          @Marco: Ich weiß nicht, ob und wieviele Frauen es gibt, die das ernsthaft lesen. Aber ich habe im Gegenzug nie angenommen, dass es Männer gibt, die ernsthaft Men’s Health lesen und die dortigen Tipps befolgen. Falls doch – ich glaube, das möchte ich nicht wissen! Das wäre genauso wie glauben, dass Pornos echten Sex zeigen, der Frauen glücklich macht 😀

          • über google könnte ich da die suche nach einem video mit sengen statt sagen herleiten. vermutlich stimmt das, weil es sich um ein pornoviech handelt.^^

            Nunja… bei männerzeitschriften, die ich nicht lese, weiß ich zumindest, dass männer die sie lesen, das tun, um den aktuellen lifestyle zu erfahren. sie kleiden sich dann auch entsprechend und versprechen sich davon vorteile für ihr fortkommen innerhalb der karriere.

            nur bei frauenzeitschriften … bei denen ist es wie mit der bild. keineR wills gewesen sein und man weiß nur von hoher männlicher leserschaft. was die sache mit dem portierten frauenbild noch abstruser macht.

  6. Ja, die habe ich auch gerade gegooglt, dann gab es wohl gerade zwei enttäuschte Liebessuchende, das nimmt mich mit.
    Klar werden Frauenzeitschriften gelesen, aber eben genauso wie man Junkfood zu sich nimmt. Ich denke, all diese Worthülsen und falschen Versprechungen auf den Covern sind selten der Grund für die Mitnahme – wen interessieren schon noch die Wunderdiäten, die Beziehungstipps und die Sommersalate? Aber irgendwie scheint das Leben leichter und schöner für das Viertelstündchen, in dem du das durchblätterst. Bis man an einer Idiotie hängen bleibt …
    Unter Umständen hat es auch damit etwas zu tun, dass wir nach wie vor in einer Männerwelt leben und frau sich über die eingeräumten Reservate nach einem miesen Tag in der Wildbahn freut. Oder freuen möchte.

    • ich glaube das nicht. nicht zuletzt wegen eine meines kleinen.. nunja, hobbys. ich schaue mir gelegentlich die youtube-videos von dieser dagibee, bibis beautypalace etc. an. (weil ich es verstehen will)

      und je professioneller die damen werden, desto mehr dreht sich da etwas. während es früher total egal war, ob man einem schönheitsideal entspricht, sogar immer wieder erzählt wurde, dass es ok ist, wenn die schenkel nicht aneinander liegen (dafür gibt es doch irgendein fachwort).. versucht man nun immer mehr den schönheitsidealen nachzueifern. da findet es die dagi sehr schwer, im winter eine diät zu machen. u.ä.

      das tauchte just in dem moment auf, in dem sie die modeindustrie als kunden für productplacement und ähnliches entdeckt hat. etwas weiter gefasst, in dem moment, in dem eine größere öffentlichkeit auf sie aufmerksam wurden. medienberichte etc.

      wo das endet, sehen wir in den usa. nur zeigt das leider auch, dass es einen starken bedarf nach solchen formaten und ansichten gibt, der sich nicht aus zeitschriften erzeugt. das scheint einfach vorhanden und selbstgewählt. und es passt sich ideologisch den geldgebern an, desto professioneller es wird. da die zielgruppe bei youtube momentan teenager sind.. werden die nun genau darauf konditioniert.

      wie stark dieser sog ist, sieht man vielleicht sogar noch besser an jenen, die sich dem bisher entzogen haben. missesvlog bspw. ist in der szene so eine art gegenpol. das normale mädchen von nebenan und trotzdem viele abos. sie scheint nun seit kurzem beschlossen zu haben, sich ebenfalls zu professionalisieren. also regelmäßige veröffentlichungen etc. und seitdem sie das tut… schminkt sie sich häufiger.

      • Das hast du sicher richtig beobachtet (obwohl ich youtube nicht so kenne), ich kenne diese Entwicklung bei diversen Modebloggerinnen (besonders was das Gewicht betrifft). Je kommerziell erfolgreicher man wird, desto mehr vergleicht man sich wahrscheinlich auch selbst mit kommerziellen Frauenbildern. Und letztendlich verkaufen die Firmen eben ein Ideal (das man am Besten nie erreicht). Aber Michous & deine Aussage widersprechen sich da für mich gar nicht. Es gibt sicher Frauen, die solche Magazine als kleine Flucht aus dem Alltag konsumieren, weil sie Glamour & eine simpel strukturierte Welt verkaufen (Ich bin übrigens der Meinung, dass auch gegendertes Spielzeug deshalb so gut funktioniert – weil es eine vermeintlich bekannte, weil stereotype, simple Welt verkauft).

        Schöne Diskussion auf jeden Fall. Vielen Dank euch beiden.

        • Ich denke, dieser Zwiespalt entsteht schlicht dadurch, dass auch die Gruppe Frau keine homogene Masse ist – es gibt eben solche und solche. Und noch ein paar andere.
          Immer aber scheint es so zu sein, dass es lautere und auffälligere gibt, die gar nicht die Mehrheit widerspiegeln. Wie beispielsweise die von dir, Marco, genannte Youtube-Damen. Die wiederum die gleiche Sorte Mädchen anzieht. Hat man nur einmal genügend Tschörmännis näxt Topfmodell geschaut, dann meint man glatt, jede Sechzehnjährige sieht ihren Lebenstraum darin, sich von alternden Schmierlappen hinsichtlich ihrer körperlichen Verwendbarkeit bewerten zu lassen. Schaue ich mich in meiner eigenen Blase um, dann kenne ich keine Freundes- oder Bekanntentochter, die auch nur an der Sendung geschweige denn an dem Beruf Interesse hätte. Ist aber eben keine Gruppe, die im Fernsehen auftaucht und schon fragen wir uns alle – also alle, die keinen echten Teeniemädels kennen – wieso die denn ALLE Model werden wollen?

          Genauso gibt es keine Youtuberin, die einen Kanal führt, in dem sie quasi nix zeigt. Würde ich – um Gottes willen, welch Horror – einen Videokanal bestücken wollen, so würde ich Frauen wohl zeigen mögen und wollen, wie sie ihre Haut in den Griff bekommen, aber eben auch klarmachen: das tut ihr, damit ihr euch darüber nicht dauernd einen Kopf machen müsst. Und würde dann für diesen tolle Bücher empfehlen wollen. Hätte ich dann eine große Schar um mich, die das alles ganz toll fänden, dann passierte womöglich das Gleiche, was ständig mit bzw. durch den Blog geschieht: Mails, in denen nach Kooperationen angefragt wird. Wäre das insgeheim mein Ziel gewesen – Geld verdienen mit bloggen/vloggen – dann sagte ich wohl ja und dürfte zusammen mit meiner Schar erleben, wie sich meine Botschaft langsam, aber sicher wandelt. Ohne, dass ich es mir wohl würde eingestehen wollen. Weshalb ich zu allen Angeboten konsequent nein sage. Nun bin ich aber auch schon unglaublich alt und mir ist mein eigen Ding wichtiger als scheinbarer Ruhm und Geld. Aber wahrgenommen werden andere.
          Hmm, ich habe mich mal wieder in neue Wege hineingeschrieben, die etwas zu weit von dem hinfort führen, worauf du hinaus wolltest.
          Ja, ich glaube fest, dass es eine große Anzahl von vor allem jungen Frauen gibt, die in ihrer Findungsphase nicht mehr von realen Freundinnen und Tanten und Müttern und Lehrerinnen beeinflußt werden oder gar durch gute Literatur, sondern die sich ihre Unsicherheit in bezug auf die eigene Bedeutung, Wertigkeit und Rolle von Bloggern, Vloggern und anderen scheinbar wichtigen Leuten nehmen lassen wollen: „Schau mal, diese Biggi ist kaum älter als ich, weiß, wie man sich schminkt und wie scheiße ich mich gerade fühle und alle finden die toll, so will ich in drei Wochen auch sein …“
          Wir haben uns in den letzten 15 Jahren etwa eine Welt erschaffen, die von Castingshows, falschen Brüsten, scheinbar schnellem Ruhm und billigem Tand nur so wimmelt, natürlich fallen junge Menschen darauf rein.

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