Feminismus & Weltverschwörung
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Putzen gegen Sex

Vor einer Weile startete das Sudelheft den Versuch nachzuvollziehen, ob Sex in Überschriften tatsächlich gaaanz viele Klicks nach sich zieht. Leider blieb sie bis heute die Auswertung schuldig. Weswegen ich heute meinen eigenen Testballon starte. Ihr habt aber Glück. Es folgen auch noch ein paar thematisch passende Ausführungen.

Jaja, das bisschen Haushalt. Erst vor einer Weile entspann sich im Mommybloggerkosmos eine Debatte darüber, ob Männer genetisch in der Lage sind, zu verrichtende Tätigkeiten im Haushalt zu erkennen (durch die Mammutjagd abgerichtete Fernaugen, die unmittelbar vor den Füßen liegenden Dreck nicht lokalisieren können und so) & deshalb ständigen Bettelns oder Nörgelns einer Anleitung durch die Frau bedürfen. Schöner als Mama notes kann man auf solch putzige Ideen nicht antworten, deshalb sei sie hier verlinkt. Persönlich freue ich mich regelmäßig über triumphierend emanzipatorisch gemeinte Äußerungen von Geschlechtsgenossinnen, dass sie zu Hause nicht putzten. Den Job macht nämlich die osteuropäische Perle. Und ich verstehe nie ganz, was an der Verschiebung von einer Frau auf die andere modern ist. 

Anfang März schaltete sich Sheryl Sandberg ein. In der NY Times versprach sie eine Anleitung wie Männer im Sitzungsraum UND im Schlafzimmer erfolgreich sein können. Da ist man natürlich erstmal irritiert. Weil beruflicher Erfolg bei Männern doch eigentlich immer mit ausreichender Potenz korreliert. Oder sollte uns die Werbeindustrie da etwas vormachen?

Aber hören wir Sheryl & ihren Co-Autor erstmal zu:

Couples who share chores equally have more sex. As the researchers Constance T. Gager and Scott T. Yabikuput it, men and women who work hard play hard. One of us, Sheryl, has advised men that if they want to do something nice for their partners, instead of buying flowers, they should do laundry. A man who heard this was asked by his wife one night to do a load of laundry. He picked up the basket and asked hopefully, “Is this Lean In laundry?” Choreplay is real.

Paare, die sich Hausarbeit aufteilen haben also mehr Sex. Statt Blumen mitzubringen, empfiehlt sich der Gang in den Wäschekeller. (Eine kurze Versicherung, ob sich die angestrebte Tätigkeit auch als transaktionswürdig erweist, wird empfohlen.)

Nun ist es nur legitim, dass Frauen von den Trillionen Orgasmen, die sie in den Jahrhunderten der alleinigen Putzarbeit erwirtschaftet haben, auch etwas abgeben. Gleichberechtigung, ihr versteht. Trotzdem bereitet mir diese praktische Idee des Textes ein wenig Bauchschmerzen.

Zunächst hätte ich in meiner Beziehung gern mehr zu bieten als meinen Unterleib. Nennt mich eine romantische Nostalgikerin, aber mein Partner könnte sich ja auch auf ein gutes Gespräch mit mir freuen – in der gewonnen Zeit.

Ich persönlich verlange auch gar nicht, dass Männer waschen & putzen. Ich verlange noch mehr. Dass sie putzen, weil es dreckig ist & die Wäsche machen, weil im Schrank gähnende Leere herrscht. So ganz ohne Anreizsystem. Ich glaube sogar, hört, hört, dass das mit den Männern zu machen wäre. Männer & Frauen müssen sich nämlich zusammentun. Weil es nur zusammen geht & beide davon profitieren. Übrigens genau die Aussage, der #LeanInTogether/Getting to 50/50 Kampagne von Sheryl Sandberg, die ich sonst großartig finde. Ein Besuch auf der Website lohnt sich. Gerade deshalb hat sie solche rückwärtsgewandten Zwinker-Zwinker Ideen eigentlich nicht nötig.

Das Problem ist, wenn wir diese Männer auf unserer Seite haben wollen, sollten wir sie nicht unterschätzen. Sex hat in meiner Welt eher wenig von einer Transaktion. Und gar nichts von Belohnung. Ich richte nämlich keinen Hund ab.

Foto: flickr – Sjoerd Lammers street photography – CC by 2.0

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8 Kommentare

  1. Der Denkfehler in Sandbergs Idee liegt meiner Meinung nach darin, dass sie den hausarbeitenden Mann nach wie vor als etwas Besonderes, als einen zu belohnenden Ausnahmefall hinstellt. Die Sphären sind noch immer klar, und der Mann übernimmt dann (gegen das unausgesprochene oder ausgesprochene Versprechen von Sex) die als usprünglich weiblich eingestufte Arbeit. Da das ganze einen solchen Ausnahmefall darstellt, turnt es uns angeblich auch noch irgendwie an… Ich musste den Begriff „choreplay“ erstmal nachschlagen. Wäre die gerechte Aufteilung aber normal, dann hätte Hausarbeit von Männern gar nicht den Charakter des angeblich so anregenden Außergewöhnlichen.

    Wir haben wohl noch einen weiten Weg vor uns. Wir richten wirklich keine Hunde ab. Männer auf Augenhöhe verstehen die Notwendigkeit von Hausarbeit und die Tatsache, dass sie für uns Frauen ebenso unangenehm ist wie für sie als Männer.

    • Das hast du leider recht. (Nebenbei „choreplay“ ist echt ein fieses Wortspiel…) Ich fürchte nur, dass die Realität tatsächlich oft so aussieht, dass Hausarbeit als Frauenarbeit wahrgenommen wird (zumindest die Organisation dieser z.B. das Bestellen der Putzfrau). Auch bei beide-60h-in der Woche-Pärchen erlebe ich das.

      • Ja, das ist leider wahr. Blöderweise perpetuiert sich das ja auch, sprich, wenn diese Rolle konstant von den Frauen so erfüllt wird, werden nur sie als zuständig wahrgenommen, und wenn nur sie als zuständig wahrgenommen werden, erfüllt halt auch sonst keiner die Rolle.

        Daher halte ich auch das Liegenlassen von Hausarbeit, so schwer es mancher fallen mag, immer noch für die klügere Methode, als den Mann aktiv zu beauftragen oder gar irgendwann dann doch genervt alles selber zu machen. Wenn man einen Mann hat, der die Notwendigkeiten so gar nicht sieht, sollte man sich ohnehin fragen, ob man mit der dahintersteckenden Haltung klarkommt.

  2. … ich bin mal wieder glücklich über meinen Mann daheim, der absolut selbständig Hausarbeiten verrichtet, in der Regel sogar mehr als ich…da bin dann wohl ich der Mann daheim 😀 auch wenn wir berufliche absolute Klischees treffen. Hoffen wir, dass es so bleibt und in dem Fall ich ein etwas besseres Auge für Haushaltsdinge bekomme.
    Grüße vom Zwerg

    • Nun kritisieren ja viele, wenn man Männer für Dinge lobt, die Frauen sonst selbstverständlich erledigen. Aber Lob für deinen Mann! 🙂 Sheryl Sandberg hat ja auch gesagt, eine der wichtigsten Karriereentscheidungen ist die Wahl des richtigen Partners…

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